extreme Preisspanne für Großferngläser /

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

braunbär

Aktives Mitglied
Hallo Forum,

hach, es kribbelt wieder. War grad an der Norseküste, die Milchstrasse - da ist der Funke wieder übergesprungen.

Ich habe eine - ziemlich naive - Frage: wieso ist die Preisspanne bei Großferngläsern so groß?

Da werden beim doch recht renomierten Geschäft "Teleskop-Service" Großferngläser für 129 Euro angeboten. Und ich glaube nicht, dass das der absolute Müll ist, denn sonst würden sie nicht angeboten werden.

Dann gibt es wohl das Beste vom Besten, das 25x150
EM-SX für schlappe 16.000 Euro + Montage.

Jetzt bin ich aber doch nicht so naiv und blauäugig, ich kann mir schon vorstellen, woher der Preisunterschied kommt. Gerade bei Optik kann man anscheinend immer noch eine Spur besser sein, als man gerade ist, und das kostet halt.

Aber: wieviel schlechter sind denn die preiswerten Gläser? Wieviel weniger sieht man denn? Hat jemand zufällig so ein Vergleichsfoto / Skizze?

Hintergrund der ganzen Geschichte: ich überlege, so ein Fernglas für meinen Vater (und mich, und meinem Sohn, hüstel <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/blush.gif" alt="" /> ) zuzulegen. Da die Handhabung einfach sein soll und die Beobachtungen zu 90% unter vom Balkon unter dem Stadthimmel stattfinden werden, wäre wohl ein Großfernglas das richtige. Blöd ist nur, dass "der Alte" Zeiss-Qualität gewohnt ist.

Den Beitrag "Großfernglas in CZJ-Qualität" habe ich schon gelesen...

Viele Grüße
Braunbär
 
Die Frage ist, wie man "groß" definiert und wozu man es einsetzen will. Zwischen den Ferngläsern liegen Welten - sowohl im Preis als auch in der Qualität. Und, wie überall: Für die letzten 2 % Leistung zahlt man nochmal 100 % Preiszuschlag <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />

Übrigens gilt auch bei Ferngläsern, dass die meisten (vor allem neuen) Beobachter nur "schauen" aber nicht "sehen". Dem alten Herschel wird der Spruch zugeschrieben: "Erwarten Sie nicht, beim Schauen schon zu sehen. Sehen ist eine Kunst, die erlernt werden muss." - und da ist viel Wahres dran.

Sehr gute Astro-Ferngläser gibts von Fujinon (10x50, 16x70) und Miyauchi. Letztere sind wohl aber derzeit weg vom Markt. Gerade bei astronomischer Verwendung von Großferngläsern kommt es auf einen entspannten Einblick an. Also entweder geeignetes Stativ + Liegestuhl oder 45° oder noch besser 90° Einblick ... und das sind eben Dinge, die man auch bei TS nicht für 129 EUR bekommt :-)

Nimm Dir mal ne Woche Zeit und lies die Beiträge hier im Forum, es gibt da schon eine ganze Menge verschiedene Meinungen.

Fakt ist und bleibt: Ferngläser werden meistens unterschätzt. Daraus resultiert auch: Viele meinen, ein "Großfernglas" zweifelhafter Qualität sei besser als ein hervorragendes 10x50 oder sogar 8x40 ...

Gruß
Adson
 
Ich nenne mal paar Kriterien, die den Preis stark beeinflussen:
- Öffnung kostet, das ist klar.
- geknickte Strahlengänge (45° oder 90°) sind teuer, aber das beobachten im Zenit - wo man am meisten sehen kann - wird dadurch erst vernünftig möglich.
- Objektivqualität kostet. Für Ferngläser mit fester Vergrößerung sind Achromate wahrscheinlich ausreichend und angemessen, aber wenn man die Okulare wechseln kann, dann hat man etwas von einer Apo-Optik.
- Okularbildfeld kostet. Vernünftige Okulare sollten alle der angeboteten Gläser haben, aber der Bildwinkel ist verschieden. Oft sind es nur 50°, 65° sind besser. Es gibt Instrumente mit noch mehr.
- Randschärfe kostet: Hauptsächlich ein Okularthema
- Maßnahmen gegen Streulicht ehöhen den Aufwand und den Preis.
- Wasserdichtigkeit, Stickstoff-Füllung, lange Garantiezeiten müssen bezahlt werden.
- Ausbaubarkeit kostet (Nebelfilter, Wechselokulare).
- Markenfabrikate kosten mehr.

Ich kenne die Ost-Zeiß-Gläser: Normale Achromate (vielleicht Fraunhofer, das weiß ich nicht), recht gute Okulare mt großem Gesichtfeld, aber Unschärfe am Bildrand, ordentliche Vergütung auf allen Flächen, gute innere Abschirmung gegen Streulicht. Es sind keine Wunder-Gläser, aber gute, robuste Allgebrauchsprodukte.
 
Hallo Ingo (Braunbär),
früher hat man mal Deutsche Geräte gekauft (Leitz, Zeiss etc.). Dann kamen die "billigen" Japaner als Kopisten, heute werden die Japaner von noch billigeren Chinesen kopiert. Das Ergebnis für halbwegs Betuchte: Astronomen, Jäger unf Förster kaufen wieder die erstgenannten Geräte, weil sie nun mal qualitativ besser sind. Die Chinaschnäppchen haben eine all zu große Qualitätsbandbreite und sind für "Eingefleischte" uninteressant, denn wer möchte ein solches FG 2- oder 3x kaufen. Uwe hat den Rest ja schon gesagt.
Wenn`s wirklich um ein gutes Glas geht, dann ruf mal Martin Birkmaier (ICS) an. Der hat, glaube ich, noch Miauchis da. Interessant vom Preis ist das 20x77 mit 45 Grad-Einblick. Ich sage Dir das, obwohl Du es mir wegschnappen wirst, falls es noch da ist (ich brauche nach Neukauf zweier Teleskope bei ICS noch ein haöbes Jährchen....). Kostet glaube ich so zwischen 700 und 800 Euro. Ist vielleicht nicht ganz so randscharf wie andere, dafür aber preiswert. Und ich schaue mir Objekte in der Mitte an und versuche nicht, herauszufinden, wie weit am Rand ich noch punktfürmige Sterne sehen kann, schließlich kann man so ein FG ja auch bewegen...
Grüße
Winfried
 
Hallo,

vielen Dank für die Tipps. Ich fürchte aber, dass ich mit 700 Euronen nicht auskommen werde, brauchst keine Angst zu haben. Im Bestiz befinden sich auch schon einige Ferngläser, z. B. ein sehr altes Leitz 8*32 und ein recht neues Zeiss 10 x 50. Beides bestimmt ganz hervorragende Ferngläser. Wenn sich noch ein drittes Glas dazu gesellen sollte, dann darf das natürlich nicht schlechter sein und es soll die Reihe fortsetzen (100mm stelle ich mir vor).

Jetzt mögt ihr fragen, ob man mit den vorhandenen Gläsern nicht schon ne Menge anfangen kann. Kann man bestimmt. Aber der Wind weht noch aus einer anderen Ecke: aufgrund gesundheitlicher Probleme kann mein "Alter" seine Spiegelreflexkameras - diverse Leicas der R und M Reihe - nicht mehr nutzen. Vielleicht überzeuge ich ihn, diese zu verkaufen und stattdessen feinste Optik zu kaufen, mit der er noch was anfangen kann. Ist ne sehr persönliche Sache....

Wie auch immer, ich werde einfach erstmal lesen. Ich glaube aber, das 90Grad-Einblick gerade bei einer Behinderung sehr sinnvoll wäre.

So nebenbei: hat jemand ein Bild oder einen Link, wo einem demonstriert wird, wie ein Objekt mit einem tollen 100mm-Fernglas und einem preiswerten aussieht?

Viele Grüße
Ingo
 
Hm, das könnte eine Option sein. Ich bin noch auf der Suche... Die Bedienung sollte jedenfalls extrem einfach sein, da mein Vater nach einem SChlaganfall halbseitig gelähmt ist. Inwieweit er mit dem einen Auge überhupt noch gucken kann....

Aber ich denke, dass ein Fernglas ein bekanntes Instrument ist. Das kennt man, da hat man keine Angst davor es zu benutzen. Es mag überraschend sein, aber fast 70-Jährige gewöhnen sich nur sehr schwer an neue Sache.

Grüße
Ingo
 
Hi Ingo,
dann schau Dir auf dem ITV mal die anderen Miyauchis an. Da gibt`s auch hunderter. Habe mir nur nicht getraut, Dir die anzubieten, liegen nämlich um die 2000 Euro und darüber. Allerdings dann absolut kompromisslos, was die Qualität anbelangt. Das sind meines Erachtend derzeit in dieser Klasse die absolute Chreme.
Gruß
Winfied
 
... oder 10-12 cm Optik (Apo) mit 'nem Bino hinten dran.

90° - Einblick ist wirklich sehr angenehm. Habe selbst das TS 20x88 W - mit Wechselokularen und komfortablem 90° Winkeleinblick auf der Vixen-Gabel-Monti. Feine Sache! Macht Spaß, damit am Himmel 'spazieren zu gehen'.

Gruß,
Thomas
 
der 175/1400 wäre nett, Carsten. Den zahl ich mal locker aus der Portokasse, ist der denn wenigstens 24 Karat vergoldet?
Spaß beiseite, es muß ja auch Ferngläser für Ölscheichs geben.

Gruß
Winfried (und danke für die Info, hat Spaß gemacht!)
 
Doch noch mal ein Tip an Braunbär, diesmal ohne Spaß:
"mein" 20x77 Miyauchi gibt es derzeit nicht mehr, leider. Was aber im bezahlbaren Bereich das Größte ist, ist wogl das Fujinon 25 x 150. Wirklich ein Großfernglas. Habe damit mal die Andromeda angesehen, war, als würde man im Abstand von 3-5 Lichtjahren daran vorbeifliegen. Die Normalausstattung kostet so um die 4000 Euro. Dafür bekommt man eine Menge. Schau es Dir mal an, solltest Du auf das ITV am Vogelsberg kommen.

Gruß Winfried
 
Hallo Ingo,

ein 100mm-Großfernglas mit 3 Okularpaaren und 45°-Einblick hat hier vor kurzem Fernrohrland für 830 Euro angeboten. Die Qualität von APM-Gläsern kenne ich leider nicht.

Gruß - Nico

P.S. Willkommen im KBA! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben