JBeisser
Aktives Mitglied
Hallo und noch ein frohes Neues!
Nach Monaten gab es gestern, am 8. Januar endlich wieder vorhersehbar einen wolkenfreien Himmel. Dazu durfte mein 120/900 Apo mal wieder aus der Tasche.
Der Himmel hier bei Bremen war, wie es manchmal im Winter durch die Schneereste und das fehlende Laub der Fall ist, fast gleichmäßig stärker aufhehellt als sonst. Dazu kommt, dass wir straßenseitig eine Beleuchtung bekommen haben, die früher fehlte. Leider wird sie erst weit nach Mitternacht abgeschaltet. Gemessen habe ich mit dem SQM-L bei Ausrichtung auf den Zenit einen Wert von 20,3 Magnituden pro Quadratbogensekunde. Allmählich scheint sich der Bortle-Wert von ursprünglich 4 in Richtung 5 zu verschlechtern.
Egal, Beobachterherz kennt keinen Schmerz (außer bei Frost an den Füßen), so konnte es losgehen. Das Seeing war anfangs befriedigend, also ging es mit Jupiter los. Vergrößerungen bis 112-fach ließen ihn knackig und kontrastreich erscheinen, der GRF war auf der Vorderseite und hob sich vom SEB gut ab, kam aber blass herüber.
Versuchsweise stellte ich die Position von 114P/Kushida ein, dessen Helligkeit in den letzten Tagen von anderen Beobachtern sehr unterschiedlich geschätzt wurde (maximal mit 10 mag), aber da war gar nichts zu erkennen.
Das Seeing verschlechterte sich in den nächsten Stunden deutlich, sodass die Sterne keine Beugungsscheibchen und -ringe zeigten, sondern nur noch Speckles. Mir gefällt der englische Begriff für solche Sternabbildungen: "wooly", also "wollig". Das machte aber nichts, denn es gibt ja genügend Objekte, bei denen man nicht hoch zu vergrößern braucht.
Den Anfang machte der Emissionsnebel NGC 1491 im Perseus. Im 14 mm Morpheus ohne Filter recht deutlich als fächerartige Aufhellung gesehen. Mit Filter sollte da noch mehr gehen, aber ich wollte mir gestern die Fummelei ersparen.
Weiter ging es mit der OB-Assoziation bei alpha Per, die bogenförmige Sternengruppe, die zu meinen Favoriten bei der Feldstecherbeobachtung zählt. Dazu stellte ich im Apo 34 Per ein. Mit einem 33 mm Weitwinkel (V=27x) passte tatsächlich die ganze Gruppe ins Bildfeld, ein sehr imposanter Eindruck.
Das nächste Objekt sollte NGC 891 sein. Ein bei nicht ganz dunklem Himmel immer schwieriges Objekt, und ich muss sagen, tatsächlich deutlich schwieriger als M 74 beim letzten Mal mit demselben Gerät. Nur durch Einstellen der Position und genauem Hinsehen war ein schwacher Schimmer zu erkennen. Ob mehr Öffnung auch mehr gezeigt hätte? Vermutlich nicht, denn NGC 891 ist nicht sehr klein, also kommt es vor allem auf die Flächenhelligkeit an.
Der Stier stand hoch am Himmel, also wollte ich mal wieder M 1 sehen. Das lohnte sich dann wirklich, der SNR hob sich richtig gut vom Himmelshintergrund ab. Natürlich kann man nicht erwarten, mit der bescheidenen Öffnung Filamente zu erkennen, aber das Glimmen der Synchrotronstrahlung ist auch schön anzusehen (Mist, wieder vergessen, einen Polfilter auszuprobieren, aber ich wollte ja auch in der Kälte nicht mit Filtern hantieren).
Das Seeing hatte sich inzwischen deutlich gebessert, so durften nun auch ein paar Doppelsterne und kleine Nebel an die Reihe kommen. Rigel stand schon in brauchbarer Höhe, viel erwartet hatte ich zwar nicht, aber da war er, Rigel B, sofort klar und deutlich, von der Okularbrennweite relativ unabhängig. Gutes Seeing ist natürlich auch für kleine PNe hilfreich, davon gibt es in den Zwillingen zumindest zwei bekannte. Mit NGC 2371-2 machte ich den Anfang. Er war zwar nicht als zwei getrennte Teile zu sehen, wie die Bezeichnung suggeriert, aber trotzdem recht gut als elliptisches Nebelchen mit ordentlicher Helligkeit. Da durfte natürlich auch NGC 2392 nicht fehlen, immer wieder schön anzusehen mit Zentralstern, heller innerer und deutlich abgegrenzter schwächerer äußerer Hülle.
Mutig geworden ging es nun zu meinem persönlichen "Moby Dick", nämlich dem Doppelstern eta Gem, auch Propus genannt. Mit unterschiedlichen Teleskopen zwischen 80 und 200 mm Öffnung hatte ich früher schon mehrfach versucht, den um ca. 3 Größenklassen schwächeren Begleiter zu erspähen, was mir aber bis gestern nicht gelungen war. Und tatsächlich, bei hoher Vergrößerung (ich glaube, es war ein 6 mm Okular, also V=150x) stand plötzlich ein kleines Pünktchen knapp außerhalb des ersten Beugungsringes vom Hauptstern bei einem grob geschätzten Positionswinkel von 270°. Der korrekte Positionswinkel ist nach Stelle Doppie zwar 257° und die Distanz 1,8", aber das war eindeutig.
Das ließ für den Orionnebel und das Trapez Gutes erwarten, und so war es dann auch. M 42 war prachtvoll anzusehen, obwohl noch nicht im Meridian, und das berühmte Trapez ließ die Komponenten A bis F sichtbar werden.
Trotz der Kälte (immerhin bei Windstille) war es ein schöner Beobachtungsabend, den ich nicht missen möchte. Nachher geht es wieder nach draußen
.
Viele Grüße
Jürgen
Nach Monaten gab es gestern, am 8. Januar endlich wieder vorhersehbar einen wolkenfreien Himmel. Dazu durfte mein 120/900 Apo mal wieder aus der Tasche.
Der Himmel hier bei Bremen war, wie es manchmal im Winter durch die Schneereste und das fehlende Laub der Fall ist, fast gleichmäßig stärker aufhehellt als sonst. Dazu kommt, dass wir straßenseitig eine Beleuchtung bekommen haben, die früher fehlte. Leider wird sie erst weit nach Mitternacht abgeschaltet. Gemessen habe ich mit dem SQM-L bei Ausrichtung auf den Zenit einen Wert von 20,3 Magnituden pro Quadratbogensekunde. Allmählich scheint sich der Bortle-Wert von ursprünglich 4 in Richtung 5 zu verschlechtern.
Egal, Beobachterherz kennt keinen Schmerz (außer bei Frost an den Füßen), so konnte es losgehen. Das Seeing war anfangs befriedigend, also ging es mit Jupiter los. Vergrößerungen bis 112-fach ließen ihn knackig und kontrastreich erscheinen, der GRF war auf der Vorderseite und hob sich vom SEB gut ab, kam aber blass herüber.
Versuchsweise stellte ich die Position von 114P/Kushida ein, dessen Helligkeit in den letzten Tagen von anderen Beobachtern sehr unterschiedlich geschätzt wurde (maximal mit 10 mag), aber da war gar nichts zu erkennen.
Das Seeing verschlechterte sich in den nächsten Stunden deutlich, sodass die Sterne keine Beugungsscheibchen und -ringe zeigten, sondern nur noch Speckles. Mir gefällt der englische Begriff für solche Sternabbildungen: "wooly", also "wollig". Das machte aber nichts, denn es gibt ja genügend Objekte, bei denen man nicht hoch zu vergrößern braucht.
