Erste Beobachtungen mit meinem neuen Dob

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Christian_S

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Hallo,

mit meinem neuen 12,5" f/4,5 Dob (Sorry, Bilder hab ich noch keine schönen), der derzeit zu Testzwecken auf 300mm abgeblendet war, habe ich am Freitag abend mein Second Light genossen. Eigentlich war es das dritte Mal, dass der Dob nachts raus kam. Beim ersten Mal war aber außer nem Sterntest und Orionnebel in Wolkenlücken nicht viel los. Die DeepSky-Beobachtungen vom zweiten Mal lasse ich hier mit einfließen.



23.01.04, 20:00 - 01:30, ca. -11° C, windstill.
Seeing war gut bis sehr gut, der Himmel war etwas aufgehellt, wie er es leider immer ist, wenn überall Schnee herumliegt.

Am Freitag abend war es hier schön klar und ich habe das Teleskop schon um ca. 16 Uhr offen zum Abkühlen rausgestellt. Als ich um so 20 Uhr zum Beobachten angefangen habe, war so gut wie kein Tubus-Seeing festzustellen, der Spiegel usw. also schon schön kalt und der Tubus schon mit etwas Eis überzogen. Eine Tubusbelüftung war nicht mehr notwendig. Zudem war es fast windstill und die Temperatur blieb bis 2 Uhr morgens bei fast konstanten – 11° C.



Planeten:
An Jupiter konnte bei ich 274fach und fast ruhigem Bild neben dem kreisrunden scharfen Schatten von Ganymed auch die Monde endlich mal als runde Scheibchen sehen. Mit 4,5 Zoll ging da bisher nix.
Zudem war der GRF und zahlreiche Strukturen, wie z.B. eine perlenkettenartige Reihe von hellen Wirbeln in dem südlichen Band „hinter“ dem GRF zu sehen. Glücklicherweise gibts davon im Bilder-Board Fotos. DAs erste Bild (1:11 MEZ) kommt am besten hin. So kann ich sagen, das es bei mir zwar nicht ganz so kontrastreich, aber schärfer ausssah. Gerne hätte ich noch größer vergrößert, vom Seeing her wäre es gegangen. Dafür fehlt mir aber noch ein passendes Okular.

Dann, kurz bevor der Ganymed-Schatten verschwand, huschte etwas vor Jupiter durchs Bild, fast genau mittig drüber geflogen, ungefähr von Süd nach Nord. Ich nehme an, dass es ein Satellit war, denn es war völlig schwarz, also keine Positionslichter und es hat auch keinen Abgasschweif hinter sich hergezogen, wie man ihn bei einem Flugzeug erwarten würde. Geschätzte Dauer ca. 1/3 Sekunde. Form: Es war ein dicker eckiger Körper mit zwei Flügelchen dran (nicht mittig, sondern etwas versetzt), die ungefähr so dick wie die der Körper waren. Siehe Bildchen.
Link zur Grafik: http://www.himmel-und-er.de/images/diverse/jupsatellit.jpg
Heavensabove hilft hier leider nicht weiter, oder?. Vögel sollten um die Zeit mitten im Winter wohl schlafen.


Am Saturn suchte ich verwegen gleich mal nach der Enke-Teilung :-). Das Enke-Minimum war gut zu sehen, die Cassini Teilung umlaufend schön scharf und schwarz. Auch den C-Ring hab ich nun endlich erblickt, dafür reichte halt der bisherige 4,5-Zöller auch nicht aus. Bei der Enke-Teilung bin ich mir jedoch nicht sicher. Ab und zu schien sie kurz aufzutauchen, aber ich kann Wunschdenken nicht sicher ausschließen. Mehr Vergrößerung wäre hier wohl nötig gewesen.



