Es gibt sie doch noch, die Sterne (BB)

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Achim

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Hallo Leute,

die letzten Monate hatte ich das Beobachtungsboard gar nicht besucht - wetterbedingte Abstinenz hatte mich sehr frustriert. Gestern gab es ENDLICH wieder klaren Himmel. hierüber habe ich etwas zusammengeschrieben.

Bericht vom 06.01.2005; 21.00h - 22.45h

Ausrüstung: Newton-Teleskop, Öffnung 506mm, Brennweite 2385mm, (f/4,7) Ursus
Dobsonmontierung

verwendete Okulare: 26mm Nagler Typ4 ; 17mm Nagler Typ 4; 13mm Nagler Typ1, 9mm Nagler Typ6,
Ort: 5km außerhalb Emskirchen, 390m ÜNN
Temperatur: 21.00h 3,2 C ; 23.00h 2,6 C
Seeing: 3 bis 4


Wetter: Wolkig mit einzelnen Aufheiterungen, gegen Abend aufklarend, einzelne durchziehende Wolkenschleier

Beobachtete Objekte:
Koment: Machholz
Gasnebel: M42, M43
Galaxien (GX): M81, M82, NGC2403, NGC2976, NGC2403, M77, NGC1055, NGC1090, NGC1087, NGC1072, NGC1032
Planeten: Saturn

Und es gibt sie doch noch! Nach 4 Monaten erstmalig wieder eine Spechtelnacht, kaum zu glauben! In den letzten Monaten hatte ich mehrfach ein Teleskop zum temperieren hinausgestellt und dann später wieder unverrichteter Dinge aufgeräumt. Auch die verschärfte Version mit hektisch hinausfahren, aufbauen, justieren und nach wenigen Minuten unter Hochnebel wieder einpacken habe ich mehrfach praktiziert. Diesmal lasse ich mir Zeit und nehme das große Equipment mit.

Beim Aufbauen bin in ja nicht ganz aus der Übung, das geht recht flott, justieren dauert etwa 5 Minuten (warum dreht man eigentlich zunächst immer in die falsche Richtung?). Es ist windig; ab und an etwas böig. Nur kurz schweift der Blick: der Zenith ist durch Cassiopeia , später durch Perseus besetzt; in SO steigt dominant Orion hoch; hell leuchtet Aldebaran, das orange Auge des Stieres. Vor 3 Tagen war Uli bei mir zu Besuch, eine Wolkenpause hatte damals den Blick mit Fernglas auf den aktuellen Kometen Machholz ermöglicht. Dieser ist in diesen Tagen deutlich höher gestiegen und mit bloßem Auge deutlich SSW der Plejaden erkennbar:


C/2004 Q2 (Machholz) - Komet - Tau - (mag 4) GH 5,6
Leider verlernt man in mehreren Monaten einiges an Beobachtungspraxis, nähere Schätzungen über Größe und Helligkeit verkneife ich mir momentan lieber. Auf den ersten, flüchtigen Blick wirkt der Komet rundlich, das sehr helle, fast stellar wirkende Zentrum im GF (Newton) nach 8h etwas versetzt. Man ist der Komet hell! Der Halo leuchtet richtig deutlich, manchmal habe ich den Eindruck, im Bereich nahe des Kerns ist die Leuchtkraft geringer, ca. 10’im Durchmesser. Dabei wird es sich um eine optische Täuschung handeln. Der Schweif ist wenig auffällig, nach O eine schmale, etwas zerfasernde lange Fahne, die am Kometenhalo sehr dünn ansetzt. Wow! , am Kometenkopf einseitig nach S, fast rechtwinklig eine diffuse Aufhellung, wie ein zweiter Schweif, tropfenförmig– so etwas habe ich noch nie gesehen!

