Farbe oder s/w, das ist hier die Frage!

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Christoph_Lohuis

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,

seit drei Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Frage der Farbwahrnehmung an flächigen astronomischen Objekten - am Beispiel von M42.

Viel wurde darüber hier im Forum, Maillinglisten sowie bei uns in der Sternwarte diskutiert. Ich habe diesbezüglich einen Fragekatalog erstellt und mir stehen bereits mehrere hundert Datenbögen zur Verfügung. Die Ergebnisse werden derzeit ausgewertet und auf dem 6. PaS - Praktischer astronomischer Samstag am 11. Oktober, sowie im Anschluss natürlich auch hier im Forum, vorgestellt.

Bevor diese Ergebnisse veröffentlicht werden, würde ich mich an dieser Stelle nochmals über Rückmeldungen und eine Diskussion freuen.

Liebe Grüße

Christoph Lohuis.

Sternwarte Neuenhaus
 
Hallo Christoph.

Warscheinlich verstehe ich die Frage bzw. die Beweggründe nicht ganz und kann das deshalb wohl nicht ganz nachvollziehen, das man sich 3 Jahre damit beschäftigt, ob z.B. die Farbe Blau wirklich Blau ist.

Wenn man keinen hervor gehobenen Farbton sieht, dann ist es halt Weiss bzw. Grau (RGB).
Mich würde es z.B. nicht stören, wenn andere die Farbe Blau etwas bläulicher sehen als ich.

Leider konnte ich auf dem "Link" keinen weiteren Hinweis finden, wo das Problem ist bzw. was man diskutieren könnte.

Wissende: Vortreten bitte.

:)

CS,
Oliver

 
Hallo Oliver,

naja, drei Jahre Beschäftigung sollte nicht bedeuten, dass ich mich in mein Zimmer einschließe und jede Minute darüber grübel, ob es wirklich blau ist ;-). Seit drei Jahren versuche ich auf Treffen und durch Umfragen Ergebnisse von möglichst vielen Amateuren zu erhalten.

Es stellt sich die grundsätzlich Frage, ob am Beispiel M42 Farbe zu erkennen ist. Unterhalte dich mal darüber mit anderen Amateurastronomen und du wirst erkennen, dass diese Frage gar nicht einfach zu beantworten ist. Und dann auch noch, welche Farbe ;-). Der eine sieht im 10 Zoll in den Alpen alles in grau, der andere mit 114mm aus einem Dorf heraus Farbe.

Besonders die Gegenüberstellung von Theorie und Praxis ist interessant.

Liebe Grüße

Christoph.

P.S. Hinter derm Link sollte sich auf der Startseite bereits ein Teil des Programmes zum PaS verbergen. Kommt somit die Tage.
 
Hallo Christoph.

Jetzt verstehe ich was Du meinst. Haha.

Interessant. Auch aus psychischer Sicht. Denn, jeder kennt M42 natürlich auch in Farbe - von den schönen Langzeitbelichtungen. Ich meine, daß selbst wenn man M42 bis dato durch das Teleskop nur in Grau gesehen hat, man später durchaus meinen könnte daß man ihn in Farbe gesehen hat.

Allerdings - ich war im Dezember auf Teneriffa oben am Teide und ich habe M42 durch ein 8x56 bläulich gesehen. Auf keinen Fall Weiss. Durch einen 100er MAK allerdings teilweise ganz Zart aber nur minimal auch in Pink. Ob mir da meine Sehzellen einen Streich gespielt haben?

Das wird aber an der Atmosphäre liegen, da die blaue Farbe in der Höhe noch nicht so stark absorbiert wurde. (Vermute ich jetzt spontan). Möglicher Weise gibt es ja sogar Wetterphänomene, die dafür sorgen könnten, das auch andere Wellenlängen gefiltert werden. Es gab vor einigen Jahren in Skandinavien einen riesigen Waldbrand und mehrer Millionen Menschen haben sich plötzlich über einen grünen Mond gewundert.

In der Tat ein nettes Thema. Bin gespannt, was Deine Daten später aufzeigen. Ich glaube ich schaue mir die Webseite nochmal genauer an. Vielleicht bin ich ja zu dem Zeitpunkt der Veranstaltung sogar in der Nähe und schaue mal rein.

Ich bin gespannt, wer hier noch etwas dazu schreibt.

Klare Nacht,
Oliver
 
Hallo Oliver,

im ersten Moment hört sich die Thematik sehr theoretisch an (ist sie ja auch), aber die Praxis ist hochinterssant. Die von dir genannte Psychologie aber auch Physiologie sind spannend - einmal von den eigentlichen Parametern abgesehen.

Um das Programm zum PaS werde ich mich kümmern. Dieses sollte aber spätestens Ende August (vorläufig) online stehen.

Wie erwähnt, fände ich Anregegungen von weiteren Amateuren an dieser Stelle interessant.

Liebe Grüße

Christoph Lohuis.

Sternwarte Neuenhaus

 
Hallo Christoph,

vor langer Zeit hatten wir Beide schon Mal das Vergnügen, uns zur Thematik auszutauschen.
Acuh ich habe mit "weiterentwickelt".
Mein neuster Stand und sehr interessante andere Wortmeldungen:
http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=72063
(dort bin ich derzeit inaktiv, wegen des interessanten Themas trotzdem der Link, das Thema kann nichts dafür)

Gruß und CS
*entfernt*
 
Hallo Günther,

vielen Dank für den Hinweis! Habe begonnen, die Diskussion aufmerksam zu lesen.

