Fangspiegelversatz - Komplette Verwirrung

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HuFux

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Hallo Ihr

Bin gerad komplett verwirrt was den Fangspiegelversatz angeht. Überall lese ich etwas anderes. Bsonders die Berechnung ist mir völlig schleierhaft.

BSP:
Brennweite: f=1400mm
Spiegel Durchmesser: D=150mm
Öffnungsverhältnis: F=f/D=9.333

Weitere Werte
Abstand Brennebene-Tubusachse: T=150mm
Voll ausgeleuchtetes Bildfeld: L=20mm

STOP !!!
1. Frage: Die Werte T und L. Woher nehmen wenn nicht stehlen ? Kann man die errechnen, muss ich die ausmessen (wenn ja wie am genauesten) ???
WEITER

Ich lese immer wieder die Formel nach Suiter. Allerdings bisher immer in 2 Fassungen.

1.)
Versatz=T/(4*F^2)+L/(4*F)*(1-2*T/f) , das bedeutet soviel wie: Versatz=T/(4*F^2)+(L*(1-2*T/f))/(4*F)

2.) auch immer wieder gesehen:
Versatz=T/(4*F^2)+L/((4*F)*(1-2*T/f))

STOP
2. Frage: Ist das (1-2*T/f) nun UNTER oder ÜBER dem Bruchstrich ? Oder gibt es sogar eine komplett andere Formel ???
WEITER

Dann lese ich doch glatt noch irgendwo dass der Versatz für verschwindend kleine Bildfelddurchmesser L folgender Formel folgen soll:

Versatz=T/(4*F^2)

STOP
3. Frage: Auf der gleichen Seite steht zu lesen dass das Bildfeld für visuelle Anwendungen zwischen 15mm und 20mm liegen soll. Aber warum gibt es dann eine Formel für "verschwidend kleine Bildfelder" ??? Ist kleiner = genauer ??? Z.B. für Astrofotografie dann am besten mit der Formel Versatz=T/(4*F^2) rechnen ??? Oder wird es mit dieser Formel ungenauer ???
WEITER

Gut, vielleicht bekomme ich das auch irgendwann einmal hin mit der Berechnung des Versatzes. Wenn ja stellt sich aber schon die nächste Frage:

Es gibt ja zwei genau gleich lange Versätze soviel ich das bisher herausgelesen habe. Einmal einen Versatz in der Hauptspiegelachse/Tubusachse. Dieser wird zum Hauptspiegel HIN gemessen. (Fangspiegel weiter in den Tubus hinen & somit näher zum Hauptspiegel) und zum anderen gibt es einen Versatz der in der OAZ-Achse liegt und welcher von OAZ WEG gemessen wird (Fangspiegel wandert auf die Gegenseite vom OAZ ab). So. Wenn mein OAZ nun 90° zur Tubusachse liegt dann sind denke ich diese beiden Versätze gleich groß.

Jetzt ist die Frage was man mit der Formel nach Suiter berechnet:

a) einen der beiden Versätze

b) den resultierenden Gesamtversatz, sprich um einen der beiden Versätze zu erhalten muss man noch durch Wurzel(2) teilen.


So, viel Verwirrung, viele Fragen. Würde mich freuen wenn mich da einer aufklären könnte.

Viele Grüße + CS
Christian
 
Hallo Christian,
du bist mit Sicherheit nicht der erste, der sich über die Vielfalt der Formeln wundert. Da ich alles andere als ein Mathematikgenie bin, kann dir - was die Formeln betrifft - leider auch keinen Rat geben. Ich hab das Ganze übrigens auch erst richtig verstanden, als ich mir den Strahlengang maßstäblich aufzeichnete.

Gruß Nirosta
 
Hi Christian,

hmm..., da kann ich dir leider auch nicht helfen.
Aber, kann man bei f>9 den Versatz überhaubt noch genau genug einstellen? Ab f6 ist er ja schon so verschwindent gering, das man ihn in der Regel ignoriert. Hab es jetzt nicht nachgerechnet, aber schätze mal, das er sich bei f9 im Zehntelmillimeterbereich bewegt.

Nachtrag: Newt meint grob nachgerechnet 1,01mm
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hi Ihr

Kleine Anmerkung:
Mein Teleskop hat eine Barlow im OAZ sitzen, sprich ein Reales Öffnungsverhältnis von 4.666. Aber ich habe einfach mal die Werte so hingeschrieben dass man die Formeln nachvollziehen kann.

Ausrechnen ist kein Problem für mich <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Vielmehr sind es die Formeln ansich.

Also bitte keine Vorschläge wie groß der Offset ist, sondern einfach bei einer mathematischen Diskussion bleiben <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Viele Grüße + CS
Christian
 
Kein Problem <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

War auch nicht böse gemeint. Ich bin nur zur Zeit auf der Suche nach dem ganzen Formelzeug + der Bestimmung der Werte ( L und T ).
Trotzdem Danke für Deine Bemühungen.

Viele Grüße + CS
Christian
 
Hallo Christian,

ich probier mal ...
Wenn ich das bisher richtig verstanden habe, geht es bei dem Fangspiegelversatz in erster Linie um das voll ausgeleuchtete Bild.

Den Versatz kann man sich logisch überlegen:
Das vom Haupspiegel reflektierte Licht bildet einen Kegel, der kleiner wird, je weiter er vom Hauptspiegel entfernt ist.
Der Fangspiegel ist aufgrund seiner 45° Neigung an der unteren Kante näher am Hauptspiegel als an der oberen. Und deshalb ist der Lichtegel an der unteren breiter als an der oberen.
Um diesen Versatz zu kompensieren muß man also den Fangspiegel etwas vom Okularauszug entfernen.
Dadurch wird der Fangspiegel aber nicht mehr vollständig ausgeleuchtet und deshalb muß er auch dem Hauptspiegel entgegengesetzt um den gleichen Betrag verschoben werden.
Mal es dir mal auf, dann wird es klarer.

Die Formel habe ich gerade auch nicht parat und deine Angaben habe ich nicht nachgerechnet. Aber ich hatte mir mal ein Programm geschrieben, das ich mit deinen Werten gefüttert habe. Auch ich habe einen Versatz von ungefähr 1 mm rausbekommen.
Übrigens glaube ich das deine Angaben nicht ausreichen um das richtig zu berechnen. Irgendwie fehlt mir beispielsweise der Fangspiegeldurchmesser.

Bei der Größe des zu 100% ausgeleuchteten Bildes kommt es natürlich auch auf die Größe des Fangspiegels an.
Dein Teleskop hat ein Barlow Elemnt im Okularauszug wenn ich das richtig sehe. Bei einer angenommenen Verlängerung um den Faktor 2 hätte dein Hauptspiegel ein Öffnungsverhältnis von nur noch f/4,6. Daraus würde ein Versatz von 2 mm resultieren!
Aber dann komme ich auch nur noch auf 5% voll ausgeleuchtetes Bildfeld bei gleicher Fangspiegelgröße, da reichen deine Angaben nicht mehr aus.

Ich würde den Versatz vernachlässigen, wenn ich nicht genau wüßte was ich tue. Durch eine dejustierten Optik verliert man mehr als durch falschen Offset.

CS. Mega
 
Hallo Christian,

Zur Frage 1)

T als Abstand Brennebene-Tubusachse ist natürlich variabel. Hängt ja vom Öffnungsverhältnis, vom Tubus und sonstigen Wünschen ab. Mußt Du messen.

L ist gleichfalls variabel, es hängt von Deinen Plänen ab, also: willst Du nur visuell beobachten mit 1 1/4"-Okus oder evtl. fotografieren mit ner 6*6 Hasselblad? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" />

Die Formeln

Versatz=T/(4*F^2)+L/(4*F)*(1-2*T/f) , das bedeutet soviel wie:
Versatz=T/(4*F^2)+(L*(1-2*T/f))/(4*F)

sind identisch. Teiler und Faktor von L sind lediglich erlaubterweise in der Reihenfolge vertauscht. Die nächste Version:

"Versatz=T/(4*F^2)+L/((4*F)*(1-2*T/f))"
kann nicht stimmen, es sei denn, die beiden oberen Versionen stimmen nicht. Eine Beispielrechnung sollte Dir Gewissheit verschaffen.

Zu Frage 2): nur das 4*F steht unter dem Bruchstrich! In der letzten Version stünden aber beide Asudrücke, also 4*f*(1-2*T/f) unterm Bruchstrich.

Der Versatz für verschwindend geringe Bildfelder ergäbe die Möglichkeit der Berechnung einer Fangspiegelmindestgröße..Ein anderer Zweck fällt mir nicht ein.

Zur Antwort auf Deine letzte Frage, welcher Versatz da denn nun berechnet wird. Da kann ich auch nur vermuten, dass es der Einzelversatz in OAZ-Richtung bzw. in Richtung der OA des HS ist. Die Angabe des Gesamtversatzes macht m.E. wenig Sinn.

