Farbsehen astronomischer Objekte

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Christoph_Lohuis

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Hallo zusammen,

wie einige von Euch wissen beschäftige ich mit u.a. mit der Physiologie des Auges im Rahmen astronomischer Beobachtungen.

In diesem Kontext läuft auch mein Projekt "Das Zeichnen der Messierobjekte" . Intention und Ergebnisse des Projektes sind unter dem Link zu finden.

Die grundsätzliche Idee ist die zeichnerische Zusammstellung aller Messierobjekte. Nähere Ziele wären u.a.:

a) Als erster Eindruck für Einsteiger, was mit welcher Optik zu sehen ist.
b) Zum Vergleich mit astronomischen Fotografien.
c) Vergleich von Optik und Beobachtungsbedingungen.

In ferner Zukunft sollen die Ergebnisse im Rahmen eines Buches veröffentlicht werden. Hierbei soll es sich nicht lediglich um die Darstellung der "nackten" Zeichnungen handeln, sondern eine Ergänzung mit praktischen Tipps und Informationen. Wer Interesse hat, kann mir seine Ideen für ein solches Buch gerne zusenden oder auch hier zur Diskussion stellen. Obwohl ein erster Konzept bereits erstellt ist, interessiert mich die Meinung ambitionierter Amateure.

Hierbei führe ich ein weiteres, kleines Experiment durch. Wie wird M42 (Großer Orionnebel) wahrgenommen:

a) In Farbe, wenn ja in welcher?
b) s/w?

In diesem Kontext habe ich bereits diverse Beobachtungen auf Vereinsabenden, öffentlichen Rundführungen, usw. durchgeführt. Ich würde mich sehr freuen, wenn auch einige von Euch mir Ihre Erfahrungen diesbezüglich mitteilen würden. Neben der Farbwahrnehmung ist von Interesse:

a) Optik
b) Beobachtungsbedingungen
c) Beobachtungserfahrung

Kontakt über "Lohuis@T-Online.de"

Liebe Grüße, Christoph Lohuis.

3. Praktischer astronomischer Samstag - PaS am 16. April 2005 in Neuenhaus
 
Hi Christoph,

Ich sehe M42 ab 6" grünlich. Das erste mal hab ich in in einem 8"-Newton gesehen und mir ist die grünliche Färbung sofort aufgefallen - ohne dass ich je zuvor gehört hätte, dass er grün sein kann/soll/muss...

Das gilt für eigentlich unter allen Bedingungen und für Öffnungen unter 20". Im 18Zöller unserer Sternwarte empfinde ich ihn als intensiv grünlich - jedoch sind die Bedingungen da nicht so toll.

Im 20"-Dobson von Herrn Birkmaier sah ich ihn auf dem letzten BTM jedoch eindeutich rötlich. Also fast immer grünlich, bei guten Bedingungen und ca. ab 20" rötlich.
 
Hallo Rolf,

hier im Forum wird auch darüber diskutiert.

Deine Beobachtungen sind gewiß korrekt, nur die Deutung (Öffnungsabhängigkeit des Farbeindrucks) ist unzulässig. Auch ist Deine Art, schlußzufolgern eindrucksvoll abenteuerlich: an einem 20" unter guten Bedingungen rötlich --> also immer (Schluß aus Erfahrung von n=1 auf alle n.).

Die Theorie verbietet definitiv die Öffnung als maßgeblichen Parameter zuzulassen (flächige Objekte, AP). Es müssen also die Bedingungen gewesen sein, die zu Deinen Beobachtungen geführt haben: äußerliche (Atmosphäre, Lichtverschmutzung...), instrumentelle (Verluste, Streulicht, AP, Filter...) und bebobachterbezogene ("retinale Verfassung", Übung, Erfahrung, Adaptionsgrad, AP...). Erst in dezidierter Aufzeichnung und Auswertung all dieser Parameter läßt sich das Ergebnis "Farbsehen" variativ modellieren. Dies hat der Thread-Begründer ja auch vor, was ich sehr interessant finde.