Die Umfrage lief jetzt einen größeren Zeitraum und in diesem habe ich parallel weitere Umfragen durchgeführt. Die Auswertung läuft derzeit, so dass diese zum 6. PaS im Rahmen eines kleinen Vortrages zur dieser Thematik vorgestellt werden kann.

In diesem Kontext bietet sich auch der Zeitraum an -den Daniel schon kurz beschrieb-, denn die Wintermonate nahen und Beobachtungen können folgen.

Liebe Grüße

Christoph.

Sternwarte Neuenhaus
 
Hallo Christoph,

ich konnte den Orionnebel mit vielen verschiedenen Newtons bei guten bis sehr guten Bedingungen (Alpenstandort) beobachten. Mit 18" konnte ich eindeutig eine braunrote Färbung der äusseren Schwingen von M42 erkennen.
Mit 12" war davon kaum etwas zu sehen. Die grünliche Farbe des zentralen Bereiches(Löwenmaul) war hingegen auch schon mit 8" und 12" auszumachen.

CS Mike
 
Hallo,

ich konnte bisher lediglich helle blaue PNs (allen voran natürlich den Blue Snowball) farbig sehen, keinerlei Farbe egal welches Gerät bis 16"... ich habe aber vor kurzem eine sehr leichte Grünschwäche bei mir festgestellt, gerade wenn's um feinste Nuancen ins Grau geht (und darum gehts ja bei DS), da wohl jeder Zehnte oder so ein Problem dieser Art hat, ist es sicher schwer allgemein gültige Aussagen darüber zu bekommen :/

Grüße Benny
 
Hallo Mike,

deine Ausführungen decken sich auch mit meinen Erfahrungen. Die grünliche Farbe kann ich auch in kleineren Geräten bei nicht perfekten Bedingungen erkennen.

Mal sehen, ob es weitere Meinungen gibt. Ich bin selber auf die Auswertung der Ergebnisse gespannt - wird aber wohl bis zum PaS dauern.

Liebe Grüße

Christoph Lohuis.

Sternwarte Neuenhaus
 
Hallo Benny,

du hast natürlich völlig recht - eine allgemeingültige Aussage bei der visuellen Beobachtung im Grenzbereich (und dazu gehört wohl insbesondere das Farbsehen flächiger Objekte) wird es in letzter Konseqeunz nicht geben. Zu viele subjektive Faktoren -deine Ausführungen sind ein Beispiel- spielen eine Rolle.

Dennoch gibt es auf der einen Seite fixe physikalische Parameter und auf der anderen Seite ist es spannend zu beobachten, ob es nicht zumindest Tendenzen hinsichtlich AP, Öffnung und Beobachtungsbedingungen gibt.

Liebe Grüße

Christoph Lohuis.

Sternwarte Neuenhaus
 
Solche Untersuchungen sind problematisch. Wir alle wollen herausragende Beobachtungsergebnisse und sind zumindest unwissentlich Täuschungen unterlegen. Ich arbeiete in der Medizin. wenn man da etwas mit großer Sicherheit untersuchen will, arbeitet man "doppelt blind" (Für die Astronomie ein seltsamer Begriff): Weder der Untersucher noch der Patient wissen, ob sie ein richtiges oder ein Scheinmedikament bekommen. Davon kann man hier nicht reden. Jeder von uns hat die Fotos des Orionnebels im Gehirn gespeichert, und weiss, was er sehen "muss".

Der Frage nach Rot oder Grün im Orionnebel nachzugehen müsste man - wenn man wirklich sicher Ergebnisse will - ein Modell bauen. Z.B. mit roten und grünen LEDs Flächen mit der Helligkeit des Orionnebels ausleuchten, deren vom Betrachtungsabstand so gewählt werden, das die gewünschte Apertur (bei Minimalvergößerung) simuliert wird. Dann kann man die roten und grünen Flächen bezüglich eines vielleicht etwas helleren Bezugspunktes an verschiedenenen Stellen auftauchen lassen, die der Betrachter vorab nicht kennt. Die damit gewonnen Ergebnisse sind dann unbeeinflusst. Nachteil: Sie stammen von einem Modell, welches sich von der Wirklichkeit doch etwas unterscheidet.

Dennoch wäre das eine schöne Unternehmung für ein verregnetes Teleskoptreffen.
 
Hallo Uwe,

manchmal freut man sich, wenn man beim Beobachten etwas das man bereits erwartet, tatsächlich entdecken kann, z.B. ein Zentralstern in einem Planetarischen Nebel oder bestimmte Albedostrukturen auf dem Mars.
Bei Farben hingegen(zumindest ist das bei mir so, erwarte ich mir eigentlich gar nichts sondern werde davon gelegentlich überrascht). Neulich beobachtete ich mit sehr großer Öffnung (ohne Filter)den Hantelnebel und bildete mir ein die "Hantel" graublau wahrzunehmen die "Ohrwaschel" hingegen waren ohne Farbe. Ob das wirklich so ist, weiss ich nicht, werde aber nun öfter darauf achten.

CS Mike
 
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