Beste Güße, Herbert

 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hi Herbert

Danke für Deine Erläuterungen.
Dass die Formeln Versatz=T/(4*F^2)+L/(4*F)*(1-2*T/f) und Versatz=T/(4*F^2)+(L*(1-2*T/f))/(4*F) gleich sind weis ich. Deshalb steht da auch "...das bedeutet soviel wie:".

Die Frage ist eben nur welche der beiden aufgeführten Formeln nun stimmt.
Versatz=T/(4*F^2)+(L*(1-2*T/f))/(4*F)
oder
Versatz=T/(4*F^2)+L/((4*F)*(1-2*T/f))

"Versatz=T/(4*F^2)+L/((4*F)*(1-2*T/f))"
kann nicht stimmen, es sei denn, die beiden oberen Versionen stimmen nicht. Eine Beispielrechnung sollte Dir Gewissheit verschaffen.

Logisch ! Deshalb frage ich ja welche der beiden nun richtig ist. Ich hab nämlich schon beide Varianten gesehen.

Bist Du sicher dass die erste Variante stimmt [ nur das 4*F unter dem Bruchstrich ] ?

Und,... wie bestimme ich das Bildfeld eines 1 1/4" Okus ??? Gibt's dazu eine Formel ?

Und schließlich immernoch unklar, die Richtung des errechneten Versatzes. Wer weis hier vielleicht mehr ?

Viele Grüße + CS
Christian
 
So. Ich bin etwas weiter gekommen.

Wenn ich den Versatz durchrechne mit verschwinden kleinem Gesichtsfeld ( L=0mm ) gesetzt, dann stimme ich bis auf die 3. Nachkommastelle mit der Formel Versatz=T/4F^2 überein.

UND, GANZ WICHTIG:
Der Versatz ist tatsächlich, wie ich vermutet hatte in diagonaler Richtung. Das bedeutet um die beiden "Einzelversätze" bei 45° Fangspiegelschrägung zu bekommen muss man den Versatz noch durch Wurzel(2) teilen !!!


Was mir aber weiterhin unklar ist sind die großen Formeln, wo noch das L mitspielt. WARUM spielt das Bildfeld überhaupt eine Rolle beim Versatz ? Wenn ich kein Bildfeld habe ist doch die Optische Achse (welche um 90 Grad umgelenkt wird am FS) genau wie mit Bildfeld exakt gleich. Ich gehe lediglich etwas vom Brennpunkt aus Richtung Tubus-Mitte (auf den Fangspiegel zu). Warum wirkt sich das denn dann auf den Versatz aus ???

Viele Grüße + CS
Christian
 
Hallo Christian

könntest du mal kurz die Quelle für deine Formel nennen.
Ich habe sie glaube ich so noch nie gesehen und verstehe sie
auch nicht.

Für einen (ausser hier in Forum :-) weltweit relativ einmütig
anerkannten Überblick über die Verhältnisse kann ich die
Kollimations-Anleitung bon Nils Olof Carlin empfehlen:
http://zebu.uoregon.edu/~mbartels/kolli/kolli.html

Ciao, Heiner
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hi Heiner

http://home.t-online.de/home/Dr.Strickling/newtonj.htm
das ist meine Quelle bezüglich der Formeln. Da findest Du auch ein kleines Bildchen dazu.
Was die Frage unter oder über dem Bruchstrich angeht so habe ich noch auf diversen anderen Seiten selbige Formel gefunden, nur war diese eben immer anders geschrieben. Darum die Frage was nun richtig ist.

Viele Grüße + CS
Christian
 
Fangspiegelversatz - jetzt komplette Entwirrung

Hallo Christian,

bevor ich zum eigentlichen Thema komme, muß ich eine Definition angeben, die notwendig ist, um bei der Interpretation aller Ergebnisse Mißverständnisse zu vermeiden:

Man versteht unter dem „Offset” den rechtwinkelig zur optischen Achse des Hauptspiegels gemessenen Versatz der Fangspiegelmitte.

Wie bekannt, darf sich für rotationssymmetrische Ausleuchtung des Bildfeldes die Mitte des Fangspiegels nicht im Durchstoßpunkt der opt. Achse mit der Fangspiegelebene befinden, sondern der Fangspiegel muß innerhalb der Fangspiegelebene parallelverschoben werden (Begründung spare ich mir hier, da sie schon zigfach vorliegt). Diese Verschiebung hat bei Newtons, deren Okularachse rechtwinklig zur Hauptspiegelachse verläuft, eine Richtung von 45° zur opt. Achse. Diese kann man sich zerlegt denken in eine Verschiebung längs der opt. Achse zum Hauptspiegel hin und eine zweite, gleich große Verschiebung rechtwinkelig dazu vom Okular weg. Die letztgenannte Verschiebung ist der Offset. Die andere Verschiebung längs der opt. Achse zum Hauptspiegel hin hat nur zur Folge, daß bei der Offset-Verschiebung der Spiegel seine Spiegelebene beibehält, und wirkt sich ansonsten auf die Konstruktion des Newtons nicht weiter aus, ist für uns also unwichtig.

Und nun zur Sache. Heute habe ich leider nicht genug Zeit, um alle meine Überlegungen ganz ausführlich darzustellen. Aber ich glaube dennoch, ein wenig zur Entwirrung beitragen zu können, wenn ich zumindest die Ergebisse meiner gestrigen Berechnungen hier mitteile. Die gestrige Nacht war in München seit langem die erste laue Sommernacht, die ich darum auf meiner Terrasse mit einem guten Rotwein sowie Faserschreiber und Papier verbrachte. Die von Dir zitierten Formeln beider Varianten, also mit dem fraglichen Term (1 - 2 · T/f) bei der ersten Variante regelgerecht im Zähler und bei der zweiten regelwidrig (aber möglicherweise wegen vergessener Klammen so gemeint) im Nenner des zweiten Bruchs, haben mich dabei zunächst gar nicht interessiert. Vielmehr habe ich versucht, mir selbst Formeln zur Berechnung sowohl des Offsets als auch der benötigten Fangspiegelgröße (kleine Achse) geometrisch herzuleiten. Schon nach zwei Gläsern meines Rotweins hatte ich meine Formeln fertig, und so konnte ich endlich mal etwas früher (und wie immer noch nüchtern) zu Bett gehen.

Ich bin dabei zu Formeln gekommen, die etwas anders und nur geringfügig komplizierter sind als die von Dir aus Dr. Stricklings Website zitierten, für die es dort heißt:

Nach Suiter berechnet man den Versatz näherungsweise nach folgender Formel:

Versatz = T / (4F2) + L / (4F) (1 - 2T/f)

Der Durchmesser MA der kleinen Fangspiegelachse ist auch angegeben als:

MA = L + T (D - L) / f

Dr. Strickling beruft sich also wiederum auf Suiter, doch das kann ich nicht weiterverfolgen, weil ich dessen hier im Forum schon oft zitiertes Buch nicht kenne und nicht besitze. Mir fällt im obigen Zitat zunächst auf, daß es eine näherungsweise Berechnung sei. Das finde ich nicht gut, wenn es möglich ist, mit einer nicht wesentlich komplizierteren Formel eine genaue Berechnung durchzuführen. Näherungsformeln sollten solchen Fällen vorbehalten bleiben, deren genaue Berechnung zu schwierig oder zu langwierig ist oder die zusätzliche Parameter erfordern, die keinen nennenswerten Einfluß auf das Ergebnis haben.

1. Ich habe nun heute früh meine gestrigen Formel-Herleitungen nochmals kurz überflogen, keinen Fehler gefunden (was aber nicht ausschließ, daß sie noch Fehler enthalten) und dann nach diesen Formeln den Offset und die Fangspiegelgröße für die Werte berechnet, die Du in Deinem ersten Beitrag als Beispiel angegeben hast. Da ich die von Dr. Strickling als Abkürzung für die relevanten Größen benutzten Buchstaben für etwas unglücklich gewählt halte, gebe ich diese Zahlenwerte hier nochmals, aber mit den von mir benutzten Buchstaben an:

Brennweite f = 1400 mm
Hauptspiegel-Ø d = 150 mm —> bei Dir „D”
Höhe der Fokusebene über der Tubus- bzw. Spiegelachse h = 150 mm —> bei Dir „T”
voll ausgeleuchteter Bildfeld-Ø b = 20 mm —> bei Dir „L”

Nach meinen eigenen Formeln errechne ich für dieses Teleskop folgende mit meinem Namenskürzel WS gekennzeichnete genaue Werte

Offset (WS) = 0,789329049 mm
kleine Fangspiegelachse (WS) = 34,22366323 mm

2. Nun habe ich nach beiden Varianten der Dr.-Strickling-Formel den Offset (1) bzw. Offset (2) und mit der anderen seiner Formeln die Fangspiegelgröße als Näherungswerte wie folgt ausgerechnet:

Offset (Str. 1) = 0,851403061 mm
Offset (Str. 2) = 1,112302876 mm
kleine Fangspiegelachse (Str.) = 33,92857143 mm

3. Dann habe ich meinen alten Mac mit OS 9.1 gestartet, auf dem ich die Windows-Emulation Virtual PC habe (für den neuen G5-Mac mit OS 10.3.4 besitze ich leider keine Windows-Emulation), und das Programm NEWT benutzt, um damit den Offset auszurechnen. NEWT hat aber den Nachteil, daß es nicht die optimale Fangspiegelgröße für eine angegebene voll ausgeleuchtete Bildgröße liefert. Also muß man sich in einem iterativen Prozeß nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum durch Eingabe geeignet erscheinender Fangspiegelgrößen langsam an den gewünschten Bildfelddurchmesser heran arbeiten.