DeepSky

Mache ich zwar viel lieber, aber das alles zu beschreiben, wäre etwas langwieriger. Deshalb nur in kurz (meist bei 119x und 274x):

Die Reihenfolge ist völlig chaotisch und hat nix mit der Beobachtungsreihenfolge zu tun...
  • Eskimonebel: Deutlich zweischalig, mit Struktur in der inneren, die ich aber nicht genau analysiert habe. Aber endlich scheint der Name Sinn zu machen...
  • M81/M82: Details in Hülle und Fülle, natürlich vor allem bei M82. Die zerbröselt nun richtig in lauter helle Lichtbatzen. Aber auch M81 zeigte ihre Spiralarme, wenn auch schwach.
  • NGC 891: Das Dunkelband ist gut sichtbar, aber wie immer ist die GX etwas blass.
  • Andromedanebel: Endlich mal Struktur zu sehen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />. War schon etwas in aufgehelltem Himmel, als ich beobachtet habe, so dass mir während der kurzen Beobachtung die volle Detailfülle wie z. B. im DeepSky Reiseführer verschlossen bleib. Zumindest das nördliche Staubband ist aber sofort und einfach sichtbar.
  • Orionnebel: Ohne Worte! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/shocked.gif" alt="" /> Überall Nebelklumpen, -fetzen und -wellen, nicht nur um das Trapez (A-F) herum wunderbare Details... Naja, ihr wisst ja, wovon ich spreche... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />. Obenherum schön geschlossen.
  • Das Nebelzeugs NGC 1973/75/77 ist auch schön zu sehen...
  • Diverse Sternhaufen wie z.B. M35/NGC2158, h und chi, M36, M38 sind auch sehr schön. Nur das 32mm Okular muss langfristig wohl doch durch ein besseres ersetzt werden, große Haufen passen nur gerade so in den scharfen Teil des Gesichtfeldes...
  • Dann kommen wir zu einem kleinen Highlight (zumindest für mich). Ich gebe dem Öffungsfieber nach und schalte noch eine fette Gravitationslinse vor den Dob. Man findet eine z.B. beim Doppelquasar QSO 0957+561A/B bei NGC 3079 (die auch sehr schön ist, mit etwas Struktur. Allerding für die Dunkeladabtion für den QSO etwas schädlich <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />).
    Dafür muss ich dann doch erstmals eine Aufsuchkarte zücken :-) Eigentlich befürchtete ich, nichts zu sehen, der QSO ist schon sehr dunkel. Aber bei indirektem Sehen kann ich doch phasenweise ein Lichtfleckchen an der richtigen Position erkennen, dass sogar im Vergleich zu den Sternen etwas unscharf länglich erscheint. Fazit: Wer auch immer den Berechnungen für die max. Grenzgröße glaubt, befindet sich in selbtsverschuldeter Unmündigkeit, zumindest unter gutem Himmel :-).
    Mit den eigenen Augen eine Gravitationslinse zu sehen, was will man mehr? Die Sterne mit 17,1 und 17,3m, die in der Karte drinstehen, sind ebenfalls blickweise sichtbar. Die PGC28990 bei NGC 3079 ist dagegen leicht sichtbar. Für mich war es wichtig, gleich mal das Potential dieser Teleskop-Größe abzuschätzen, damit ich mich nicht wie beim TAL langsam ans Limit rantasten muss.
  • M51: Hier wirbelts ja richtig, sehr schön. Die Spiralarme sind in viele einzelne Klumpen zerfallen, dazu noch der ein oder andere Hintergrundstern (?).
  • M33: Hier wirbelts auch, aber blasser und weniger klumpig. Zudem war da der Himmel schon nicht mehr optimal. NGC604 ist ein richtig heller Klecks am Ende des einen Sprialarmes, der andere vertut sich irgendwie irgendwo.
  • Eulennebel: Für die Augen muss man schon genau hinschauen, aber sie sind da.
  • M108: auch schön strukturiert und ein schöner Kontrast zu M97.
  • M78: Hier ist nicht viel Verbesserung zum Anblick im TAL, außer das alles heller wird und der schwache Nebel-Teil eng daneben auftaucht. Ist da Struktur drin zwischen den beiden Sterne im Nebel?
  • Zum Schluss noch ein Schwenk durch Virgo: Hallo, ihr lieben Galaxien!! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Die ganzen Beobachtungen waren natürlich jeweils viel zu kurz, aber am Anfang muss man sich ja mal erst nen Überblick verschaffen. Es gibt viel zu tun...

Viele Grüße
Christian
 
Hi Christian,

da bleibt mir nur zu sagen: Na endlich!

