Erster Eindruck vom Ares 8x30

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hgzip

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Aufgrund des gutes Testberichtes von Holger Merlitz in http://www.holgermerlitz.de/ares8x30.html habe ich mir dieses chinesische 8x30 mit Einzelfokus gekauft. Die Idee bzw. geplante Anwendung war, ein Universalglas zu haben, das sowohl für Naturbeobachtung wie auch (eingeschränkt) für Astro geeignet ist. Dachkant kommt für mich nicht in Frage, also mußte es wg. Robustheit wohl oder übel ein Porro mit Einzelfokus sein. (Bitte jetzt keine Grundsatz-Diskussionen über Dachkant vs. Porro oder die Vor- und Nachteile von Einzelfokus - wir haben eine halbwegs freie Marktwirtschaft, es kann jeder nach seiner Fasson selig werden.) Brillenträger-Okulare mußte es auch haben. Das Zeiss/Jena DF 7x40 ist ziemlich schwer zum Herumtragen, das Hensoldt FERO-D16 8x30 ist aufgrund des Laserfilters ziemlich dunkel und daher für Astro nicht so toll. Steiner-Gläser sind leicht, aber optisch ziemlich schwach.

Ich hatte schon eine Weile mit dem Fujinon FMTR-SX 8x30 geliebäugelt, aber aufgrund der verschiedentlich kritisierten mangelnden Brillenträger-Eignung und des hohen Preises konnte ich mich nie zum Kauf entschließen. Da kam mir das Ares 8x30 gerade recht. Ausprobieren war bei beiden Gläsern nicht möglich, da die Händler das Fujinon nicht zum Ansehen besorgen wollten und das Ares in Deutschland noch gar nicht vertrieben wird. Ich habe es also von dem italienischen Vertrieb bestellt - Kommunikation per e-mail auf Englisch, Bezahlung per Euro-Überweisung, alles problemlos. Kosten mit versichertem Versand 319 Euro. Der Italiener versicherte mir noch, daß er den festen Sitz der Objektivdeckel vor dem Versand prüft; das war einer der Punkte, die Holger kritisiert hatte.

Ich habe das Glas schon einige Wochen, aber aufgrund des trüben Wetters konnte ich es jetzt erst am Nachthimmel, auch mit Mond, ausprobieren. Es war mir aber wichtig, das auch mal getestet zu haben, bevor ich das Glas bewerte.

Zuerst mal zu den nicht-optischen Eigenschaften. Das Glas ist für ein 8x30 recht schwer, was natürlich auf die robuste Bauart mit solidem Metall zurückzuführen ist. Im Vergleich zu einem Steiner mit Kunststoff-Gehäuse macht sich das Gewicht schon bemerkbar, aber im Vergleich zum DF 7x40 ist es ein Leichtgewicht. Der mitgelieferte Tragriemen hilft da gar nicht - er ist ziemlich schmal und nicht gepolstert; ich habe ihn durch einen gepolsterten Zeiss-Tragriemen ersetzt. Alle beweglichen Teile gehen sehr satt, bei der Kälte in der Nacht jetzt fast schon zu schwer. Das gibt sich hoffentlich. Die Objektivdeckel sitzen bei meinem Exemplar hinreichend fest. Sie sind, wie bei Steiner, an der Mittelachse befestigt. Dort gibt es übrigens auch eine Gewindebohrung für einen Stativanschluß. Der Okulardeckel ist - wie schon Holger bemerkte - unter aller Kritik. Ich habe ihn durch einen großen Regenschutzdeckel von Frankonia ersetzt (7.50 Euro oder so). Der passt ganz gut; auch dann noch, wenn die Gummi-Augenmuscheln umgestülpt sind. Die Augenmuscheln sind aus relativ dickem Gummi. Ich fand beim Ausprobieren, daß sie beim Beobachten ohne Brille nicht sehr bequem sind. Sie lassen sich aber ganz gut umklappen, nur zeigen sich aufgrund des dicken Gummis heftige Knickspuren im Material. Ich bin nicht sicher, ob die Augenmuscheln ein häufiges Umklappen oder eine lange Lagerung im umgeklappten Zustand überleben. Das wird man sehen... Der Lederköcher ist sehr nett, aber für ein so robustes Glas eigentlich überflüssig. Da wäre es mir lieber, der Hersteller würde einen ordentlichen Tragriemen und einen ordentlichen Okulardeckel mitliefern, dafür den Köcher weglassen, und den Preis entsprechend anpassen... Alles in allem sind aber nur Kleinigkeiten zu kritisieren; man hat durchaus das Gefühl eines Qualitätsproduktes.

