Erste Eindrücke Zeiss 8x42FL

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Thomas_Be

Aktives Mitglied
Hallo liebe Forumsleser,

vor einigen Tagen habe ich mir eines dieser neuen Wundergläser von Zeiss, das 8x42FL, angeschaft.

Zunächst sei gesagt, das dies sicher kein Testbericht im engeren Sinne ist, sondern lediglich meine ersten persönlichen Erfahrungen mit dem 8x42FL. "Vorbildung" in Sachen "Spitzenoptik" besteht lediglich in Form eines Zeiss 8x20 Victory (seit April 2004), dem 24-Stundentest eines Zeiss 10x56 Victory, sowie diverser Leicas, Zeiss und Swarowskis vor der Ladentür. Also bitte nicht zu viel Expertenmässiges erwarten.

Zunächst die Eindrücke am Tage:

Ähnlich wie bei einem vor einiger Zeit getesteten 10x56 Victory erschlägt einen das plastische brillante Bild des 8x42FL beinahe! Allerdings wirkt das Bild im neuen FL durch den wesentlich geringeren Farbfehler natürlich nochmals um einiges brillanter, wenngleich auch die Gegenüberstellung von 10x56 und 8x42 nicht ganz korrekt ist.... Die Gegenlichtunterdrückung ist beispielhaft und, wenn ich das noch richtig in Erinnerung habe, besser als beim 10x56 und selbstverständlich auch um Längen besser als bei meinem kleinen 8x20 Victory! Gestern hatten wir auf einem kleinen Bahnhof im Westerwald eine längere Pause. Dort gibt es an einer hohen Brücke direkt unter dem Brückengeländer ein Hornissennest, welches jedoch nur von unten aus einer Entfernung von etwa 10m einsehbar ist. Die Kontraste zwischen dem Nest, welches unter einem kleinen Vorsprung liegt und dem Himmelshintergrund sind bei der Beobachtung von unten natürlich heftig. Trotzdem konnte man mit dem 8x42 eindeutig die Hornissendrohnen von den Hornissenarbeiterinnen unterscheiden (erstere haben deutlich längere Fühler). Mit dem vergleichsweise mitgeführten 8x20 war das unter diesen Bedingungen ein Problem.

Die Randschärfe ist meines Erachtens in Ordnung, auch wenn sich Frank Schäfer mal darüber etwas enttäuscht geäussert hat. Beim grossen Victory ist sie auch nicht besser (eher schlechter) und ich glaube eher, dass es kaum möglich ist, ein wirklich randscharfes Glas zu bauen - zumindest wenn dies in WW-Ausführung noch transportabel sein soll.

Auch erste Nachtbeobachtungen konnte ich machen. Jedoch waren die Bedingungen in den letzten Nächten bei uns nicht optimal. Dennoch habe ich den Eindruck, dass hier eher die körpereigene Optik das Limit setzt, als das Fernglas (obwohl mir mein Augenarzt noch recht gute Augen attestiert, von der einfachen geringen Kurzsichtigkeit einmal abgesehen). Dort stehen aber noch unbedingt weitere Beobachtungen zur Urteilsfindung an.

Eine etwas erstaunliche Beobachtung habe ich jedoch auch noch gemacht:
Wenn ich bei nicht ganz so starkem Licht (bei Bewölkung oder in Innenräumen) versuche, kleine Schriften zu lesen, dann scheint das 8x20 Victory etwas schärfer und "knackiger" zu sein als das 8x42FL. Hänge ich dagegen eine Zeitungsseite direkt ins Sonnenlicht, dann relativiert sich der Unterschied ins Belanglose. Hat da jemand schon einmal ähnliche Erfahrungen gemacht? Ich bin zwar kein Optikexperte, aber zwei mögliche Ursachen ziehe ich hier in Betracht:

1.: Der Farbfehler des kleinen 8x20 ist offensichtlich noch geringer als beim 8x42FL, was sich natürlich auch entsprechend auf die Darstellung von harten Kontrasten wie schwarzer Schrift auf weissem Grund auswirkt. Gegen diese These spricht allerdings die Tatsache, dass der Unterschied bei heller Beleuchtung gemildert ist bzw. fast verschwindet.

