Farbkalibrierung im Web-Browser | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Farbkalibrierung im Web-Browser

Rolf_Hempel

Mitglied
Hallo,

bekanntlich ist für eine vernünftige Farbbildbearbeitung die Kalibrierung des Monitors die entscheidende Voraussetzung. Ansonsten sind die Ergebnisse reiner Zufall, und auf jedem anderen Monitor sieht das Ergebnis unterschiedlich aus. Ich verwende deshalb einen hardwarekalibrierten Eizo ColorGraphic - Monitor und habe in allen Bildbearbeitungs- und Ansichtprogrammen (von Photoshop bis IrfanView) das ICC-Profil hinterlegt. Damit sehen die Farben überall exakt gleich aus.

Gestern habe ich mein neuestes Mondbild hier aufs Forum geladen. Als ich mir das Ergebnis im Firefox anschaute, waren die Farben völlig versaut. Ich glaubte schon, dass irgendetwas bei der Bildbearbeitung schiefgelaufen war. Die Kontrolle in IrfanView zeigte aber die richtigen Farben. Dann habe ich mal recherchiert, wie das Farbmanagement bei Firefox funktioniert. Ergebnis: Standardmäßig gar nicht! Die Farben sind also völlig willkürlich, egal, welche Mühe man sich mit seinem Monitor gemacht hat.

Aber man kann es hinkriegen. Dazu muss man einfach im Firefox in der Adressleiste eingeben "about:config", den Warnhinweis ignorieren und dann auf "Alle Einstellungen anzeigen" klicken. Da kann man unglaublich viele Parameter einstellen, sollte sich aber zurückhalten, wenn man nicht genau weiß, was man macht. Für das Farbmanagement scrollt man zu "gfx.color_management.display_profile". Hier gibt man den Pfad zum ICC-Profil des Monitors an. Dann ändert man noch "gfx.color_management.enablev4" auf "true", um das Farbmanagement einzuschalten, und "gfx.color_management.mode" auf 1. Damit werden auch Bilder, die kein engebettetes Profil haben, in sRGB dargestellt. Hier könnt Ihr nochmal sehen, wie das bei mir eingestellt ist:

Firfox-Profil.PNG


Wenn man dann den Firefox neu startet, erscheinen die Farben genau wie in Photoshop.

Gerade wenn man sich Bilder z.B. hier im Forum anschaut, ist diese Aktion unheimlich wichtig. Schließlich geben wir uns alle große Mühe mit der Bildabstimmung, bevor wir Bilder hochladen. Wenn sich dann die anderen die Bilder ohne Farbmanagement anschauen, war alles für die Katz. Hätte ich das mal früher gewusst!

Schöne Grüße
Rolf
 

Rainmaker

Mitglied
Hallo,

die aktuelle Version 77 des Feuerfuchses hat wohl ein kaputtes Farbmanagement. Bisher hatte ich mit den Einstellungen kein Problem, aber seit dem Update sind viel Bilder oder Grafiken eher unschön anzuschauen. Bilder mit Farbprofil werden wohl weitestgehend korrekt angezeigt, aber mit Bilder ohne Profil scheint sich Firefox aber oft schwer zu tun. Ein schönes Beispiel sind die Favicons von Websites. Der rote Button von Youtube wird z.B. fast immer grün angezeigt, aber überraschenderweise ist er bei manchen Tabs auch rot.
So wie es aussieht bleibt wohl nur die Hoffnung, dass der Firefox in einer der folgenden Versionen wieder hingebogen wird.


MfG

Rainmaker
 

Rolf_Hempel

Mitglied
Hallo Jörg,
Hallo Rolf,

auch wenn ich kein FireFox-Nutzer bin, der Hinweis veranlaßt mich zu recherchieren wir man einmal meinen Monitor auf dem HP-Schlepptop kalibrieren kann und zum Zweiten Chrome zu einer vernünftigen Farbwiedergabe bewegen kann.

-> Farbmanagement Teil 1 - Farben im Internet richtig anzeigen - Den Browser richtig konfigurieren (Firefox, Chrome und Co.) - Fotoworkshop Stuttgart

Hier findet man Grundlagen und Workarounds.

CS
Jörg
vielen Dank für die Ergänzungen. In Deinem Link wird ja für Firefox das von mir beschriebene Vorgehen bestätigt. Und für Chrome scheint keine Änderung nötig zu sein. Da hast Du ja Glück!

Den Monitor kalibrieren ist aber auf jeden Fall extrem wichtig, wenn Du Bilder bearbeiten möchtest. Allerdings würde ich mir dann auch gleich überlegen, einen guten externen Monitor zu verwenden. Laptop-Monitore sind in erster Linie auf Energiesparen optimiert. Die Farbwiedergabe ist oft richtig schlecht. Bei meinem Dienstlaptop von Dell z.B. kann ich die Farben meiner Mondbilder kaum erkennen. Bei meinem privaten Acer geht es schon besser, aber auch nicht gut.

