Europa-Durchgang visuell am 90er Mak mit Zeichnung

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas Ehemaliger Benutzer (7840)
  • Erstellungsdatum Erstellungsdatum
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Ehemaliger Benutzer (7840)

Hallo Sternfreunde,

heute gelang mir eine eindrucksvolle Jupiterbeobachtung mit meinem 90/1250mm Maksutov:

In der späten Abenddämmerung gegen 17:40 Uhr war das Teleskop ausgekühlt, und ich stellte Jupiter ein. Der GRF lungerte am Ostrand hervor, und Europa stand unmittelbar am Planetenrand mit einer Lücke zum Planeten, die an der Auflösungsgrenze noch erkennbar war. Das Seeing war gut, so dass ich 178-fach vergrößern konnte, ohne dass sich Unschärfen zeigten.

Europa wanderte unaufhaltsam langsam für das bloße Auge unmerklich auf den Jupiterrand zu. Der Moment des Kontakts war aufgrund der gasförmigen Wolkendecke nicht exakt auszumachen, er fand ca. 17h45m bis 17h50m statt. Als sich der Mond vor dem etwas dunkleren Rand Jupiters befand, war er als kleiner, silbrig glänzender Punkt klar und eindeutig vor dem Großen Roten Fleck zu identifizieren. Es war das erste mal, dass ich den Durchgang eines Jupitermondes vor der Planetenscheibe sehen konnte.

Eine halbe Stunde später wurde er von den helleren Bereichen Jupiters überstrahlt. Der Kontrast war dann zu gering, um ihn noch zu erkennen. Ich war erstaunt, dass es mit 90mm Öffnung überhaupt möglich ist.

Hier eine Zeichnung des Gesehenen. Europa habe ich zur Verdeutlichung etwas größer dargestellt, als er im Teleskop erschien:

Link zur Grafik: http://www.astroplatz.de/extern/jupiter3.jpg

Die Daten:

8.2.2011
17h55m
Ort: Berlin
Teleskop: Skywatcher 90/1250mm Maksutov
Vergrößerungen: 138,8-fach und 178,5-fach (Baader Ortho 9mm und 7mm)
Seeing: 2 (Antoniadi-Skala)
Transparenz: Sehr gut
ZM: 42,2 Grad (ermittelt mit Calsky)
Norden oben, Osten rechts
 
Hallo Christian.

Sieht gut aus, deine Zeichnung.

Viele Grüße
*entfernt*
 
Hallo Christian,

sehr gut getroffen, wie der Mond am Rand des Jupiter steht. Mit Ganymed hatte ich mal so ein Erlebnis (4" Mak) und das sah dem, was du gezeichnet hast sehr ähnlich. Der Rand ist dunkler, er reflektiert das Licht nicht mehr so gradlinig zurück. Der Mond aber schon, dadurch ist er heller und so kommt es wohl zum notwendigen Kontrast.

Bin auch erstaunt, dass der 90er Mak bei ca. 180x noch so einen Kontrast herzaubert.

CS,
Stefan
 
Hy Christian,

eindrucksvolle Zeichnung und jede Menge Details für 90mm, super!

PS: Bin grad selbst am überlegen, ob ich mir den 90/1250 Skywatcher-Mak für Flugreisen zulegen soll, wegen der kompakten Dimensionen. In Sachen Optik kann man ja wohl, in Anbetracht solcher Leistungen, nicht viel falsch machen.

Gruß,
Stefan
 
Hallo zusammen,

vielen Dank für das nette Feedback.

@ stefand: Normalerweise nutze ich die 178-fache Vergrößerung am Jupiter wegen des geringeren Kontrastes gegenüber 138-fach auch nicht. Vorhin war jedoch die Transparenz überdurchschnittlich, so dass ich sie diesmal einsetzen konnte.

@ westphal_stefan: Den Mak kann ich nur empfehlen. Ich sehe es auch so, dass man damit nicht viel falsch machen kann. Er zeigt absolut punktförmige Sterne und, wie diese Beobachtung zeigt, auch ohne Tuning mit Velours etc. einen sehr guten Kontrast. Bei Deep Sky treten jedoch die Maksutov-typischen Nachteile (keine großen AP's und Gesichtsfelder möglich) voll zu Tragen.

Er ist auch, was gerade für Reisen wichtig ist, sehr justagestabil. Es zeigen sich nur temporär winzigste Dejustagen durch geringes Spiegelshifting, das sich aber in der Praxis nur am Stern an nicht ganz geschlossenen Beugungsringen im Fokus bemerkbar macht. Die Sterne selbst sind punktförmig. Bei der Beobachtung am Objekt bemerkt man das nicht.

CS und VG Christian
 
Zuletzt bearbeitet:
Hey,

also ich muss sagen tolle Zeichnung! Da überrascht mich der kleine Mak positiv. Für Planeten sicher ein schönes und vorallem handliches Gerät.

Was mich noch interessiern würde, wie verhält es sich mit der Auskühlzeit? Also raus aus dem warmen Wohnzimmer und nach Drausen, Temeperaturunterschied ~30°C. Gerade jetzt bei den extrem niedrigen Temperaturen?

Grüße

Alex
 
Hallo Alex,

diese Tage beträgt die Auskühlzeit 45 bis 60 Minuten. Ich mache es immer so, dass ich beim Aufbau im fliegenden Wechsel den Staubdeckel des Okularhalters gegen Zenitspiegel mit Okular tausche, um jeden Staub im Inneren des Tubus zu vermeiden. Mit offenem OAZ wäre die Auskühlzeit garantiert schneller.

Das Gerät bekam ich Mitte November, unter Einbeziehung einer achtwöchigen, wetterbedingten Zwangspause ist das Gerät also im Prinzip noch in der Testphase. Ich konnte es bei wärmeren Temperaturen noch nicht testen.

Früher arbeitete ich mit einem Celestron C90 Mak (90mm Öffnung), im Sommer war der nach 20-30 Minuten ausgekühlt. Ich muss abwarten, wie lange der neue Mak dafür im Sommer braucht.

CS und VG Christian
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Christian,
Schöner Bericht, wirklich ein tolles Instrument. Ja super; das regt mich dann doch nach vielen Fotoversuchen, wobei einige auch ganz ordentlich gelungen sind, auch mal wieder zum Zeichnen an. In Zeiten, als es die digitale Astrofotografie noch nicht gab, begann ich, Zeichnungen am kleinen Bresser Reflektor vom Mars und von den Sonnenflecken anzufertigen. Warum auch nicht, machte jedenfalls sehr viel Spaß! Werde mich da vielleicht auch mal wieder daran versuchen!

LG und CS, Uwe
 
Servus

Da hast du echt ein bombenmäßiges Seeing gehabt - für 90mm Öffnung sind das verhältnismäßig viele Details: Helligkeitsunterschiede im SEB sowie den polaren Regionen, ein strukturiertes NEB und dann auch noch die Mondscheibe am Rand! Kann mir gut vorstellen, dass das eine eindrucksvolle Beobachtung war.
Selber bin ich ja schon ein bisschen frustriert: Seit Dezember habe ich meinen 6" Schiefspiegler und seitdem war noch in keiner Beobachtungsnacht das Seeing gut genug, um ihn mal richtig "auszufahren" (mal abgesehen vom Mond). Sprich, besser als mit meinem 4" ED Refraktor habe ich Jupiter bisher auch noch nicht gesehen. Naja, irgendwann wirds schon passen.

LG Michael
 
Hallo Michael,

vielen Dank für das Feedback.

Das Seeing war nicht bombenmäßig, sondern für meinen Beobachtungsplatz eher mit der Schulnote "gut" (2 auf der Antoniadi-Skala) einzustufen. Die Transparenz war jedoch überdurchschnittlich, daraus resultieren wohl auch die vielen feinsten Farbabstufungen auf Jupiter, die z.T. unterhalb der Zeichengenauigkeit lagen.