2.: Bei etwas weniger Licht öffnet sich die Pupille des eigenen Auges, und wie vom Objektiv eines Fotoapparates her bekannt, bildet ein optisches System immer im abgeblendeten Zustand etwas besser ab als bei offener Blende. So ist es sicher auch beim Auge. Die AP des 8x42 leuchtet bei weniger Licht ggf. die gesamte geöffnete Augenpupille aus, während das 8x20 auch die geöffnete Augenpupille "künstlich" auf die AP des Glases von 2,5mm abblendet. Somit könnte dann das kleine 8x20 kurioserweise bei etwas weniger Licht (für das es eigentlich gar nicht gedacht ist!) unter bestimmten Voraussetzungen geringfügig schärfer abbilden, als ein Glas mit grösserer AP. Für diese These spricht nun die Tatsache, dass der Unterschied bei heller Beleuchtung gemildert ist bzw. fast verschwindet, den bei hellem Sonnenlicht blendet nämlich die Iris des Auges die grössere AP des 8x42 auf etwa 2,5mm ab - also genau auf die AP des 8x20. Somit wäre dann zwischen den beiden Gläser vom Empfinden her kein Unterschied mehr hinsichtlich der AP! Mir selber fehlt hier leider noch etwas die Erfahrung mit Spitzengläsern - abgesehen von meinem bisherigen 8x20, aber ich bin trotzdem auf die Expertenmeinungen zu diesem Vergleich gespannt.

Trotzdem ist das Glas meiner Meinung nach grossartig und sein Geld wert! Es ist eben so, dass man bei derartig teuren Gläsern manchmal dazu neigt, allzu akribisch herumzuvergleichen und sich vielleicht sogar Mancher dabei den Spass mit dem Glas verdirbt. Um so schlimmer ist dies, wenn man ohne echtes Fachwissen und ausreichende Erfahrung Ungleiches vergleicht und daraus feste Schlüsse zieht. Das 8x42 ist auf jeden Fall ein grossartiges Glas und ich bereue den Kauf keinesfalls! Mich wunderte nur zunächst, dass das winzige 8x20 eine kleine optische Disziplin drauf hat, die es vielleicht etwas besser beherrscht als das neue 8x42FL, aber das ist möglicherweise rein physikalisch begründet und ergibt keine echte Produktwertung! Auf Expertenmeinungen dazu bin ich jedoch sehr gespannt.

Die Handlichkeit des 8x42FL halte ich auch für ausgezeichnet. Sehr gelungen ist der Mittelantrieb, der wahlweise zum Dioptrinausgleich, wie zum Fokussieren dient. Die Brillentauglichkeit ist hervorragend. Obwohl ich mit anderen "brillentauglichen" Gläsern oft Probleme habe, muss ich beim FL die Okularhülsen nicht mal unbedingt ganz hereindrehen! Beobachte ich ohne Brille (wie meistens) dann muss ich dagegen die Okularhülsen natürlich komplett herausdrehen und darf auch dann das Glas nur ganz leicht ansetzen, da ich sonst zu nahe an das Okular herankomme. Ich würde daher anraten, die Okularhülsen noch etwas weiter herausschraubbar zu konstruieren, denn wenn ich das Glas etwas fester an die Augen drücke, dann ist zwar der Seitenlichtschutz besser, aber der Okularabstand ist bereits zu kurz und es zeigen sich dann Einschwärzungen am Gesichtsfeldrand.

Gesamtfazit:
Das 8x42FL ist "bombig", und sicher werde ich wie beim 8x20 den Kauf nicht bereuen. Auch letzteres begeistert mich nach vielen Monaten immer wieder und es war wohl auch der Auslöser zum Erwerb des 8x42er - eben etwas zweiäugiges Feines, was auch dämmerungs- und himmelstauglich ist.

Weitere "Eindrücke" werden ggf. noch folgen.

Viele Grüsse:
Thomas
 
Hallo Thomas,

danke für den interessanten Bericht! Ich neige dazu, Dir bzgl. des Schriften-Tests in Punkt 2 zuzustimmen: Das 8x20 blendet ab und hat hier womöglich einen Vorteil gegenüber dem lichtstarken 8x40, das vielleicht auch gar nicht auf so kurze Distanz optimiert wurde. Ein kleiner Restfehler wird dann sichtbar, wenn unter schwacher Beleuchtung die volle Austrittspupille genutzt wird. Aus diesem Grund ist es auch gar nicht so gut, die Randschärfe im hellen Tageslicht zu testen, wenn die Augen das 8x40 auf (praktisch) 8x20 abblenden. Der Test am Sternhimmel ist daher immer noch die bessere Lösung, und zwar umso mehr, je lichtstärker ein Fernglas ist.