Ich hatte früher einen einigermaßen guten (externen) NEC-Monitor, den ich mit einem Spyder-3 regelmäßig kalibrierte. Als ich mir dann den Eizo gekauft hatte, musste ich meine gesamten Bilder neu bearbeiten, weil sie nahe am Schwarzpunkt Artefakte hatten, die ich bis dahin nie gesehen hatte. Seitdem weiß ich, dass ich nie wieder am Monitor sparen werde. :(

Schöne Grüße
Rolf
 

Rolf_Hempel

Mitglied
Hallo Rainmaker,
Hallo,

die aktuelle Version 77 des Feuerfuchses hat wohl ein kaputtes Farbmanagement. Bisher hatte ich mit den Einstellungen kein Problem, aber seit dem Update sind viel Bilder oder Grafiken eher unschön anzuschauen. Bilder mit Farbprofil werden wohl weitestgehend korrekt angezeigt, aber mit Bilder ohne Profil scheint sich Firefox aber oft schwer zu tun. Ein schönes Beispiel sind die Favicons von Websites. Der rote Button von Youtube wird z.B. fast immer grün angezeigt, aber überraschenderweise ist er bei manchen Tabs auch rot.
So wie es aussieht bleibt wohl nur die Hoffnung, dass der Firefox in einer der folgenden Versionen wieder hingebogen wird.


MfG

Rainmaker
tatsächlich verwende ich die Firefox-Version 77.0.1. Aber das Farbmanagement war bei Firefox auch schon früher standardmäßig ausgeschaltet. Gut angezeigt werden Bilder daher immer erst nach der genannten Änderung.

Dass die Farbwiedergabe sich bei Firefox seit dem Versionswechsel verschlechtert hat, kann ich nicht bestätigen. Und der Youtube-Button ist auch immer rot gewesen. Im Web habe ich Berichte gefunden, dass "ungetaggte" Bilder (also ohne eingebettetem Profil) in der Sättigung falsch angezeigt werden, wenn man den "Farbmanagement-Mode" nicht (wie in meiner Anleitung) von 2 auf 1 umgesetzt hat. Aber ansonsten habe ich auch dort keine weiteren Hinweise auf ein Farbmanagementproblem gefunden. Bist Du sicher, dass die Probleme, die Du beschreibst, nicht an Deinem Rechner oder der irgendeiner Konfiguration liegen?

Schöne Grüße
Rolf
 

Rainmaker

Mitglied
Hallo,

die Probleme sind definitiv erst seit dem Update da und welchen Wert ich bei der Methode hat leider auch keinen Einfluss. Hätte ich im Netz nicht die Bestätigung gefunden, dass es da ein Problem gibt hätte ich ganz sicher auch angenommen, dass es ausschließlich an meinem Rechner liegt.
Die Konfiguration ist übrigens identisch mit der vor dem Update, es hat sich nichts geändert. Wäre es ein Problem mit dem Profil oder irgendetwas anderes hätten sich bestimmt schon ein paar Leute bei mir beschwert.


MfG

Rainmaker
 

DieterRei

Mitglied
Hallo,
ich verwendet auch Hardware-kalibrierte Monitore sowohl am Desktop als auch am Laptop, der Firefox ist entsprechend eingestellt s.o., Unterschiede zu früheren Firefoxversionen kann ich auch nicht feststellen.
CS
Dieter
 

Optikus

Mitglied
Hallo,

ja, gibt es, unteranderem die "W"-Serie von Lenovo hatte das seinerzeit, mein W520 auch. Ist aber nicht sehr stabil, wenn man da sicher sein will ist man ständig am rekalibrieren.

CS
Jörg
 

DieterRei

Mitglied
Hallo Farbkalibrierer,
wie schon geschrieben Lenovo W-Serie, ich habe noch einen älteren W530 mit eingebautem Magig-Eye von Pantone, gleiche Technik wie am Eizo, automatische Kalibrierung nach Zeitplan, die Farbstabilität ist solid like a rock. Würde nie wieder etwas anderes nehmen, weil ich so einen Teil der Bildbearbeitung (nicht nur Astro) am Laptop machen kann, für Kleinigkeiten lohnt einfach nicht die 8(16)-Kerner mit unzähligen Platten hochzufahren. Die Geräte sind zwar teurer, halten aber ewig, IBM-Technik halt.
VG+CS
Dieter
 

Demokrat

Aktives Mitglied
Wenn sich dann die anderen die Bilder ohne Farbmanagement anschauen, war alles für die Katz.
That's the way it is... und so wird es auch überwiegend bleiben. Denn die wenigsten User kennen sich damit aus. Und was ein Browser für Farben ausrechnet, kann sich auch immer wieder ändern. Bildschirme werden sowieso kaum kalibriert. Und wer lädt schon Bilder hochauflösend herunter, um sie dann in Photoshop anzusehen... die Welt funktioniert halt großteils nur mehr online heute. Damit muss man - fürchte ich - leben.