Ich habe bei Eingabe Deiner Beispielparameter festgestellt, daß ich bei Annahme eines Fangspiegels von 34 mm dem Wunschziel von 20 mm voll ausgeleuchtetem Bildfelddurchmesser am nächsten komme (bei 34 mm Fangspiegelgröße ermittelt NEWT ein 100%ig Bildfeld von 20,079 mm Durchmesser). Weil NEWT für die Fangspiegelgröße nur ganze Millimeter annimmt, ist keine genauere Berechnung möglich. Sie reicht aber für die Praxis aus. Nun erhalte ich mit diesen Eingaben folgende NEWT-Ergebnisse:

Offset (NEWT) = 0,9107 mm
kleine Fangspiegelachse (NEWT) = 34 mm —> Eingabewert für Ergebnis b = 20,079 mm

Da sich hierbei ein minimal größeres Bildfeld als 20 mm ergab, darf für genau 20 mm die Fangspiegelachse minimal kleiner als 34 mm sein; man käme also praktisch aufs gleiche Ergebnis wie mit Dr. Stricklings Formel.

4. Nun versuche ich mal ein vorläufiges Fazit zu ziehen. Obwohl ich zu anderen Ergebnissen komme als NEWT, legen meine Offsetberechnung und die von NEWT nahe, daß die 1. Variante der Dr.-Strickling- bzw. Suiter-Formel die bessere Interpretation der Näherungsformel ist. Leider gibt NEWT nicht an, was für Formeln dort benutzt werden - es wäre interessant. Es scheint mir aber so, also würde NEWT zumindest für den Zusammenhang von Bildfeldgröße und Fangspiegelgröße dieselbe Näherungsformel wie Dr. Strickling bzw. Suiter verwenden. Für den Offset gilt das aber wohl nicht.

Nun bin ich in ein gewisses Dilemma geraten. Einerseits ließen sich die Abweichungen zwischen den Ergebnissen meiner Formeln und denen nach den Formeln von Dr. Strickling bzw. Suiter durchaus damit erklären, daß meine Formeln exakte Formeln sind und die anderen – wie ja von Dr. Strickling ausdrücklich eingeräumt – nur Näherungsformeln. Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, daß vor mir noch niemand in der Lage gewesen sein sollte, für beide Berechnungen (Offset und Fangspiegelgröße) exakte Formeln herzuleiten, die nicht viel komplizierter sind als die offensichtlich an vielen Stellen im Internet veröffentlichten und benutzten Näherungsfomeln.

Ich rufe also alle, die mt der eigentlich relativ simplen Geometrie (auf Gymnasium-Mittelstufenniveau) vertraut sind (es sollten doch noch ein paar andere Mathematiker, Physiker, Dipl.-Ings. usw. hier im Forum sein!?), hiermit auf, doch auch mal zu versuchen, für Offset und Fangspiegelgröße exakte Formeln herzuleiten. Ich bin gespannt, ob es Ergebnisse geben wird, die mit meinen übereinstimmen oder nicht. Obwohl ich bisher in meinen Berechnungen keinen Fehler sehe, will ich momentan noch nicht behaupten, daß sie wirklich korrekt sind - nobody is perfect.

5. An Christian gerichtet ist jetzt noch folgende Erklärung: Du fragst, warum man auch eine Formel für „verschwindend kleine Bildfelder” überhaupt angibt, und Du fragst, ob die vielleicht genauer sind.

Es ist Dir sicher klar, daß für ein größeres voll (d.h. mit 100% Heligkeit) ausgeleuchtetes Bildfeld ein größerer Fangspiegel nötig ist. Ein größerer Fangspiegel erfordert aber einen anderen Offset. Also muß eine exakte oder brauchbare näherungsweise Formel je nach zugrundgelegter 100%-Bildfeldgröße unterschiedliche Offsets liefern.

Wegen der Wechselwirkung zwischen 100%-Bildfeldgröße und Fangspiegelgröße kann man leider nicht beide optimieren: Man hätte einerseits gern ein möglichst großes unvignettiertes Bildfeld (was zu einem großen Fangspiegel führt), aber andererseits einen möglichst kleinen Fangspiegel, damit möglichst kleine Obstruktion möglichst wenig Beugungsunschäfe verursacht (ober dann wird wieder das 100%-Bildfeld klein). Welchem dieser beiden Optimierungsparameter man nun Priorität einräumt, hängt von der Anwednung ab: Wer fotografiert, braucht große unvignettierte Bildfelder, und zwar um so mehr, je größer das Aufnahmeformat ist. Die begrenzte Auflösung sowohl des chemischen Films als auch digitaler Sensoren läßt es glücklicherweise zu, dann mit einer etwas geringeren Auflösung zu leben. Andererseits möchte, wer Planetendetails oder Doppelsterne beobachtet, die bestmögliche Auflösung haben, die eine kleine Obstruktion, also eine kleine Fangspiegelgröße voraussetzt. Die Folge ist, daß sich mit so einem Minimal-Fangspiegel der Durchmesser des zu 100% ausgeleuchteten Bildfeldes verkleinert, Im Extremfall auf null, also auf das nämliche „verschwindend kleine Bildfeld”.

6. Bevor ich mich nun verabschiede, will ich all die Neugierigen, die sich bisher fragten, warum denn der gemeine Hund zwar Ergebnisse nennt, aber seine Formeln nicht preisgibt, zufriedenstellen. Die von mir gestern Nacht bei Rotwein abgeleiteten Formeln lauten unter der Verwendung der weiter oben angegebenen Buchstabenkürzel:

Offset (WS) = (d - b) · [(d - b) · h + f · b] / [4 fˆ2 - (d - b)ˆ2]

kleine Fangspiegelachse (WS) = f · [h · d - h · b + f · b] / [fˆ2 – (d - b)ˆ2]

Ich habe mit diesen und den Dr.-Strickling-Formeln noch ein weiteres Beispiel für einen Newton mit höher Öffnung und weiter Fokuslage ausgerechnet, um zu deutlicheren Unterschieden in den Ergebnissen zu kommen. Meine angenommenen Newton-Daten sind

f = 800 mm
d = 200 mm
h = 150 mm
b= 20 mm

Meine Formeln liefern diese Ergebnisse:

Offset (WS) = 3,062193385 mm
kleine Fangspiegelachse (WS) = 56,61619487

Dr. Striklings Formeln liefern (Str. 1 = fraglicher Term im Zähler, Str. 2 = Term im Nenner):

Offset (Str.1) = 3,124 mm
Offset (Str. 2) = 4,34375 mm
kleine Fangspiegelachse (Str.) = 53,75 mm

NEWT liefert bei Eingabe einer kleinen Fangspiegelachse von 56 mm ein 100%-Bildfeld von genau 20 mm Durchmesser und dabei dann einen Offset von genau 3,5 mm, also:

Offset (NEWT) = 3,5 mm
kleine Fangspiegelachse (NEWT) = 56 mm

Also bleiben auch hier zwischen allen drei Methoden (meine Formel, Dr. Stricklings Formel und NEWT) noch deutliche Unterschiede. Auf die berechtigte Frage, welche Formeln denn nun stimmen, erlaube ich mir zumindest so lange, bis es irgendjemand widerlegt hat, die Arroganz zu sagen, daß es meine Formeln sind. Ich bin auf die Fortsetzung dieser Diskussion sehr gespannt.

MfG Walter E. Schön
 
Re: Fangspiegelversatz - jetzt komplette Entwirrung

Hallo Walter und Mitlesende,

auf zwei Gläser Rotwein, obwohl ich diesen als alter Knabe wohl zu schätzen weiß, mußte ich bei meiner Formelableitung verzichten. Es bekommt meinem logischen Denken erfahrungsgemäß nicht so gut <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />, und abends, nach dem Fußballbier geht auch nicht mehr viel! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/confused.gif" alt="" />

Ich habe folgende Formeln abgeleitet:

Der Offset, wie von Dir definiert:

off = (d-b)*[f*b + h*(d-b)]/[4*f^2-(d-b)^2]

Bei der kleinen Fangspiegelachse erhielt ich:

a = b + h*(d-b)/f

Während der Offset genau Deiner Lösung gleicht und damit wohl stimmen dürfte, bin ich bei der kleinen Fangspiegelachse auf eine andere Lösung gekommen. Für b = 0 ergibt sich bei meiner Lösung:

a = h*d/f, die auch mit der Stricklinglösung übereinstimmt.

