Errata in alter Literatur

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FrankSpecht

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Moin zusammen,
ich sortiere derzeit veraltete Lektüre aus meiner über 40 Jahre angesammelten Bibliothek aus (Window 95-Programmierung, VLC++ 6 Bibel, Adobe Photoshop 6 Bibel, etc...).
Dabei ist mir auch ein astronomisches Werk von 1985 untergekommen, veröffentlicht vom Spektrum-Verlag:
Smoluchowski, Roman:
Das Sonnensystem : Ein G2 V-Stern und neun Planeten
ISBN 3-922508-68-5


Ich habe vor dem Rauswurf der Lektüre hierin noch einmal einen Blick geworfen und mir sträubten sich dann doch die Nackenhaare!
Zunächst einmal ist ja möglicherweise bekannt, dass der wahre Durchmesser Plutos noch keine 40 Jahre bekannt ist.
1985 jedenfalls lag dieser bei:
IMG_0005.jpg


Das kann ich noch verkraften, da Anfang der 70er der Durchmesser gar auf 12.000 km geschätzt wurde (aus der Erinnerung, Beleg fehlt).

Aber was wirklich krass ist, weil man das über eine überschlagsmäßige Rechnung selbst hätte überprüfen können, sind folgende Daten zur Bewegung der Venusatmosphäre:
IMG_0004.jpg


Kilometer pro Sekunde?
Dann hätten die Wolken die Venus in 40 Sekunden umrundet, und nicht erst in drei, vier Tagen.
Also, dieses Buch kann dann auch weg. :rolleyes:
 
Hi,

naja 4000-5000km Durchmesser ist doch schon recht gut geschätzt in den 80zigern. In den 60zigner ging man noch von fast Erdgröße aus.
Lag wohl auch daran, das mna eigentlich aufgrund der Bahnstörung von Neptun ein Objekt von 50.000 km erwartet hatte. Ja, so kann einem das "Gehirn" einen streeich spielen.


cs
Lothar
 
Hallo Frank!
Ein wunderschönes Thema. Wenn mir ältere Astronomie-Bücher in die Hände fallen, schaue ich immer, was zu der Zeit noch von den neueren Erkenntnissen abwich. Eigentlich sind das ja keine echten Irrtümer, sondern entsprach eben dem Kenntnisstand (mal abgesehen von deinem Venus-Druckfehler). Wir sind heute hinsichtlich der wesentlichen Eckdaten der Planeten ja sehr sicher. Das war früher noch anders.
Bis etwa zur Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts die Planeten auch im Radiobereich untersucht wurden, findet man in Büchern noch den Irrtum, dass der Merkur der Sonne stets die gleiche Seite zuwende. Ich fand es schon immer immer bemerkenswert, dass man mit nur der direkten Beobachtung tatsächlich diesen Eindruck gewinnt.
In meinem Exemplar des Buches "Aus Fernen Welten" von Bruno H. Bürgel heißt es:
buergel1.jpg

buergel2.jpg

Die (sicherlich aktualisierte) Ausgabe stammt aus dem Jahr 1939 (Erstauflage 1920).
Schrift und Wortwahl verleiten mich immer dazu, das "r" im Kopf besonders rrrrrrrollend zu hören. Nun ja - 1939 war das ja gerade wirklich besonders üblich.

Andere Daten des Merkur waren ziemlich korrekt. Der Durchmesser war mit 4700km angegeben. Nun ja.

