Christian_P
Aktives Mitglied
Hallo Planetenfreunde,
ich möchte Euch gern ein erstes Ergebnis meines neuen Projekts vorstellen. Nach längerem Planetenfilmen mit dem altbewährten C8 sollte eine neue größere Optik her. So teuer sollte sie nicht sein und irgendwie hatte ich den ganzen Technikkrams auch ein wenig satt. Ich legte folgende minimalistische Anforderung zugrunde: maximale (bezahlbare) Öffnung im "Feld" für Planetenfotografie. Wie wäre es denn mit einem Gitterrohrdobson, dachte ich. Also ging es los und ich fand eine Anzeige mit einem gebrauchten 12"f/5 Newton in Gitter-Leichtbauweise bei einem netten Herren, ein Spacewalk Teleskopes Advanced 12"f/5. Der sollte es sein. Nicht zu groß, aber mit ordentlich Öffnung. Damit brach ich natürlich mit einer bei mir eigentlich fest eingebrannten Meinung: Mit einem Dobson geht das doch nicht vernünftig. Vor dem Kauf sollte also alles gut überlegt sein. Brauche ich eigentlich eine Nachführung? Ginge es nicht auch so, dass ich das Teleskop ohne technischen Schnickschnack, also auch ohne EQ-Plattform betreibe, denn diese bringt ja wieder Technikgefummel mit sich. Das will ich nicht! Würde es also auch so gehen?
Hier die Überlegung: Ich habe eine schnelle CMOS Kamera. Die bringt locker 100fps mit dem neuen Laptop! Das ist doch schnell genug, um den Jupiter durch’s Feld des Chips laufen zu lassen, ohne das Details verschmieren würden. Auch ist es doch eigentlich ein Luxus, dass der Jupi immer genau in der Mitte des Gesichtsfeldes bleibt, sodass es die Stackingsoftware leichter hat. Dank der verfügbaren Software wie VirtualDub kann man ein beliebiges Video in seine Einzelteile Zerlegen, sich also die brauchbaren Passagen heraussuchen. Im folgenden Schritt kann man dann mit Castrator – einem wundervollen Tool des genialen Emil Kraaikamp - den Jupiter mittig stellen. et voilà! Da haben wir doch unsere Bedingungen, die wir auch an einem nach geführten Teleskop hätten haben können. Eben nur nicht sofort, sondern erst im Nachhinein. Nicht schlimm! Nur etwas mehr Arbeit. Auch steht die Software WinJupos zur Verfügung, mit der es möglich ist, Details auf dem Jupiter wieder in die richtige zeitliche Ordnung zu bringen, wenn es am Teleskop mal länger dauert. Das kommt zum Beispiel vor, wenn man am Dob den Filter wechselt. Das macht aber nichts, denn die Software gleicht so gut es geht alle Fehler aus. Es wäre also tatsächlich möglich mit einem Dobson Planetenaufnahmen in einer ähnlichen Qualität zu machen, wie es fest montierte, nachgeführte Geräte können und das ohne (!) EQ-Plattform, denn Technik am Teleskop muss nicht unbedingt sein.
Wäre da noch die Anbindung der CMOS Kamera an's Teleskop. Nachdem ich mir einen Justierlaser bei DREHEN UND MEHR bestellte – danke nochmals an Herrn Becker – stellte ich fest, dass die Justage bei Änderung der Höheneinstellung des Dobson leicht abwich, so musste ich beachten, das Newton möglichst genau auf die Höhe des Jupiter zu justieren. Dank des tollen Lasers ging das sehr gut und die Justage hat dann auch wunderbar an einem Stern nahe Jupiter gepasst, zumindest, soweit das Seeing eine Beurteilung zuließ. Ich verwendete eine 2x Celestron Ultima Barlowlinse in der ich die Kamera nur mit einem Rotfilter ausgestattet einsteckte. Das höhere Gewicht des Filterrads wollte ich erst mal vermeiden, da ich die Justage nicht gefährden wollte. Im Übrigen war der visuelle Anblick des Jupiter bei 240x eine Wucht. So gut hatte ich ihn noch nie gesehen, obwohl das Seeing nicht ausgezeichnet war! 300mm Öffnung ist dann doch schon etwas anderes. Nach einer Berechnung liege ich mit meiner Anbindung bei ca. 3900mm Brennweite, also f/13. Das ist recht knapp für die 5.2µm des CMOS-Chips, hat aber den Vorteil eines vergleichbar großen Feldes durch das der Planeten dann laufen kann. Erstaunlicherweise geht das Nachführen recht gut, sodass ich den Jupiter wieder gut in Position zum erneuten Durchlauf bringen konnte. Das muss ich aber noch üben. Aber es geht.
