extrem gute Transparenz und Seeing über Wiener Becken am 19.7.23

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Anette_Aslan

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Liebe Sterndelgucker,
über dem Wiener Becken steckt seit vielen Tagen eine Hitzeblase fest, die uns fast täglich über 30 Grad beschert. Hin und wieder spürt man kleine sogenannte Störungsausläufer, die leichte Gewitter und leider kaum Regen bringen wie in anderen Teilen des Landes, wo die Gewitter dafür aber um so heftiger ausfallen. Wegen dieser Unsicherheit benutze ich dann lieber meinen Skywatcher 120/900 ed, dessen Säule fest auf dem Balkon (Nord-Ost-Ost) montiert ist und wage es nicht, im Garten was aufzubauen, wo ich wegen der Straßenlampen und der eingeschränkten Sicht natürlich weitaus bessere Verhältnisse hätte. Aber wenn einen die Sehnsucht nach den Sternen packt, dann frisst der Teufel notfalls Fliegen.

Es gab gegen 22 h noch eine Wolkenlücke, die dann auf 24h hin leider zuzog, aber diese Lücke hatte es in sich, in frage mich, was ich alles hätte im Garten mit dem 8"Newton entdecken können, denn es muss die Nacht der Nächte gewesen sein. Tagsüber ein trocken heißer Wind aus West Südwest und 34 Grad Tmax, der den Dürreindex wohl enorm erhöht hat für diese Region, das Hygrometer zeigte unter 20% Luftfeuchte an, da verdunstet das letzte Tröpfchen in der Atmosphäre und erst recht am Boden. Als der Wind sich nach Sonnenuntergang legte kämpfte ich mit dem Gedanken mein Astroequiptment aufzubauen, Wolkendurchzug war ja angesagt, doch noch war der Himmel klar, später dann glasklar, so auffällig, dass ich über den Straßenlampen sogar einen 4.0 mag Himmel hatte.
Das Sommerdreieck stand mit Atair schon am Dachrand, ich spannte den Refraktor ein, hängte das Geländer des Balkons mit schwarzen Tüchern gegen die grauslichen Straßenlampen ab und steuerte auf M57 zu, den Kringel konnte ich so deutlich überhaupt noch nie erspähen. Ich schaute zuerst durchs 42er Weitwinkel und sehr gut zeigte sich ein winzig kleiner, klar abgesetzter Kringel unter nadelscharfen Sternen. Dann das Baader Zoom 8-24 rein und bei 8mm hatte ich ihn deutlich klar im Fokus nebst nadelscharfen Sternen um ihn herum. Weil das Sommerdreieck schon so hoch im Zenit stand und die Horizontbebauung bald durch Dächer ein Problem machen würde, schnell noch den M27 anvisiert. Auch dieser Appelgriebsch war einfach deutlich zu erkennen, unter mir wohl bemerkt eine vermaledeite Straßenlampe und links und recht daneben auch, ach die ganze Straße eine Lichter-ekel-pracht .
Viel lässt sich ja nicht sehen in so einem eingeschränkten Areal, also rauf zur Kassiopeia und die Eule eingefangen, die ebenfalls nadelfein im 42er Oku mit ihren ausgeladenen Schwingen herumflog, eine wahre Freude. Ha und Chi im Perseus zeigten natürlich nicht ihre gewaltige Sternenpracht wie weiter unten und hinten im gut abgeschirmten Garten sonst, doch befanden sich beide im Gesichtsfeld des Okulars und boten einen nadelscharfen Anblick, wenn auch mit weniger Sternen, aber unglaublich klar. Das Bild stand. Kein Lüftchen, unter 60 % die Nacht-Luftfeuchte und Tagsüber hatten wir mit fast 20% das Minimum dieses Monats erreicht. Es könnte heute Nacht nochmals so eine Chance geben, es ist knochentrocken aktuell.
M52 lies sich mit seinem Zentralstern sogar sehen und der "Letter S Cluster" war deutlich schön dargestellt.
NGC 1502 mit seinen beiden Doppelsternen hat es mir besonders angetan. Fein säuberlich im 42mm Oku getrennt. Zum Schluss noch schnell auf Albireo, der kurz vorm Dachfirst stand, welcher mir den Südosten verdeckt. Hoch im Zenit eine wahre Augenweide, beide klar getrennt strahlten sie in ihren Farben Orange und Blau deutlich durchs Oku. Es gibt Nächte, das sehe ihn ihn nur recht verwaschen und zweifele dann an der Optik. Aber gestern konnte ich vernehmen, dass diese einwandfrei ist. Ja, es gibt Wetterlagen, da geht selbst von einem Balkon über Straßenlampen etwas Beobachtung, die einem Freude machen kann.
Clear Skies von Anette
 