Gruss,
Holger
 
Hallo Thomas,

sehr schöner Bericht, der richtig Lust gemacht hat, das Fernglas selber mal anzuschauen. Vielleicht werde ich morgen in der Mittagspause zu einem Händler fahren und um einen Testblick bitten. Bei uns in Düsseldorf ist das gar nicht so einfach. Ein Händler hat mir mal gesagt: "Alle wollen durchsehen, keiner will kaufen". Und da ging es nur um ein schnödes Minolta Fernglas!

Deine interessante Erklärung mit dem Schärfeeffekt durch die geschlossenere Iris bei heller Umgebung leuchtet mir ein. Da liegst Du wohl richtig.

Ehrlicherweise muss man zugestehen, dass der Name "Zeiss" immer noch eine besondere Emotion auslöst. Um so schlimmer ist es, dass Zeiss in diesen Tagen erklärt hat, keine geschäftlichen Aktivitäten im Geschäftsfeld der Astronomischen Geräte mehr durchzuführen.
http://www.zeiss.de/C12567BC00334A85?Open

Sehr traurig!

Viele Grüße
Andreas
 
> ich glaube eher, dass es kaum möglich ist, ein wirklich randscharfes Glas zu bauen - zumindest wenn dies in WW-Ausführung noch transportabel sein soll.

Hallo Thomas,

warum nicht? Schaut man sich bei Nikon die SE's an oder die Porrogläser von Fujinon, so sieht man doch, daß es mit der Randschärfe klappt. Würde Fujinon ein 8x40 in der optischen Güte des 10x50 auflegen, so wäre das vielleicht sogar transportabel und für den normalen Tageinsatz geeignet. Würde Fujinon das 8x40 für die Armee bauen, dann wäre es um die Transportabilität wohl nicht so gut bestellt. Hier sind es die speziellen Anforderungen an die Robustheit, welche ein transportables Design möglicherweise verhindern. Vielleicht gibt es ja ein solches 8x42? Fujinon hat doch eine deutlich breitere Palette an Ferngläsern im Programm als hierzulande angeboten wird.

Die Frage nach einem randscharfen Fernglas würde ich anders stellen: braucht man so ein Glas in der normalen Praxis? Ich hatte immer den Eindruck, daß die Beobachtung mit einem Nikon 10x42 SE bei Tag etwas "holprig" vonstatten geht. In einem "normalen" Zeiss ist das Bild für mich ruhiger und entspannter, wenn ich in der Bewegung beobachte (wenn man z.B. einen Waldrand "abscannt"). Dagegen ist das 10x42 SE am Sternhimmel eine Wucht. Hier hat man wirklich eine sehr gute Schärfe bis in den Randbereich (ähnlich wie beim Fujinon 10x50). Bei Zeiss wird man sich schon überlegen, ob sich der Aufwand für eine solche Randkorrektur lohnt und ob das der normale Kunde überhaupt wünscht. Für die paar nachtaktiven Beobachter von punktförmigen Lichtquellen gibt es doch bessere Alternativen (z.B. Nikon oder Fujinon).

> aber ich bin trotzdem auf die Expertenmeinungen zu diesem Vergleich gespannt.

Ich denke, Walter hat eine plausible Erklärung als Antwort auf Deinen Bericht im Forum von Werner Jülich gegeben. Das müsste es doch treffen. So wie ich das sehe, berührt das auch noch einen anderen Punkt. Wenn man sich in Erfahrungsberichten über die Randschärfe ausläßt, dann sollte man wohl besser dazu schreiben, daß die Einschätzung nur für das aktuell verwendete optische System aus "Auge und Fernglas" gilt. Sonst bekommt noch jemand den Eindruck, das Zeiss 8x42 FL wäre in der Beziehung ein sehr gutes oder ein weniger gutes Fernglas. Dabei sind vielleicht nur die Augen sehr gut oder weniger gut? In meinem Bericht hatte ich geschrieben, daß ich mit der Randschärfe weniger zufrieden bin. Vielleicht sollte ich nochmal zum Augenarzt gehen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ...

Frank.
 
Hallo Frank,

vielen Dank für Deine Stellungnahme und natürlich auch an die beiden anderen Antwortschreiber!