Ich möchte nicht abstreiten, daß viele "Großgerätbesitzer" Farbe wahrnehmen. Aaaaber das liegt dann eher an Auswahleffekten: große Geräte haben häufig auch hohe Qualität bes. bezogen auf Streulichtunterdrückung. Typische Einsatzbedingungen sind eher sehr dunkle Himmel (wer ein solches "Monster" hat, lebt oft auch unter tollem Himmel oder ist motorisiert mobil). Wenn dann noch hochtransmissive Okulare, hochreflektive Spiegel und andere Optimierungen dazukommen... Vielleicht würde ein AP-gleiches kleineres Instrument hier auch Farbe zeigen...

Am interessantesten finde ich die minimale Öffnung, mit der jemand schon mal (beste Bedingungen: höhenangepasst in der Anden-Ausnahme-Nacht...) Nebelfarben wahrgenommen hat. Hängt wohl mehr mit der nötigen Minimalvergrößerung zur Flächenwahrnehmung des Objekts zusammen. Könnte mir aber schon vorstellen, daß das schon im 7x50 möglich ist... (Echtes) Binokular dürfte von wegen "Verrechnung, Natürlichkeit des Sehens und zwei Netzhäute sehen mehr als eine (Rauschen...)" im Sehzentrum auch noch helfen...

Kurzum: primär ist es wohl nicht die Öffnung, sondern eher die AP und all die Nebenbedingungen, da gibt es viel zu tunen...

Reichlich AP und beste Bedingungen wünscht

Matthias.
 
Hallo Christoph!

Das scheint eine sehr interessante Arbeit zu sein, vor allem bei Anfängern wird eine solche Zusammenstellung der Messierobjekte sicher großen Zuspruch finden. Wäre dann bestimmt ne perfekte Ergänzung zum Karkoschka.

Zum Orionnebel: Im Telementor bei 140-fach (6-O) war die Form bereits ersichtlich, die Farbe ähnelte eher den Sternen rundum, nicht eindeutig grün. (Seeing 6-7/10, aber Vollmond)
Im 8" bei 100x (10mm Kellner) ist der Nebel eindeutig türkis bis blaugrün, blickweise auch mal grau (vor allem in den schwachen Ausläufern und bei M43). Neumond, aber Seeing nur ca.4-5/10 und relativ viel Streulicht.

Viele Grüße

Martin
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hi Christoph,

wichtig ist der Faktor verwendete Austrittspupille-vielleicht noch wichtiger als die Öffnung.

Beispiel: Ich sehe unter einem gutem Landhimmel im 7*50 Bino den guten alten M42 in grünlichem Licht (7,1mm AP).

In meinem 20 Zoll bei 562fach (0.9mm AP) ist davon nix mehr zu sehen. Der Farbeindruck ist verschwunden.

Bei hohen AP (bei mir sind das 7,8mm am 20-Zoll) erscheint M 42 in grün-blau mit leichten rosafarbenen Bereichen.

Das war mein Senf... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" />


P.S.: Wenn wir als Fachgruppe dazu beitragen können, melde dich doch bitte kurz wieder privat bei mir-ich finde das Projekt hochinteressant!
 
Hallo Jens,

besten Dank auch für Deine Antwort! Eigentlich möchte ich an dieser Stelle noch nicht meinen Standpunkt preisgeben. Da ich aber im Nachbarforum einige Aspekte angerissen habe, auch hier einige Anmerkungen.

Mir geht es in diesem Fall um Grenzwahrnehmungen. Konkret das Erkennen von Farben im Rahmen astronomischer Objekte. Du hast es bereits auf den Punkt gebracht. Eigentlich sollte die AP ausschlaggebend sein. Dennoch decken sich viele Aussagen nicht mit "physikalischen Tatsache". Meine Beobachtungen (vor allem mit dem Hintergrundwissen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />), decken sich mit Deinen Aussagen.