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Hallo Anette,
schöner Bericht. Wir waren gerade in Kroatien und hatten ebenfalls sehr gute Nächte, aber nur unser Minifernglas 10x28(?) dabei, zusätzlich ballerten die Autofernlichter auf unsere Dachterrasse und von hinten die Kirchenfassade in kaltweiss. Trotzdem, super Bedingungen oben und für uns Nordlichter, ein Blick tief in den Süden der Milchstrasse. Eine Seltenheit. Die Messiers zwischen Adler, Schütze und Schlangenträger gingen sehr gut.

CS,
Henning
 
Hi Henning,
na, das ist ja grad diese Hitzeglocke mit sehr trockener Luft, die reicht überm Balkan bis zu uns hoch ....
war auch mal dort an irgendeinem Küstenort und hatte meinen 102/500 dabei. Es ging gar nichts, weil fast jedes Haus um unserer Herberge herum mit Halogenstrahlern angestrahlt wurde. Raus in die einsame Pampa als fremde in einem fremden Land wollten wir auch nicht, wer weis was da rumkriecht des Nachts, man kennt sich nicht aus. Aber Teleskop mit an einen Küstenferienort zu nehmen ist keine gute Idee. Auch auf dem Meer schwimmen hell erleuchtete Yachten, alles macht da keinen Sinn zwecks Beobachtung.
LG von Anette
 
Es war schon relativ gut da, aber ich war nicht vorbereitet. Wir hätten einfach eine dunkle Ecke finden können, hatten aber andere Prioritäten (Schnorcheln und Hitzekollaps vermeiden). Der Nachthimmel war ein netter Bonus. Am Ende ging doch wieder viel mehr als gedacht, ISS zweimal am Nordhimmel, Fomalhaut, tolle Milchstrassenwolken, Kugelsternhaufen, Nebel usw.
Ist diese Wetterlage dort jahreszeittypisch? Die südlichen Objekte haben für mich natürlich Seltenheitswert. Mit 16" wär das bei dem Seeingstillstand mal was.

CS,
Henning
 
Ja, diese Wetterlage ist typisch für die Jahreszeit rund ums Mittelmeer, weil sich über Sommer dort das beständige Mittelmeehrhoch etabliert und Saharaluft manchmal wie aktuell bis über die Alpen steuert. Bei uns kommt der Wind dann aus Südwest bis Süd um die Alpen rum und kann bei größter Hitze recht bockig und knurztrocken sein. War gestern Mitternacht nochmal gegen 1h im Garten, war zwar bewölkt, aber zwischen den Lücken konnte ich sehen, dass das Seeing und die Transparenz wieder 1a waren. Der bockige Wind legt sich meist nach Sonnenuntergang. An den Flugzeugen sieht man keinerlei Kondensstreifen, sie lösen sich in dieser trockenen Atmosphäre sofort auf, das ist immer ein sehr gutes Zeichen für tolle Spechtelnächte. Heute soll es hier mächtig abgehen mit Gewittern und Starkregen, ich bin gespannt, möge uns der Himmel gnädig sein. Die Milchstrasse konnte ich mal auf dem 36 Breitengrad bestaunen und vor vielen Jahrzehnten im Himalaya, als es in der Stadt Pokhara noch keinen Strom gab. Das kann man gar nicht in Worten beschreiben, das Licht der Sterne wirft Schatten an den Gegenständen, das ist unfassbar, was uns Menschen in Lichtverseuchten Gegenden genommen wurde. Ich erkannte zunächst nicht einen bekannten Stern wieder, so übervoll war der Hiimmel, wie in Silber getaucht ... aber das ist dort nun auch Geschichte.
LG von Anette
 
Den letzten Absatz würde ich gerne als Plakat drucken und an jede Strassenlaterne hängen. Leider ist bei uns aber abends sowieso niemand zu Fuss unterwegs, der das lesen, geschweige denn die Beleuchtung nutzen würde.

CS,
Henning
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Anette,

schön wieder was von dir zu hören.
Ja die Lichtverschutzung nimmt immer mehr zu. Das ist der Grund weshalb ich immer öfters die Sachen ins Auto lade und etwas raus fahre. Da habe ich wenigstens noch einen 5.x Himmel und nicht Bortle 7 und schlechter wie aus der Stadt heraus. Die LED-Lampen geben uns Hobby Astronomen dann noch den Rest.
Immerhin kontest du ein paar helle Objekte abgreifen, aber selbst die leiden sehr unter schelchten Himmel. Da muss ich nur mal M13 innerhalb und außerhalb der Stadt zum Vergleich nehmen. Der Unterschied ist schon grass, die Anzahl der Sterne nimmt bei besseren Himmel deutlich zu und der Gesamteindruck dadurch auch.

Ich war froh am Montag rausgefahren zu sein, die einzige Möglichkeit im Juli hier in D. Jede Menge Galaxien gab es da zu sehen. Auch wenn die Bedingungen was die Luftfeuchte angeht nicht so gut was wie bei dir. Es war doch recht feucht aber warm und nach 2 Uhr machte sich das deutlich auf die Durchsicht bemerkbar. Aber man kann hier im vorderen Odenwald immerhin noch die Milchstraße gut sehen, was in Darmstadt nur noch erahnbar ist im Schwan.

cs
Lothar
 
Lieber Lothar, in den Medien spricht man vom Artenschutz der Insekten und wie schädlich all das Dauerlicht des Nachts ist, die Glühwürmchen sterben aus, weil die Weibchen die Lichter der werbenden Männchen nicht mehr erkennen und vieles schreckliche mehr. Aber wenn ich mir die Alpenwebcams ansehe, da wird die Natur für die Touristen zugedröhnt mit allem was herhält und Halogen ohne Ende auf jede Dorfkirche, die bis ins Weltall strahlt, wiederlich. Die Skilifte sind auch zum Milchstrassenersatz geworden, ganze Lichterbahnen des Nachts, damit der Betrieb läuft. Man spricht zwar über das Leid der Sterndelgucker, aber ich habe noch nicht erlebt, dass man jetzt breit was unternimmt. Hier und da gibts Sternenparks.... aber auch nur so nebenbei und nicht wirklich trendangebend.
Na ja, dafür sieht man dann im Bali am Strand die Sterne und zahlt dafür ...
liebe Grüsse von Anette
 
Hallo

Skrupellos wie die Lichterschmutzung zu nimmt, überall, ich sehe es überall,
Hier im teil Tübingen, Reutlingen, Metzingen, im Ermstal große Industrie anlagen mit überstrahlung von Licht, man erkennt nicht mehr den Sternenhimmel, als vor nur 10 jahren.
Das Insekten Sterben von Nützlinge und Schädlinge hat rapide zugenommen, wo sind all die Fledermäuse ohne Narung,
Strom aus erneuerbare Energie Sonne und Windkraft, von Windkraftanlagen darunter leiden etliche Vogelarten. Zuwas unützliche beleuchtung von Werbung , Kirchen, Autohäuser, Kaufhäuser, und anderes.
Dazu Wetterveränderungen, darunter leiden Bienen, was ist in den nächsten 10 Jahren.... weniger Ertrag, und alles verteurt sich deshalb.

Manfred
 
Bitte klebt euch nicht wegen so was an die Straßen.

Der große Stromausfall zusamenpruch kommt, Stürme werden stärker, Windkraftanlagen in gefahr, Wasserknappheit, die Flüsse Staudäme haben weniger Wasser, Gewitterzellen Hagel zerstört Fotofolltaig Anlagen.
Alles wenger Energie, E Fahrzeuge pleiben stehen und Licht aus..
Energie ist unentberlich, wir gehen alle damit 100 Prozent verschwenderisch um.

Manfred
 
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