Nichts desto trotz kann ich die Aufhellung der Polregionen in Richtung Äquator, die dunklen Knoten am Nordrand des NEB in praktisch jedem Teleskop bei nahezu jeder Beobachtung sehen, die zumindest "akzeptables" Seeing hat. Ich meine jedoch, dass diese dunklen Knoten in den letzten Wochen bei der visuellen Beobachtung etwas heller geworden sind.

Die Helligkeitsunterschiede im SEB sind in der Tat mit der Öffnung nur bei gutem Seeing zu sehen, sieht man von den hellen Verwirbelungen am GRF ab, die geradezu ins Auge springen. Meist sehe ich diese Helligkeitsunterschiede am Jupiterrand, der etwas dunkler und deshalb kontrastreicher bzw. etwas weniger überstrahlt wirkt.

Ich schiebe die überdurchschnittliche Detailliertheit dieser Zeichnung auch darauf, dass ich das Teleskop auf einer NEQ-3, also einer für den 90er Mak überdimensionierten Montierung, betreibe. Da ist das Fokussieren viel präziser möglich als bei einer noch stabilen, aber schwächeren Montierung mit Restschwingungen. Mit der NEQ-3 schwingt beim Fokussieren fast nichts. Bei meinen nächsten Jupiterbeobachtungen werde ich den Mak auf ein stabiles Fotostativ setzen und gucken, ob man da signifikant weniger Details sieht.

CS und VG Christian
 
Zuletzt bearbeitet:
Mit meinem 127er Mak auf NEQ3 sehe ich soviele Details kaum - und in der Tat macht auf dieser Monti das Fokussieren schon Probleme, wobei der Mak ja noch klein ist. Könnte also definitiv ein Grund sein.

Gruß Volker
 
Hallo Volker,

die Kombination 127er auf EQ-3 kenne ich auch. Die schwingt bei hohen Vergrößerungen schon recht stark. Für meinen persönlichen Anspruch wäre das schon zu instabil.

Ich bin generell der Meinung, dass für hochaufgelöste, detaillierte Beobachtungen die Montierung mindestens ebenso wichtig ist wie die Öffnung. Die große Öffnung und die präziseste Justage der Optik an sich nutzen nichts, wenn durch die Schwingungen beim Scharfstellen der Fokus nicht exakt getroffen wird. Auch bei Dobsons gibt es hierbei meiner Erfahrung nach große Stabilitätsunterschiede.

Ich würde für eine gegebene Geldsumme IMMER lieber eine etwas kleinere Öffnung wählen und diese auf eine entsprechend stabilere Montierung setzen. Unabhängig vom Gewinn an Auflösung und Schärfe nimmt es einfach auch sunjektiv die Freude am Beobachten, wenn das Bild beim Fokussieren oder leichtem Wind sofort vibriert.

CS und VG Cristian
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Christian,

schließe mich deiner Meinung an - auf der AZ4 wackelt es mit einem 4" Mak beim Scharfstellen und gleichzeitig hoher Vergrößerung. Auf einer EQ5 ist dann vollkommene Ruhe - aber das sieht schon beinahe putzig aus ...
Doch der Fokus lässt sich exakt treffen. Würde es bei den kleinesten Drehungen am Fokussierer wackeln, ließe sich dieser exakte Punkt nicht finden. Und der macht den Unterschied aus, ob kleinste Details am Objekt noch gesehen werden können oder nicht.
Nur ist an meinem Mak dafür ein zusätzlicher Fokussierer am T2-Gewinde notwendig gewesen.

CS,
Stefan
 
Hallo Stefan,

sowas sieht in der Tat putzig aus, aber es ist auch zweckmäßig.

Vielleicht ist das auch einer der Gründe, weshalb immer wieder von Sternfreunden beobachtet wird, kleine Teleskope würden am Planeten schärfere und detailliertere Bilder liefern als große Öffnungen, wie es Volker oben auch andeutet.

Kleine Geräte lassen sich halt preiswerter und transportabler weitgehend schwingungsfrei montieren. Sieht man von Seeingeffekten und Überstrahlung der Planetenscheibchen in großen Geräten bei schwacher bis mittlerer Vergrößerung als weitere Gründe hierfür ab.

CS und VG Christian
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben