Erlebnisbericht Wendelstein

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Gelöschte Mitglieder 487

Hallo an alle Geister der Nacht.

Am letzten Samstag war mal wieder klar – ich muss mit dem 12er auf den Berg. Bis 1200 m sollte bekanntermaßen so eine Inversionsschicht herrschen, worunter alles feucht ist und oberhalb eher trocken ohne Nebel. Das verhieß neben einer tollen Sterneguckenacht eine mindestens genauso tolle Sicht am Morgen darauf aufs Nebelmehr.

Auf los gings los von München Richtung Wendelstein, wo mich die Seilbahn auf den Gipfel bringen sollte. Ich war mir noch unsicher, ob direkt auf das Wendelsteinplateau – wo man wohl nicht übernachten darf oder ob auf einen Nebengipfel (ca. 1650 m). Letzteren hatte ich mir vor langer Zeit ausgeguckt und einige Wochen vorher schon mal abgewandert ohne Teleskop. Da war der Weg vom Wendelsteinhaus dorthin ziemlich vereist vom letzten Schneefall. Da sagte ich mir noch – o-ohh- liiieber nicht da lang mit 30 kg Gepäck...

Unten in der Seilbahnstation musste ich mich erstmal kritisch beäugen lassen: „Gleitschirm dabei?“. „Die nehmen wir nämlich nicht mit hoch!“ Er glaubte mir, dass es keiner sei und auf die Antwort „Das ist ein Teleskop“ gab es auch eine eher schwer zu deutende Resonanz... Immerhin genehmigte er mir ein Kombiticket, wo ich die Talfahrt am nächsten Tag unternehmen kann (funzt normal nicht), sodass die Gondelei billiger wurde.

Mit der vorletzten Seilbahn oben angekommen genoss ich erstmal die Sonnenstrahlen für eine halbe Stunde und überlegte, wo nun genau ich hinwollte. Im Endeffekt entschied ich mich für den Nebengipfel bzw. einer Alm, wo ich eine weite Wiese für mich habe und keine Geländer um mich herum.
Ich hätt auch immer ein ungutes Gefühl gehabt, vom Plateau weggescheucht zu werden. Glücklicherweise war das Eis deutlich weniger geworden zum letzten mal, aber immer noch mit eins zwei gefährlicheren Stellen versehen. Aber mit dreifacher Vorsicht und Vernunft klappt das schon.

Nebengipfel hieß: ca. 300 Höhenmeter mit 30kg Gepäck bergab und 200 Höhenmeter wieder hoch über Stock und Stein...

Eine an sich nicht sonderlich empfehlenswerte Aktion, meine Beine haben ganz schön gezittert vor Anstrengung, v.a. bergab bei den zu hohen „Stufen“...

Nach einer guten halben Stunde habe ich es geschafft:

Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/e96ee5-1320168959.jpg

(Beobachtungsplatz morgens fotografiert, rechts oben ist der Wendelstein)

Schweißnasse Füsse, Rücken und temporär verzerrter Nacken waren die Opfer, die ich bringen musste...Endlich auf einer Art Sattel angekommen, baue ich gegen 18 Uhr alles auf, vorher hatte ich eine halbe Stunde gezögert weil ich überall Gemsen um mich herum sah, teils nur 50 m weit weg. Was weiß ich, ob die gut genug gucken können und mir nich in der Nacht alles umrennen?? Ich beschloss, das Risiko einzugehen. Meine ganzen Utensilien, klassischerweise Isomatte als Tisch und fetter Rucksack waren letztlich 30 m vom Teleskopstandplatz entfernt. Die ganze Zeit war mir nicht wohl dabei. Ich hatte da so meine Erfahrungen mit heimtückischen Füchsen gemacht, die einen ausrauben wenn man nich hinguckt...
Ihr könnt ja mal weiter unten im Gornergratbericht nachlesen was ich meine...

Und ich wurde bestätigt. TATSACHE taucht doch in der Dämmerung wieder ein neugieriger Fuchs aus dem Nichts auf und schleicht in Richtung meiner Sachen. Was hab ich schnell die Sachen gepackt!! Alles was kein Teleskop war, sofort rein in den Rucksack und das Teil zugeschnürt und zugeklippt. Vertreiben lassen sich Füchse nicht wirklich, auch dieser hier war da irgendwie resistent oder die Neugier stärker. GOTT SEI DANK kam der erst in den Morgenstunden wieder. Der trottete so zwei mal 5 m an mir vorbei, blieb stehen und guckte, ob man das Teleskop nicht vielleicht auch fressen kann, verdrückte sich dann aber nach gutem zureden. Lacht mich aus, aber ich hab in einem gewissen Abstand zum Teleskop strategisch wichtige Punkte mit Duftmarken versehen wenn ihr versteht...Ggf half auch das ein wenig...Was man nicht alles aus Verzweiflung tut...
Ich glaube, der hat auch noch niemanden gesehen, der IHN in der Nacht sieht. Der glaubte sicher, diese blinden zweibeiner raub ich nachts locker aus...aber da hat er die Rechnung nicht mit uns Astro´s gemacht!! Auch hier hilft: Indirektes Sehen...

Die Beobachtungsnacht.

Die erste Zeit habe ich gar nicht mit dem Teleskop beobachtet, sondern den Nebel und die Lichteffekte im Tal bewundert...

Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/52bd58-1320168547.jpg


Ich werde jetzt mal auf ausführlichere Beobachtungslisten verzichten. Aber ein paar Objekte möchte ich euch empfehlen: Ich nehm gerne mal den Skyatlas und schau in Sternbild XY, „was gibt’s denn da noch so Unbekanntes“...

So nahm ich mir einen kleinen Kugelsternhaufen (NGC 2419) im Lux vor, der selbst nur ein verwaschener Fleck ist, aber eine wunderschöne Dreierkette mit zwei gleichhellen Sternen bildet. Ein toller Anblick!

Ich fragte mich, was denn direkt rechts vom Orion so los sein könnte – da hab ich noch nie etwas beobachtet...Überraschenderweise gibt’s da sogar Galaxien, wovon ich einige angeschaut aber für unspektakulär befunden habe. Und einen kleinen Nebelkomplex. NGC 1788. Auf der Karte unscheinbar...aber im Teleskop: wow. Was ist DAS denn? Das sah aus wie ein breit aufgefächerter absonderlicher Komet. Bin ich in der falschen Region gelandet? Ist mir kometentechnisch was entgangen? Aber bei genauem Blick konnte das kein Komet sein. Es war tatsächlich der gesuchte nebel, von dem man wohl recht wenig hört. Zu Unrecht. Klar, ein paar Grad daneben ist M 42... was soll man da noch in der Umgebung herumgucken...

Aber dies ist ein hochlohnenswertes Objekt! Im 12er sehr leicht zu sehen. Weit prägnanter als NGC 281 z. B.. Ein Blick in google enthüllte das Objekt als Fledermausnebel, ein wirklich ungewöhnliches Objekt gespickt mit hellen Sternen in der Umgebung: siehe http://de.wikipedia.org/wiki/NGC_1788
Darf man hier so links setzen? ich bin einfach mal so frech...


Es kam im im Laufe der Nacht immer wieder zu Dunsterscheinungen. Ich hatte bereits mehrfach auf Jupiter geschaut. Ein Klasse-Seeing offenbarte sich hier mehrfach. Details im großen Roten – kein Problem. Es war wieder einmal ungemein faszinieren, wie ich im Laufe der Nacht den GRF komplett auftauchen und verschwinden sah. Einmal komplett den Äquator lang – toll.
Dunst. Gutes Seeing. Was macht man da? Planetarische Nebel gucken! Also schaute ich mal nach, was in den Zwillingen so geht. Ich guckte mir ein objekt namens NGC 2371 innerhalb des Kastens nahe Castor und Pollux aus. Sonst schaue ich sehr selten nach Planetaries. Das wird sich jetzt ändern. Denn schon wieder: was ist DASdenn? Das war nicht ein kleiner Fleck, sonder zwei kleine nebeneinander! Sollte ich etwa einen bipolaren erwischt haben? Wow! Hatte ich noch nie mit meinem eigenen Teleskop vor der Nase! Ich konnte sogar zwischen den beiden Nebelflecken eiin Sternchen ausmachen, höchstwahrscheinlich der Zentralstern! Den einen nebelflecken sah ich deutlich größer als den anderen. Eine recht gute zeichnung ist diese hier http://www.pn-visuell.de/winter/thumb/NGC2371_NGC2372_ug.jpg, welche den visuellen Eindruck sehr gut widergibt. Die Photos zeigen die unterschiedlichen Helligkeiten der beiden Teile praktisch nicht.

Die ganze Nacht zischten mehrere kleine Sternschnuppen über den Himmel, selten habe ich so viele pro Nacht gesehen. Irgendwann kam das hier... http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/ubbthreads.php/topics/864888/Orion_rustet_mit_Raketen_auf_B#Post864888

Eine wirklich erfolgreiche Nacht lag nach 14 dunklen durchwachten Stunden hinter mir und ich war gar nicht müde!
Morgens kam verstärkt Wind auf. Ich trotzte und reckte ihm direkt mein Gesicht entgegen. Eine morgendliche Bergluftbrise direkt ins Gesicht. Ich schloss die Augen und genoss das einfach mal.

Irgendwann bin ich wieder die diversen Höhenmeter mit dem Rucksack rauf und runter und hab noch mal hundert draufgepackt zum Wendelsteinplateau – dann aber ohne Rucksack, den ließ ich stehen, war ja eh noch kein Touribetrieb da noch keine Gondel fuhr. Ein kleiner Aufstieg, der sich lohnte:

Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/a2b81f-1320168730.jpg

cs,
Norman











 
Zuletzt bearbeitet:
Hi Norman,

ja finde ich auch da haste einen tollen Bericht mit schönen Bildern und tollen Objekten geliefert. Ich wäre da gerne dabei gewesen.

Gruß
Lots
 
Hallo Norman,

interessanter Bericht, zumal ich den Berg auch kenne...

Gruß
Christian
 
Hallo Olaf, Lots und Christian!

Danke euch für die netten Rückmeldungen :)

Schöne Grüße,
Norman
 
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