Die Sache mit der Randschärfe scheint eine hohe Wissenschaft für sich zu sein. Offenbar wird hier immer wieder das Zusammenspiel zwischen dem individuellen Auge und dem Fernglas vergessen und etwaige "Fehler" schnell als Qualitätsmangel eines Fernglases abgetan, obwohl vielleicht nur das Auge nicht optimal mit dem Glas harmoniert. Das heist umgekehrt natürlich auch nicht zwingenderweise, das der Beobachter, der eine Randunschärfe wahrnimmt, einen Termin beim Augendoktor machen muss...

Allerdings steht bei mir eh' bald ein Termin beim Augenarzt an. Ich werde ihn dann auf jeden Fall einmal ansprechen auf das Phänomen der etwas besseren (wahrgenommenen) Schärfe beim kleinen 8x20 mit AP 2,5 als beim AP 5,25. In meiner Vergangenheit hatte ich auch bereits mehrmals kleine Fremdkörper im Auge, die sich durch Fahrtwind auf der Hornhaut festgesetzt hatten. Diese mussten dann z.T. herausgefräst werden. Möglicherweise verursachen diese winzigen Narben ja bei geöffneter Pupille doch eine kleine Fehlsichtigkeit, die wegen Gewöhnung beim normalen Sehen nicht auffallen, jedoch bei der Benutzung guter Ferngläser mit unterschiedlicher AP im Vergleich auffallen. Der Sehtest an sich ist bei mir in Ordnung, allerdings wird der Sehtest auch nicht im Dämmerlicht gemacht.

Wie dem auch sei:
Ich hatte das Glas auch vor dem Kauf kritisch getestet und dann nochmal eine gute Woche Zeit in's Land gehen lassen. Es geht hier nun lediglich um Nuancen, die mich auch nicht vom Kauf abgehalten haben, denn das Glas ist meiner Meinung nach wirklich gut!

Gruss:
Thomas
 
> Die Sache mit der Randschärfe scheint eine hohe Wissenschaft für sich zu sein.

Hallo Thomas,

ja, das ist wohl nicht so einfach. Noch schwieriger ist es, in einem Erfahrungsbericht belastbare Angaben zu machen. Am besten man läßt die Finger davon <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> ...

Ich hatte vor einiger Zeit das Vergnügen mit dem Fujinon 10x50 und dabei konnte ich am Sternhimmel die wirklich herausragende Randschärfe bewundern. Wenn das Zeiss 8x42 FL in Kombination mit meinen ganz persönlichen und dunkeladaptierten Augen schlechter abschneidet, so wird der Grund hierfür wohl nicht allein an der 0,25mm größeren AP liegen. Daraus würde ich für mich zwei Aussagen ableiten:

1. die Randunschärfe beim FL ist wohl nicht nur Einbildung
2. den Besuch beim Augenarzt kann ich noch verschieben.

Wenn andere Beobachter dem 8x42 FL eine sehr gute Randschärfe attestieren, so könnte das z.T. auch am Alter liegen. Wenn sich die Randunschärfe mit größerem Akkommodationsvermögen in gewissem Grad kompensieren läßt, dann könnten junge Leute zu einer besseren Beurteilung kommen. Daraus könnte man folgern:

3. bei Erfahrungsberichten immer das Alter des Beobachters angeben. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

> Es geht hier nun lediglich um Nuancen, die mich auch nicht vom Kauf abgehalten haben, denn das Glas ist meiner Meinung nach wirklich gut!

Bei mir waren zwei Gründe für den Nicht-Kauf ausschlaggebend. Die Randunschärfe könnte ich verschmerzen, für Tagbeobachtungen hätte sie mich auch nicht gestört. Für Astro wollte ich bei dem Preis allerdings nicht damit leben. Der zweite Grund war die ausladende Bauweise. Ein Leica Ultravid 8x42 ist ein gutes Stück kürzer und insgesamt kompakter. Und verglichen mit dem Ultravid 8x42 BL wirkt das Zeiss schon ziemlich wuchtig. Für ein universelles Fernglas bei Tag war mir das FL ein Stück zu groß. Daher schiele ich jetzt immer mit einem Auge auf meinen Kontostand und mit dem zweiten auf die Zeiss Website und die hoffentlich bald folgende Ankündigung zur Markteinführung des 8x32 FL <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> ...

Frank.
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben