F.W.Bessels Sehtest

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Hallo,

Der Astronom F. W. Bessel (1784-1845) testete anhand von Epsilon Lyrae immer wieder sein Sehvermögen : "Ich verglich, um die Sternbilder kennen zu lernen, den Himmel mit einem alten Planglobus, den ich in einem geographischen Atlas fand. Als ich zu der Leier kam, fiel es mir auf, daß einer der beiden Sterne, welche mit Vega ein beinahe gleichseitiges Dreieck bilden, aus zwei Sternen zusammengesetzt war. Ich rief meinem älteren Bruder herbei, damit auch er sich an dieser astronomischen Entdeckung erfreuen möge; allein er sah nicht zwei Sterne sondern nur mit Anstrengung einen verlängerten Stern. Vermutlich waren seine Augen, durch größeren Fleiß in der Ausführung seiner Schularbeiten schon geschwächt. Die beiden Sterne sind Epsilon Lyrae und 5 Lyrae, bekanntlich nur viertehalb Minuten voneinander entfernt. Ich habe sie später wieder oft angesehen, um den Fortgang der Schwächung der Augen zu erkennen; schon in Lilienthal konnte ich sie kaum voneinander getrennt erkennen; später nur noch als einen verlängerten Stern, selbst dies nur mit Anstrengung (...)."

Weitere Infos zu Epsilon Lyrae gibt es hier :
http://www.epsilon-lyrae.de/Beobachtungstipp/Beobachtungstipp.html

Viel Spaß,
JS
 
Hallo JS,

danke für den Hinweis auf das Zitat von Bessel!

Also ich "gestehe": ich kann Epsilon Lyr mit freiem Auge nicht auflösen, konnte es auch noch nie (auch nicht mit Brille, bin kurzsichtig seit ich 10 bin). Ich hab auch etwas Astigmatismus und finde dass die Sterne sich auch überstrahlen da sie recht hell sind.... Aber ich hab schon öfters bemerkt dass ich mit freiem Auge nicht so gut sehe wie etliche Sternfreunde mit denen ich gemeinsam beobachtet habe.

Mit dem Fernrohr seh ich allerdings gut ;-) Epsilon Lyr als Vierfachstern geht im Telementor mit 63mm Durchmesser bei 84x wunderbar zu trennen.

Viele Grüsse
Wolfgang

PS: bei mir kann die mangelnde Sehschärfe sicher nicht durch grossen Fleiss bei den Schularbeiten entstanden sein....
 
Hallo,

offenbar war zur Zeiten F. W. Bessels das seeing einfach besser, wiel nicht durch moderne Zivilisation gestört. Epsilon LYR mit bloßem Auge? ein Traum von 6.5mag Himmel und exzellente individuelle Sehschärfe muß da schon her. Ich habe jedenfalls diesen DS noch nie so trennen können, obwohl ich gute Sehschärfe und oft gutes seeing habe.
Einfacher ist da schon Mizar/Alkor...
Trotzdem interessanter astronomiehistorischer Beitrag!
 
Hallo,

ich habe es bislang noch nicht selbst probiert, räume mir aber keine Chancen ein. Dennoch dürfen wir alle, die hierzu nicht in der Lage sind getröstet sein, denn - wie Bessel verrät war Argelander hierzu auch nicht in der Lage :"Argelander hat neuerlich die Darstellung des Himmels, so wie er den bloßen Augen erscheint, zum Gegenstande sehr fleißiger Bemühungen gemacht und diesen gemäß seine "Neue Uranometrie" nebst dem Verzeichnisse der auf Karten dargestellten Sterne und ihrer neu und höchst sorgfälltig bestimmten Größen erscheinen lassen. Die Karten enthalten nur einen Stern statt Epsilon und 5 Lyrae, und auch das Verzeichnis zieht beide in einem Stern der 4. Größe zusammen."
Soweit ich weiß, war Argelander (Bonner Durchmusterung) ein Schüler Bessels.

Gruß
JS
 
Das ist interessant! Da stellt sich mir die Frage: wer kann in welchem Alter Epsilon Lyrae noch mit freiem Auge trennen und wer nicht? Eine schnelle Websuche hat einen guten Bericht dazu von Matthias Juchert gefunden: http://www.serifone.de/nakedeye.htm
Also zumindest einer hat scharfe Augen ;-)

Wer hat noch etwas/nichts gesehen?

Viele Grüsse
Wolfgang
 
Hallo alle,

> Epsilon LYR mit bloßem Auge?

Ja.

> ein Traum von 6.5mag Himmel

Niemals - Epsylon Lyrae ist knallhell, erkennen sollte man ihn aber schon
können. Auch das Seeing ist recht irrelevant, nachdem wir ja ohne Vergrößerung
beobachten wollen.

> und exzellente individuelle Sehschärfe muß da schon her.

Daran hapert es wohl eher. Die individuellen Auflösungsunterschiede und die
Optikqualität dürften hierbei interessanter sein, als das landläufig mit "gut"
oder "schlecht sehen" bezeichnete (simple) Problem des Fokus, das sich einfach
per Brille ausgleichen lässt. Auch das Auge kann aber alle beliebigen anderen
optischen Fehler haben, die wir auch an unseren Teleskopen so lieben. Abgesehen
vom Astigmatismus werden diese jedoch in normalen Brillen völlig ignoriert,
und überhalb der "kritischen Pupillengröße" von - wenn ich mich richtig erinnere -
um etwa 3mm herum bilden die wertvollsten unserer Optiken nicht mehr unbedingt
beugungsbegrenzt ab.

Ciao,
Roland
 
Ciao,

natürlich kann man Epsilon Lyr mit blossem Auge als 2 Sterne sehen, wenn man gute Augen hat, ca 210 arcsec Distanz soviel ich weiss. Ich merke daran, dass meine Augen mit den Jährchen etwas schlechter geworden sind - es geht noch, aber ich seh es nicht mehr ganz so gut wie mit 15 :-)

Schöne Grüsse,
Peter
 
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Hallo zusammen,

Das ist interessant! Da stellt sich mir die Frage: wer kann in welchem Alter Epsilon Lyrae noch mit freiem Auge trennen und wer nicht? Eine schnelle Websuche hat einen guten Bericht dazu von Matthias Juchert gefunden: http://www.serifone.de/nakedeye.htm
Also zumindest einer hat scharfe Augen ;-)

<img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> Ich fand Epsilon Lyrae nie besonders schwierig.
Allerdings muss ich fairer Weise dazu sagen, das ich meine
Sichtungen dank leichter Kurzsichtigkeit mit einer Brille
mache, während es sich ja in dem Thema um Beobachtung
ohne jegliche optische Korrekturen drehte.

Aber es gibt herausforderndere Doppelsterne - z.B. Alpha
Librae und sicher noch eine ganze Reihe weiterer, die
sich je nach Beobachter dazu eignen, die eigene Sehschärfe
bzw. die Korrekturleistung der Brille zu bestimmen.

Clear skies
Matthias
---
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