Farbfehler beim Refraktor?

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Zavijah

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Hi,

ich habe heute beim 4. ATH in Hückelhoven einen 127/820 Refraktor erstanden. War mehr oder wenig ein "Kurzschlusskauf" deswegen auch erst jetzt meine Frage.

Ich habe gelesen, dass Refraktoren einen Farbfehler haben sollen. Ich kann mir darunter nicht so recht vorstellen was gemeint ist, wie sich das darstellt und die wichtigste Frage: was kann man dagegen tun? Irgendein Filter oder ähnliches stelle ich mir da vor, aber ich weiss eben nicht, was man da machen kann

Wäre schön wenn ihr mir hier eine kleine Hilfestellung schreiben würdet, vielen Dank im Voraus.

Gruß
Guido
Homepage

P.S.: Ich hoffe dass der Himmel klar wird sobald das Teil da ist, wäre zwar gegen die Regel "neues Equipment = mind. 3 Wochen schlechtes Wetter", aber die Hoffnung stirbt zuletzt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
 
Hallo!


Der Farbfehler macht sich in einem Blausaum auf und um helle Objekte bemerkbar und er reduziert deutlich den Kontrast.
Daher wird der von Dir gekaufte Refraktor nur bei geringen Vergrößerungen sinnvoll einsetzbar sein. Planetenbeobachtung ist nicht seine Stärke.

Um den Farbfehler zu verringern, hast Du nur eine Möglichkeit: Abblenden.
Wenn Du die Öffnung verringerst, wird das Öffnungsverhältnis kleiner und der Farbfehler geringer. Leider wird durch diese Massnahme auch die Auflösung und das Lichtsammelvermögen kleiner. Auch ist dann die Verblendung nicht mehr optimal und einen störenden Restfarbfehler wirst Du so auch nicht wegbekommen (es sei denn Du blendest auf 50-60mm ab).

Das von Dir gekaufte Gerät ist ein Richfielder und Kometensucher. Der Beobachtungsschwerpunkt sollte also auf kleinen Vergrößerungen mit großen scheinbaren (und wahren) Gesichtsfeldern liegen. Dabei macht sich der Farbfehler nicht oder nur sehr wenig bemerkbar.

Die Farbfilter zur Verringerung des Farbfehlers sind nur Notlösungen und funktionieren nur am Mond halbwegs. Wenn Du Dir unbedingt einen Filter kaufen willst, dann empfehle ich Dir den William VR-1. Vom Baader Kontrastbooster kann ich Dir nur dringed abraten!


Was ich nicht gut finde ist, dass Dir dieser Refraktor ohne ausreichende Beratung und ohne Aufklärung über den Farbfehler verkauft wurde. War der Verkäufer ein Händler oder war es ein Privatverkäufer?


Gruß Harald
 
Hi Wolfgang,

irgendetwas stimmt mit dem Link nicht. Vielleicht kannst Du den nochmal überprüfen?

Viele Grüsse
Guido
 
Hi Harald,

es war ein Händler, aber der hatte echt Stress und ich hab auch nicht nachgefragt, ich habs schlicht vergessen.

Nun könnte ich Preisgleich auch einen 127/1200 Refraktor bekommen, wäre das die bessere Wahl?

Wo genau liegt der Unterschied?

gruß
Guido
 
Hi Guido,

ich finde dieser Link zu einer Seite vom Binoviewer zeigt ganz nett auch die Auswirkungen des Farbfehlers. Da tauchen 120/600 und 120/1000 auf, und das gibt gute Anhaltspunkte.

Ich würde sagen, der 120/1000 ist der bessere Allrounder. Wenn Du aber den 120/820 gekauft hast, um bei schwacher Vergrößerung DeepSky zu schauen (Sternhaufen und je nach Himmel große H2-Regionen), dann liegst Du mit der kürzeren Brennweite besser.

Clear Skies
Sven
 
Ob der 1200er besser ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

1.) Willst Du Richfield oder Planeten/Mond/Land beobachten?
-> Im zweiteren Falle wäre der 1200er besser, da weniger Farbfehler vorhanden und Brennweite länger ist.

2.) Welche Monti möchtest Du verwenden?
-> Der 1200er hat einen langen Hebelarm und benötigt daher eine stärkere Montierung als der 800er.

3.) Wie transportabel soll das Teleskop sein?
-> Der 1200er ist natürlich viel sperriger als der 800er.


