Hallo Tobias,
mir scheint, daß Du Dir unnötige Sorgen machst. Denn bis auf ein kleines Problem (auf das ich noch zurückkomme) werden eigentlich alle Tolerenzen beim späteren Kollimieren auf vernachlässigbare Werte gebracht, also praktisch eliminiert. Das setzt nur voraus, daß Deine Fangspiegel- und Hauptspiegelhalterung die zum vollständigen Kollimieren nötigen Freiheitsgrade (Verstellmöglichkeiten) bieten.
1. Die Okular- und die Hauptspiegelachse müssen nicht notwendigerweise einen rechten Winkel bilden (es gibt auch „schiefe“ Newtons, die absichtlich so gebaut werden, um den Einblick für besseren Komfort mehr nach hinten zu verlagern). Die Gesichtsfeldblenden-Ebene ist nach dem Kollimieren dennoch automatisch rechtwinklich zur optischen Achse.
2. Die Hauptspiegelachse fällt nach dem Kollimieren automatisch mit der Okularachse (natürlich unter Berücksichtigung der Spiegelung am Fangspiegel) zusammen.
3. Was bei den üblichen Fangspiegelhalterungen als das eingangs genannte Restproblem bleiben kann, ist ein auch nach dem vollständigen Kollimieren nicht mit dem optimalen exzentrischen Versatz (Offset) angeordneter Fangspiegel. Das bedeutet jedoch keinen Schärfeverlust, sondern „nur“ eine nicht ganz symmetrische Vignettierung, also einen in einer Richtung etwas stärkeren Helligkeitsabfall zum Rand als zur entgegengesetzten Richtung. Es wäre daher, wenn Du auf bestmögliche Abstimmung Wert legst, eine gute Idee, eine Möglichkeit der Verschiebung des Fangspiegels innerhalb seiner Ebene vorzusehen (ich habe so eine Fangspiegelhalterung bisher noch nirgendwo gesehen, werde aber eine solche in meinem geplanten 10"-Dobson realisieren). Die Richtung der Verschiebbarkeit, die ich hier meine, ist die 45°-Richtung des Fangspiegels in Deiner Zeichnung.
Die Verschiebemöglichkeit des Fangspiegels längs der Stabachse, die in Deiner Zeichnung mit „Schraube“ bezeichnet ist und (annähernd) mit der Hauptspiegelachse zusammenfällt, ist zwar ein Ersatz für die fehlende Verschiebemöglichkeit, die ich realisieren werde, aber sie funktioniert nur mit dem Schönheitsfehler, daß dann die Hauptspiegelachse nach dem Kollimieren nicht mehr mit der Achse des mechanischen Tubus zusammenfällt, sondern schräg zu ihr verläuft (daher entsteht dann sogar ohne Offset bezüglich des mechanischen Tubus ein optischer Offset, den man äußerlich nicht bemerkt). Wenn der vordere Tubusdurchmesser (bzw. Hutdurchmesser) sehr knapp dimensioniert ist, kann das eine ähnliche Vignettierung durch den Tubusrand bewirken, die ein korrekter Offset am Fangspiegel verhindern sollte. Ich denke, daß darüber bisher noch viel zu wenig nachgedacht wurde.
Die übliche Sorgfalt und Verwendung von Winkelmesser und Schablonen (z.B. 45° für Fangspiegelhalter) sowie exaktes Messen beim Bauen der Teile sollte normalerweise ausreichen, um die Toleranzen am Ende nach dem Zusammenbau so niedrig zu halten, daß sie durch korrektes Kollimieren auf ein nicht mehr wahrnehmbares Maß reduziert werden.
MfG Walter E. Schön