Bei den optischen Eigenschaften mußten zum Vergleich ein Steiner Safari 8x30 (Porro mit Einzelfokus, ca. 120 Euro Neupreis) und ein Nikon SE 10x42 (Porro mit Mitteltrieb, ca. 700 Euro Neupreis) antreten. Beide habe ich gebraucht gekauft, sind also nicht ganz neuwertig - haben aber keine sichtbaren Macken. Die Astro-Beobachtungen wurden in der Großstadt gemacht, mit entsprechenden Einschränkungen (naja, in Stuttgart - also sagen wir mal, in der Stadt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" /> )

Bei Tagbeobachtung fiel zunächst das sehr helle und farbreine Bild beim Ares auf. Von den oben erwähnten Militärferngläsern bin ich an farbstichige Bilder gewöhnt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />, also eine angenehme Erfahrung. Das Nikon zeigt vergleichbare Qualität, das Steiner wirkt etwas flau. Das Sehfeld beim Ares ist angenehm groß, viel besser als beim Steiner. Die Okulare sind 3 oder 4 mm tief versenkt, so daß also von den spezifizierten 19mm AP-Abstand etwas verschenkt wird. Mit Brille war nicht das ganze Feld zu sehen, aber ich habe auch eine relativ große Brillenfassung. Zum Vergleich: beim Nikon SE mit nominell 18mm AP-Abstand kann ich das ganze Feld übersehen, weil man da wirklich ganz nahe an die Linsen herankommt. Der Einblick beim Ares ist aber unkritisch, ganz im Gegensatz zum Nikon SE, wo ich immer wieder mit blackout zu kämpfen habe. Beim Steiner war mit Brille ebenfalls nicht das ganze Feld zu sehen, außerdem traten störende Reflexe an den Okularen durch seitliches Licht auf, wenn die Augenmuscheln umgeklappt waren. Beim Ares und beim Nikon war das viel weniger der Fall. Die Beurteilung von Randschärfe usw. habe ich mir für den Astro-Test aufgespart, da ich der Meinung bin, daß das a) bei Naturbeobachtung nicht so leicht zu bewerten ist und b) bei Naturbeobachtung auch nicht so wichtig ist. Die Wertung bei Tag ist also: das Ares und das Nikon sind gleichauf, das Steiner fällt deutlich ab.

Bei Nachtbeobachtung fielen am Steiner sogleich tolle Reflexe am Mond auf <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/frown.gif" alt="" />, außerdem mangelnde Randschärfe und Anfälligkeit für Streulicht, wenn der Mond knapp außerhalb des Sehfeldes war. Das war damit erledigt, blieben noch Ares und Nikon SE. Mit dem Mond direkt im Bild konnte ich keine großen Unterschiede bzgl. Geisterbilder zwischen den beiden feststellen. War der Mond knapp außerhalb, gab es beim Ares in bestimmten Positionen einen hellen Lichtstrahl im 45-Grad-Winkel im Bild. Da wird wohl eine Prismenkante angeleuchtet? Beim Nikon gab es nur ein paar diffuse Aufhellungen, es war in diesem Punkt besser. Auch die Randschärfe (Verzerrung der Sterne) war beim Nikon etwas besser. Hier macht sich dann der Preisunterschied bemerkbar; aber m. E. nicht so, daß man sagen kann, das Nikon ist 2mal besser. Die Schärfe auf der Achse war bei beiden einwandfrei.

Mit diesem Glas haben die Chinesen gezeigt, daß sie in der oberen Mittelklasse gut mitspielen können, mit Ambitionen zur Spitzenklasse. Nun ist ein 8x30 Porro mit Einzelfokus sicher nicht der Verkaufsrenner, so daß die Nobel-Hersteller nicht zu zittern anfangen müssen, aber für mich ist die Suche nach dem Universalglas ziemlich erledigt. Ich bin gespannt, wie sich das Ares dann mal auf Reisen bewährt.

Hans-Georg Zipperer
 
Hallo Hans-Georg,

Danke fuer den Bericht! Es freut mich zu hoeren, dass meine Web-Seiten manchen Binofan zu einem guten Fernglas verhelfen :-)

Das Ares zeigt sehr deutlich, dass die guten chinesischen Fernglaeser inzwischen locker in der Mittelklasse mitspielen koennen, manchmal sogar schon in den hoeheren Bereichen der Mittelklasse. Und: Am Preis sieht man, dass es sich nicht mehr um Billigfernglaeser handelt. Das bestaetigt meine These, dass man in der Optik nicht schummeln kann. Wenn sie gut werden soll, dann wird es teurer, auch in China.

