NONSENS
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Liebe Beobachter,
nachdem ich gestern über eine erste Sonnenbeobachtung mit meinem neuen Meade 10" Schmidt-Newton berichtet hatte, gab es letzte Nacht beste Gelegenheit, auch die Nachthimmeltauglichkeit zu beurteilen. Die Durchsicht war außergewöhnlich gut und die Luft sehr trocken, kaum Fremdlicht, und zum Vergleich war ein Nachbarsternfreund mit seinem 12" f/5 Newton dabei.
Für Testzwecke hatte ich das Fernrohr bereits ein paarmal draußen und war mit der Abbildung schon sehr zufrieden. Gestern wollte ich möglichst weit in die Dunkelheit eindringen, obwohl Grenzgrößenbestimmungen im eigentlichen Sinne nicht geplant waren. Mein größtes Fernrohr bisher war ein ziemlich apochromatischer 5"-Refraktor, und ich wollte einfach mal sehen, wie anders so ein größerer Spiegel ist (ein paar Erfahrungen hatte ich schon mit besagtem 12" Newton).
Und es ist wirklich so, wie es immer geschrieben wird: es eröffnet sich bei (etwa) 10" eine ganz neue Welt am alten Himmel! Das ist eine Erfahrung, die man machen muß, um sie zu verstehen. Einfaches Beispiel: NGC 7331, eine 10m-Galaxie an der NW-Ecke des Pegasus-Vierecks. Vor einem Jahr habe ich sie mit dem Refraktor gesehen und als in N-S-Richtung längliches Nebelfleckchen beschrieben und war stolz, sie mehr als nur erkannt zu haben. Gestern im Spiegel war ganz deutlich zu sehen, daß der W-Rand scharf und der O-Rand diffus begranzt war. Am W-Rand konzentrierte sich die Helligkeit, und obwohl ich vorher kein Foto gesehen habe, war klar, daß nach W dunkle Materie in den Spiralarmen sein muß. Noch mehr: ein paar Min. östlich der Galaxie war ein weiteres, ganz schwaches Nebelfleckchen zu sehen. In Guide 8 habe ich später gesehen, daß das NGC 7335 gewesen sein muß. Die wird in Guide mit 14m.7 geführt. Der Deep Sky-erfahrene Leser ahnt sicher, daß ich eigentlich Stephans Quintett auf der Spur war. Und tatsächlich konnte ich an der Stelle unweit von NGC 7331 drei Nebelfleckchen zu sehen, gebildet von vier der Galaxien zwischen 13m.2 und 14m.4 . Im 12"er hatte ich sie vorher schon einmal gesehen, habe aber nicht erwartet, mit dem 10" SN so schnell erfolgreich zu sein!
Weitere Highlights der vergangenen Nacht: Der Cirrusnebel wird im 10"er+UHC fast unbeschreiblich. Ich konnte ziemlich hoch vergrößern, und die Nebelbögen faserten sich in feine Fäden auf - phantastisch! M15 ist eine Augenweide, Stern an Stern bis ins Zentrum. NGC 7009 (Saturnnebel) hell und wirklich "saturnförmig", allerdings eher hellblau (wird sonst als grün beschrieben); ein 14m.2 heller Nachbarstern konnte gut zum Fokussieren benutzt werden! Der Hantelnebel imponiert nicht mehr durch die Hantelform, sondern durch seine größte Ausdehnung in Richtung der Halos, und durch viele Vordergrundsterne (Zentralstern natürlich auch). NGC 891 laaang und mit Staubband...
Also: die vom Hersteller angegebenen 14m.5 werden locker erreicht. Überrascht hat mich die gute Sichtbarkeit der schwachen Flächenobjekte, aber warum nicht! Die Abbildung ist SEHR gut, trotz 80mm Fangspiegel hoher Kontrast und punktförmige Sterne. Ebenfalls sehr gut die Farbwiedergabe. Der Saturnnebel war auch im 12"er (ohne Schmidtplatte o.ä.) blau, Sternfarben (z.B. in h und chi Per) können gut unterschieden werden. Die Auflösung wird noch speziell getestet werden, scheint aber auch nicht schlecht zu sein, siehe Sonne.
