erster Eindruck diverser Ferngläser

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TiScho

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(Die Ferngläser zuerst, damit sich nur diejenigen durch den Text wühlen müssen, die es auch interessiert: Docter Nobilem 15x60 und 10x50, Docter 8x42 B/CF,
Swift UL 929 8x42, Swift Audubon 8,5x44, Nikon SE 10x42

Hallo!

Nicht zuletzt den guten Ratschlägen hier im Forum habe ich es zu verdanken, daß ich am Wochenende gleich sechs verschiedene Ferngläser antesten konnte und will daher kurz darüber berichten.
Das besonders große Fernglaspaket wurde möglich, da Frau Hauptmann, die mir die Gläser zum Testen gab, hier in Bremen einen Bekannten hat, der quasi als "Kontaktmann" fungierte.

So trafen wir uns also bei Sturm und Regen in einer Beobachtungswarte für Vögel. Der Blick ging über einen großen Ententeich, im Hintergund Windräder und eine Mülldeponie - wenn man vom Wetter absieht, eigentlich gute Bedingungen.

Wichtig zu wissen ist, daß ich keinerlei Erfahrung mit hochwertigen Ferngläsern habe und mir dehalb sicher ein wenig das Auge für die Feinheiten fehlt. Dies ist also ein rein subjektiver Eindruck ( objektive Testberichte gibt es ja über die einzelnen Gläser zumeist bereits).

Die Gläser sind alle toll und lassen mein locker 20 Jahre altes Bresser Luchs weit hinter sich. Randunschärfe und Farbfehler waren für meine ungeübten Augen kaum wahrnehmbar, viel entscheidender für meine Auswahl waren Einblickverhalten und Sichtfeld.

Docter Nobilem 15x60: Sicher ein tolles Glas, für mich aber viel zu groß. Als reines Stativglas wiederum zu klein, da würde ich eher ab 20x mit Schrägeinblick ins Auge fassen. Außerdem absolut nicht ruhig in der Hand zu halten, zumal es ziemlich stürmisch war.

Docter 8x42 und Swift UL 8x42 (beide Dachkant): Das erste Mal halte ich ein Dachkantglas in der Hand! Obwohl schön klein und handlich, habe ich irgenwie das Gefühl, alles ist zu eng. Besonders das Docter möchte ich gern weiter auseinanderklappen als möglich. Wahrscheinlich reine Gewohnheitssache... Beide Gläser haben ein schönes, klares und helles Bild. In meiner verblassenden Erinnerung liegt das Swift leicht vorn ( obwohl es deutlich billiger ist!). Bei beiden Gläsern fällt mir, mehr als bei den Porros, ein minimaler Farbsaum an den Windrädern auf. Dieser stört in keinster Weise und fällt eigentlich nur auf, wenn man danach sucht. Beide Gläser haben ein ein bequemes Einblickverhalten, was scheinbar auch in der höheren Preisklasse nicht selbstverständlich ist, denn...

Nikon SE 10x42 : ... die 1000,- Euro-Optik des Nikon ist in dieser Hinsicht ein wenig anstrengender. Ich muß mich hier einfach ein wenig mehr konzentrieren um das Glas richtig zu halten. Verkantet man das Glas ein wenig, hat man leichte Grauschleier im Blickfeld. Dies stört eigentlich gar nicht, im direkten Vergleich mit den anderen Gläsern, fällt es jedoch auf. Ansonsten ein tolles, klares Bild, aber auch das bieten alle anderen Gläser. Hier hatte ich, ehrlich gesagt, ein wenig mehr erwartet, muß aber noch einmal betonen, daß die Wetterbedingungen sehr schlecht waren. Ich konnte zB kein Gegenlicht testen. Ein Farbfehler an den Windrädern ist mir übrigens nicht aufgefallen.

Swift Audubon 8,5x44 : Toll! Liegt gut in der Hand, nicht zu groß, glasklares Bild und riesengroßes Sichtfeld. Ich hätte das Glas sofort gekauft, zumal es das preisgünstigste Fernglas im Sortiment war, wenn nicht ein kleines Problem bestünde: Das Glas verfügt (sinnloserweise) über Drehaugenmuscheln. Wenn ich das komplette Sichtfeld genießen will, muß ich diese bis zum Anschlag reindrehen und meine Augäpfel quasi an die Okulare pressen. Das macht einfach keinen Spaß und ist auf Dauer sicher sehr störend. Schade...