Ganz allgemein kann man folgendes sagen:
Die Abbildungsleistung des 1200ers ist deutlich besser insbesondere bei hohen Vergrößerungen. Er ist aber auch größer und das wiederum wirkt sich auf die Transportabilität und die Anforderungen an die Montierung aus.

P.S.: Ich war heute auch auf dem ATH und habe die Refraktoren dort gesehen. Die sehen beeindruckend aus (insbesondere der 150/1200 <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> ), insofern kann ich Dich gut verstehen, dass Du zugegriffen hast, ohne Dich vorher richtig zu informieren. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />


Gruß Harald
 
Hi Harald,

ich möchte eigentlich beides <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Deep Sky und Planeten. Welches Gerät wäre dann der bessere Kompromiss?

Gruß
Guido
 
Deep Sky ist nicht dasselbe wie Richfield.

Für die meisten Deep Sky Objekte ist der 1200er besser, da er die allgemein besseren Abbildungseigenschaften hat.
Du musst allerdings bedenken, dass Du eine wirklich massive Monti für so ein langes Rohr brauchst.

Hat der Händler Dir denn ein Umtauschrecht eingeräumt?


Gruß Harald
 
Hi Sven,

sehr aufschlussreich , vielen Dank.

Ich tendiere nun eher zum 127/1200 ist wohl eher ein allrounder oder lieg da falsch?

Gruß
Guido
 
Hi ,

ich habe eine Meade LXD 500 A Monti die trägt bis ca 8-9kg. Der 127/1200 wiegt 7kg. Rein Gewichtstechnisch sollte es also gehen. Wie sich der längere Hebel bemerkbar macht muss ich sehen.

Klar ich nehme ein Rückgaberecht in Anspruch, es gibt ja das Fernabgabegesetz...;)

Gruß
Guido
 
Das Fernmeldeabsatzgesetz ist aber nicht für Artikel gültig, welche auf Messen gekauft werden!
Es heisst ja auch Fernemelde-Absatzgesetz. Das bedeutet, dass die Bestellung über Fernmeldegeräte (Telefon, Fax, email etc) erfolgt sein muss und die Ware verschickt wird. Kaufst Du das Gerät vor Ort und holst es persönlich ab, dann tritt das FMAG nicht in Kraft.

Du kannst ja mal freundlich beim Händler anfragen, ob er Dir das Gerät trotzdem austauscht. Wahrscheinlich geht er darauf ein - es sei denn, Du hast ein Gebrauchtgerät zum Supersonderpreis erhalten. So ein Gerät tauscht der Händler natürlich nicht gegen ein anderes (neues) Gerät aus.


Gruß Harald
 
naja ich habs angezahlt und bekomme es zugeschickt mit voller garantie usw. ich denke das sich da eventuelle Dinge klären lassen, sofern sie auftreten sollten.

Meinst du die monti packt das?

Gruß
Guido
 
Das kann ich nicht mit Sicherheit sagen, weil ich die Monti noch nicht im Einsatz gesehen habe.
Dass die Gewichtsangabe aber auf 8kg beschränkt ist, lässt nichts gutes erwarten, denn die maximalen Belastungsgrenzen beziehen sich meist auf kurzbauende Teleskope wie z.b SCs. Bei langen Teleskopen kannst Du dann solche Gewichtsangaben vergessen, die ist dann einfach nicht gültig bzw ist viel zu hoch angesetzt.


Gruß Harald
 
Hi Guido,

ja, sagen wir mal der 127/1200 ist ein viel besserer allrounder als ein 120/840.
Der Unterschied ist halt, daß der 127/1200 weniger Farbfehler hat und dadurch schärfer abbildet. Dieser Farbfehler wird aber nur bei höherer Vergrößerung sichtbar, also bei der Beobachtung von Mond und Planeten. Das heisst, daß der 127/1200 hier konkret Vorteile gegenüber dem 120/840 hat.