Ich kann es mir nicht verkneifen – den Orionnebel habe ich bisher noch nicht mit dem 20er betrachten können, darauf wird nun ausgerichtet

M42 - GN - ORI - (mag 4 - sbr 11; 90 * 60') GH 5,4
M43 - GN - ORI - (mag 9 - sbr 13; 20 * 15') GH 5,4
Wow – ist das hell! Das 26er und 17er Nagler habe ich seit nunmehr 3 Monaten, nun erstmalig richtig im Einsatz. Es fällt mir schwer, all die Strukturen, Filamente, Lichtknoten zu beschreiben. Einfach aufwühlend! in der Nebelregion nahe dem Trapez funkeln einige kleine Lichtpunkte, die ich in meinen anderen Optiken so nicht wahrnehmen konnte. Das Seeing ist leider nicht sonderlich, schon im 17er sind die hellen Trapezsterne oft etwas verwaschen, seltener punktförmig. In den ruhigeren Momenten zeigen sich die E- und F-Komponente aber zweifelsfrei.
M43 ist ebenfalls eine wunderbare Nebelregion, insbesondere die Dunkelwolken in Norden beeindrucken; tiefschwarz mit teilweise scharfen Übergang zu den leuchtenden Wolken. Noch etwas mehr nördlich die Regionen NGC1973, 1974, 1977, ... eine Schatztruhe! Leider scheint meine Farbwahrnehmung am Teleskop schwach ausgeprägt. M42 so hell, dass die Dunkeladaption darunter leidet (beim abwechselnden Augenzukneifen erkenne ich mit dem nicht beobachtenden linken Auge deutlich mehr in der Dunkelheit), der Nebel aber nur hellgrau- blass grünlich.

Und nun? Genusspechteln! Ein fast 180-Grad-Schwenk hin zum großen Bären

M81 - GX- UMA - (mag 6,9 - sbr 13,2; 24,9 * 11,5') GH 5,8
Ich habe geschlagene 5 Minuten gebraucht, um die GX einzustellen! Ich meinte dies unbedingt aus dem Gedächtnis machen zu müssen, war auch ganz dicht dran, aber doch daneben. Im 106mm Sucher sieht man manchmal zu viele Sterne, wenn die Übung etwas verloren ist, kann dies hinderlich sein. Dafür kann man die meisten Messier-Objekte damit jedoch direkt ausmachen. Die GX wie eine kleinere Ausgabe der Andromedagalaxie, ein helles, längliches Oval, erst auf den 2. Blick mit Strukturen im Halo – zwei schmale, unschlingende Staubbänder.

M82 - GX- UMA - (mag 8,4 - sbr 12,5; 10,5 * 5,1') GH 5,8
Stukturen ohne Ende! Die Breite kommt mir deutlich geringer verglichen zu den Katalogangaben vor. Deutlich diverse Lichtknoten, dunklere Bereiche. Auffällig ein breiteres schräges dunkleres Band, welches diagonal die GX fast zu teilen scheint. Augenweide pur! Mit dem 26er gelingt es gerade, den Großteil von M81links oben und M82 unten gemeinsam zu sehen. Ich beschränke mich dann aufs einzeln Betrachten im 26er, 17er und 13er.

In der Region werden zwei weitere Karkoschka-Objekte eingestellt:

NGC3077 - GX- UMA - (mag 9,9 - sbr 13,1; 5,2 * 4,7') GH 5,8
Auffällig helles Zentrum, rundlicher kräftiger Halo, in einer Region mit einem auffällig hellem Vordergrundstern (Mag8) und einer kleinen gebogenen Sternenkette SO mit mag 13..15 Fünkchen.

NGC2976 - GX- UMA - (mag 10,2 - sbr 13,0; 6,2 * 3,1') GH 5,8
Wirkt zylindrisch mir runden Enden, kein echtes Oval. Die gesamte Fläche mit Lichtknötchen, keine Zentralaufhellung ausmachbar.