Gruß
Sebastian
 
Schrift und Wortwahl verleiten mich immer dazu, das "r" im Kopf besonders rrrrrrrollend zu hören.
jawoll.
Manchmal hörrrre ich das rrrrrr auch... es war eine merkwürdige Zeit, damals. Schlimm. Im heutigen Jargon würde man damals gesagt haben: "eine neue Norrrrmalität"... auch sie wurde wieder beendet, wenn auch nicht durch eine einfache Impfung...

lg
Niki
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi,

habe vor kurzem mir das Buch Otto Struve aus dem Jahr 1963 zugelegt.
Sehr schön geschrieben für die verregneten Nächte noch besten geeigent.
Aber los geht es gleich auf Seite 1 mit dem Andromedanebel: 1,5 Millionen LJ entfernt, 100.000 Lichtjahr Durchmesser und 100 Milliarrden Sterne. Der Stand heute: 2,5 Millionen LJ entfernt, 200.000 LJ Durchmesser und 1 Billion Sterne.

cs
Lothar
 
Also entfernt sich Andromeda, und das mit Überlichtgeschwindigkeit - puh, und ich hatte schon irgendwo gelesen, das er auf uns zukommt. :beobachten:

Helmut
 
Hi,

habe vor kurzem mir das Buch Otto Struve aus dem Jahr 1963 zugelegt.
Sehr schön geschrieben für die verregneten Nächte noch besten geeigent.
Aber los geht es gleich auf Seite 1 mit dem Andromedanebel: 1,5 Millionen LJ entfernt, 100.000 Lichtjahr Durchmesser und 100 Milliarrden Sterne. Der Stand heute: 2,5 Millionen LJ entfernt, 200.000 LJ Durchmesser und 1 Billion Sterne.

cs
Lothar
Hallo,

1 Billion Sterne erscheint mit etwas viel. Bezieht sich diese Zahl vielleicht auf die Masse?

Viele Grüße
Jörg
 
Nein, in unseren Milchstraße, und die ist um 30% kleiner als der Andromedanebel werden auch 500 Milliarden bis 1 Billion Sterne vermutet. Geia hat hier auch geholfen, den es gibt sehr viel mehr rote und braune Zwerge als bis dato vermutet.

cs
Lothar
 
Hm - ich lese momentan weniger spektakuläre Werte. Wikipedia bezieht sich bei den Angaben auch auf Werke aus den Jahren 2018 und 2019, Quellennachweise siehe jeweils dort:

Milchstraße - Masse (inkl. Dunkler Materie) 1,5 Bio. Sonnenmassen; Sterne, Anzahl: 100 bis über 400 Mrd. (geschätzt)
Im Vergleich der zahmere Wert für die And-Galaxie: zwischen 0,7 und 2,5 Bio. SM, davon Sterne 100 Mrd. SM (das ist mE. immer noch reichlich vage),
Zur Zahl der Sterne habe ich keine Angabe gefunden (oder übersehen). Die englische Wikipedia schätzt 1 Bio. Sterne (2x Milchstraße).
 
Und in 15 Jahren findet man wieder eine neue Methode zur genaueren Entfernungsmessung und die Zahlen werden wieder angepasst. Wir tun immer, als wäre die Gegenwart das Nonplusultra und festgeschrieben. Das war auch schon 1955 so.
Jedenfalls würde ich die Zahlen aus den alten Büchern nicht als Errata bezeichnen. 1955 war auch noch Wega der hellste Stern am Nordhimmel.

Helmut
 
Tja, manchmal gibt es auch echte Sprünge in der wissenschaftlichen Erkenntnis.

Wie 1952 durch Walter Baade, als er auf einem Meeting der IAU den dort versammelten Astronomen verkündete, dass nicht nur die Entfernung zur Andromeda Galaxie, sondern darüber hinaus sämtliche kosmologischen Dimensionen nahezu doppelt so groß wie bislang gemeint anzusetzen sind.

Es dauerte dann noch mehrere Jahre bis diese schockierende Einsicht auch in den Astronomiebüchern ankam.

wikipedia.de

wikipedia.en

The same observations led him to discover that there are two types of Cepheid variable stars. Using this discovery he recalculated the size of the known universe, doubling the previous calculation made by Hubble in 1929. He announced this finding to considerable astonishment at the 1952 meeting of the International Astronomical Union in Rome.
 
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