Worum geht es -> Subjektivität der Wahrnehmung (siehe auch Diskussion in der naa-Mailingliste).

Ich bin gespannt (dazu sage ich jetzt aber nichts mehr), ob sich bestimmte Kriterien herausstellen, welche das Farbsehen "ermöglichen".

Aus diesem Grund bitte viele, weitere Postings an dieser Stell! Werde mich bald mal wieder "privat" bei Dir melden.

Liebe Grüße, Christoph Lohuis.

3 Praktischer astronomischer Samstag - PaS am 16. April 2005 in Neuenhaus
 
Hallo Christoph,

ich habe sowohl mit 4,5" wie mit 12" bei noch keinem einzigen DeepSky-Objekt und bei keiner Vergrößerung Farbe gesehen, weder bei M42, noch bei irgendwelchen PNs (Stichwort Blue Snowball, haha <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smirk.gif" alt="" /> ). Bin da offensichtlich nachts ziemlich unempfindlich diesbezüglich. Macht mir aber nix aus, Hauptsache die Helligkeitsempfindlichkeit passt. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

Viele Grüße
Christian
 
Hallo Christian,

besten Dank für Dein Statement! Einige Aspekte, weshalb ich diese kleine Umfrage ins Leben gerufen habe, sind schon beschrieben worden. Eigentlich sollte die Farbwahrnehmung AP abhängig sein und nicht von der Öffnung des Instrumentes abhängen.

Deine Aussage bezüglich des Farbsehens ist mir in diesem Kontext bereits mehrmals zu Ohren gekommen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> . Erst gestern habe ich mit einem Freund auf der Sternwarte Neuenhaus diesen Test ebenfalls durchgeführt. Ich sah M42 grünlich/bläulich, mein Freund lediglich in "weiß".

Wie in dieser Diskussion bereits angerissen, denke auch ich, dass das Erkennen von Farben von äußerlichen Bedingungen abhängt. Genau dieses möchte ich näher "untersuchen". Aus diesem Grund erhoffe ich mir weitere Informationen mit möglichst vielen Details.

Liebe Grüße, Christoph Lohuis.

3. Praktischer astronomischer Samstag - PaS am 16. April 2005 in Neuenhaus
 
Hi,

Wie in dieser Diskussion bereits angerissen, denke auch ich, dass das Erkennen von Farben von äußerlichen Bedingungen abhängt.

Das denke ich ehrlich gesagt weniger. Praktisch konnte ich das nie feststellen und auch theoretisch bin ich da skeptisch.
Wir wissen, dass man zum Farbsehen eine gewisse Lichtmegne benötigt. Die meisten Objekte (außer Planeten und z.B. M42) sind dafür jedoch zu dunkel und unsere Netzhaut empfängt zu wenig Photonen. Allerdings ist es so, dass wir beispielsweise von M42 IMMER gleich viele Photonen empfangen - unabhängig von den äußeren Bedingungen. Bei Minimalvergrößerung erscheint uns das Objekt so hell wie mit dem bloßen Auge - abhängig von der Öffung aber eben entsprechend größer. Trotzdem, egal ob mit 6" oder 16", bei 30fach oder 80fach, bei 5m oder 6m treffen auf eine Netzhautzelle (fällt gerade der Name für die Sensoren nicht ein) immer gleich viele Photonen. Die Gesamtzahl der Photonen erhöht sich lediglich, wenn bei gleicher Helligkeit durch eine höhere Vergrößerung (also bei mehr Öffnung) INSGESAMT mehr Photonen eingesammelt werden. Darauf allerdings dürften die äußeren Bedingungen ebenfalls keinen Einfluss haben.