Bei Deiner Lösung folgt bei b = 0:

a = h*d*f/(f^2-d^2); ein Ausdruck, den ich für falsch halte. Prüfst Du nochmal nach?

Beste Grüße, Herbert
 
Re: Fangspiegelversatz - jetzt komplette Entwirrung

Hi Walter

Danke erst einmal für Deine Antwort, und vor allem für die genaue Definition des Wortes "Offset" und die Erläuterung zum Bildfeld-Einfluss. Mittlerweile überkam mich diesbezüglich zwar auch die Erleuchtung. Auch ich hab mich einmal an der Herleitung probiert (is ja wirklich keine besonders schwere Geometrie) und komme zu ganz ähnlichen Werten. Allerdings habe ich bisher nur mit Bildfeld 0 mm experimentiert. Aber egal.

So, nun noch zu Deiner Formel und den Abweichungen zu Dr. Strickling. Die Frage ob da nun eine Klammer vergessen worden ist oder nicht beantworte ich mir persönlich mit fast 90%iger Sicherheit mit JA, was wenn ich richtig gelesen habe Deinen (Str.2) Ergebnissen entspricht.

Der Grund: Die kleine Differenz zwischen Offset und Versatz. Während der Offsetz wirklich nur rechtwinklig zur Optischen Achse gemessen wird, wird der Versatz wohl die gesamte Verschiebung in der Fangspiegelebene sein.

Wenn Du einmal Deine Werte die Du bei (Str.2) jeweils ermittelt hast durch Wurzel(2) teilst dann kommst Du nämlich sehr sehr nahe an Deine selbst errechneten Werte ran.

Offset (WS) = 0,789329049 mm
kleine Fangspiegelachse (WS) = 34,22366323 mm

2. Nun habe ich nach beiden Varianten der Dr.-Strickling-Formel den Offset (1) bzw. Offset (2) und mit der anderen seiner Formeln die Fangspiegelgröße als Näherungswerte wie folgt ausgerechnet:

Offset (Str. 1) = 0,851403061 mm
Offset (Str. 2) = 1,112302876 mm
kleine Fangspiegelachse (Str.) = 33,92857143 mm

Str.2 / Wurzel(2) = 0.786516906353

Sprich, erst ab der 3. Nachkommastelle eine Abweichung.

Bei der 2. Berechnung:

Offset (WS) = 3,062193385 mm
kleine Fangspiegelachse (WS) = 56,61619487

Dr. Striklings Formeln liefern (Str. 1 = fraglicher Term im Zähler, Str. 2 = Term im Nenner):

Offset (Str.1) = 3,124 mm
Offset (Str. 2) = 4,34375 mm
kleine Fangspiegelachse (Str.) = 53,75 mm

Str.2 / Wurzel(2) = 3.07149508078

Auch hier liegt das wieder sehr nahe an Deiner Berechnung.


Aus diesen Gründen denke ich wirklich dass Suiter mit seinem Versatz nicht den Offset meint, sondern wirklich die Gesamtverschiebung in der Fangspiegelebene. Diese muss dann noch von Hand auf den Offset umgerechnet werden.

Was denkst Du ?

Viele Grüße + CS
Christian
 
Re: Fangspiegelversatz - jetzt komplette Entwirrung

Hallo Herbert,

danke für Deine Mühe - ich hatte es ja fast erwartet, daß zumindest Du diese Ableitung auch schaffst. Die Frage nach dem optimalen Offset sollte damit ein für alle Mal beantwortet sein.

Was die Fangspiegelgröße angeht, so werde ich meine Herleitung nochmals prüfen. Der Rotwein hatte sicher keinen Einfluß (ich trinke zwar fast regelmäßig, aber immer nur wirklich mäßig), vielleicht aber die nach einem arbeitsreichen Tag in der Stunde um Mitternacht schon stark nachlassende Konzentration. Ich muß jetzt leider weg und habe heute keine Zeit mehr, mich damit zu befassen, hoffe aber, vielleicht morgen in den Abendstunden Zeit zum Nachrechnen zu finden. Meine alten Berechnungen sehen zielmlich chaotisch aus, da ich (als in den schweren Tagen der Nachkriegszeit zur Sparsamkeit erzogeren Mensch) auf nur teilweite bedruckten Laserdrucken aus dem Papierkorb gekritzelt und die Blätter nicht numeriert hatte. Wahrscheinlich wird es besser seien, die gesamte Rechnung noch einmal von Anfang an auf neuem Papier ordentlich und übersichtlich zu schreiben.

Bei dieser Gelegenheit an Dich und Mitleser eine Frage: Da ich hier mangels eigener Homepage keine Bilder einstellen kann, aber ich die für diese Ableitung nötige Zeichnung hier gern zeigen würde, damit andere die Berechnung nachvollziehen können, wüßte ich gern, ob jemand mir dabei helfen könnte. Ich würde ihm dann gern meine Zeichnung per eMal-Anhang zuschicken, so daß er oder sie die dann hier einstellt. Zusätzlich bitte ich mangels eigener Erfahrung in dieser Sache um Information, was für ein Datenformat die Zeichnung dafür haben muß. Ich würde sie mit FreeHand (auf dem Macintosh, nicht auf einem Windows-PC) erstellen, so daß es sich um eine EPS-Datei im Vektorformat handelt. Ist das möglich - oder muß es eine Pixelgrafik sein, so daß ich die Verktorgrafik erst z.B. mit Photoshop oder Graphic Converter umwandeln müßte? Und in diesem Falle sollte ich auch noch wissen, wie groß die auf die Bildbreite bezogene Pixelzahl sein muß, damit das Bild hier im Forum weder winzig klein und unlesbar noch so groß wird, daß sie selbst den Rahmen von Großmonitoren sprengt.

Für eine Antwort heute oder morgen bis spätestens nachmittags sage ich schon jetzt danke.

MfG Walter E. Schön
 
Danke, morgen schick ich Dir die Zeichnung

Hallo Christian,

da Du meine Frage nach Vektor- oder Pixelgrafik zwar nicht beantwortet, aber ein Beispiel mit 800 Pixel Breite gezeigt hast, gehe ich davon aus, daß es eine Pixelgrafik sein muß. Ich werde also die Zeichnung zwar als Vektorgrafik erstellen, sie dann aber entsprechend konvertieren und Dir per eMail-Anhang zuschicken, damit Du sie dann hier im Forum präsentieren kannst. Das wird allerdings erst morgen sein. Danke für Deine Hilfe.

Zu meiner Formel für die Berechnung der Fangspiegelgröße werde ich gleich anschließend einen an Herbert adressierten Beitrag schreiben, da er zu einer anderen Formel kam und außerdem bei der Plausbilitätsprüfung mit b = 0 feststellte, daß meine Formel einen Fehler enthalten muß. Ich habe beim Überprüfen meiner Herleitung inzwischen ein blödes Versehen festgestellt (offenbar war ich kurz vor Mitternacht doch schon zu müde für die erforderliche Konzentration): ich hatte einen Faktor 4 in einem längeren Bruch gekürzt, den ich nicht hätte kürzen dürfen, weil im Nenner noch ein Summand stand, den ich übersehen hatte. Jetzt habe ich die Formel korrekt umgeformt, wobei sie leider noch ein klein wenig komplizierter geworden ist. Die von Herbert angegebene Formel habe ich ebenfalls überprüft und dabei festgestellt, daß auch ihm ein Fehler unterlaufen ist, weil er eine ungenaue Annahme zugrundegelegt hat. Seine Formel ist zwar als einfacher zu berechnende Näherung gut zu gebrauchen, aber liefert eben nicht das exakte Ergebnis. Mehr dazu im folgenden Beitrag.

MfG Walter E. Schön
 
Heureka - jetzt kommt die korrekte Formel!

Hallo Herbert,

da ich von meinem heutigen Termin früher zurückkam als erwartet, habe ich mich gleich an die Überprüfung meiner Herleitung der Formel für die kleine Fangspiegelachse gemacht. Die Plausibilitätsprüfung mit b = 0 lieferte einen hinreichenden Anlaß für die Fehlersuche. Ich wurde dann bei der Schritt-für-Schritt-Überprüfung schnell fündig: Ich hatte beim Umformen einen vermeintlichen Faktor 4 im Zähler und Nenner eines Bruches gekürzt, aber übersehen, daß der Nenner noch einen Summanden enthielt. Würde ich die Formel so geschrieben haben, wie es hier im Forum (= Formel in einer eizigen Zeile mit Klammern) nötig ist, wäre mir der Fehler nicht unterlaufen, aber weil ich mit horizontalen Bruchstrichen geschrieben hatte, brauchte ich einige Klammern nicht, und genau das wurde mir zum Verhängnis. Ich hatte einen Bruch aus

Zähler = d · (h + s) · 4 · (f + s)

Nenner = 4 · (f + s)ˆ2 - dˆ2

… und da hatte ich versehentlich die 4 gekürzt. Der Buchstabe s steht hier übrigens für eine Hilfsgröße, die mein Umformen erleichterte und später wieder durch einen längeren Term ersetzt wurde.