Der 120/840 hat seine Vorteile beim maximal möglichen wahren Gesichtsfeld. Mit ca. 800mm Brennweite kann man mit einem 2" Okular so bis zu 3° wahres Gesichtsfeld erzielen, das sind 6 Vollmonddurchmesser. Mit 1200mm kommt man etwa auf 2°, also 4 Vollmonddurchmesser. Bei den (wenigen) Objekten, die größer als 4 Vollmonddurchmesser sind, ist also der 120/840 im Vorteil. Ein Beispiel ist der Nordamerikanebel, der im 120/1200 zwar zu sehen ist, aber nicht als ganzes. Schon bei 800mm Brennweite ist aber der Überblick schwierig, so groß ist der. Aber das gilt eben auch nur für wenige Objekte.
Ein weiterer Vorteil des 120/840 ist die Bildhelligkeit. Die Minimalvergrößerung einer 120mm Optik ist etwa 17x. Das bekommt man bei 840mm Brennweite (äh, war doch 840?)mit einem 50mm Okular noch hin. Bei 1200mm Brennweite bräuchte man ein 70mm Okular, und das ist zum einen sehr schwer zu bekommen, und zum anderen hat dieses Okular dann ein sehr kleines scheinbares Gesichtsfeld, also "Tunnelblick". Normalerweise beschränkt man sich mit 2" Okularen auf 50mm oder 55mm.
Bei 1200mm Brennweite erreicht man also als Vergrößerung 21x mit einem 55mm Okular. Das Bild ist etwas stärker vergrößert und dadurch etwas dunkler. Bei den allermeisten Objekten stört das nicht, aber bei einigen ganz besonders schwachen Nebeln werden diese dann so schwach, daß sie unsichtbar werden.

Das sind also die Unterschiede zwischen den beiden Geräten. Das 120/840 hat seine Vorteile bei geringer Vergrößerung, wo auch der Farbfehler nicht sichtbar wird. Bei höherer Vergrößerung (für Planeten und einige andere Objekte unumgänglich!) hat der 127/1200 deutliche Vorteile, weil der Farbfehler geringer ist und deshalb weniger stört.

Hm. Ich mache gerade mal Deine 1. Posting in einem 2. Fenster auf, OK beide Geräte haben 127er Öffnung, und ich habe halt mit 120 gerechnet. Ändert aber an dem dargestellten Sachverhalt nix, nur sind die Werte für die Okulare und Vergrößerungen etwas anders.

Was die Montierung angeht... hmm... also die LXD500 wird darunter nicht zusammenbrechen, man wird damit auch beobachten können, aaaabeeeer.... also die Montierung ist damit eigentlich schon überladen. Das ist auch beim 127/800 nicht viel besser. Es wird gehen, aber beim Scharfstellen wird es unangenehm wackeln, auch wenn man direktem Wind ausgesetzt ist. Mir währe wohler, wenn eine GP-Montierung darunter käme.
Vielleicht kannst Du die LXD-500 tunen, indem Du das Stativ verbesserst, da gibt's im Selbstbau-Board einige Vorschläge, einfach mal fragen oder die Suchfunktion benutzen. Wenn aber die Montierung Spiel in den Lagern hat, dann wirst Du Dich damit herumärgern, besonders wenn Du keine elektrische Nachführung hast. Scharfstellen mit wenig Wackeln ist in gewissem Rahmen Übungssache. Aber wenn man mit schlackerigen Achsen nicht ordentlich suchen kann, und beim von Hand nachstellen mit den biegsamen Wellen auch für einige Sekunden lang ein hüpfendes Bild hat, dann geht's einem nur noch auf den Wecker.
Bei einem von Hand nachgeführten Teleskop und 200-facher Vergrößerung läuft ein Stern ja binnen 60 Sekunden durch das Gesichtsfeld eines typischen Okulares. Da man aber doch lieber das Objekt nahe der Mitte hat, wird man alle 20 Sekunden mit der Handwelle nachstellen. Gehen von den 20 Sekunden dann mehr als 5 Sekunden ab, in denen das Bild "tanzt", kommt frust auf.

Clear Skies
Sven
 
Hi Sven,

danke für deine Ausführung. Ich tendiere nun immer mehr zum 127/1200 Refraktor.

Die Monti hat soweit ich das beurteilen kann, kein Spiel und eine Nachführung habe ich auch, so dass evtl nur beim Scharfstellen einige wackler drin sein könnten. Das werde ich wohl einfach ausprobieren müssen.

Auf jeden Fall schau ich mal im Selbstbau-Board nach, wie man denn ein Alu Stativ stabiler machen kann.