Den Anfang machte der Emissionsnebel NGC 1491 im Perseus. Im 14 mm Morpheus ohne Filter recht deutlich als fächerartige Aufhellung gesehen. Mit Filter sollte da noch mehr gehen, aber ich wollte mir gestern die Fummelei ersparen.
Weiter ging es mit der OB-Assoziation bei alpha Per, die bogenförmige Sternengruppe, die zu meinen Favoriten bei der Feldstecherbeobachtung zählt. Dazu stellte ich im Apo 34 Per ein. Mit einem 33 mm Weitwinkel (V=27x) passte tatsächlich die ganze Gruppe ins Bildfeld, ein sehr imposanter Eindruck.
Das nächste Objekt sollte NGC 891 sein. Ein bei nicht ganz dunklem Himmel immer schwieriges Objekt, und ich muss sagen, tatsächlich deutlich schwieriger als M 74 beim letzten Mal mit demselben Gerät. Nur durch Einstellen der Position und genauem Hinsehen war ein schwacher Schimmer zu erkennen. Ob mehr Öffnung auch mehr gezeigt hätte? Vermutlich nicht, denn NGC 891 ist nicht sehr klein, also kommt es vor allem auf die Flächenhelligkeit an.
Der Stier stand hoch am Himmel, also wollte ich mal wieder M 1 sehen. Das lohnte sich dann wirklich, der SNR hob sich richtig gut vom Himmelshintergrund ab. Natürlich kann man nicht erwarten, mit der bescheidenen Öffnung Filamente zu erkennen, aber das Glimmen der Synchrotronstrahlung ist auch schön anzusehen (Mist, wieder vergessen, einen Polfilter auszuprobieren, aber ich wollte ja auch in der Kälte nicht mit Filtern hantieren).
Das Seeing hatte sich inzwischen deutlich gebessert, so durften nun auch ein paar Doppelsterne und kleine Nebel an die Reihe kommen. Rigel stand schon in brauchbarer Höhe, viel erwartet hatte ich zwar nicht, aber da war er, Rigel B, sofort klar und deutlich, von der Okularbrennweite relativ unabhängig. Gutes Seeing ist natürlich auch für kleine PNe hilfreich, davon gibt es in den Zwillingen zumindest zwei bekannte. Mit NGC 2371-2 machte ich den Anfang. Er war zwar nicht als zwei getrennte Teile zu sehen, wie die Bezeichnung suggeriert, aber trotzdem recht gut als elliptisches Nebelchen mit ordentlicher Helligkeit. Da durfte natürlich auch NGC 2392 nicht fehlen, immer wieder schön anzusehen mit Zentralstern, heller innerer und deutlich abgegrenzter schwächerer äußerer Hülle.
Mutig geworden ging es nun zu meinem persönlichen "Moby Dick", nämlich dem Doppelstern eta Gem, auch Propus genannt. Mit unterschiedlichen Teleskopen zwischen 80 und 200 mm Öffnung hatte ich früher schon mehrfach versucht, den um ca. 3 Größenklassen schwächeren Begleiter zu erspähen, was mir aber bis gestern nicht gelungen war. Und tatsächlich, bei hoher Vergrößerung (ich glaube, es war ein 6 mm Okular, also V=150x) stand plötzlich ein kleines Pünktchen knapp außerhalb des ersten Beugungsringes vom Hauptstern bei einem grob geschätzten Positionswinkel von 270°. Der korrekte Positionswinkel ist nach Stelle Doppie zwar 257° und die Distanz 1,8", aber das war eindeutig.
Das ließ für den Orionnebel und das Trapez Gutes erwarten, und so war es dann auch. M 42 war prachtvoll anzusehen, obwohl noch nicht im Meridian, und das berühmte Trapez ließ die Komponenten A bis F sichtbar werden.
Trotz der Kälte (immerhin bei Windstille) war es ein schöner Beobachtungsabend, den ich nicht missen möchte. Nachher geht es wieder nach draußen
Viele Grüße
Jürgen