Da ich diesmal am Nachmittag noch im Vollbesitz meiner Kräfte statt neulich müde kurz vor Mitternacht rechnete, sollte meine Formel nach dieser Fehlerberichtigung jetzt korrekt sein. Leider wurde sie nun noch ein bißchen komplizierter und Deiner Formel noch unähnlicher:

kleine Fangspiegelachse a (WS) = 4f [h (d - b) + f b] / [4fˆ2 - (d - b)ˆ2]

Weil f > (d - b) und deshalb 4fˆ2 >> (d - b)ˆ2 ist, kann man als Näherung in der von mir genannten Formel

kleine Fangspiegelachse a (WS) = 4f [h (d - b) + f b] / [4fˆ2 - (d - b)ˆ2]

den hier orange gekennzeichneten Teil vereinfachend weglassen und kommt dann zu einer Näherungsformel

kleine Fangspiegelachse a = ca. 4f [h (d - b) + f b] / 4fˆ2

Wenn man nun noch 4f in Zähler und Nenner kürzt, kommt man zu der von Dir angegebenen Formel, die somit keine genaue, sondern nur eine Näherungsformel ist:

kleine Fangspiegelachse a = näherungsweise h (d - b)/f + b

Nun wirst Du möglicherweise protestieren, daß ich Deine Formel nur als Näherungsformel bezeichne, bloß weil sie sich auf diese Weise aus meiner angeblich exakten Formel herleiten ließe (mir ist absolut klar, daß eine derartige Schlußforlgerung unzulässig wäre). Denn Du hast sie ja bestimmt nicht durch eine solche Vereinfachung wie oben erhalten, sondern in der Annahme abgeleitet, sie sei exakt. Du mußt Dich also, wenn meine Behauptung hier stimmt, irgendwo anders geirrt haben. Und das glaube ich auch herausgefunden zu haben.

Was Du berechnet hast und ich hier als Näherungsformel bezeichne, ist nämlich eine ganz exakte Formel für eine andere Größe, nämlich den Durchmesser des Fangspiegels parallel zur kleinen Achse durch den Punkt, an dem die Hauptspiegelachse die Fangspiegelebene durchstößt. Dieser Punkt ist aber nicht die Fangspiegelmitte, denn die ist um den Offset seitwärts und um denselben Betrag auch noch in Richtung zum Hauptspiegel hin verschoben. Deine Formel liefert also einen geringfügig kleineren Wert. Da aber der Offset relativ zur Fangspiegelgröße klein ist und die Ellipse des Fangspiegels nahe den Endpunkten der kleinen Achse nur wenig gekrümmt ist, bleibt der Fehler im Ergebnis Deiner Formel gegenüber dem exakten Wert meiner Formel ziemlich klein. Ich werde das weiter unten noch Zahlenbeispiele belegen.

Sieh Dir nochmals Deine Zeichnung an, auf deren Basis Du die Formel hergeleitet hast. Ich wette, Du hast als vermeintlich kleine Achse des Fangspiegels den Durchmesser des Kegelstumpfes mit dem Hauptspiegel als Gundfläche und dem Bildkreis vom Durchmesser b als Dachfläche an der Stelle angenommen und entsprechend berechnet, an dem die Kegelachse (= Hauptspiegelachse) die Fangspiegelebene schneidet. Tatsächlich müßtest Du aber den Durchmesser des Kegelstumpfes genau um den Wert des Offsets in Richtung Hauptspiegel verschoben berechnen. Und dann wird halt leider die Formel gleich wesentlich komplizierter. Aber - wie oft bei solchen Formeln - kann man durch geschicktes Umformen die erst frustrierend lange Formel doch noch stark vereinfachen, so daß am Ende eine durchaus noch als „handlich” zu bezeichnende Formel herauskommt.

Nichtsdestoweniger möchte ich Dir nochmals danken, daß Deine Aufmerksamkeit zur einer Überprüfung meiner zuerst angegebenen Formel geführt hat. Sonst wäre sie hier falsch stehengeblieben. Nun kann ich aber hocherfreut (und ein bißchen stolz) hier die wirklich exakte Formel

kleine Fangspiegelachse a (WS) = 4f [h (d - b) + f b] / [4fˆ2 - (d - b)ˆ2]

in leuchtendem Rot zur Schau stellen. Und ich hoffe, daß alle, die es genau wissen wollen, künftig nicht mehr Näherungsformeln nach Suiter oder anderen Autoren benutzen, sondern meine exakte Formel.

Zum Schluß möchte ich diese geometrisch-algebraische Untersuchung noch ein bißchen weiter zu einem für die Praxis noch wichtigeren Punkt führen. Vorab muß aber noch eine andere Sache klargestellt werden: Die obige Formel gibt an, wie groß die kleine Fangspiegelachse (mindestens) sein muß, um ein zu 100% ausgeleuchtetes Bildfeld der Größe b zu gewährleisten, sofern der Fangspiegel genau den weiter oben mit meiner angegebenen Formel zu berechnenden Offset hat! Wenn der nicht eingehalten wird (egal, ob zu wenig oder zuviel verschoben), dann wird auch das Bildfeld b nicht mehr voll ausgeleuchtet, und es wird dann ein größerer Fangspiegel benötigt. Optimierungsfanatiker müssen also auf die Einhaltung beider Parameter achten - der Fangspiegelgröße und des Offsets.

So streng diese Forderung auch klingt, es folgt gleich eine Entwarnung: Wer den berechneten Offset in seinem „Bauwerk” nicht genau eingehalten hat, braucht noch lange nicht zu verzweifeln. Denn wenn er seinen Newton korrekt kollimiert (justiert), wird dieser Fehler automatish behoben: Es stellt sich dann nämlich automatisch eine leichte Verkippung der Hauptspiegelachse relativ zur Tubusachse von genau der Größe ein, daß sich der richtige Offset ergibt. Man kann also als Fazit sagen:

Die Einhaltung der Fangspiegel-Mindestgröße ist wichtiger als die des Offsets.

Denn ein zu kleiner Fangspiegel bleibt auch nach korrekter Kollimation (Justage) zu klein, während ein ungenauer Offset automatisch kompensiert wird.

Und nun noch ein Sahnehäubchen auf unser Fangspiegel-Offset-Ergebnis:

Wir haben bisher, ausgehend von einer gewünschten 100%-Bildgröße, die Mindestgröße eines Fangspiegels berechnet, der diese Forderung erfüllt. Nun wird man aber schwerlich einen Fangspiegel kaufen könne, der z.B. die errechnete Wunschgröße 54,43899351 mm als kleine Achse hat. Man hat vielmehr in praxi die Wahl, einen geringfügig kleineren Fangspiegel mit einer kleiner Achse von beispielsweise 53 mm zu einem akzeptablen Preis (und sogar mit etwas geringerer Obstruktion) zu bekommen, oder sich für einen viel größeren und viel teureren 63,5-mm-Fangspiegel mit erheblich größerer Obstruktion zu entscheiden. Da könnte es den Anwender schon interessieren, nunmehr umgekehrt auszurechnen, mit welchem 100% Bildfeld er bei Verwendung des eigentlich etwas zu kleinen 53-mm-Fangspiegels rechnen darf. Er könnte dann beurteilen, ob das noch akzeptabel ist oder er in den saueren Apfel beißen und den eigentlich viel zu großen Fangspiegel nehmen muß.

Deshalb habe ich mir die Mühe gemacht, die angegebene Formel zur Berechnung von a nunmehr nach dem 100%-Bildfeld-Durchmesser b aufzulösen. Die Umformung ist ein bißchen zeitraubend, aber wenn man Geduld aufbringt, wird man am Ende mit der folgenden leider etwas längeren Formel belohnt:

100%-Bildfeld-Durchmesser b (WS) = d - {2f (f - h) + 2f sqrt [aˆ2 + (f - h)ˆ2 - a d]}/a

Nun wünsche ich allen, die meine Formeln künftig zur Optimierung ihrer Dobson- und anderer Netwon-Teleskope einsetzen werden, daß Sie damit gut klar- und ihrem Ziel gesteigerter Leistung etwas näherkommen.