So habe ich dann ein Video nach dem anderen aufgenommen. Leider hat die Kamera ausgesetzt, was wohl mit dem Treiber zu tun hat. Also wenn ich eines bei dem Test nicht erwartet hatte, dann das. Die ganze Sache mit dem Dobson war neu und was versagt? Die Kamera! Aber es kam genug Material zusammen, da ich ja nur durch den Rotfilter aufgenommen habe.
Jedes Bild wurde aus vier Bildern, die einen mittleren Abstand von 2 Minuten hatten, in WinJUPOS durch Derotation dieser vier Bilder erstellt und dann nochmals nach bearbeitet. Die Zwiebelringe auf dem ersten Bild kommen wohl von einer anderen Einstellung der Kamera. Im ersten Bild hatte ich den Gamma Wert herunter gesetzt, im zweiten Bild hatte ich das vergessen (wegen Ausfall der Kamera), zum Glück! Wieder was gelernt. So nun genug geschrieben. Ich hoffe das Ergebnis gefällt. Für ein GitterDobson ohne alles finde ich es ganz ok.
Link zur Grafik: http://www.diffraction.de/astronomy/pictures/planets/jupiter_2014_01_17_23.00UT.jpg
groß
beste Grüße und CS,
Christian
ich möchte Euch gern ein erstes Ergebnis meines neuen Projekts vorstellen. Nach längerem Planetenfilmen mit dem altbewährten C8 sollte eine neue größere Optik her. So teuer sollte sie nicht sein und irgendwie hatte ich den ganzen Technikkrams auch ein wenig satt. Ich legte folgende minimalistische Anforderung zugrunde: maximale (bezahlbare) Öffnung im "Feld" für Planetenfotografie. Wie wäre es denn mit einem Gitterrohrdobson, dachte ich. Also ging es los und ich fand eine Anzeige mit einem gebrauchten 12"f/5 Newton in Gitter-Leichtbauweise bei einem netten Herren, ein Spacewalk Teleskopes Advanced 12"f/5. Der sollte es sein. Nicht zu groß, aber mit ordentlich Öffnung. Damit brach ich natürlich mit einer bei mir eigentlich fest eingebrannten Meinung: Mit einem Dobson geht das doch nicht vernünftig. Vor dem Kauf sollte also alles gut überlegt sein. Brauche ich eigentlich eine Nachführung? Ginge es nicht auch so, dass ich das Teleskop ohne technischen Schnickschnack, also auch ohne EQ-Plattform betreibe, denn diese bringt ja wieder Technikgefummel mit sich. Das will ich nicht! Würde es also auch so gehen?
Hier die Überlegung: Ich habe eine schnelle CMOS Kamera. Die bringt locker 100fps mit dem neuen Laptop! Das ist doch schnell genug, um den Jupiter durch’s Feld des Chips laufen zu lassen, ohne das Details verschmieren würden. Auch ist es doch eigentlich ein Luxus, dass der Jupi immer genau in der Mitte des Gesichtsfeldes bleibt, sodass es die Stackingsoftware leichter hat. Dank der verfügbaren Software wie VirtualDub kann man ein beliebiges Video in seine Einzelteile Zerlegen, sich also die brauchbaren Passagen heraussuchen. Im folgenden Schritt kann man dann mit Castrator – einem wundervollen Tool des genialen Emil Kraaikamp - den Jupiter mittig stellen. et voilà! Da haben wir doch unsere Bedingungen, die wir auch an einem nach geführten Teleskop hätten haben können. Eben nur nicht sofort, sondern erst im Nachhinein. Nicht schlimm! Nur etwas mehr Arbeit. Auch steht die Software WinJupos zur Verfügung, mit der es möglich ist, Details auf dem Jupiter wieder in die richtige zeitliche Ordnung zu bringen, wenn es am Teleskop mal länger dauert. Das kommt zum Beispiel vor, wenn man am Dob den Filter wechselt. Das macht aber nichts, denn die Software gleicht so gut es geht alle Fehler aus. Es wäre also tatsächlich möglich mit einem Dobson Planetenaufnahmen in einer ähnlichen Qualität zu machen, wie es fest montierte, nachgeführte Geräte können und das ohne (!) EQ-Plattform, denn Technik am Teleskop muss nicht unbedingt sein.
Wäre da noch die Anbindung der CMOS Kamera an's Teleskop. Nachdem ich mir einen Justierlaser bei DREHEN UND MEHR bestellte – danke nochmals an Herrn Becker – stellte ich fest, dass die Justage bei Änderung der Höheneinstellung des Dobson leicht abwich, so musste ich beachten, das Newton möglichst genau auf die Höhe des Jupiter zu justieren. Dank des tollen Lasers ging das sehr gut und die Justage hat dann auch wunderbar an einem Stern nahe Jupiter gepasst, zumindest, soweit das Seeing eine Beurteilung zuließ. Ich verwendete eine 2x Celestron Ultima Barlowlinse in der ich die Kamera nur mit einem Rotfilter ausgestattet einsteckte. Das höhere Gewicht des Filterrads wollte ich erst mal vermeiden, da ich die Justage nicht gefährden wollte. Im Übrigen war der visuelle Anblick des Jupiter bei 240x eine Wucht. So gut hatte ich ihn noch nie gesehen, obwohl das Seeing nicht ausgezeichnet war! 300mm Öffnung ist dann doch schon etwas anderes. Nach einer Berechnung liege ich mit meiner Anbindung bei ca. 3900mm Brennweite, also f/13. Das ist recht knapp für die 5.2µm des CMOS-Chips, hat aber den Vorteil eines vergleichbar großen Feldes durch das der Planeten dann laufen kann. Erstaunlicherweise geht das Nachführen recht gut, sodass ich den Jupiter wieder gut in Position zum erneuten Durchlauf bringen konnte. Das muss ich aber noch üben. Aber es geht.
So habe ich dann ein Video nach dem anderen aufgenommen. Leider hat die Kamera ausgesetzt, was wohl mit dem Treiber zu tun hat. Also wenn ich eines bei dem Test nicht erwartet hatte, dann das. Die ganze Sache mit dem Dobson war neu und was versagt? Die Kamera! Aber es kam genug Material zusammen, da ich ja nur durch den Rotfilter aufgenommen habe.
Jedes Bild wurde aus vier Bildern, die einen mittleren Abstand von 2 Minuten hatten, in WinJUPOS durch Derotation dieser vier Bilder erstellt und dann nochmals nach bearbeitet. Die Zwiebelringe auf dem ersten Bild kommen wohl von einer anderen Einstellung der Kamera. Im ersten Bild hatte ich den Gamma Wert herunter gesetzt, im zweiten Bild hatte ich das vergessen (wegen Ausfall der Kamera), zum Glück! Wieder was gelernt. So nun genug geschrieben. Ich hoffe das Ergebnis gefällt. Für ein GitterDobson ohne alles finde ich es ganz ok.
Link zur Grafik: http://www.diffraction.de/astronomy/pictures/planets/jupiter_2014_01_17_23.00UT.jpg
groß
beste Grüße und CS,
Christian