Aber allein, was wir mit unseren Bildbearbeitungen, Wavelet-Filtern, PI-Kunststücksfiltern, Gradationskurven und RAW-Konvertern anstellen... was kann man da als "richtig" oder "original" bezeichnen. Fliegen wir doch mal rauf zum Jupiter mit all unseren Fotos und schauen nach, wer ihn am besten "errechnet" hat... :D

Spaß beiseite - wir orientieren uns natürlich sowohl an der visuellen Anmutung als auch an all den Bildern (NASA, etc.), denen wir Realitätsnähe zusprechen und so haben wir gewisse Vorstellungen, wie etwas aussehen soll. Aber unseren Augen allein können wir nicht immer trauen, denn das Gehirn rechnet laufend Weißpunkt, Kontrast und Helligkeiten neu aus, insofern ist es bald mal völlig wurscht, was wir da zusammenkalibrieren, im Betrachterhirn wird es in etwa zu dem, was es sich vorstellt, es sein denn, der Farbstich ist so eminent, oder der Kontrast so lau, dass man auf den ersten Blick aus den Latschen kippt. Alles andere wird halbwegs zurechtgerechnet und so mache ich mir heute weniger Sorgen als früher, dass Seh-Erlebnisse allzu stark leiden.

Aber natürlich sollte man sich grundlegend mal darum kümmern, um ein wenig vergleichbarer zu sein, und zumindest seinen Screen kalibrieren.

lg
Niki
 

DieterRei

Mitglied
Hallo,
mir scheint hier gibt es Missverständnisse über Sinn und Zweck bzgl. des Farbmanagements. Der Sinn eines durchgängigen Farbmanagements ist die farblich einheitliche Darstellung auf allen Ausgabegeräten innerhalb des eigenen Workflows. Irgendwelche Web-Browser-Darstellungen wie auch immer im Internet sind nur ein Nebenprodukt das noch nicht sehr lange in der hier diskutierten Form existiert. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem (großformatigen) Druck, zu diesem Zweck werden Bildschirme und Drucker Hardware-mäßig kalibriert. Auch fragt jeder ernstzunehmende Druckdienstleister diese Daten ab. Niemand (auch ich nicht) möchte an großformatigen Drucken per Trial and Error die "richtigen" Farbeinstellungen herausfinden. Natürlich drucke auch ich vorsichtshalber zuerst einen Probestreifen längst des Bildes durch die bildwichtigen Teile, große Drucke verlieren macht Frust und ist teuer. Der Druck von Astrofotografien birgt Tücken und Schwierigkeiten, von denen der Laptop-Betrachter nichts ahnt, deshalb Farbkalibierung.
Happy calibrating + CS
Dieter
 

Rolf_Hempel

Mitglied
Hallo,

da ist ja eine interessante Diskussion zustandegekommen!

@Demokrat: Du hast völlig recht, dass die Farben in unseren Astrobildern in der Regel höchst subjektiv eingestellt sind und eher unseren Vorstellungen als der Realität entsprechen. Wobei es auch da Ausnahmen gibt. So erinnere ich mich zum Beiespiel an Vorträge von Peter Riepe über die quantitativ richtige Einstellung von Sternfarben in Deep-Sky-Aufnahmen. In meinen Mondbildern hingegen übersättige ich die Farben bewusst (bei minimalem Farbrauschen aufgrund hoher Stackinggröße), um die feinen Farbabweichungen vom Einheitsgrau deutlich zu machen. Das ist willkürlich, aber ich stecke viel Mühe in eine aus meiner Sicht ästhetisch ansprechende Wirkung. Eben ein Bild, das ich mir an die Wand hängen würde. Ähnlich machen das viele Amateure mit ihren schönen Deep-Sky-Bildern. Bei meinem Beitrag ging es mir nur darum, dass diese Wirkung in Browsern ohne Farbmanagement völlig verlorengehen kann. Und das finde ich schade.

@DieterRei: Natürlich ist der Hauptzweck des Farbmanagements die einheitliche Darstellung im Workflow von der Aufnahme bis zum Großformatdruck. Wie Du schreibst weiß auch ich zu schätzen, dass ich an meinem Pigmentdrucker selten Überraschungen erlebe, wenn ich meine Bilder ausdrucke. Und noch besser: Wenn ich dann ein solches Bild nach sorgfältiger Abstimmung auf dem Großformatdrucker im DLR drucken lasse, sind die Farben auch dort praktisch identisch. Aber es wäre doch schön, wenn auch andere Betrachter Bilder z.B. hier im Forum so sehen könnten, wie die Autoren sich das vorgestellt hatten. Zum Glück ist das möglich, wenn man sich ein wenig mit dem Thema Farbmanagement beschäftigt.

Schöne Grüße
Rolf
 
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