Jetzt fehlen nur noch die oben angekündigten Rechenbeispiele. Ich lege zuerst mal den eingangs von Christian definierten Newton mit folgenden Werten zugrunde:

f = 1400 mm (Brennweite)
d = 150 mm (Durchmesser des Hauptspiegels)
h = 150 mm (Höhe des Primärfokus über opt. Achse des Hauptspiegels bzw. Tubusachse)
b = 20 mm (Bildfeld-Ø, der zu 100% ausgeleuchtet werden soll)

Da wir die verschiedenen Offsetberechnungen schon in meinem früheren Beitrag erledigt hatten und dort meine Formel stimmte, will ich mich nun allein auf die Berechnung der kleinen Fangspiegelachse a nach den verschiedenen Formeln beschränken

Meine exakte Formel liefert a (WS) = 4f [h (d - b) + f b] / [4fˆ2 - (d - b)ˆ2] = 34,00186627 mm

Dr. Stricklings/Suiters und Deine (Herberts) Näherungsformel liefert a (Str.) = 33,92857143 mm

Der Fehler ist hier (dem Absolutbetrag nach) kleiner als -0,1 mm und somit für die Praxis vernachlässigbar, zumal man ja ohnehin den Fangspiegel nicht mit diesem Wunschmaß bekommen wird. Nun wollen wir sehen, wie das beim anderen Beispiel mit dem „lichtstärkeren” f/4-Newton folgender Daten aussieht, der einen deutlich stumpferen Fokussierkegel besitzt:

f = 800 mm
d = 200 mm
h = 150 mm
b = 20 mm

Meine exakte Formel liefert a (WS) = 4f [h (d - b) + f b] / [4fˆ2 - (d - b)ˆ2] = 54,43899351 mm

Dr. Stricklings/Suiters und Deine (Herberts) Näherungsformel liefert a (Str.) = 53,75 mm

Hier ist der Fehler mit fast -0,7 mm schon deutlicher, aber in der Praxis mag man auch damit noch leben können. Wer also meine etwas längere Formel trotz Taschenrechners oder Computerhilfe noch zu aufwendig findet, kann bei der immer einen geringfügig kleineren Wert liefernden einfacheren Suiter-Näherungsformel bleiben. Er/sie sollte halt aus Sicherheitsgründen immer auf- statt abrunden.

Und jetzt für den zuletzt definierten 200-mm-Newton mit 800 mm Brennweite noch die umgekehrte Rechnung für den Fall, daß man den Fangspiegel nicht im Idealmaß von ca. 54,4 mm bekommt und klären möchte, um wieviel kleiner das zu 100% ausgeleuchtete Bildfeld bei einem Standardspiegel mit 53 mm kleiner Achse wird und ob das noch vertretbar ist:

Meine exakte Formel dafür liefert b (WS) = d - {2f (f - h) + 2f sqrt [aˆ2 + (f - h)ˆ2 - a d]}/a = 18,23507547 mm

Damit könnte man zufrieden sein, denn bekanntlich fällt die Helligkeit im Anschluß an den zu 100% ausgeleuchteten Kreis ja zunächst nur wenig und dann erst weiter weg davon steiler werdend ab, und so dürfte die Helligkeit am Rande eines 20-mm-Kreises nicht allzu weit unter 100% liegen (die Formel dafür herzuleiten erspare ich mir aber jetzt). Damit ist die Sache aber noch nicht gegessen. Denn wenn wir es genau nehmen (und das tat ich ja immer im Verlauf dieser gesamten Berechnungsorgie), muß jetzt der Offset mit dem für den realen 53-mm-Fangspiegel ermittelten b = 18,23507547 mm erneut berechnet werden, denn ein kleinerer Fangspiegel führt immer auch zu einem kleineren Offset:

Meine exakte Formel liefert Offset (WS 18,2) = (d - b) · [(d - b) · h + f · b] / [4 fˆ2 - (d - b)ˆ2] = 3,010481491 mm

Demgegenüber hatte sich bei Zugundelegung von b = 20 mm ergeben Offset (WS 20) = 3,062193385 mm

Die Änderung ist mit ca. 1/20 mm minimal und in der Praxis vernachlässigbar. Aber wenn man's ganz genau nähme, müßte man wegen des kleineren Fangspiegels tatsächlich noch ein ganz klein wenig nachkorrigieren.

Damit bin ich für heute am Ende mit diesem Thema und werde morgen, wenn ich es zeitlich schaffe, noch die versprochenen Zeichnungen via Christan nachreichen. Ich hoffe, mir mit meinen Beiträgen in dieser Diskussion nicht für immer den Ruf eines unerbittlichen Pedanten geholt zu haben. Aber wenn man „exakt” sagt, darf die Genauigkeit nicht schon an der zweiten Nachkommastelle enden.

MfG Walter E. Schön
 
Re: Heureka - jetzt kommt die korrekte Formel!

Hallo Walter,

Deine Vermutung ist richtig! Ich habe für die Ableitung der kleinen Achse des Fangspiegels tatsächlich eine Strecke berechnet, die senkrecht zur OA des Hauptsiegels den Fangspiegel schneidet. Tatsächlich müßte diese Achse etwas größer als in meiner Formel sein, denn sie verläuft ja durch die Mitte des Fangspiegels, die um den Offset tiefer liegt! Manche Fehler kann man erst erkennen, wenn man noch einen Schritt zurücktritt. Oder sie sich von einem gewissen W.S. zeigen läßt! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Danke und einen schönen Tag, Herbert
 
Versprochene Zeichnung ist fertig

An alle an der Fangspiegelberechnung Interessierte,

leider habe ich die Zeichnung nicht gestern, wie von mir angekündigt, sondern erst heute fertigstellen können, da wir nach langer Schlechtwetterperiode im Raum München endlich mal einen Sonntag hatten, der auch ein Sonnentag war, und folglich meine Frau nach draußen drängte. Wir sind ca. 15 km durch Wälder marschiert und zwischendurch in einem schönen Biergarten eingekehrt. Abends hatte ich dann noch etwas anderes zu tun und konnte danach mit der Zeichnung zwar noch anfangen, sie aber (weil es eine schöne Zeichnung werden sollte und deshalb etwas mehr Zeit erforderte) nicht zu Ende bringen. Das Fußballspiel war übrigens nicht an der Verzögerung schuld, denn ich interessiere mich überhaupt nicht für Fußball und habe das Endspiel gar nicht gesehen, sondern den Spielausgang erst heute früh in den Nachrichten gehört. Heute habe ich den Rest der Zeichnung erstellt und soeben eine JPEG-Datei an Christian mit der Bitte geschickt, sie hier im Forum einzustellen.

MfG Walter E. Schön
 
… und so werden die Größen berechnet

Danke für Deine Hilfe, Christian, hier die zur Erklärung meiner Formelherleitung benötigte Zeichnung im Forum zur Verfügung zu stellen. Ich will nun gleich mit der zugehörigen Erläuterung beginnen:

Herleitung der Formeln für Offset, Fangspiegelgröße und 100%-Bildfeldgröße

Zeichnung A zeigt den Strahlengang in einem Newton mit um 45° geneigtem Fangspiegel der Größe, welche exakt ein vorgegebenes Bildfeld ohne Helligkeitsabfall durch Vignettierug auszuleuchtet. Gelb eingezeichnet sind die Strahlenkegel für einen Bildpunkt auf der opt. Achse (= Brennpunkt) sowie für je einen Bildpunkt an zwei gegenüberliegenden Rändern des Bildfeldes. Die gestrichelten Linien zeigen, wie die drei Strahlenkegel ohne Fangspiegel verliefen. Wir brauchen diese Ergänzung, weil wir die Berechnung nicht anhand des tatsächlichen, am Fangspiegel um 90° abgeknickten, sondern am fiktiven geradlinig fortgesetzten Strahlengang durchführen.

Damit die wichtigen Details in der Zeichnung C nicht zu klein und unlesbar werden, habe ich den Newton mit einem sehr großen Öffnungsverhältnis von 1:3 gezeichnet. So werden die Strahlenkegel weiter (die Winkel an der Spitze stumpfer), und auch nur dann wird der Offset groß genug, um in einer so kleinen Zeichnung überhaupt noch gut erkennbar zu sein.

Zeichnung B verzichtet auf alles, was wir für unsere Überlegungen und Berechnungen nicht brauchen, stellt also eine Abstraktion unseres Newtons dar, die nur noch das enthält, worauf es ankommt. Die Fangspiegelebene ist über den Rand des Fangspiegels hinaus angedeutet. Der verbliebene Kegel ist kein realer Strahlenkegel, der alle zu einem Bildpunkt gehörenden Strahlen einschließt, sondern der bis zur Kegelspitze verlängerte Kegelstumpf, innerhalb dessen sich alle in der Bildebene endenden Strahlenkegel befinden, die zu Bildpunkten innerhalb des vorgegebenen Bildkreises gehören.

Zeichnung C schließlich zeigt alle Größen und Punkte, mit denen wir rechnen müssen. Ich habe diese Zeichnung um die optische Achse geklappt (gespiegelt), so daß der Fangspiegel jetzt so steht, als wäre der Okularauszug unten statt oben. Das macht die Berechnung ein bißchen einfacher. Bevor wir damit anfangen, unterlegen wir der Zeichnung noch ein Koordinatensystem, dessen rote x-Achse mit der opt. Achse des Hauptspiegels zusammenfällt und dessen rote y-Achse durch den Punkt verläuft, in dem die opt. Achse die Fangspiegelebene durchdringt. Auch diese Wahl des Koordinatenursprungs vereinfacht unsere Berechnung.

