Es geht auch ohne Sternkarte!

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Timm

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Hallo Freunde,
gestern abend war ich mal wieder mit dem 20-Zoll-Lowrider
am Tochtermannsberg (Nähe Haslach im Schwarzwald) spechteln.
Es war zwar bitterkalt (- 2,5°), aber mit der richtigen Kleidung
hält man es gut einige Stunden aus. Aus Schusseligkeit
hatte ich mal wieder etwas vergessen: Die Sternkarten!
Also das ganze Programm auswendig probieren. Der 20-Zöller
war nach 2 Minuten aufgebaut und justiert. Es konnte losgehen.

Zum Anfang die Kugelhaufen M 15, M 13, M 92 , M 56, M 71, M 2 und den wenig
bekannten NGC 6229 im Hercules. Das ist der einzige, für den ich mangels heller
Leitsterne einige Minuten zum Auffinden brauchte.
Dann folgten die planetarischen Nebel: Zuerst der Saturn-Nebel NGC 7009, den
ich schon sehr oft beobachtet hatte. Den genauen Ort wusste ich nicht mehr und war überrascht,
als ich plötzlich eine winzige grünliche Scheibe sah: Neptun. Nördlich davon fand ich wehig später
auch den Saturn-Nebel. Dann folgten Hantelnebel M 27, Ringnebel M 57, der kleine Hantelnebel M 76,
der blue Snowball NGC 7662 und Cats eye NGC 6543.
Bis jetzt hatte ich alle Objekte ziemlich schnell gefunden.
Man braucht halt auch gute Leitsterne, um mit dem Telrad optimal arbeiten zu können.
Mal sehen, was mir bei den Gasnebeln alles einfällt. Zuerst natürlich
der Cirrus... s u p e r ! Mit dem OIII Filter im 30mm Zeiss eine Wucht!

Weiter zum Crescent-Nebel, der Dank des hellen Leitsternes Gamma Cyg in Sekunden zu finden war.
Dann wurde es schwierig: der Helixnebel... nicht oft aufgesucht, da er meist im Dunst steht.
Ich erinnerte mich, dass er etwa 10° nördlich von Fomalhaut steht.
Jetzt kam der Riesensucher 50x500 ins Spiel: mit dem 40mm Pentax habe ich ein Gesichtsfeld von
knapp 1 1/2 Grad und 10mm AP!. Das erleichtert das Aufsuchen... und schon nach wenigen Minuten
war der Helixnebel gefunden. Ich hatte schon den OIII Filter eingeschraubt,
was ungemein hilfreich war. Denn ohne Filter ist der Helix sehr blass.

Jetzt wurde ich mutig: der Bubble-Nebel NGC 7635! Ich wusste noch, dass er in der Nähe von M 52 steht,
einem recht schönen offenen Haufen. Den fand ich sofort und mit dem 40mm und OIII war der Bubble-Nebel
auch nach einer Minute gefunden. Wenn er es denn war... denn ich sah eine Menge bogenförmiger, nebeliger Strukturen.
Ein kleiner PL in der Nähe fiel mir auf, nicht größer als Jupiter, aber ziemlich hell.
Das waren die Objekte, die mir einfielen... halt, einer noch:
NGC 281 bei Schedir, der auch schnell gefunden war. Aber auch hier braucht man dem OIII zum Aufsuchen.

Also nun zu den Galaxien: Ich begann mit M 31, M 32 , NGC 205, den weiter entfernten Begleitern
NGC 147 und NGC 185, die ich jedesmal aufsuche, wenn ich den Andromedanebel beobachte.
Deshalb kannte die Leitsterne sehr gut. Die führen auch zur NGC 248, einer deutlichen, aber kleinen Spirale.
Mir fiel ein Sternpünktchen in Zentrumsnähe auf... hatte ich das schon früher gesehen? Eine Supernova? Nein...
warscheinlich nur ein Vordergrundstern!
Weiter ging es mit NGC 404, direkt neben Beta And. Und weiter zu M 33, der schön seine Spiralarme zeigte.
Auch NGC 604, ein Gasnebel in einem der Spiralarme, war gut zu sehen.
Weiter ging es zu NGC 891, am ersten Drittel zwischen Almaak und Algol gelegen. Das dauerte etwas länger,
aber mit dem 30mm Zeiss war diese schöne Nadel mit vorgelagertem dunklen Staubband bald gefunden.
M 81, M82 folgten... auch hier viele Details.
Jetzt die Herausforderung: fast 400 Millionen Lichtjahre entfernt steht Abel 426, ein sehr schöner Galaxienhaufen mit
vielen schwachen Galaxien. Acht davon gleichzeitig im Bild! Dieser Haufen ist mit dem Telrad sofort zu finden,
da der äußere Kreis genau auf Algol liegt.
Wo genau steht eigentlich NGC 2403? Ich habe es vergessen!
Ich wusste nur, etwa 10 Grad nach Westen... das konnte dauern!
Nach 5 Minuten gab ich auf... da sind halt keine hellen Leitsterne. Aber man muss ja nicht alles auswendig wissen!
Aber offene Sternhaufen kenne ich viele: h und chi, M 34, M 38, M 36, M 37 und M 35 mit Begleiter NGC 2158.
In der Nähe fand ich auch schnell M 1 und da der Orion schon über dem Horizont gekommen war,
beendete ich mein Auswendigspechteln mit M 42. Auch der Fangspiegel zeigte nun schon deftige Kälteerscheinungen.
Der leichte Taubelag war gefroren!!!
Nach drei Minuten war der Klose-Dobson zerlegt und im Kofferraum verstaut.
Ein Tässchen Tee... und schon ging es wieder zurück.
Also nicht verzagen, wenn man mal die Karten vergisst...
einige Objekte findet man immer!

CS Timm
 
Hallo Timm,

schöner Bericht.

"Also nicht verzagen, wenn man mal die Karten vergisst...
einige Objekte findet man immer!"

Kleiner Scherzkeks, <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> ich wäre froh wenn ich trotz GoTo nur einen Bruchteil deiner Beobachtungen in einer Nacht abhandeln könnte. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" />

Freue mich schon auf das gemeinsame Spechteln in Spanien.

Gruß
Gerhard
 
Hallo Timm,

schöner Bericht!

Aber...
Nach drei Minuten war der Klose-Dobson zerlegt
Und wie hast Du da so schnell den Kopf wieder rausgekriegt?
Link zur Grafik: http://home.arcor.de/rainerburzynski/ProfilTimm.jpg <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" />

Herzliche Grüsse
Rainer
 
Hallo Timm,

toller Bericht. Da bekommt man wieder richtig Lust trotz Kälte raus zu gehen. Wenn bloss das Wetter wieder besser wird.

Viele Grüsse

Gerhard
 
Hi Gerhard,
ja, man muss es ausnützen, wenn es mal aufklart!
Gestern nacht gegen 23 Uhr ging ich wie immer die letzte Runde mit meinem Hund und siehe da: es war superklar!
Und was macht man als astroverrückter Mensch?
Man bringt den Hund ins Bett, packt den 20-Zöller aus dem Keller ins Auto und fährt 20 Minuten in die Schwarzwald-Berge!
Trotz Kälte und trotz Müdigkeit... die spinnen, die Spechtler!
CS
Timm
 
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