NGC2403 - GNX- UMA - (mag 9,9 - sbr 13,1; 5,2 * 4,7') GH 5,8
Hatte ich auch noch besucht, eine richtiger Brummer von den Ausdehnungen her. Ich hatte versucht, Spiralarme zu identifizieren, war mir hier aber ob deren Lage nicht sicher. Erst jetzt fällt es mir wie Schuppen aus den Haaren – in der GX war doch die helle Supernova! Vor Ort hatte ich nicht daran gedacht und somit nicht versucht, deren Helligkeit und Erkennbarkeit zu prüfen – Asche auf mein Haupt! Wie hell ist die Supernova momentan etwa?

Ich bin GX-Fan, das war gleich wieder durchgekommen. Cetus, der Walfisch hat seine Kulmination schon hinter sich, da der Herbst komplett ausgefallen war, will ich jetzt dort ein paar GX’en betrachten. Mit Abstand am hellsten dort:

M77 - GX - CET - (mag 8,9 - sbr 12,8; 7,3 * 6,3') GH 5,2
Ab und an ziehen feine Wolkenschleier durch diese Region, bei ca. 40 Grad Höhe ist der Himmel auch nicht ganz so Dunkel wie im Zenith, wo ich Mag 6.0 schätze. Auffällig Hell diese GX, die ein knappes Grad östlich von Delta Cetus gelegen ist. Auffinden kinderleicht. Östlich des Ovalen GX-Zentrums mit großer, recht gleichmäßiger Flächenhelligkeit ein markanter Mag 10/11 Vordergrundstern. Vom weiten, zarten Halo (umschlingende Spiralarme) habe ich nichts wahrgenommen, erst die Nachbereitung zeigt mir dieses Manko.

NGC1055 - GX - CET - (mag 10,6 - sbr 13,7; 7,6 * 3,0') GH 5,2
Ist für mich ein interessanteres Objekt. Südlich eines gleichwinkligen 3er Grüppchens ca. Mag 14-Sternen liegt die GX fast exakt quer im GF. Die linsenförmige GX erscheint im Norden durch ein breites etwas Staubband der Länge nach fast geteilt. Wirklich sehr interessant, wenn es noch etwas dunkler wäre ...

NGC1090 - GX - CET - (mag 11,8 - sbr 13,8; 3,9 * 1,9') GH 5,2
Befindet sich nochmals 1 Grad östlich von M77. Die geringere Flächenhelligkeit gepaart mit dem etwas aufgehellten Himmel macht beobachten schwieriger. Es bleibt bei einem ovalen, für mich strukturlosen Schemen.

NGC1087 - GX - CET - (mag 10,9 - sbr 13,1; 3,9 * 2,3') GH 5,2
Ist da doch einiges einfacher. Nur 15’ von NGC1090 entfernt hilft die höhere Helligkeit bei ähnlichen Ausdehnungen deutlich. Die Hauptachse des Ovals von N nach S. Lichtknoten-Strukturen, keine markante Zentralaufhellung. NO ein Vordergrundstern in ca. 5’ Distanz, Mag 11.

Eine kleine GX ist in meiner Karte verzeichnet, ob die bei diesen Bedingungen erkennbar ist?

NGC1072 - GX - CET - (mag 13,4 - sbr 12,9; 1,5 * 0,5') GH 5,2
Ja, direkt haltbar! Im 26er zu erahnen, im 17er und 13er dann deutlich er als gedacht. Die Flächenhelligkeit ist relativ hoch, mit der notwendigen Vergrößerung wird der Kontrast zum Hintergrund deutlicher. Ich erkenne eine schmale Aufhellung auf halben Weg zwischen einem Mag 15 Einzelstern (WNW) und einer 4er Gruppe (SOS)

Dank warmer Stiefel, Mütze und langer Unterhose setzt mir der stetige Wind kaum zu, bohrende Kopfschmerzen drängen sich nun nach und nach in den Vordergrund. Manchmal bin ich etwas wetterfühlig, die ungewöhnliche Wetterlage setzt mir heute etwas zu. Zum Abschluss wird die Dunkeladaption vernichtet mit einen Blick auf

