Farbfehler Synta 120/1000?

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Ulrich72

Mitglied
Hallo,

bei ebay gibt es gerade diesen Refraktor im Angebot. Ich weiß nicht was die Bieterrallye am Schluß bringt, aber momentan ist er noch recht günstig. Meine Frage:
Wie stark ist der Farbfehler wahrzunehmen bzw. störend. Habe jetzt selbst keine Gelegenheit in so ein Teil zu schauen. Muß ferner gestehen, daß ich keine Erfahrung mit solchen Teilen habe. Bei meinem jetztigen Gerät 70/900 sieht man teilweise auch etwas blau (mit 6mm TS Weitwinkel-Plössl) aber ist jetzt wirklich nicht störend. Nur wie ist das jetzt bei f/8? Bekommt man das mit diesem Kontrast-Booster vernünftig in den Griff?

Gibt es große Qualitätsstreuungen in dieser Serie?

Ganz ehrlich sollte ich wohl erst noch etwas Erfahrung sammeln, aber wenn es sich als Schnäppchen erweisen sollte, komm ich halt in Kaufrausch.

Gruß Ulrich
 
Moin,
ich habe den 120/1000 besessen und habe jetzt einen 10" Newton. Ich hätte vorher nie geglaubt, wie farbrein eine Optik sein kann... will sagen, der 120/1000 war am Planeten nicht der Bringer.
Gruß, Detlev
 
Hallo Detlev,

danke für die schnelle Antwort, ist ja schon recht eindeutig. Habe jetzt nochmal bißchen intensiver im Forum gesucht und da gab es mal eine Aussage, daß auch mit Filtern der Kontrast leidet und das Teil eigentlich nicht besonders für Planeten geeignet sei. Ich hatte nur an anderer Stelle was von eierlegender Wollmilchsau gelesen und war deswegen interessiert. Letztendlich empfindet es wohl jeder etwas anders, aber für mich kommt das Teil wohl nicht in Frage auch wenn ein Schnäppchen.

Gruß Ulrich
 
den 120/1000er hatte ich eine zeitlang in besitz.

der farbfehler ist um ein mehrfaches größer als beim 70/900er.
das liegt nicht nur am öffnungsverhältnis alleine, sondern
auch an der größe der öffnung.

ein 70mm fraunhofer ist ab f9 achromatisch. der 70/900er
ist mit fast f13 deutlich darüber und daher schon ganz
besonders farbrein.

der 120er bräuchte eigentlich f15 um achromatisch zu
sein und müßte f21(!) haben, um mit dem 70/900er gleichzuziehen.
stattdessen hat er aber f8. damit ist der farbfehler fast
3 mal so groß wie beim 70/900er. er ist also ganz beachtlich
und das gerät ist damit auch kein achromat mehr.

wie sehr er stört ist auch eine frage der subjektiven wahrnehmung,
aber auch der erfahrung. jemand der noch durch kein wirklich
farbreines gerät geguckt hat wird sich weniger daran stoßen
als der eingefleischte newton-fan und alte hase, der viele
farbreine geräte kennengelernt hat.
da dir auch beim 70/900er schon ein bischen das "blau" auffällt,
denke ich der farbfehler wird dir beim 120er zu groß sein.

mit entsprechenden filtern kann man den kontrast ein kleinwenig
verbessern. das bild wirkt dann sauberer, aber man gewinnt nur
minimal an detailerkennung. zudem wird das bild immer unschön
eingefärbt. selbst die neuesten filter bringen immer einen
leichten gelbton ins bild. ob man sich daran stößt oder
nicht ist auch wieder geschmacksache und gewöhnung.

die qualität dieser optiken streut ziehmlich stark.
häufigste fehler sind dezentrierung u. sphärische aberration.
ein rückgaberecht sollte man auf jeden fall vereinbaren.

insgesamt würde ich dieses gerät zur planetenbeobachtung nicht
empfehlen. es ist aber ein nett anzusehendes allroundgerät, das
allerdings nach einer stabilen montierung auf hohem stativ
verlangt. meine mindestempfehlung wäre eine H-EQ5 oder GP.

mir persönlich zeigt das gerät am planeten zuwenig detail und
die abbildung ist für meinen geschmack aufgrund des farbfehlers
zu weich, auch mit filter. eine wirklich knackige abbildung kann
man nur bis etwa 100fach erwarten.

tom
BINOVIEWER
(Member of Albireo)

 
Hi!
Ich überlege mir ein ähnliches Teleskop zu kaufen. (Vixen GP-E 102M 102/1000)
Hat wer erfahrungen mit dem Scope gemacht? Er hat ja ein "besseres" Öffnungsverhältniss als ein 120/1000. Fast F10 wenn ich richtig rechne. Will das Scope nämlich hauptsächlich für Planeten und Mond einsetzten.
 
hallo,

bei 4" öffnung muß ein fraunhofer f12.2 haben um achromatisch
zu sein. der 102M liegt etwa 20% darunter.
für viele beobachter ist das noch in einem bereich, wo der
farbfehler nicht wirklich stört.

ob er dich persönlich stört kannst du natürlich nur selbst
ausprobieren.

als definitives mond- und planetenteleskop würde ich den 102M nich
bezeichnen und ihn auch nicht für diesen speziellen einsatzbereich
empfehlen. es handelt sich meiner meinung nach um ein gutes
allroundgerät mit akzeptabler farbkorrektur.

tom
BINOVIEWER
(Member of Albireo)
 
Gut dann ist es eh Ideal für mich. Ich will ja kein reines Planetenscope sondern zumindest auch ein bisschen Deep Sky. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />
 
Hallo Tom,

danke für die ausführliche Antwort. Jetzt würde mich mal interessieren wie achromatisch definiert ist.
Wenn ich Deine Angaben richtig interpretiere, nimmt das erforderliche bzw. vergleichbare Öffnungsverhältnis linear über die Öffnung zu (f15 = 1,2/0,7*f9). Stimmt das?
Dann müsste die Brennweite quadratisch zur Öffnung erhöht werden, oder? (70/900 ^= 150/4100) was ein Rohr!

Warum ist das so? Ist das irgendwie dann auch noch von der höheren sinnvollen Vergrößerung abhängig?

Gruß Ulrich
 
hallo ulrich,

wenn du einen fraunhofer beim beobachten scharfstellst, dann machst
du das im brennpunkt der farbe grün, weil hier die größte
empfindlichkeit des auges liegt.
die farben rot und blau sind dann unscharf.

achromatisch ist ein fraunhofer dann, wenn bei fokus auf grün
der unscharfe blur im roten und blauen nicht größer ist als
3 mal der durchmesser des beugungsscheibchens im grünen.

je höher die vergrößerung, umso mehr macht sich die unschärfe
der farben rot und blau bemerkbar.
je größer der farbfehler bei einem fraunhofer ist, umso weniger
hoch kann man vergrößern um noch eine ästhetische abbildung
zu bekommen.

tom
BINOVIEWER
(Member of Albireo)
 
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