Zum Schluß will ich noch die negativen Eigenschaften des Fernrohres erwähnen. Der original Okularauszug (aus Plastik) war nicht zu verwenden. Beim ersten Test hatte ich schon gedacht, eine "Gurke" gekauft zu haben, weil kein richtiger Fokus zu finden war. Es stellte sich aber heraus, daß der Auszug mit chinesischem "Klebefett" verklebt war, welches nach jeder Fokussierbewegung eine kleine Rückstellung bewirkte. Nach Entfernung des Fettes wackelte das Auszugsrohr noch mehr als vorher und war auch nicht besser zu gebrauchen. Ich habe also zuerst einen neuen Auszug angebaut.
Ich habe den Schmidt-Newton nur als OTA gekauft. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die dazugehörige LXD55-Montierung die 13kg einigermaßen ruhig halten kann. Das sollte bei Kaufentscheidungen auf jeden Fall gut überlegt werden. Eine EQ6 ist sicher schon ganz brauchbar, bei mir wird das Rohr von einer AOK WAM 400 gut gehalten.
Schließlich ist eine Taukappe fast unerläßlich. Gestern hatte ich eine provisorisch angebaut (Scheibenplane aus dem Baumarkt) und drei Stunden keinen Tau auf der Platte. Bei den vorherigen Beobachtungen ohne Taukappe mußte nach etwa 1 Stunde abgebrochen werden. Damit werde ich mich auch noch einmal beschäftigen müssen.
Und zuletzt noch ein paar Daten zu den gestrigen Beobachtungen: Zeit 20:45 bis 23:45, Ort: südlich von Lüneburg, Okulare: Zeiss Orthos, Spectros Plössl´s, Nagler, Meade WA, Antares Erfle, Radian ... (die Nagler´s waren die besten, aber die gehören leider nicht mir!).
Viele Grüße von Michael.
nachdem ich gestern über eine erste Sonnenbeobachtung mit meinem neuen Meade 10" Schmidt-Newton berichtet hatte, gab es letzte Nacht beste Gelegenheit, auch die Nachthimmeltauglichkeit zu beurteilen. Die Durchsicht war außergewöhnlich gut und die Luft sehr trocken, kaum Fremdlicht, und zum Vergleich war ein Nachbarsternfreund mit seinem 12" f/5 Newton dabei.
Für Testzwecke hatte ich das Fernrohr bereits ein paarmal draußen und war mit der Abbildung schon sehr zufrieden. Gestern wollte ich möglichst weit in die Dunkelheit eindringen, obwohl Grenzgrößenbestimmungen im eigentlichen Sinne nicht geplant waren. Mein größtes Fernrohr bisher war ein ziemlich apochromatischer 5"-Refraktor, und ich wollte einfach mal sehen, wie anders so ein größerer Spiegel ist (ein paar Erfahrungen hatte ich schon mit besagtem 12" Newton).
Und es ist wirklich so, wie es immer geschrieben wird: es eröffnet sich bei (etwa) 10" eine ganz neue Welt am alten Himmel! Das ist eine Erfahrung, die man machen muß, um sie zu verstehen. Einfaches Beispiel: NGC 7331, eine 10m-Galaxie an der NW-Ecke des Pegasus-Vierecks. Vor einem Jahr habe ich sie mit dem Refraktor gesehen und als in N-S-Richtung längliches Nebelfleckchen beschrieben und war stolz, sie mehr als nur erkannt zu haben. Gestern im Spiegel war ganz deutlich zu sehen, daß der W-Rand scharf und der O-Rand diffus begranzt war. Am W-Rand konzentrierte sich die Helligkeit, und obwohl ich vorher kein Foto gesehen habe, war klar, daß nach W dunkle Materie in den Spiralarmen sein muß. Noch mehr: ein paar Min. östlich der Galaxie war ein weiteres, ganz schwaches Nebelfleckchen zu sehen. In Guide 8 habe ich später gesehen, daß das NGC 7335 gewesen sein muß. Die wird in Guide mit 14m.7 geführt. Der Deep Sky-erfahrene Leser ahnt sicher, daß ich eigentlich Stephans Quintett auf der Spur war. Und tatsächlich konnte ich an der Stelle unweit von NGC 7331 drei Nebelfleckchen zu sehen, gebildet von vier der Galaxien zwischen 13m.2 und 14m.4 . Im 12"er hatte ich sie vorher schon einmal gesehen, habe aber nicht erwartet, mit dem 10" SN so schnell erfolgreich zu sein!