Saturn
Gleißend hell bei so viel Lichtsammelfläche! Der Gasriese steht recht hoch, etwas unterhalb des Paares Castor und Pollux in Gemini. Leider ist das Seeing nicht allzu gut. Mein Spiegel hat auch ein Manko – die äußersten ca. 10mm des Randes hängen etwas, was die Kontrastleistung etwas reduziert, vor allem bei sehr hellen Objekten und höheren Vergrößerungen wird dies merklich. Ich habe eine Blende auf 480mm Öffnung dabei, die kommt zum Einsatz. Die Kontraste werden tatsächlich (leider – das Manko wird bestätigt) spürbar besser. Blickweise ist die Luft ruhiger, dann kann man wunderbar die Atmosphärenbänder in ihren Farbschattierungen erkennen. Der Öffnungswinkel zum Ringsystem ist verglichen zum letzten Jahr schon merklich kleiner geworden. In ein paar Jahren wird man sogar nur einen Strich erkennen, dann wir es mit der Casiniteilung schwierig werden <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> Saturn steht zwischen einer ganzen Zahl von Lichtpünktchen. Wie ich eben in Ciel nachvollziehen kann waren dies alles Monde und keine Hintergrundsterne. Ich hatte mir leider keine Skizze gemacht, bin mir nun nicht mehr sicher, ob neben Enchelade auch Mimas zu sehen war.


Das gleißende Licht sticht im Kopf, ich lasse es gut sein. Abbauen und verstauen in 5 min, dann 5min fürs Heimfahren.

Ganz sicher kein offenbarender Bericht, für mich aber eine Bestätigung und Dokumentation, das es immer noch einen Sternenhimmel gibt.

Viele Grüße

Achim
 
Hi Achim
Schöner Bericht und besonders interessant, wenn man ihn mit eigenen Beobachtungen vergleichen kann. Die angesprochenen Objekte hatte ich letztes Jahr auch schon mal im Okular und hätte sie auch gerne wieder dort, wenn das Wetter mal mitspielen würde. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />
CS Udo S
 
Hallo Achim,

ja, das tut gut, ENDLICH mal wieder beobachten. Bei mir gibts zur Zeit ja nur Kleinprogramm vom Balkon, aber auch das ist schon wunderschön!
Ruinieren die äusseren 3cm Spiegel bei dem Monster soviel vom Bild, daß das mit Blende deutlich besser wird? Ich kanns kaum glauben! Der Saturn muß doch sowohl bei 48 als auch bei 51cm einen regelrecht umhaun - ich bin mit 152mm und 254mm schon immer ganz ehrfürchtig vor diesem Wunder der natur.

Ein schöner Bericht.

Viele Grüße

Markus


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Quidquid agis, agas prudenter et respice finem!
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DANUBIA - [COLOR="1070FF"]OBSERVATORIUM[/color]

Markus A. R. Langlotz
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Die Mailadresse: ntl.observatory@freenet.de


 
Hallo Markus,

bei Deep-Sky-Objekten hatte ich bisher keinen negativen Effekt bemerkt, es bisher auch noch nicht mit Blende versucht. Beim Ringnebel könnte dies aber u.U. das Auffinden des Zentralsterns erleichtern.

Saturn ist bei so viel Öffnung gleißend hell. Wenn man die Hand hinter das Okular hält, sieht man auf dieser einen richtig hellen Fleck. Man könnte es mal mit Okularprojektion auf reinweißem Papier versuchen. Ich hatte beim Abblenden des Randes tatsächlich eine Verbesserung des Kontrasts festgestellt. Leider ist in unseren Breiten der Himmel aber seltenst so, daß solch große Öffnung voll für die Bildauflösung genutzt werden kann.

Ich werde mich nach einem 2" Polarisationsfilter umsehen, um die Helligkeit herunterdimmen zu können. Einen Satz Farbfilter habe ich schon, mit dem werde ich es auch mal an Saturn versuchen.

Viele Grüße und klaren Himmel wünscht

Achim

p.s. von Sonnenaufgang bis gegen 15.00h war es hier wolkenlos und RICHTIG klar, nun ist es zugezogen und regnet ;(
 
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