Wir stellen die Geradengleichung für die Mantellinien 1 und 2 (siehe B) auf. Eine Geradengleichung hat die Form y = m · x + n, wobei m die Steigung der Geraden und die Konstante n der y-Wert für x = 0 ist. Zeichnung C zeigt uns

Steigung m = ± d/2 : (f + s), wobei das + für Mantellinie 1 und das - für Mantellinie 2 gilt

Konstante n = r

Damit erhalten wir die Gleichung für die Mantellinien 1 und 2 wie folgt

(1)   y = ± [d/2 : (f + s)] · x ± r

Die Fangspiegelebene erscheint in dieser Zeichnung als Gerade, deren Gleichung wegen des umgeklappten Fangspiegels besonders einfach lautet, nämlich

(2)   y = x

Durch Einsetzen von Gleichung (2) in Gleichung (1) erhalten wir eine neue Gleichung, die als Lösungen die x-Werte der Punkte X1 und X2 liefert; diese Gleichung lautet

(3)   x = ± [d/2 : (f+s)] · x ± r

Diese Gleichung lösen wir nach x auf und erhalten die beiden Lösungen x1 und x2 wie folgt

(4)   x1 = r : {1 - d : [2 · (f + s)]}

(5)   x2 = -r : {1 + d : [2 · (f + s)]}

Darin kommen allerdings noch die zunächst noch unbekannten Größen r (Achtung: r ist ein Radius, kein Durchmesser!) und s vor, die sich gemäß Zeichnung C wie folgt berechnen lassen:

(6)   r = d/2 : (f + s) · (h + s) —> r = d/2 · (h + s) : (f + s)

(7)   s = f : (d - b) · b —> s = f · b : (d - b)

Bevor wir ans Ersetzen gehen, überlegen wir noch kurz, was wir eigentlich berechnen wollen, nämlich die Größe der kleinen Fangpiegelachse und den Offset. Da die Strecke X1X2 gleich der langen Fangspiegelachse ist, ist die kurze Fangspiegelachse geich diesem Betrag durch Wurzel aus 2. Wie wir den Zeichnung C entnehmen, ist aber auch x1 - x2 gleich der Strecke X1X2 durch Wurzel aus 2. Somit ist die kleine Achse des Fangspiegels nicht anderes als

(8) kl. Fangspiegelachse a = x1 - x2

Wenn wir in diese Gleichung (8) die Gleichungen (4) und (5) einsetzen, erhalten wir

(9) a = r : {1 - d : [2 · (f + s)]} + r : {1 + d : [2 · (f + s)]}

Das ergibt nach etwas Umformen

(9') a = 8 r (f + s)ˆ2 : [4 (f + s)ˆ2 - dˆ2]

Hierin ersetzen wir r gemäß Gleichung (6) und erhalten

(10) a = 4 d (h + s)(f + s) : [4 (f + s)ˆ2 - dˆ2]

Das ist genau die Stelle, an der ich bei meiner ersten Berechnung in der Bruch-Schreibweise versehentlich den Faktor 4 gekürzt und dann ein falsches Resultat erhalten hatte. Diesen Fehler machen wir jetzt nicht, sondern ersetzen jetzt noch s gemäß Gleichung (7) und erhalten

(11) a = 4 d [h + f b : (d - b)] · [f + f b : (d - b)] : [4 (f + f b : (d - b))ˆ2 - dˆ2]

Wenn man diese Formel (11) mit horizontalen Bruchstrichen anstelle der „Doppelpunkt“-Divisionszeichen schreibt, sieht die Formen viel einfacher aus und läßt sich in drei Schritten durch Umformen vereinfachen. Hinweis: Zähler und Nenner des Hauptbruchs mit (d - b)ˆ2 multiplizieren und dann die Klammern [f (d - b) + f b] ausrechnen zu f d. Am Ende erhalten wir das Endergebnis

(11') kleine Fangspiegelachse a = 4 f [h (d - b) + f b] : [4 fˆ2 - (d - b)ˆ2]

Nun fehlt noch der Offset. Der ist, wie die Zeichnung C zeigt. der horizontale bzw. vertikale Abstand der Mitte zwischen X1 und X2 vom Koordinatenursprung. Das ist aber nichts anderes als

(12) Offset off = (x1 + x2) : 2

Wenn wir da wieder die Gleichungen (4) und (5) einsetzen, bekommen wir

(13) off = {r : {1 - d : [2 · (f + s)]} - r : {1 + d : [2 · (f + s)]}} : 2

Von da gehen wir analog zur Vorgehensweise nach Gleichung (9) weiter vor und bekommen am Ende

(13') Offset off = (d - b) [h (d - b) + f b] : [4 fˆ2 - (d - b)ˆ2]

In der Praxis wird es immer so sein, daß man den für die Wunsch-Bildgröße exakt erforderlichen Fangspiegel nicht auf alle relavanten Nachkommastellen genau bekommt. Also wird man einen nehmen, der unserer Idealgröße am nächsten kommt (und möglicherweise geringfügig zu klein ist). Dann möchte man sicher noch umgekehrt wissen will, wie groß das zu 100% ausgeleuchtete Bildfeld b bei dieser gegebenen (nicht idealen) Fangspiegelgröße a unter der Voraussetzung eines optimal realisierten Offsets ist. Dazu muß man noch Gleichung (11') nach b auflösen. Leider führt das zu einer quadratischen Gleichung, die etwas mehr Arbeit macht und zunächst zwei Lösungen liefert:

(14) 100%-Bildfelddurchmesser b = {ad - 2f (f - h) ± 2f · sqr [aˆ2 + (f - h)ˆ2 - ad]} : a

Darin ist jedoch nur die Lösung mit dem + vor der Wurzel sinnvoll, weshalb ich die Formel ab hier nur noch ohne das - schreibe. Außerdem ziehe ich den ersten Summanden ad nach Kürzen von a als d vor den Bruch, ersetze (f - h) durch - (h - f) und ziehe dann aus dem verbleibenden Bruch den Faktor 2f vor den Bruch. Das Endergebnis lautet dann:

(14') 100%-Bildfelddurchmesser b = d + 2f {h - f + sqr [aˆ2 + (f - h)ˆ2 - a d]} : a

Beim Vergleichen mit meiner im Beitrag vom 3.7. um 19:52 genannten Formel für die Berchnung von b (= letzte rot geschriebene Formel) mußte ich dort leider einen Flüchtigkeitsfehler beim Abschreiben von meinen handschriftlichen Berechnungen feststellen. Es hätte dort vor „2 f sqr …” ein Minus statt Plus stehen müssen, und da ich dann anschließend im Rechenbeispiel diese Formel nicht neu eingetippt, sondern von der ersten geschriebenen Formel kopiert hatte, wiederholt sich dieser Fehler dort. Weil ich jetzt noch (f - h) durch - (h - f) ersetzt und der Faktor 2f vor den Bruch gezogen habe, ist die obige Formel (14') jetzt sogar noch ein bißchen einfacher geworden ist. Das Rechenbeispiel war im Beitrag vom 3.7. trotz meines Tippfehles richtig, weil ich zum Ausrechnen meine handschriftliche und nicht die falsch eingetippte Formel benutzt hatte.

Obwohl wir oben mit der Formel (13') schon einen optimalen Offset ausgerechnet hatten, müssen wir uns jetzt erneut die Arbeit des Berechnens machen, da dieser Offset ja nur für die ideale Fangspiegelgröße galt, wir aber jetzt einen etwas anderen Fangspiegel in der käuflich erhältlichen Größe haben. Dessen Offset erhalten wir, wenn wir b gemäß Formel (14') in Formel (13') einsetzen. Um die dabei entstehenden Rundungsfehler klein zu halten und insgesamt bei der Berechnung der Bildgröße b und des Offsets off ein bißchen Rechenerbeit zu sparen, schlage ich für die Berechnung von b und off für eine gegebene Fangspiegelgröße folgende Vorgehensweise vor. Man berechnet erst einen

(15) Hilfsterm t = 2f {f - h - sqr [aˆ2 + (f - h)ˆ2 - ad]} : a,

mit dessen Hilfe sich die Offsetformel ein wenig vereinfacht, und berechnet dann die zu 100% ausgeleuchtete Bildgröße b statt mit Formel 14' und den zugehörgen Offset off statt mit Formel (13') wie folgt:

(16) Bildgröße b = d - t

(17) Offset off = t [t (h - f) + fd] : (4 fˆ2 - tˆ2)

Damit sind wir fertig und haben für künftige Berechnungen endlich exakte statt der bisher üblichen Näherungsformeln. Ich wünsche damit immer guten Erfolg!

