Erfindung des Schmidt Cassegrain Teleskops

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Telescopia

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Hallo Leute,

Hier nebenan unter dem Thema 'Schmidt Newtons' (http://forum.astronomie.de/phpapps/....php/topics/861268/Schmidt_Newtons#Post861268) kamen wir vom Thema ab wer der Erfinder des SCT ist/war.

Auf meine Frage im Bericht 861956 wo Peter poniert hatte das der Wright dazu gefürhrt hat das das Schmidt Cassegrain Teleskop erfunden wurde von Baker, siehe Bericht 861975.
Da wurde ich neugierig, denn den Zusammenhang hatte ich nie gemacht. Fand aber das es in Wikipedia auch steht. Jetzt sollte man nicht alles glauben das was in Wikipedia steht und bin auf der Suche gegangen. Meine Optikfreunde in den USA schickten mir die pdf und im Bericht 862195 habe ich angeboten den weiter zu schicken.
Einige haben angefragt und bekommen.

Jetzt hat sich mit der Frage in unserem Lesekreis der Optikdesigner (kein öffentliches Diskussionsforum) eine interessante Diskussion entwickelt.

Einer schreibt das Ronald Willey eigentlich derjenige ist der das Bakersystem verfeinert hat (Sky and Telescope 1957) und das dieser Artikel geführt hat zu der Entwicklung des SCT durch Celestron. Laut diesen Schreiber hat Criterion die Herstellung der Schmidtplatten nie im Griff bekommen und ist es Meade die eine Methode gefunden hat um saubere, glatte und genaue Schmidtplatten her zu stellen. Einiges sieht man ja auch davon in Fasekontrstaufnahmen.

Gruß, Harrie
 
Hallo Harrie,

danke für die Infos. Es ist schön, mal wieder etwas informatives zu lesen, was nicht um die üblichen Themen kreist. Ich habe noch einen Artikel im Sky & Telescope in Erinnerung, der erst ein paar Jahre her ist. Der Titel war "XY, Artist in Optics". An den Namen selber kann ich mich nicht mehr erinnern, aber ich glaube nicht, daß es einer der bekannten Designer wie Baker, Siegler etc. war. Darin war auch ein SC beschrieben, das in der Zeichnung "nach unten" hing, als Aufnahmeoptik für Aufklärungsflugzeuge.

Clear skies

Tassilo
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Harrie,


das untere System ist ja sehr außergewöhnlich, Hat das einen optischen oder technischen Vorteil oder war das ein krampfhafter Versuch vorhandene Patente zu umgehen?


Viele Grüße Felix
 
Hallo Felix,

Patente sind Welten für sich.
Man muss oft sehr krumme wegen begehen oder sehr schlau sein (und dann hat man oft eine Erfindung das auch ein Patent ergeben kann) um Patente zu umgehen.

Oft werden aber auch Patente angefragt und nur kurz in Stand gehalten um zu vermeiden das andere eine Erfindung schützen wollen.

Und immer öfter sind Patente Tauschobjekte um gegenseite Patente ohne Entgeld benutzen zu können.

Gruß, Harrie
 
Zitat von Telescopia:
Einer schreibt das Ronald Willey eigentlich derjenige ist der das Bakersystem verfeinert hat (Sky and Telescope 1957) und das dieser Artikel geführt hat zu der Entwicklung des SCT durch Celestron.
Hallo Harrie und allerseits,

Nach meiner Recherche erschien der Artikel von R.R. Willey über einen SC Baubericht nicht schon 1957, sondern erst fünf Jahre später im April 1962.

Im Mai und Juni 1965 gab es dann einen weiteren zweiteiligen Baubericht über einen visuell zugänglichen Schmidt-Cassegrain von A.S. DeVany, der die frühere Arbeit von Willey erwähnt.

Es gab aber schon wesentlich früher, nämlich im Mai 1953, einen ausführlichen Artikel bei S&T von E. Findley-Freundlich u. R.I. Walland über einen Schmidt-Cassegrain, der in Schottland gebaut worden ist.

Das optische Konzept für diese SC Prototypen stammt aber von Edward H. Linfoot. Und der verwendete wohl auch den Namen "Schmidt-Cassegrain" zum ersten Mal im Jahr 1944.

Mit freundlichen Grüßen,
Peter


Hier ist eine vorläufige Literaturliste. Eine guten Start vermittelt dabei das bekannte Buch von Henry C. King: The History of the Telescope.

B. Schmidt, Mitteilungen d. Hamburger Sternwarte in Bergedorf 7, p. 15, 1932.

Y. Väisälä, Astr. Nachr. 254, p. 361, 1935; 259, p. 197, 1936.

F.B. Wright, Publ. Astr. Soc. Pac. 47, p. 300, 1935.

C.H. Smiley, J.O.S.A. 28, p. 13a, 1938.

J.G. Baker, Am. Phil. Soc. 82, p. 339, 1940.

C.R. Birch, M.N.R.A.S. 102, p. 159, 1942; 103, p. 159, 1943.

E.H. Linfoot, M.N.R.A.S. 103, p. 210, 1943; 104, p. 48, 1944.

E.H. Linfoot: Recent Advances in Optics, Oxford, London, 1955.

E. Findlay-Freundlich and R.I. Walland, Sky & Tel., May 1953, p. 176.

R.R. Willey, Jr., Sky & Tel., April 1962, p. 191 & p. 226.

A.S. DeVany, Sky & Tel., May 1965, p. 318; June 1965, p. 380.

R.D. Sigler, A.O. 14, p. 2302, 1975.

 
Hallo Harrie,

der Name und die Abbildungen (vor allem die mit der SC-Optik, die nach unten gerichtete ist, mit dem Film) kommen mir bekannt vor. Das könnte derjenige sein, der in dem Sky & Telescope Artikel beschrieben wurde. Leider habe ich die elektronische Version der Sky & Telescope nicht, sonst könnte man da nachgucken.

Clear skies

Tassilo
 
Zitat von Telescopia:
Einer schreibt das Ronald Willey eigentlich derjenige ist der das Bakersystem verfeinert hat (Sky and Telescope 1957) und das dieser Artikel geführt hat zu der Entwicklung des SCT durch Celestron.
Hallo Harrie,

also, wenn ich diese Meinung zur Rolle von Ronald Willey (tatsächlich erschien dessen Artikel erst 1962 in S&T) mal mit einer Textpassage aus der Einleitung von Deinem bekannten Buch "Telescope Optics" vergleichen darf:

"Despite their unprecedented performance, Schmidt cameras have some disadvantages. The most obvious is that the focal plane lies between the corrector and the mirror, inside the system. During the '30s and '40s, James Baker, Edward Linfoot, and Karl Slevogt investigated ways to improve access to the image plane. When a convex secondary mirror is placed between the Schmidt corrector and the primary mirror, the image is formed near the mirror - and in some designs the focal surface can be flat. These systems, while capable of excellent photography, are generally unsuitable for visual use on low-contrast objects (e.g. planets) because of the very large central obstruction of the secondary.
In the meantime, designers sought more compact telescopes. One of the most successful compact designs is the Schmidt-Cassegrain telescope. The corrector is closer to the primary mirror than in the Schmidt camera, and a small Cassegrain secondary mirror is used to form an image behind the primary. In 1962, Ronald R. Willey, Jr., showed that a compact Schmidt-Cassegrain could give excellent image sharpness both axially and off-axis. Encouraged by this analysis, Tom Johnson began to manufacture a 200 mm f/10 Schmidt-Cassegrain called the Celestron."


... dann würde ich zu dem Schluss kommen, dass der "Kollege", den Du da zitierst, aus "Telscope Optics" abgeschrieben hat.

Ich hatte ja in meinem Kommentar vom 27. Oktober schon auf die Rolle von Edward H. Linfoot und seine zahlreichen Arbeiten zum SC Design hingewiesen. Er hat auch ein Buch mit dem Titel "Recent Advances in Optics" geschrieben, in welchem er den kompakten Schmidt-Cassegrain bereits ausführlich analysiert. In dem Buch wird auch ein Photo von einem 15" Prototypen gezeigt, der bei St. Andrews in Schottland betrieben wurde. Dieses Instrument wurde schon im Mai 1953 bei S&T beschrieben, darauf habe ich bereits hingewiesen.

Das Buch von Linfoot ist 1955 erschienen, also erheblich früher als der Artikel von R.R. Willey. Etwas seltsam finde ich, dass "Telescope Optics" diese zentrale Rolle von Linfoot bei der Entwicklung des Schmidt-Cassegrain nicht beim Namen nennt. Er wird dort nur zusammen mit Baker und Slevogt im Zusammenhang mit "systems unsuitable for visual use" erwähnt, aber das ist zumindest irreführend. Das Buch von Linfoot erscheint zwar auch in der Literaturliste (References) von "Telescope Optics", ich kann mich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass ihr es entweder nur flüchtig oder gar nicht studiert habt.

Ich habe mir das alte Buch jetzt mal von unserer Institutsbibliothek per Fernleihe besorgen lassen und kopiert. Da wird, nach einer ausfühlichen Behandlung der klassischen Schmidt-Camera und ihrer flat-field Varianten, auch der kompakte Schmidt-Cassegrain eingehend behandelt. Es ist wirklich eindrucksvoll, was man damals noch völlig ohne Computer schon geleistet hat.

Wenn ihr nochmal ein Update von eurem schönen Buch "Telescope Optics" planen solltet, dann wäre es sicher gut, die Rolle von Linfoot bei der Entwicklung des Schmidt-Cassegrain besser herauszustellen.

Mit freundlichen Grüßen,
Peter

 
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