Besten Dank nochmal <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" />

Gruß
guido
 
Hi Guido,

also mir persönlich ist bei dem 127/1200 auch wesentlich wohler, als beim 127/840.
Mit Nachführung ist die Beobachtung jedenfalls deutlich komfortabler. Eventuell solltest Du auch in Betracht ziehen, ein Holzstativ selbst zu bauen. Das geht für unter 50 Euro mit stabilen Schichtholz-Brettern, die statt der Alubeine an das Stativ geschraubt werden. Man kann entweder die vorhandene Arbeitsplatte mit Spinne weiterverwenden, oder die Stativbeine mit drei Ketten, die in einen Ring (vom Schlüsselbund) eingehängt werden, gegen auseinanderrutschen sichern. Das ganze wird dann nur noch mit Bootslack wetterfest gemacht.
Ist eine gute Sache, mit bombiger Stabilität.

Clear Skies
Sven
 
Hallo Guido,
ich habe mir selbst nach langem hin- und her einen TS 127/1200 gekauft...hatte Gelegenheit diesen gebraucht von einem Foren-Mitglied zu erwerben damit hat sich das finanzielle Engagement in Grenzen gehalten ... ich finde das Gerät echt klasse...es ist sehr schön verarbeitet nichts wackelt, ruckelt oder klappert .. soviel zur Mechanik.

Was den Farbfehler betrifft (ich muss dazu sagen dass ich absoluter Anfänger bin, und mir unter "Farbfehler" anfangs recht wenig vorstellen konnte) macht sich ein leichter (und das ist wirklich ein sehr leichter) blauer Rand ab ca. 200-facher Vergrößerung bemerkbar. Wie gesagt das ist subjektiv, mich stört es nicht, und tritt bei mir mit einem 6mm Okular erstmals in der Art auf als dass ich sagen würde aha, da isser der Farbfehler... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> Ein Fringe-Killer beseitigt diesen "Blaumsaum" fast (nochmal: fast (!)) vollständig jedoch auf Kosten eines "leichten" Gelbstichs...der Filter ist aber uneingeschränkt zu empfehlen.

Die Abbildungsleistung des Refraktor reicht meinen Ansprüchen ich bin sehr zufrieden...der Kauf eines 2" Prismas lohnt sich aber auf jeden Fall, ebenso wie ein schönes 2" Okular für geringe Vergrößerungen...bei diesen macht sich der Farbfehler ÜBERHAUPT NICHT bemerkbar...

Ich war ziemlich geschockt als ich den Refraktor aus der Schachtel hiefte... er ist 1,2 Meter lang dazu kommt noch die Taukappe...die 7 kg Gewicht beziehen sich vermutlich auf das nakte Gerät...mit einem 2"Okular dem Spiegel, einem Telrad-Finder und dem zum Lieferumfang gehörenden (sehr guten) 8x50 Sucher, wird das Monster schon sehr gewichtig... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" /> Mein Refraktor sitzt auf der Celestron CAM die damit auch schon gut beschäftigt ist...ich würde sagen ausgereizt...Es ist aber nicht nur das Gewicht, die Hebelwirkung des sehr langen Refraktors ist schon so enorm
dass ich mir vorstellen kann wie das bei Wind aussieht...hatte bisher eine solche Situation noch nicht, daher auch keine Aussage über das "Feeling" bei Wind <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

Kurz: Der Spaß an dem Refraktor (der durch das Gerät auf jeden Fall gegeben ist) steht und fällt mit der Montierung! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Viele Grüße,
Jens
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Jens! Schön dass du dich selbst zu Wort meldest,ich habe Guido deinen Thread bezüglich der 5 Fragen ans Herz gelegt, wie du siehst.Gruss Wolfgang
 
Moin Wolfgang,
klar, da muss ich mich doch direkt rühren wenn sich jemand für genau diesen Refraktor interessiert <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Ich kann nur noch einmal betonen dass die Montierung bei diesem Gerät extrem wichtig ist, nicht nur wegen dessen Gewicht (7kg sind erst der Anfang...der Refraktor kommt sehr schnell auf 10kg wenn man noch das ein- oder Andere dran-schraubt)...wie gesagt der Hebel ist auch enorm <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/crazy.gif" alt="" />

Grüße,
Jens

 
Hi,

der bessere Kompromiss ist der 1200er.
Der liefert sowohl am Planeten das schärfere als auch bei deep sky
das kontrastreichere und weniger verschwommene Bild.
Über 800mm beim kurzen sind auch nicht mehr mega-richfieldmäßig.
Mit ein, zwei guten 2"-Okularen kriegst Du auch beim 1200er große
Bildfelder: z.B. 35mm bei 68° Eigengesichtsfeld (Standard Erfle) =
2° Himmelsausschnitt.

Viele Grüße

Markus


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Markus A. R. Langlotz
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