Ääääm, ich hoffe ich hab mich glücklich ausgedrückt. Aber es entspricht durchaus dem, was ich erfahren habe. Nämlich dass M42 bei 4m und 6m immer grün ist und zwar immer in der selben Intensität (insofern man das beurteilen kann). Was natürlich verloren gehen kann, ist der Kontrast.
 
also ich hab bisher M42 ein paar mal im 10" SC gesehen meisst mit 26er SP Okular.

Weder mit indirekter noch direkter Sichtweise konnte ich eine andere Farbe als Grau/Weiss erkennen und glaube auch nicht, dass man da wirklich Farben sehen kann.
Kann es sich bei den lieben Kollegen mit "farbsichtigen Augen" vielleicht um Sehfehler handeln? Oder einfach nur Autosuggestion? Kann vielleicht eine Rot-Grün-Schwäche dazu führen, dass ein ansich grauer Nebel grünlich wahrgenommen wird??

lg

Stefan
 
Hallo,

auch ich gehöre der Fraktion an, die M42 nicht farbig sehen. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />

Mein System ist ein C8 und selbst mit dem 40mm Plössl is nix drin. M42 ist zwar sehr hell und man erkennt schön die Strukturen aber nix mit Farbe.

Ist schon komisch wie hier die Aussagen auseinderlaufen in dieser Hinsicht. Vielleicht sollte man mal versuchen mit nicht dunkeladaptierten Augen den Nebel zu bespechteln, hell genug sollte er doch sein, oder?

Gruß
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Christoph,

die Frage finde ich sehr interessant! Also hier ein paar Ergebnisse:

1. mit dem Fernglas 16x70 bei gutem Himmel (fst 6mag oder besser) ist der Orionnebel
auffallend grünlich -- also nicht nur ein bisschen sondern eindeutig
2. mit dem 16x70 am Stadtrand (fst 4,5-5mag) ist er ebenfalls deutlich
grünlich zu sehen. Allerdings ist natürlich viel Nebel in den
Aussenpartien "verschwunden"
Bei 1. und 2. sehe ich den innersten hellsten Teil des Orionnebels um das
Trapez bereits ins gelbliche gehend -- grüngelb sozusagen.
3. gestern habe ich es auch noch mit dem Fernglas 8x30 bei fst 4,8 probiert:
da war mir der Nebel zu schwach zum Farbsehen. M 42 erschien klein und grau
4. es scheint bei mir keinen Unterschied in der Farbwahrnehmung
binokular/monokular zu geben: auch im 7x50 Sucher ist M 42 grünlich,
mit grösseren Öffnungen sowieso.

Viele Grüsse
Wolfgang
 
Hallo RoStMu,

erstmal vielen Dank für Deine Beiträge! Ich habe derzeit auch keine konkrete Antwort auf diese Frage, und bin aus diesem Grund gespannt was andere Amateurastronomen schildern.

Was bleibt ist die Tatsache, dass einige ("viele") behaupten, M42 wird mit größeren Öffnungen "farbig" (das wir von dezenten Farbanteilen sprechen erwähne ich nicht explizit <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ). Öffnung kann nach meinem Verständnis aber nicht Grund für das Erkennen von Farben sein. Hierfür ist lediglich die AP zuständig (bei einem definierten Objekt).

Woran kann die Farbwahrnehmung also liegen?

Zu Beginn müssen triviale Faktoren ausgeschaltet werden. Zum Beispiel das mit gleicher AP gearbeitet wird. Der Eine sitzt mit einer AP von 1mm und 70mm Öffnung unter städischem Himmel, der Andere mit einer AP von 7mm und einem 20" Dobson in den Alpen. Hieraus darf natürlich keine Schlussfolgerung auf die Öffnung gezogen werden.

Warum gelangen immer gleich viele Photonen in das Auge? Was ist zum Beispiel mit Schleierbewölkung? Licht eines Objektes gelangt immer noch ins Auge, aber mit geringerer Intensität. Warum ist ein Stern mit 6mag unter manchen Bedingungen nicht zu lokalisieren?