MfG Walter E. Schön

PS.: Ich hoffe, dieses Mal beim Abschreiben meiner ursprünglich handschriftlichen Berechnung keinen Tippfehler gemacht zu haben. Sollte jemand einen solchen Fehler finden, bitte ich um möglichst baldige Mitteilung, damit ich evtl. noch innerhalb der Editierzeit berichtigen kann. Danke.

2 Formeln (15),(17) korrigiert auf Wunsch des Autors
Gruß Sven
 
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Re: … und so werden die Größen berechnet

Hallo Walter

Ich würde gerne 2 Korrekturen an Deinen Formeln anbringen.
Betroffen sind die Formeln (15) und (17) wo sich jeweils ein Fehler eingeschlichen hat (vermutlich Abschreibfehler).

Zu Formel (15)
Hilfsterm t = 2f {f - h - sqr [aˆ2 + (f - h}ˆ2 - ad]} : a

Zu Formel (17)
Offset off = t [t (h - f) + fd] : (4 fˆ2 - t^2 )

Viele Grüße + CS
Christian
 
Cat-Newot

Hallo Ihr

Nun noch eine knifflige Frage. Vielleicht weis einer darauf eine Antwort.

Wie berechne ich den Offset für einen Cat-Newton (Short Tube). Diese Geräte haben ja im OAZ noch eine Barlow welche die Brennweite um das doppelte Verlängert.

Wenn ich jetzt einen Newton habe welcher eine Ge-Barlowte Brennweite von 1400mm hat, aber nur eine Baulänge von 700mm, wie rechne ich dann meinen Offset aus ? Mit oder ohne Korrekturlinse ? Also mit 1400mm Brennweite oder nur mit 700mm ?


An dieser Stelle noch einmal einen herzlichen Dank für alle die so begeistert hier die korrekten Offset-Formeln hergeleitet haben. Es ist unheimlich beruhigend mit einem exakten Wert schlafen zu gehen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Viele Grüße + CS
Christian
 
Abschreibfehler sind korrigiert

Hallo Christian,

danke fürs Überprüfen! Stimmt, das waren zwei Abschreibfehler. Ich hatte glücklicherweise meine „Schmierzettel” noch nicht dem Papierkorb überantwortet und konnte so ohne neues und zeitraubendes Nachrechnen die Richtigkeit Deiner Korrektur feststellen. Da ich Deine Fehlermeldung erst nach Ablauf der Editierzeit erhielt, konnte ich die beiden Formeln in meinem langen Beitrag nicht mehr selbst korrigieren. Ich hatte deshalb hier die Formeln nochmals korrekt angegeben …

(15) Hilfsterm t = 2f {f - h - sqr [aˆ2 + (f - h)ˆ2 - ad]} : a

(17) Offset off = t [t (h - f) + fd] : (4 fˆ2 - tˆ2)

… und ferner Sven Wienstein als Moderator dieses Forums per eMail gebeten, die richtigen Formeln von hier in den mir nach Ablauf der Editierzeit nicht mehr zugänglichen Beitrag zu kopieren. Soeben habe ich seine Nachricht erhalten, daß er diese Berichtigung ausführen konnte.

Besten Dank deshalb auch an Dich, Sven! Ich bin froh, daß nun in diesem Beitrag nicht mehr die fehlerhaften Formeln stehen und damit die Gefahr beseitigt ist, daß jemand falsche Formeln anwendet, weil er sich auf meinen Beitrag verläßt und nicht die nachfolgende Berichtigung bemerkt hat.

MfG Walter E. Schön
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Offsetberechnung beim Cat-Newton

Hallo Christian,

da ich den Begriff „Cat-Newton” hier zum ersten Mal lese, muß ich meine Antwort mit dem Vorbehalt versehen, daß sie nur dann gilt, wenn Du damit einen Newton meinst, bei dem sich im Okularauszug (vor dem Fokussierer) eine Barlow zur Brennweitenverlängerung befindet.

Die ideale Fangspiegelgröße und der Offset eines solchen Newtons sind genau dieselben, die dieser Newton ohne die Barlow hätte, wenn man dabei ein 100%ig ausgeleuchtetes Bildfeld b zugrundelegte, das um den Barlow-Verlängerungsfaktor kleiner ist. Denn wenn man die Barlow herausnähme und mit dem Okular auf den „unverfälschten” Primärfokus scharfstellte, änderte sich ja am Strahlengang bis zum Okularauszug nichts, nur daß das Bildfeld vom Durchmesser b noch nicht um den Barlow-Faktor vergrößert und weiter nach außen verlagert wäre.

Das heißt für die Anwwendung der Formeln, daß man …

1. für die Brennweite f die des Hauptspiegels benutzen muß, also nicht die sich durch Multiplikation mit dem Barlow-Verlängerungsfaktor ergebende effektive Gesamtbrennweite,

2. als Höhe h der Fokusebene über der Tubus- bzw. Hauptspiegelachse die der Primärfokusebene benutzen muß, also ohne den zusätzlichen Weg, um den der Primärfokus durch die Barlowgruppe nach außen verlagert wird, und

3. als Durchmesser b des zu 100% ausgeleuchteten Bildfeldes den durch den Barlow-Faktor dividierten tatsächlich (mit Barlow) gewünschten Durchmesser benutzen muß.

Beipiel: Wenn das Teleskop die effektiven Brennweite f (eff) = 1000 mm und eine Barlow mit dem Verlängerungsfaktor 2 hat, ist die tatsächliche Brennweite f des Hauptspiegels 1000 mm : 2 = 500 mm. Wenn die Fokusebene des Teleskops mit Barlow 250 mm über der Tubusachse liegt und die Barlow den Fokus um 40 mm nach außen verlagert, beträgt die Höhe h des Primärfokus (ohne Barlow) nur 250 mm - 40 mm = 210 mm. Und wenn man für das Teleskop mit Barlow ein zu 100% ausgeleuchtetes Bildfeld von 12 mm haben möchte, beträgt b für das Teleskop ohne Barlow 12 mm : 2 = 6 mm.

Wenn diese Werte oder einige davon nicht bekannt sind, muß man sie beim Hersteller oder Lieferanten erfragen, und wenn die keine Antwort geben, bleibt nichts anderes übrig, als den Okularauszug auszubauen und die Werte selbst zu ermitteln:

Die Brennweite f kann man ohne Spezialinstrumente wohl am einfachsten und genauesten über die Durchlaufzeit eines Sterns auf der Ekliptik ermitteln (siehe z.B. Baader-Website). Man muß dafür natürlich eine exakt bekannte, z.B. mit einer Schublehre gemessene Strecke in der Primärfokusebene (ohne Barlow) markiert haben, welche das Bild des Sterns exakt längs dieser Strecke während der gemessenen Zeit zurücklegt.

Die Höhe h des Primärfokus (ohne Barlow) über der Tubusachse zu messen, dürfte wohl kein Problem darstellen. Ein paar Millimeter Meßfehler sind unkritisch, weil sie sich im Resultat für den Offset erst an praktisch nicht mehr relevanter Nachkommastelle auswirken.

Der Barlow-Verlängerungsfaktor, den man zur Errechnung des Wertes b (ohne Barlow) benötigt, ergibt sich durch Division der bekannten effektiven Gesamtbrennweite (mit Barlow) durch die wie beschrieben z.B. über die Sterndurchlaufzeit ermittelte Brennweite allein des Hauptspiegels.

MfG Walter E. Schön
 
Re: Offsetberechnung beim Cat-Newton

Hallo Walter,
ich stolpere gerade über Deine Herleitung und mir fallen folgende Ungereimtheiten auf:

Die Brennweite ist der Abstand vom Hauptspiegel M1 zur Bildebene und wird mittig gemessen inkl. Pfeiltiefe. Bei der Berechnung Deiner Mantellinien des Strahlenkegels setzt Du genau diese Brennweite ein, also ohne Berücksichtigung der Pfeiltiefe des Spiegels. Dadurch ist die Formel leider nicht mehr richtig. Wenn man in Deiner Formel die Brennweite f durch eine Hilfsgröße f' (Brennweite abzgl. Pfeiltiefe) ersetzt, dann passt es wieder. Es sei also: f'=f-(d^2/16f)

Außerdem ist die kl. Fangspiegelachse nicht einfach gr. Achse / Wurzel(2), denn dies ist NUR der Durchmesser des Strahlenkegels d' auf Höhe des FS-Schwerpunkts. Da der FS aber auch einen Offset entlang der y-Achse hat, ist seine Achse noch ein Tick kleiner. (Hilfreich ist eine Projektion der FS-Lage in den Strahlkegelkreis (quasi ein Blick von oben und von vorne): Mit Pythagoras wird dann die kleine FS-Achse zu Wurzel(d'-4*y-offset).

Es ist ein allg. Irrtum, dass die große FS-Achse = kl. FS-Achse*Wurzel(2) ist. Das gilt nur ohne Offset. Dann aber würde die uralte Texereau'sche Näherung reichen. Wir wollen es doch genau haben. :)

mfg

Kalle
 
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