Docter Nobilem 10x50 : Erster Eindruck : Zu groß! Dies ist aber auch schon das einzige Manko, denn ansonsten stimmt hier einfach alles: Das entspannteste und bequemste Einblickverhalten im gesamten Testfeld, sehr schönes Bild und trotz 10facher Vergrößerung noch ein angenehm großes Sichtfeld. Für mich kein Farbfehler zu erkennen ( obwohl natürlich einer da sein wird), scharf bis in den Randbereich, gut zu fokussieren. Gegen Ende, als alle Gläser bereits im Kofferraum verstaut waren, kam dann die Sonne raus und ein letzter Blick durch das 10x50 zeigte auch im Gegenlicht kaum Reflexe. Hier fehlt mir allerdings der Vergleich.

Tja, ich denke ich werde wohl mit dem 10x50 anfangen und mir langfristig Gedanken uber ein kleines Taschenfernglas machen müssen...


Wenn das Wetter es erlaubt, werde ich eventuell noch einen Bericht über eine Beobachtung des Sternenhimmels nachschieben!

Gruß an alle und vielen Dank an Carsten

Tim


 
Hallo Tim,

ein sehr schöner Bericht. Ich stand vor einem halben Jahr vor einer ähnlichen Frage wie du und hatte dann das Swift UL 929 8x42 und das Swift Audubon 8,5x44 im Test . Die Docter waren leider nicht mit meinem Budget zu vereinbaren. Ich kam zu ähnlichen Schlüssen wie du. Das Audubon wäre fantastisch, wenn diese sinnlosen Drehaugenmuscheln nicht wären. Das Ultralite war leicht, kompakt, hatte sehr gute optische Eigenschaften und passte einfach für mich. Da der Preis noch recht günstig ist, habe ich mich für dieses Glas entschieden. Lediglich das etwas kleine scheinbare Gesichtsfeld fällt negativ auf. Für einige ein KO-Kriterium, mich stört es nicht sonderlich.

Abschließend würde ich sagen, das es beim Fernglaskauf nichts Wichtigeres gibt, als die Gläser vor dem Kauf auszuprobieren. Ein auf dem Papier fantastisches Glas kann für einen selber eine Katastrophe sein und umgekehrt.


Gruß Oliver
 
Hallo Tim,

danke für den schönen Bericht. Eigentlich ist das Ergebnis fast egal, denn es ist Deine Entscheidung, Dein Glas und Dein Budget. Das 10x50 ist aber auf jeden Fall eine tolle Wahl!

Wenn man nun mal Dein ursprüngliches Posting mit der Eingangsfrage nach Fernglasläden in Bremen wieder herauskramt ... dann ist es schon super, was aus so einer Frage werden kann ;)

Viele Grüße
Adson
 
Hallo Tim,

für mich sind solche Berichte auch sehr aussagekräftig und sie bestätigen immer wieder, dass die "Papierform" zwar ein Hilfskriterium zur Vorauswahl ist, niemals aber einen Auswahltest ersetzen kann.
Bei mir wurde Mal in einem ähnlichen Vergleich das Audubon "Sieger" weil ich mit dem knappen Augenabstand und den Augenmuscheln keine Probleme hatte und auch die 8,5fache Vergrößerung als optimal empfand. Vorher und nachher hatten immer wieder Leute genau damit Probleme und dann taugt das Glas eben für solche Leute nicht.
In einem solchen Vergleich sollte man dann wirklich das Glas für sich behalten, mit dem man selbst am besten klar kommt.
Selbst kleine dabei erkannte Ärgernisse verderben im Dauergebrauch sehr schnell den Spass.
Ich wünsche viel Freude mit dem ausgewählten Glas.

CS
*entfernt*


 
Hallo !

Nun habe ich tatsächlich das Docter 10x50 gekauft und hatte endlich bestes Wetter um es ausführllich bei einem Spaziergang durch das winterliche Bremer Umland zu testen.
Der Himmel war blau und wolkenfrei, die Sonne schien grell auf absolut weißgefrorene, rauhreifüberzogene Bäüme und Wiesen hinab. Mit Schal und dicker Winterjacke hat mir das Gewicht des Glases ( mit Gurt und Schutzkappen immerhin 1400 Gramm laut Küchenwaage ) auf meinem recht langen Spaziergang eigentlich keine Nackenprobleme bereitet, im Sommer mit T-Shirt mag das allerdings anders aussehen und auf längere Wanderungen kann man den Brocken sicher nicht mitschleppen.
Der Blick hindurch ist, wie weiter oben beschrieben, wirklich toll und zeigt ein sehr natürliches Bild. Erst jetzt fällt mir auf, das meine bisherigen Ferngläser dies nicht getan haben. Das hohe Gewicht hat übrigens den Vorteil, daß das Bild in keinster Weise mehr wackelt, als in meinem 8x24 Glas. Ich würde fast sagen, eher weniger.
Als ich den schwarzen Mantel meiner Frau vor grellweißem Hintergrund betrachtet habe, fiel schon ab 50% des Sehfeldes ein grünlicher Farbsaum auf, der mich jedoch nicht störte. Dies kam im Übrigen auch nur in solchen extremen Schwarz/Weißkontrasten vor, an Zweigen vor blauem Himmel ist mir dies nicht aufgefallen.
Besonders angenehm überrascht war ich übrigens von der tollen "Tiefenschärfe" ( so nenne ich es einfach mal ). Damit meine ich, daß ich während der gesamten Wanderung nur sehr selten das Fokussierrad benutzen mußte, welches im Übrigen auch bei -5 Grad immer leichtgängig lief. Ich hatte den Eindruck, daß ich von 50 - 500 Meter immer scharf sehen konnte, ohne nachzuregulieren.
Die mechanische Verarbeitung ist erwartungsgemäß sehr gut, die Dioptrienverstellung muß ich erstmals bei einem Fernglas nicht bei jeder Benutzung neu einstellen.

