Ernüchternde Erfahrung bei Io-Durchgang

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

rookiefrank

Aktives Mitglied
Hallo...

Habe heute eine ernüchternde Erfahrung beim Io Durchgang mit meinem
76/700 Spiegel machen müssen.

Irgendwie hatte ich die Hoffnung den Schatten ab 3.00 Uhr am 04.04.03
sehen zu können.

Dem war nicht so....

Ist es grundsätzlich nicht möglich Objekte dieser Größe mit meinem
Teleskop zu sehen,oder...

Ich bin mit einem 6mm H also mit ~120 facher Vergrößerung an die
Beobachtung gegangen.

Die Spiegel sind nach Prüfung ok,die Konturen von Jupiter und Monden
sind ok,reicht der Kontrast der Okulare vieleicht nicht aus???

Bei einem Freund mit 150/1300mm bei 9mm Okular war der Io Durchgang
Mitte März bombenschwarz,superscharf,einfach klasse...

Sollten wirklich Welten zwischen den Geräten liegen...

Bitte um eure Erfahrungen...
 
Hallo Frank,

also zwischen eine 76/700 Newton und einem 150/1300 Newton liegen wirklich Welten und Du solltest einen direkten Vergleich aus deinem Kopf verbannen. Ich selber habe beide Geräte (der 6" ist ein Eigenbau und hat genau 1310mm Brennweite). Aber es ist eine heftige Herausforderung mit dem 3" Newton einen Schattendurchgang zu beobachten. Wichtig ist es gute Okulare zur Verfügung zu haben. Ich hab das bei meinem 76er gemerkt als ich den Klemmring (0,965") aus dem Okularauszug entfernt hatte und dann 1,25" Okulare (Ortho's von Vixen) einsetzen konnte. Damit war dann die Cassini-Teilung am Saturn ein Klacks. Vorher war das immer nur blickweise und unscharf drin!

Also wichtig sind gute 1,25" Okulare, gutes Seeing und dann eine Vergrößerung jenseits 100x besser 140x und du kannst Glück haben und mit deinem Teleskop einen Monddurchgang beobachten. Hierbei solltest Du aber wissen, daß der Mondschattendurchmesser jenseits der theoretischen Auflösunggrenze eines 3" leigt. Macht aber nix, denn bei flächigen, kontrastreichen Objekten liegt die Wahrnehmbarkeitsgrenze einer Struktur unterhalb der Raleigh-Grenze. Nach Raleigh (Doppelsternauflösung gleich heller Sternepaare) berechnet sich nach:
112"/76 = 1,47"
(JEtzt der Unterschied zum 150mm Teleskop)
112"/150 = 0,74"
Io hat zur Zeit einen Durchmesser von 1,03".
Macht aber garnix, den Versuch würd ich trotzdem machen!

Gruß
Winfried
PS: Ich find's klasse wenn man extreme Dinge mit seinem Gerät versucht. Ich hab letztens allen Ernstes versucht die Galaxie LEO I mit einer Flächenhelligkeit jenseit 14,5 mag durch mein 6" Gerät zu beobachten. Da war natürlich nix zu sehen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />)))
 
Hallo Frank!

Ein kleiner Trost: Unter gutem Himmel kann man M31 Andromeda selbst mit dem 76/700er erkennen.
Zwar sehr klein, aber immerhin.
Und die beiden Sternhaufen h und chi im Perseus sind auch nett.

Habe beides in Nordholland ausprobiert, keine Lichtglocken etc.
Hat viel Freude gemacht!

Der Tchibo-Torpedo ist ein nettes Reiseteleskop.


Grüße
Thomas
 
Hi Frank,

es steht unten schon: Die Okulare sind dein Problem.
Das H=6mm, welches ich kenne, ist wenigstens ein Okular mit Linsen aus Glas. Dafür ist die Linse nicht größer, als ein Wellensittich-Auge. Die Plastiklinser mit pfenniggroßer Augenlinse sind noch schlechter.
Die Okularqualität macht dann das Bild kaputt.