Gruss aus dem Reich der Mitte,
Holger
 
Hallo Hans-Georg,

auch von mir herzlichen Dank für den wirklich fundiert und aufschlußreich geschriebenen Bericht über dieses hierzulande doch recht unbekannte Glas. Es eröffnet dem interessierten Liebhaber spezieller Gläser eine interessante neue Perspektive.

Könntest Du noch den italienischen Importeur preisgeben?

Ich hoffe, Du kommst bei der Naturbeobachtung mit der Einzelfokussierung zurecht; ich habe da so meine Probleme, vor allem bei Getier jeglicher Art, wobei allerdings die große Schärfentiefe bei 8x zusammen mit der Akommodationsfähigkeit der Augen hilfreich sein dürfte.

Dein Bericht zeigt mir auch wieder einmal, daß die Steiner Gläser zu Unrecht in der gehobenen Mittelklasse angesiedelt werden. Ich habe noch durch keines schauen können, das nur halbwegs konkurrenzfähig war.

Viel Spaß mit dem neuen Gläsle!

carpe noctem
Matthias
 
>Könntest Du noch den italienischen Importeur preisgeben?

Der steht am Ende von Holgers Artikel, bzw. hier: http://www.generalhit.com/ . Die englische Website tut noch nicht, man muss sich über den italienischen Teil durchhangeln, um die Produkte zu sehen. Das Ares steht unter Prodotti/Binocoli Militari/MIL 8x30. Die Kommunikation per e-mail geht aber auf Englisch.

>Ich hoffe, Du kommst bei der Naturbeobachtung mit der Einzelfokussierung zurecht;

Ja, das ist ein gewisses Problem, das mir bewusst ist. Wie angedeutet, habe ich ja Erfahrung mit dem DF und dem Hensoldt D-16, und ich habe mir das schon gut überlegt... Ich bin kein Ornithologe, also will ich nicht auf 5 oder 10m einen Vogel beobachten, sondern - wie der Name 'Fernglas' sagt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" /> - z. B. im Nationalpark die Wölfe, und die sind eher 50m weg. Ich habe mir angewöhnt, wenn ich das Glas absetze und weitergehe, immer die Okulare auf 0 zu stellen. So habe ich beim nächsten Mal eine Grundeinstellung, mit der ich den interessanten Bereich ordentlich sehe. Aber klar: wenn dann doch etwas im Nahbereich auftaucht, bin ich gekniffen, denn nachfokussieren ist umständlicher als mit Mitteltrieb.

>Dein Bericht zeigt mir auch wieder einmal, daß die Steiner Gläser zu Unrecht in der gehobenen Mittelklasse angesiedelt werden.

Naja, so krass geht das aus meinem Bericht nicht hervor... Das Safari ist das Einsteigermodell von Steiner. Ich weiss nicht, ob die in Deutschland oder im Ausland produzieren; aber bei einer Marke, die erheblich wirbt, also grosse Nebenkosten hat, kann man für 120 Euro keine tolle Qualität erwarten - wenn sie in D produzieren, schon gar nicht. Es gibt ja auch Steiner-Gläser, die ein Vielfaches kosten, und über die kann ich nicht viel aussagen - ich habe nur im Laden festgestellt, dass die Brillenträger-Tauglichkeit bei den teuren 8x30 auch nicht sehr gut ist, und damit schieden sie gleich aus.

In dem bekannten Test der Kompass-Ferngläser, den man im Web von irgendeiner Yacht-Zeitschrift runterladen kann, wurde ja das Steiner Commander nicht schlecht bewertet, nur war es eben sehr teuer. Die Optik wurde - glaube ich - aber nur als mittelmässig beurteilt. Die Werbesprüche von Steiner bezgl. der angeblichen Vorteile des Einzelfokus will ich aber auch nicht verteidigen, das ist dummes Zeug. Aber das führt jetzt zu der Grundsatzdiskussion, die ich eigentlich nicht wieder aufwärmen wollte...

Letztlich hat Steiner eine andere Zielkundschaft, und die wird offenbar gut bedient, sonst wären sie inzwischen pleite. Und nochmal: das Safari ist phantastisch leicht (unter 500g - das Ares wiegt 680g), das ist auch ein Argument.
 
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