Kurzum, das Glas macht Freude und ist sein Geld wert. Dies beweisen nicht zuletzt die Kommentare meiner Frau beim ersten Durchblicken: "Oh, das ist aber scharf" oder "Hmm, kann man ja einfach so durchgucken" und "Sieht ja alles so echt aus". Jaja, sie schaut sonst nicht gern durch Ferngläser, weil es ihr zu "anstrengend" ist...

Noch kurz zur nächtlichen Beobachtung: Endlich mal wieder sternenklare Nacht! Der fast volle Mond überstrahlt eigentlich alles, den Orionnebel konnte ich im Fernglas aber gut erkennen. Erfreulicherweise zeigt das Glas kaum Reflexe. Lediglich der blendende Mond hellt das Sichtfeld deutlich auf, erzeugt aber keinerlei Geisterbild. Dafür sieht man am Mondrand einen leichten Farbfehler.
Die Sterne werden am Rand des Sehfeldes erwartungsgemäß unscharf.
Ein besonderer Genuß waren die spektakulär beleuchteten Bremer Stahlwerke, beobachtet aus ca. 2 Km Entfernung, über die Weser hinweg. In regelmäßigen Abständen werden hier irgendwelche Substanzen abgefackelt und schießen dann hell lodernd als orangerote Flammen aus riesigen Schornsteinen. Diese Flammensäulen, vollkommen geräuschlos, aus großer Entfernung gestochen scharf im Fernglas zu bewundern, ist schon wirklich beeindruckend.

So, ich hoffe, ich habe niemanden gelangweilt!

Frohe Weihnachten und bis bald

Tim
 
Hi Tim,

klasse Fernglas ... und wie Du auch schnell bemerkt hast: Man sieht plötzlich viele interessante Dinge - und manches auch völlig "anders".

Wünsche Dir viel Spass damit!
Adson
 
Danke, werde ich bestimmt haben! Mal sehen, wie lange ich warten kann, mir noch ein etwas kleineres Modell zuzulegen...

Viele Grüße

Tim
 
p.s.: Ach ja, eh ichs vergesse, zum Abschluß nochmal vielen Dank für den Tipp mit Optixxx! Andernfalls wäre ich wohl nicht zu so vielen Gläsern auf einmal gekommen.
 
Hi Tim,

Du bist nun verpflichtet, auch immer und überall das Loblied auf Simone zu singen ...

;)
Adson
 
Hallo!

Gerade habe ich mir nochmal meinen alten Beitrag zum Docter Nobilem 10x50 durchgelesen.
Da Beschreibungen wie diese, für viele Fernglasinterssierte durchaus Entscheidungshilfe beim Kauf von teilweise erheblich teuren Optiken sind, möchte ich, im Sinne einer möglichst objektiven Beschreibung, noch einen kleinen Nachtrag anfügen.

Es ist schon erstaunlich, wie sich die Wahrnehmung bei der Fernglasbeobachtung innerhalb nur eines halben Jahres verändern kann.
Weiter oben habe ich die Bezeichungen "scharf bis in den Randbereich" und "keinerlei Geisterbild" (bei der Mondbetrachtung) verwendet.
Dies möchte ich nicht so stehen lassen, denn was meinem Auge anfangs nicht auffiel, nehme ich jetzt durchaus wahr:
Natürlich ist das Glas NICHT randscharf. Bei der Naturbeobachtung fällt dies in keinster Weise auf, am Sternenhimmel ist es offensichtlich. Sind die Sterne im Zentralbereich noch knackscharf (und das sind sie wirklich!), werden sie im Randbereich deutlich unscharf.

Kürzlich fiel mir beim Vergleich mit einem anderen Glas auch ein leichtes Geisterbild am Mond auf, wobei dies sicher auch mit der feuchten Luft zusammenhing.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Das Docter ist ein tolles Fernglas, das mir jeden Tag aufs Neue Spaß macht. Den Kauf habe ich keine Minute bereut, aber man wird mit der Zeit einfach immer pingeliger...

Viele Grüße

Tim
 
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