Wenn ich all das so lese, erinnert es mich doch stark an
meine ersten Beobachtungen mit meinem 8" in Österreich.
Ich hab auch erstmal die hellen Sachen angeschaut, und dann
ein paar extreme probiert.

Aber wenn ich so weiter lese - da wird einem ja Angst und
Bange. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> Ja - vom TAL1 auf nen 12,5" ist's schon ein
Riesensprung. Das ist es auch schon vom 8", wie ich letztes
Jahr bei der Beobachtung mit Harry Rottensteiners 8" Dob
merkte.

Nun gut - wie du schon sagst, es gibt viel zu tun.
Welcome back! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Matthias
 
Re: Erste Beobachtungen mit neuem Dob

Hi Matthias,
Gut Ding will Weile haben <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" /> (vgl. Polarlichtbericht <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />). Aber ich geb ja zu, jetzt ist es wirklich Zeit geworden, man darf ja gar nicht sagen, wann der Startschuss zum Dob gefallen ist. In den nächsten Wochen wird noch die ein oder andere Kleinarbeit erledigt werden müssen und auch an die HP sollte ich endlich mal wieder ran <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Ich hab auch erstmal die hellen Sachen angeschaut, und dann ein paar extreme probiert.
Die hellen findet man wenigstens aus dem Kopf und außerdem braucht man doch das Wow-Gefühl. Ich habe mir ja fest vorgenommen, die "Listenarbeit" (schon aus reinem Selbstschutz) aufzugeben und es nun langsamer aber intensiver anzugehen. Mal sehen, ob's gelingt.
Aber wenn ich so weiter lese - da wird einem ja Angst und Bange.
Was meinst du denn da jetzt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/blush.gif" alt="" /> . Den QSO?
Ich hab doch schon vor langem mal erwähnt, dass ich schon was eher spezielles fürs First Light im Auge habe. Junger Dob trifft altes Licht, oder so ähnlich. Ich finde das Objekt jedenfalls extrem faszinierend.

clear skies
Christian
 
Hallo Christian,

ein wirklich sehr gelungener Bericht. Und vor allem auch sehr spannend zu lesen.

Zu M78 kann ich sagen, dass da wirklich ein wenig Struktur zu erkennen ist. Zwischen den beiden hellen Sternen läuft eine weniger helle, breite Linie mitten durch den Nebel. Auch die Ränder sehen sehr verschieden aus. Auf der einen Seite scharf begrenzt und auf der anderen diffus nach außen auslaufend. Hier musst auch mal NGC 2071 Ausschau halten, der sich ein kleines Stückchen nördlich von M78 befindet und zusammen mit ihm Gesichtsfeld zu sehen ist.

Der Quasar hat mich besonders fasziniert. Weißt du, wie weit der weg ist?? Und das man mit einem 12 Zoll Gerät noch Sternchen mit 17mag sehen kann, finde ich genial.

Beim Eulennebel werden die Augen mit einem OIII sehr deutlich.

Wie gesagt, ein sehr schöner Bericht. Mach weiter so!!

Christian
 
Hallo Christian,

Der Quasar hat mich besonders fasziniert. Weißt du, wie weit der weg ist?? Und das man mit einem 12 Zoll Gerät noch Sternchen mit 17mag sehen kann, finde ich genial.

Also ich habe bisher nicht viel mehr Infos als von dem Artikel auf der Seite mit der Aufsuchkarte. Demnach ist er ca. 5 Mrd. Lichtjahre weg und das am weitesten entfernte, was man mit normalen Amatuermitteln vis. sehen kann. Das Licht, das meine Netzhaut gekitzelt hat, war also schon unterwegs, als hier gerade eine Staub- und Gaswolke beschlossen hat, ein wenig zu kollabieren und nen lausigen G-Stern mit Felsbrocken drumherum zu basteln <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" />.

Ich bin mir nicht sicher, ob die Sterne wirklich 17m im Visuellen haben. Die Helligkeiten, die TheSky für die helleren Sterne auf der Karte angibt, sind z.B tendenziell heller. Diese Angaben sind immer mit Vorsicht zu genießen. Ich wollte damit nur sagen, welche Sterne von der Karte gerade noch (!) sichtbar waren.

Viele Grüße
Christian
 
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