Weitere Highlights der vergangenen Nacht: Der Cirrusnebel wird im 10"er+UHC fast unbeschreiblich. Ich konnte ziemlich hoch vergrößern, und die Nebelbögen faserten sich in feine Fäden auf - phantastisch! M15 ist eine Augenweide, Stern an Stern bis ins Zentrum. NGC 7009 (Saturnnebel) hell und wirklich "saturnförmig", allerdings eher hellblau (wird sonst als grün beschrieben); ein 14m.2 heller Nachbarstern konnte gut zum Fokussieren benutzt werden! Der Hantelnebel imponiert nicht mehr durch die Hantelform, sondern durch seine größte Ausdehnung in Richtung der Halos, und durch viele Vordergrundsterne (Zentralstern natürlich auch). NGC 891 laaang und mit Staubband...
Also: die vom Hersteller angegebenen 14m.5 werden locker erreicht. Überrascht hat mich die gute Sichtbarkeit der schwachen Flächenobjekte, aber warum nicht! Die Abbildung ist SEHR gut, trotz 80mm Fangspiegel hoher Kontrast und punktförmige Sterne. Ebenfalls sehr gut die Farbwiedergabe. Der Saturnnebel war auch im 12"er (ohne Schmidtplatte o.ä.) blau, Sternfarben (z.B. in h und chi Per) können gut unterschieden werden. Die Auflösung wird noch speziell getestet werden, scheint aber auch nicht schlecht zu sein, siehe Sonne.
Zum Schluß will ich noch die negativen Eigenschaften des Fernrohres erwähnen. Der original Okularauszug (aus Plastik) war nicht zu verwenden. Beim ersten Test hatte ich schon gedacht, eine "Gurke" gekauft zu haben, weil kein richtiger Fokus zu finden war. Es stellte sich aber heraus, daß der Auszug mit chinesischem "Klebefett" verklebt war, welches nach jeder Fokussierbewegung eine kleine Rückstellung bewirkte. Nach Entfernung des Fettes wackelte das Auszugsrohr noch mehr als vorher und war auch nicht besser zu gebrauchen. Ich habe also zuerst einen neuen Auszug angebaut.
Ich habe den Schmidt-Newton nur als OTA gekauft. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die dazugehörige LXD55-Montierung die 13kg einigermaßen ruhig halten kann. Das sollte bei Kaufentscheidungen auf jeden Fall gut überlegt werden. Eine EQ6 ist sicher schon ganz brauchbar, bei mir wird das Rohr von einer AOK WAM 400 gut gehalten.
Schließlich ist eine Taukappe fast unerläßlich. Gestern hatte ich eine provisorisch angebaut (Scheibenplane aus dem Baumarkt) und drei Stunden keinen Tau auf der Platte. Bei den vorherigen Beobachtungen ohne Taukappe mußte nach etwa 1 Stunde abgebrochen werden. Damit werde ich mich auch noch einmal beschäftigen müssen.
Und zuletzt noch ein paar Daten zu den gestrigen Beobachtungen: Zeit 20:45 bis 23:45, Ort: südlich von Lüneburg, Okulare: Zeiss Orthos, Spectros Plössl´s, Nagler, Meade WA, Antares Erfle, Radian ... (die Nagler´s waren die besten, aber die gehören leider nicht mir!).
Viele Grüße von Michael.