Als letzten Beitrag, um quasi abzurunden wie die Dinge von der Idee bis zur Umsetzung ausgegangen sind, möchte ich hier gerne zeigen wie meine zweite Nacht verlaufen ist, ich hatte davor wie eingangs erwähnt bis auf das Plug & Play S50 keine praktische Erfahrung mit Astrofotografie.
Mit Hilfe von Euch, Herrn Kloß und viele Stunden Youtube (als Pendler bieten sich die Zugfahrten dafür prima an) habe ich in der zweiten Nacht (die erste diente dazu um mich mit den ganzen Funktionen des ASIAir zu beschäftigen und die praktischen Handgriffe kennenzulernen) schon für mich schöne Fortschritte machen können.
Ich muss allerdings auch erwähnen, ich habe mir aus reiner Bequemlichkeit noch einen Onlinekurs von einem Youtuber, dessen Equipment mit Masse meinem entspricht und dessen Aufnahmen mir gefallen, gekauft - dies ist aber sicher nicht notwendig. Ich fand die Schritt für Schritt Anleitung einfach genial, unterteilt in logische Kapitel, somit kann (und habe) ich bei Unsicherheiten nicht lange im Internet suchen müssen sondern einfach schnell das passende Kapitel in der Playlist ausgewählt und Schritt für Schritt nachgemacht. Man kann sich sicherlich vorstellen wie groß meine Augen wurden als ich das erste Mal in das Fokusmenü eingestiegen bin und der Bildschirm einfach nur komplett schwarz blieb - solche Dinge konnte ich dann, ebenso wie die Einstellungen der Guiding Cam (das war bis jetzt für mich die größte Herausforderung, da ich das Prinzip und die Funktionsweise erst durchschauen musste) dann mithilfe der Videos schnell lösen.
In der ersten Nacht habe ich dann noch Bilder von M81 gemacht - natürlich ist mir bewusst, dass mein kleiner Refraktor nicht dafür ausgelegt ist (und meine Ziele sind ja vorrangig Nebel), aber es war der einzige Bereich am Himmel der nach meiner etwa 2 stündigen Gerätelehre noch wolkenlos war. Trotzdem kam Freude auf als ein Bild auf dem Tablet erschien und ich auch M82 noch eindeutig erkennen konnte, allerdings würde ich grob geschätzt sagen das beide Galaxien gefühlt 8% des zur Verfügung stehenden Sensor benötigt haben
Die erste geplante Aufnahme war nun letzte Nacht IC 1805 - einfach zu finden, beinahe formatfüllend und auch sehr interessant zu betrachten.
Der Aufbau ging diesmal schon viel runder von Hand (die Kabel habe ich mir sicherheitshalber mit Etiketten markiert um nicht lange überlegen zu müssen), auch die Arbeitsschritte im ASIAir waren diesmal routinierter, den Fokus finden und das Guiding klappten diesmal auf Anhieb.
Geworden sind es 16x 180 Sekunden, danach hatte ich leider zweimal Satellitenspuren auf den Bildern und beim letzten die Terrassenwand am Rand.
Was mich im Moment eigentlich am meisten beschäftigt ist die Handhabung der Ausrüstung nach dem Gebrauch, vor allem die Temperaturunterschiede zwischen draußen und drinnen machen mir hier noch etwas Sorge, ich befürchte hier Feuchtigkeitsbildung. Sicherheitshalber habe ich in jeden Koffer und Tasche Trockenmittelbeutel gegeben, aber ob das ausreichend ist, da bin ich mir nicht sicher. Einfach offen in der Wohnung stehen lassen geht bei mir leider nicht wegen zwei Katzen, das ist mir zu unsicher ob nicht doch die Neugier dann einmal siegt und einer der beiden probiert das Stativ hochzuklettern.
Meine bescheidene Erfahrung bisher (die sich natürlich eher an die Anfänger wie ich einer bin richten) bzw. Lessons Learned:
- Der Askar FRA 400 macht einen soliden Eindruck, von einer rutschenden Tauschutzkappe, von der man manchmal bei Reviews lesen kann merke ich nichts, im Gegenteil, ich finde sie ist sogar einen Hauch zu stramm.
- Die 2600 DUO würde ich so uneingeschränkt empfehlen - mit Optolong L-Extreme Filter funktioniert das Guiding meines Erachtens sehr gut, wenn es mir als absoluten Anfänger gelungen ist sollte das für einen geübten Astrofotografen keine Herausforderung sein. Gain ist bei mir auf 340 und ich habe auf BIN 2 umgestellt, hatte damit keine gravierenden Ausschläge oder gar den Leitstern verloren. Man kann trotzdem noch ein seperates Leitrohr verwenden, wenn man es noch genauer braucht.
- Das ASIAir ist wirklich sehr anfängerfreundlich gemacht, ich habe mir vorm Kauf Videos angesehen, den ersten Einsatz dann mit einem Video nebenbei gemacht und gestern konnte ich schon ohne Hilfe alles finden und einstellen. Wenn man das Interface einmal verstanden hat wirkt das ganze recht rund und eigentlich logisch. Natürlich wird es noch zig Kniffe geben, aber ich bin von Null zu einem Bild gekommen, alles andere bringt die Erfahrung.
- Planung ist wirklich die halbe Miete, das fängt bei mir sogar schon beim verstauen an und hört beim Vorausplanen auch noch nicht auf. War die erste Nacht noch eher aus der Hüfte geschossen weil endlich einmal nicht komplette Bewölkung herrschte, so war gestern eine geplante Session. Und ich kann nur unterstreichen was mir jeder Erfahrene geraten hat: unbedingt noch bei Tageslicht alles aufbauen und die Kabel ordentlich legen. Die AM5 macht kurzen Prozess mit eingeklemmten Kabeln.
- Der EAF tut was er soll, und scheint mir bisher auch gute Ergebnisse zu liefern (ich habe die Bilder allerdings noch nicht auf den PC überspielt!) - trotzdem möchte ich in einer der kommenden Nächte meine Bahtinov Maske ausprobieren und manuell fokussieren. Die Installation ging auch für jemand handwerklich begabten wie mich, der, wenn er 3 Nägel in Wand einschlagen soll 6 Nägel braucht einfach und ohne Probleme. Was oft nicht erwähnt wird ist, dass man bei seinem Teleskop vorher nachsehen sollte welche Bohrungen für die Aufnahme der Schrauben des EAF gedacht sind und nicht nach Gutdünken irgendwo die Schrauben reindreht - Gott sei Dank lese ich noch jeden Beipackzettel, das habe ich vorher so nirgends rausgefunden.
- Das TS40 Stativ ist wirklich leicht und macht einen wertigen Eindruck (habe aber als Vergleich nun auch nur das Stativ vom S50 und eine Fotostativ), aber ich besorge mir auf jeden Fall noch einen kleinen Sandsack mit so 6 -8kg und lege den unten in die mitgelieferte "Wanne". Man merkt doch das hier wenig Gewicht vorhanden ist, vor allem wenn man das Teleskop dann auf die Montierung setzt und die Schrauben festdreht spürt man das fehlende Gewicht im Unterbau für Stabilität.
Das soll es hier gewesen sein, ich möchte mich nochmal bei allen hier bedanken, welche mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden sind damit ich nun auch den Sprung in die vollwertige Astrofotografie machen konnte, ich hoffe bald mein erstes Bild zeigen zu können. Aber PixInsight möchte ja auch noch erlernt werden....
CS
René
P.S.: da ich natürlich auch ins Feld möchte mit meinem Teleskop habe ich mir ein Stromkabel mit Zigarettenanzünder - Anschluss besorgt. Allerdings hat das eine 10A Sicherung und die Netzteile von ZWO sind ja 12V 5A. Kann man das Kabel trotzdem verwenden oder besteht die Gefahr die Elektronik zu beschädigen? Gedacht wäre der Einsatz über den DC Ausgang am Jackery Powerpack.