Deine Frage gilt ja den Teleskopen. Ja, es liegen wirklich Welten zwischen den Geräten. Der Durchmesser der Optik bestimmt die Leistungsfähigkeit. Dein Freund bringt den doppelten Durchmesser und damit die 4-fache Lichtsammelfläche an den Start. So ein Teleskop erzeugt ein viel schärferes Bild und deshalb kann man stärker Vergrößern und besser erkennen. Nun ist Dein Teleskop eigentlich auch gut genug, einen Mondschatten auf Jupiter zu erkennen, nur funktioniert das mit den vorhandenen Okularen nicht.

Was kann man tun? Leider nur: Geld ausgeben.
Problem bei diesen Geräten sind die Okulare. In jüngerer Zeit werden wenigstens mal Kellner-Okulare beigelegt und man kann sich wirklich glücklich schätzen, wenn man Okulare mit 31,8mm Durchmesser (=1,25 Zoll) einstecken kann.

Wenn Du 1,25" Okulare benutzen kannst, dann stehen Dir sehr viele Okulartypen zur Auswahl - das beinhaltet dann auch solche, die gern den 3x Anschaffungspreis Deines Teleskopes übersteigen.
Was aber für Dich in Frage käme, wären Plössl oder Ortho Okulare, die man auch gebraucht recht günstig bekommt. Für geringe Vergrößerung kommt auch ein Kellner zwischen 20 und 30mm Brennweite in Frage. Manchmal bekommt man dieses Bresser Kellner "KE 25" für unter 20 Euro.
Schau doch mal im Terminkalender hier auf astronomie.de nach, welche Astromessen in Deiner Nähe sind. Wenn Du im Mai die ATT besuchen kannst (Essen), wirst Du auf jeden Fall fündig.

Problematischer wird es für Dich, wenn Dein Teleskop nur Okulare mit 24,5mm Durchmesser verkraftet. Die Linse bestimmt die Qualität des Okulars, leider findet sich kaum jemand, der in diesen Steckdurchmesser vernünftige Linsen einbaut. Vor bald 10 Jahren war ich stolz, noch 2 Ortho und ein Kellner für diesen Durchmesser in der Wühlkiste ergattert zu haben.
Weil gute 24,5mm Okulare also sehr selten zu finden sind, sind diese auch gebraucht nicht billig. Neu gibt es noch von Teleskop-Service Plössl Okulare, die auf 24,5mm umgebaut werden. Der Preis ist zwar normal aber anbetracht des Preises für Dein Teleskop abschreckend : 77 Euro.
Von Meade gibt es noch die MA-Baureihe. Die werden zwar auch besser sein, als deine jetzigen Huygens, aber im allgemeinen sind diese MA Okulare arg verschrien.

Ich denke, das genügt, um Dir die Problematik klarzumachen. Wenn Du 1,25" Okulare verwenden kannst, wirst Du dich für ca. 25 Euro mit einem schönen, gebrauchten 6mm Plössl gut verbessern können.
Alles andere kostet bald soviel Geld, daß man eher auf ein größeres Teleskop sparen sollte. (Bitte nicht bei Ebay, im Modekatalog oder im Supermarkt kaufen.)

Clear Skies
Sven

PS: Äh, wie soll ich sagen, ich find's schade, daß man in solchen Fällen, die nicht selten sind, immer wieder übers Geld ausgeben reden muß... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />
 
<img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> Och, nu komm schon, den Orionnebel kann ich auch mit bloßem Auge sehen... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Der kleine Newton zeigt natürlich viel mehr als das bloße Auge sieht, klar.
Und er zeigt mehr als so manches Fernglas (und besser als ein 60er Refraktor von Synta, wie ich neulich feststellen konnte).

BÄH! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Emm-Einunddreissige Grüße
Thomas




 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben