Erste Teleskopbeobachtungen

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Hajime

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Hallo,

nach langer Recherche habe ich mir kurz vor Weihnachten ein 200/1200er Dobson mit einem zusätzlichen 6mm Okular gegönnt.

Ich möchte auf den kommenden Zeilen einen kleinen Bericht meiner ersten Erfahrungen und Gedanken festhalten. Vielleicht möchte jemand anschließend einen Kommentar hinterlassen :)

Glücklicherweise ließ das Wetter zu erste Beobachtungen zu starten.

Vergangenen Mittwoch konnte ich dem Dobson also sein erstes Licht zeigen. Ich muss zugeben, das Teleskop konnte leider nicht wirklich auskühlen.

Das erste Objekt was ich anvisierte war der Orion-Nebel, den ich bisher lediglich durch ein Fernglas beobachten konnte.
Nach einigen Problemen mit dem Sucher schaffte es dann doch den Nebel ins Visier zu bekommen.
Dass man mit einem Teleskop keine Hubble-Bilder sieht, war mir klar, aber ich wurde dennoch etwas auf den Boden der Tatsachen geholt.
Der Nebel war wie erwartet farblos bzw. grau (etwas grünlich für meine Begriffe).
Details waren leider nicht/kaum zu erkennen (verwendete Vergrößerung = 48-fach mit dem beiliegenden Okular).
Dabei fiel mir auf, dass im Zentrum des Okulars der Nebel etwas schärfer war, als leicht außerhalb des Zentrums. Ebenfalls schien das Seeing relativ großen Einfluss zu haben (ich dachte bisher, das wirkt sich lediglich auf Planeten-/Mondbeobachtungen aus) - handelte es sich ggf. um Tubus-Seeing?

Anschließend visierte ich die Plejaden an, die ich im Fernglas sehr gerne beobachte.
Im Teleskop hatte ich gefühlt keinen "Beobachtungsmehrwert".

Aus diesem Grund schwenkte ich auf die Andromedagalaxie. Die Galaxie hat mich als kleiner heller Fleck im Fernglas bereits sehr fasziniert. Ich hatte gehofft im Dobson bereits einige Details zu sehen, aber in Anbetracht des viel zu hellen Himmels war das doch eher naiv ;)
Aber der Unterschied zwischen Fernglas und Dobson war doch schon erheblich.
Kann man bei dunklem Himmel Galaxienarme von Andromeda sehen?

In der vergangenen Nacht konnte ich ebenfalls beobachten. Ich freute mich darauf den Jupiter ins Visier zu nehmen.

Wieder war ein rechtzeitiges Auskühlen des Tubus nicht möglich.
Ich nahm den Planet ins Visier und konnte in der kleinsten Vergrößerung schon drei Monde und den Jupiter als helles Scheibchen mit großen Spikes sehen. Toll!

Schnell rein mit dem 10mm-Okular.
Nun war neben den drei Monden noch ein weiterer heller Punkt direkt neben Jupiter zu sehen, aber nicht in der Mittelebene. Könnte dies der vierte Mond gewesen sein?
Es war schwierig den Planeten scharf zu stellen, bzw. teilweise unmöglich. Lediglich in kurzzeitigen Phasen großer Luftruhe war überhaupt an das Erkennen von Details zu denken.
Ich konnte ein kleines Scheibchen mit zwei dunklen Bändern beidseitig des Äquators erkennen.

Im 6mm-Okular bot sich das gleiche Bild. Die Schärfe war noch etwas schlechter. Im Prinzip konnte ich bei der kleineren Vergrößerung mehr sehen.
Was mich sehr erstaunt hat, war die Größe bzw. der Durchmesser Jupiters. Ich habe den Planeten größer erwartet.
Dazu muss ich sagen, dass ich den Jupiter bereits in der lokalen Sternwarte bei schlechtem Seeing durch einen Coudé-Refraktor 150/2250 bei einer Vergrößerung von 2XX-fach kurz beobachten konnte. Dort war Jupiter deutlich größer und viel detailreicher zu sehen (jedenfalls in meiner Erinnerung).
Ich muss zugeben, der Jupiter war (vom Seeing ganz unabhängig) leider sehr unbefriedigend, da ich (wie oben geschrieben) andere Erwartungen hatte.

Der Mond konnte an beiden Tagen beobachtet werden. Hier konnte man auch das starke Luftflimmern sehen (Ich habe zwischen zwei Einfamilienhäusern hindurch beobachtet).
Dennoch waren schöne Details wie Zentralberge in kleinen Kratern zu erkennen. Der Terminator war sehr schön.

Allgemein kann ich nach den beiden Nächten sagen, Astronomie ist kein Zuckerschlecken. Hier in Rostock herrschte heute Nacht eine gefühlte Temperatur (inkl. Wind) von -25°C. Aber wer etwas sehen will muss wohl leiden ;)

Das war meine "kurze" Zusammenfassung, meiner ersten Erfahrungen und Gedanken beim Beobachten mit einem größeren Teleskop.
Ich bin offen für Tipps und Anmerkungen.

Gruß
Sebastian
 
Hallo Sebastian!
Na, da hast du schon tolle Beobachtungen machen können :super:

> Nun war neben den drei Monden noch ein weiterer
> heller Punkt direkt neben Jupiter zu sehen, aber
> nicht in der Mittelebene. Könnte dies der vierte
> Mond gewesen sein?

Das könnte der vierte Mond, Kallisto, gewesen sein. Gegen Mitternacht verschwand der hinter Jupiter. So etwa könnte es ausgesehen haben:

Link zur Grafik: https://dl.dropboxusercontent.com/u/15892273/jupiter_20160103.jpg

Die anderen Monde waren (v.l.n.r.): Ganymed, Europa und (rechts v. Jupiter) Io.

Thomas
 
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Moin Sebastian!

> Es war schwierig den Planeten scharf zu stellen, bzw. teilweise unmöglich. Lediglich in kurzzeitigen Phasen großer Luftruhe war überhaupt an das Erkennen von Details zu denken.

Okay - schreib beim nächsten Mal bitte die Uhrzeit dazu, wann du beobachtet hast. Wahrscheinlich stand Jupiter zu tief, und die unruhige Luft in Horizontnähe hat dir das Bild kaputt gemacht. Das ist ein beliebter Anfängerfehler, zu nah am Horizont Planeten beobachten und dann astreine Bilder erwarten zu wollen. Vor 3 Uhr morgens lohnt das zur Zeit alles noch nicht.

Dein Teleskop sollte sich gut zwei Stunden der Umgebungstemperatur angepaßt haben. Den Dobson so hopplahopp aus der warmen Stube rauszustellen und loszubeobachten, wird nix. Schließlich haben wir an der Ostsee momentan 30° Temperaturdifferenz zwischen drinnen und draußen. Das dauert dann, bis soch so ein Newton akklimatisiert hat, und das Bild dann ruhig ist.
 
Hi Sebastian,

so geht das los! Bleib dran am Okular und lerne aus den Fehlern, das ist wichtig! Es gibt Tage, da gibt mein 16ner Dobson am Planeten nichts her und dann wieder fall ich von der Leiter vor Begeisterung.
Ah, mir fällt noch was ein: hoffentlich ist der Spiegel richtig in seiner Achse und das Ding gut kollimiert ... das musste auch noch lernen, äusserst wichtig neben der auszureichenden Auskühlung. Aber wenn das mal alles stimmt ....wirds immer doller, garantiert.

Gruss von Anette

 
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Danke für eure Antworten,

ja was die Auskühlzeit angeht. Ich war in beiden Fällen auf der Piste und hab dann bei dem Sternenhimmel spontan entschieden zu beobachten ;)

Ich habe den Jupiter am 03.01. gegen 4 Uhr beobachtet, da Stand er bei knapp 38° Höhe.
Ja, so sah das etwas aus. Danke Thomas

Eine mögliche Dejustage des Spiegels kam mir auch in den Sinn.
Einen Justierlaser habe ich leider nicht. Ich habe Jupiter einmal stark defokusiert und die Beugungsringe betrachtet.
Meiner Einschätzung nach waren die Ringe genau zentrisch. Nur unterbrochen durch die Befestigung des Suchers. Also scheint der Spiegel justiert zu sein.

Ich habe noch 1-2 Fragen:
Welche Vergrößerung ist noch sinnvoll?
Ich will natürlich nicht gleich losrennen und ein Okular kaufen.
Es ist eine prinzipielle Frage. Wäre z.B. ein 4mm Okular überhaupt sinnvoll. Oder muss dabei das Seeing perfekt sein um überhaupt etwas sehen zu können?

Gibt es einen Unterschied bezüglich des Sichtfeldes usw. wenn man eine Barlow-Linse verwendet?
z.B. 200-fache Vergrößerung
Einmal mit einem 6mm Okular und einmal ein 12mm Okular mit 2xBarlow-Linse

Gruß
Sebastian
 
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Moin Sebastian!

Okular-Fragen bitte nicht hier. Dafür gibt's eigene Forenbereiche.
 
> Ja, so sah das etwa aus

Mein Bild zeigt die Konstellation gegen Mitternacht. Um 4 Uhr etwa trat Kallisto auf der anderen Jupiterseite, auf der zwei Jupitermonde standen, wieder hervor:

Link zur Grafik: https://dl.dropboxusercontent.com/u/15892273/jupiter_20160103b.jpg

Außerdem muss man noch beobachten, dass im Newton-Teleskop (ohne Prismen) das Bild auf dem Kopf steht. Es dürfte dann bei dir in etwa so im Okular ausgesehen haben:

Link zur Grafik: https://dl.dropboxusercontent.com/u/15892273/jupiter_20160103b2.jpg

Die Orientierung kann einem beim Blick durchs Teleskop etwas schwer fallen.

Thomas
 
Hi Sebastian,

schön dass du deine Erlebnisse so plastisch mit uns teilst.

Zum Thema Andromeda-Nebel: Bei dem ist dunkler Landhimmel und gute Transparenz Pflicht. Dann sieht man Staubbänder. Allerdings ist der Kontrast nicht so hoch wie auf Fotos.

Beim Orionnebel wundert mich deine Beschreibung etwas. Faszinierende Strukturen sehe ich da mit 20cm Spiegel eigentlich immer. Der Mond war noch nicht da, oder? Der versaut dir Deep Sky immer.

Beim Jupiter fühle ich mich bei 200fach bis 250fach am 8 Zöller am wohlsten. Dann muss man ein wenig Geduld haben. Meist wabert es, aber gelegentlich wird das Bild so scharf, dass Wolkenbänder und ggf der große rote Fleck klar, live und in Farbe zu sehen sind. Wenn auch pastelliger als auf Fotos. Gut justiert sollte der Dob dafür schon sein. Dafür reicht ein Justierokular. Das kann man sich auch aus einer alten Fotofilmdose schnitzen.


VG und CS

Klaus
 
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