JBeisser
Aktives Mitglied
Hallo zusammen,
nach einer langen meteorologischen Durststrecke war es am 29. und 30. Juli 2024 soweit, dass ich endlich mein neues Teleskop in Betrieb nehmen konnte, und zwar ein Spiegelteleskop Takahashi Mewlon 210, ein Dall-Kirkham-Cassegrain mit 210 mm Öffnung und 2415 mm Brennweite.
Das Gerät wird mit einer fest angebauten Prismenschiene im Vixen-Format geliefert, zusammen mit einer Prismenklemme für die Verwendung an originalen Takahashi-Montierungen (was allerdings witzlos ist, weil Takahashi außerhalb Japans keine Montierungen mehr anbietet). Auf die üblichen Doppelaufnahmen (Losmandy/Vixen) von z.B. Skywatcher passt die Konstruktion des Mewlon allerdings, obwohl die Klemmung sicherer sein könnte. Gut festschrauben lautet die Devise also.
Jetzt geht es aber gleich mit den sehr positiven Dingen weiter. Der Tubus ist cremeweiß, heizt sich also im Gegensatz zu den Teleskopen mit schwarzen oder dunkelgrauen Tubusfarben in der Sonne weniger auf und kühlt nachts weniger stark ab. Am 29.7. hatte ich die Ausrüstung ca. 3 Stunden vor Beginn der Beobachtungen auf die Terrasse gestellt. In der Nacht wurde ein Temperaturabfall von 1 °C pro Stunde erwartet. Zu meiner Freude sahen die Sterne bei Beginn der Beobachtungen bei mittlerer Vergrößerung (97x) schon gleich sehr gut aus, deutlich kompakter und schärfer als in den meisten SCs, eingeschlossen mein sehr gutes Meade 8" ACF, das ich kürzlich verkauft hatte. Selbst Sterne nullter und erster Größenklasse waren schön klein und nicht ausgefranst ("wooly"). Der Anblick kam dem in einem guten APO sehr nahe, was auch für den Kontrast gilt.
Die Optik war ab Werk bereits sehr gut kollimiert, efreulicher Weise war auch der exzellente 7x50 Sucher justiert und das Fadenkreuz annähernd parallel zu Rektaszension und Deklination. Ein Nachteil des Suchers ist allerdings, dass dieser nicht beleuchtbar ist.
Man liest ja in vielen Berichten über störende Beugungsfiguren durch die Fangspiegelhalterung, dann über Koma und Spiegelshifting. Um mit letzterem anzufangen, ja, Shifting ist sichtbar, bei meinem Exemplar in der Größenordnung von ein bis zwei Bogenminuten. Mich persönlich stört das nicht sehr, sodass ich die Ausgabe für einen externen Okularauszug (Takahashi oder Feather Touch) nicht in Erwägung ziehe. Koma ist sichtbar, habe sie mir aber viel deutlicher ausgeprägt vorgestellt. Sie ist vergleichbar mit derjenigen in einem f/10 Schmidt-Cassegrain (kein Edge HD oder ACF) oder in einem f/5,6 Newton. Die Beugungskreuze waren nur an sehr hellen Sternen wahrnehmbar (nicht am Saturn!) und für mich nicht störend oder gar abschreckend.
Beobachtet habe ich in beiden Nächten mit je nur zwei Okularen, am 29.7. mit einem 25 mm TeleVue Plössl (97x) und einem 8 mm TeleVue Radian (302x), am 30.7. mit einem 40 mm Celestron Plössl (vintage, silber) (60x) und einem 14 mm Baader Morpheus (172x), jeweils mit einem Baader 1,25" Zenitprisma.
Man liest über die Mewlons oft: "Mond- und Planetengeräte". Ein ziemlicher Unfug. Beobachtet habe ich zwar auch einen Planeten, nämlich Saturn, mit einem sagenhaft scharfen Ring bei 302-facher Vergrößerung und einer Höhe über dem Horizont von nur rund 20°, darüber hinaus aber Offene Sternhaufen, Kugelsternhaufen, einen WR-Nebel, Planetarische Nebel und Galaxien bei unserem Bortle 4,5 Himmel.
Der ästhetische Eindruck der Objekte in einer Skala von 1 bis 5 Sternen war der folgende (teilweise durch Aufhellung in Richtung Süden und am Horizont beeinflusst):
M11 ** (zu helle Umgebung)
M 12 *** (aufgehellte Umgebung)
M 14 *** (aufgehellte Umgebung)
M 15 **** (schön aufgelöst)
M 27 ***** (sehr guter Kontrast, ohne Filter)
M 31 ** (zu groß)
M 32 **** (hell, kontrastreich)
M 57 ***** (sehr hell, toller Kontrast)
M71 **** (eindrucksvoll)
NGC 205 **** (hoher Kontrast, hell)
NGC 404 **** (gut sichtbar mit Mirach im Feld)
NGC 6819 **** (sehr deutlich)
NGC 6826 ***** (extrem gut mit abgegrenzten Hüllen, kein indirektes Sehen erforderlich)
NGC 6888 ** (Nebelbogen ansatzweise sichtbar, ohne Filter)
NGC 6905 **** (deutlich und scharf abgegrenzt)
NGC 7139 * (gerade zu erahnen, mit [OIII]-Filter)
NGC 7331 **** (hell und kontrastreich)
Saturn ***** (genial, Wolkenbänder und Ring sehr scharf, obwohl ohne ADC)
Was die Beobachtung von Emissionsnebeln mit Filtern angeht, hatte ich mir als langbrennweitigstes Okular das 40 mm Plössl zurechtgelegt. Hier zeigte sich in Verbindung mit meinem recht engbandigen 1,25" [OIII]-Filter, dass der Himmelshintergrund bei einer Austrittspupille von 3,5 mm zu dunkel ist. Ein 55 mm Plössl wäre hier mit einer AP von 4,8 mm deutlich besser geeignet. Daran, dass ich noch ein (beinahe historisches) Antares 52 mm Erfle im Koffer habe (AP = 4,5 mm), hatte ich nicht mehr gedacht.
Fazit: das Mewlon 210 ist ein kompaktes, gut transportables und sehr hochwertiges Teleskop (ohne Tauprobleme, wäre noch zu erwähnen), welches nicht nur für Spezialanwendungen wie Mond-, Planeten- und Doppelsternbeobachtungen geeignet, sondern durchaus universell einsetzbar ist.
Viele Grüße
Jürgen
nach einer langen meteorologischen Durststrecke war es am 29. und 30. Juli 2024 soweit, dass ich endlich mein neues Teleskop in Betrieb nehmen konnte, und zwar ein Spiegelteleskop Takahashi Mewlon 210, ein Dall-Kirkham-Cassegrain mit 210 mm Öffnung und 2415 mm Brennweite.
Das Gerät wird mit einer fest angebauten Prismenschiene im Vixen-Format geliefert, zusammen mit einer Prismenklemme für die Verwendung an originalen Takahashi-Montierungen (was allerdings witzlos ist, weil Takahashi außerhalb Japans keine Montierungen mehr anbietet). Auf die üblichen Doppelaufnahmen (Losmandy/Vixen) von z.B. Skywatcher passt die Konstruktion des Mewlon allerdings, obwohl die Klemmung sicherer sein könnte. Gut festschrauben lautet die Devise also.
Jetzt geht es aber gleich mit den sehr positiven Dingen weiter. Der Tubus ist cremeweiß, heizt sich also im Gegensatz zu den Teleskopen mit schwarzen oder dunkelgrauen Tubusfarben in der Sonne weniger auf und kühlt nachts weniger stark ab. Am 29.7. hatte ich die Ausrüstung ca. 3 Stunden vor Beginn der Beobachtungen auf die Terrasse gestellt. In der Nacht wurde ein Temperaturabfall von 1 °C pro Stunde erwartet. Zu meiner Freude sahen die Sterne bei Beginn der Beobachtungen bei mittlerer Vergrößerung (97x) schon gleich sehr gut aus, deutlich kompakter und schärfer als in den meisten SCs, eingeschlossen mein sehr gutes Meade 8" ACF, das ich kürzlich verkauft hatte. Selbst Sterne nullter und erster Größenklasse waren schön klein und nicht ausgefranst ("wooly"). Der Anblick kam dem in einem guten APO sehr nahe, was auch für den Kontrast gilt.
Die Optik war ab Werk bereits sehr gut kollimiert, efreulicher Weise war auch der exzellente 7x50 Sucher justiert und das Fadenkreuz annähernd parallel zu Rektaszension und Deklination. Ein Nachteil des Suchers ist allerdings, dass dieser nicht beleuchtbar ist.
Man liest ja in vielen Berichten über störende Beugungsfiguren durch die Fangspiegelhalterung, dann über Koma und Spiegelshifting. Um mit letzterem anzufangen, ja, Shifting ist sichtbar, bei meinem Exemplar in der Größenordnung von ein bis zwei Bogenminuten. Mich persönlich stört das nicht sehr, sodass ich die Ausgabe für einen externen Okularauszug (Takahashi oder Feather Touch) nicht in Erwägung ziehe. Koma ist sichtbar, habe sie mir aber viel deutlicher ausgeprägt vorgestellt. Sie ist vergleichbar mit derjenigen in einem f/10 Schmidt-Cassegrain (kein Edge HD oder ACF) oder in einem f/5,6 Newton. Die Beugungskreuze waren nur an sehr hellen Sternen wahrnehmbar (nicht am Saturn!) und für mich nicht störend oder gar abschreckend.
Beobachtet habe ich in beiden Nächten mit je nur zwei Okularen, am 29.7. mit einem 25 mm TeleVue Plössl (97x) und einem 8 mm TeleVue Radian (302x), am 30.7. mit einem 40 mm Celestron Plössl (vintage, silber) (60x) und einem 14 mm Baader Morpheus (172x), jeweils mit einem Baader 1,25" Zenitprisma.
Man liest über die Mewlons oft: "Mond- und Planetengeräte". Ein ziemlicher Unfug. Beobachtet habe ich zwar auch einen Planeten, nämlich Saturn, mit einem sagenhaft scharfen Ring bei 302-facher Vergrößerung und einer Höhe über dem Horizont von nur rund 20°, darüber hinaus aber Offene Sternhaufen, Kugelsternhaufen, einen WR-Nebel, Planetarische Nebel und Galaxien bei unserem Bortle 4,5 Himmel.
Der ästhetische Eindruck der Objekte in einer Skala von 1 bis 5 Sternen war der folgende (teilweise durch Aufhellung in Richtung Süden und am Horizont beeinflusst):
M11 ** (zu helle Umgebung)
M 12 *** (aufgehellte Umgebung)
M 14 *** (aufgehellte Umgebung)
M 15 **** (schön aufgelöst)
M 27 ***** (sehr guter Kontrast, ohne Filter)
M 31 ** (zu groß)
M 32 **** (hell, kontrastreich)
M 57 ***** (sehr hell, toller Kontrast)
M71 **** (eindrucksvoll)
NGC 205 **** (hoher Kontrast, hell)
NGC 404 **** (gut sichtbar mit Mirach im Feld)
NGC 6819 **** (sehr deutlich)
NGC 6826 ***** (extrem gut mit abgegrenzten Hüllen, kein indirektes Sehen erforderlich)
NGC 6888 ** (Nebelbogen ansatzweise sichtbar, ohne Filter)
NGC 6905 **** (deutlich und scharf abgegrenzt)
NGC 7139 * (gerade zu erahnen, mit [OIII]-Filter)
NGC 7331 **** (hell und kontrastreich)
Saturn ***** (genial, Wolkenbänder und Ring sehr scharf, obwohl ohne ADC)
Was die Beobachtung von Emissionsnebeln mit Filtern angeht, hatte ich mir als langbrennweitigstes Okular das 40 mm Plössl zurechtgelegt. Hier zeigte sich in Verbindung mit meinem recht engbandigen 1,25" [OIII]-Filter, dass der Himmelshintergrund bei einer Austrittspupille von 3,5 mm zu dunkel ist. Ein 55 mm Plössl wäre hier mit einer AP von 4,8 mm deutlich besser geeignet. Daran, dass ich noch ein (beinahe historisches) Antares 52 mm Erfle im Koffer habe (AP = 4,5 mm), hatte ich nicht mehr gedacht.
Fazit: das Mewlon 210 ist ein kompaktes, gut transportables und sehr hochwertiges Teleskop (ohne Tauprobleme, wäre noch zu erwähnen), welches nicht nur für Spezialanwendungen wie Mond-, Planeten- und Doppelsternbeobachtungen geeignet, sondern durchaus universell einsetzbar ist.
Viele Grüße
Jürgen