Wie erwähnt stelle ich diese Fragen in den Raum und erhoffe mir Antworten. Ich finde eine interessante Frage. Mal sehen was noch kommt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" /> .

Liebe Grüße, Christoph Lohuis.

3. Praktischer astronomischer Samstag - PaS am 16. April 2005 in Neuenhaus
 
Hallo Matthias,

wie in meinen Beiträgen erwähnt, stimme ich Deinen Aussagen auch zu. Ich glaube ebenfalls das die AP sowie Beobachtungsbedingungen eine wichtige Rolle spielen.

Es gibt einen weiteren interessanten Aspekt in dieser Diskussion. Filamente in Objekten, welche sich konzentriert auf einer Linie befinden, können wie Punktlichtquellen behandelt werden. Diese Bereiche (nur dieses) sollten mit größerer Öffnung und Vergrößerung adäquater zu beobachten sein. Dieses gilt aber logischerweise nicht für das gesamte flächige Objekt.

Weiterhin spielt die Subjektivität der Wahrnehmung meines Erachtens eine wichtige Rolle.

Mal sehen was die Diskussion noch bringt!

Liebe Grüße, Christoph Lohuis.

3. Praktischer astronomischer Samstag - PaS am 16. April 2005 in Neuenhaus
 
Hallo Christoph,

irgendwo (Interstellarum?) meine ich mal gelesen zu haben,
dass bei schwächerem Licht das Auflösungsvermögen des Auges sinkt,
und zwar ganz erheblich. Das "fehlende" Licht wird sozusagen
durch Zusammenschalten von mehreren/vielen Stäbchen zurückgewonnen.

Das könnte eine Erklärung sein, warum bei gleicher AP das grössere Scope
mehr (Farbe) zeigt, obwohl das Bild doch eigentlich gleich hell ist.

Die höhere Vergrösserung erlaubt es mehr "Sensorelementen",
ein bestimmtes Detail zu sehen, was eine höhere Lichtsammlung
für eben dieses Detail ergibt. Spekulier, spekulier... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/crazy.gif" alt="" />

Bin kein Experte in diesen Sachen, die Idee ist im Prinzip nur,
statt sich auf die (externe) Optik zu konzentrieren,
die Ursachen im Funktionsprinzip des Auges bzw. des
nachgeschalteten "Bildverarbeitungscomputers" (=Gehirn) zu suchen.

Sonnige <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" /> Grüsse vom MittelMeerDobservatorio
Thorsten
 
Hallo Thorsten,

besten Dank für Deine Antwort! Weitere Ideen immer hier posten <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/tongue.gif" alt="" />!

Das Auflösungsvermögen der Stäbchen ist tatsächlich bedeutend geringer als das der Zapfen. Weil bei wenig Licht (zum Beispiel in der Nacht) primär die Stäbchen innerviert werden, sinkt als Konsequenz die Auflösung.

Auch wenn das Licht der "Stäbchen" gebündelt werden sollte (im Sinne der Lichtintensitätssteigerung), werden ausschließlich diese innerviert. Die zum Farbsehen benötigten Zapfen wären auch bei dieser Theorie "außen vor". Zum Erkennen von Farben müssen die Zapfen innerviert werden.

Nach meinem jetzigen Wissensstand sind lediglich die AP, Beobachtungsbedingungen sowie der Beobachter ausschlaggebend für das Erkennen von Farben. Aus diesem Grund hoffe ich auf weitere Postings! Wie hast Du M42 beobachten können?

Liebe Grüße, Christoph Lohuis.

3. Praktischer astronomischer Samstag - PaS am 16. April 2005 in Neuenhaus
 
Hallo Christoph,

du hast natürlich recht, Farbe sehen nur die Zapfen.
Da habe ich mich unklar ausgedrückt.

Ob das "Zusammenschalten" (du nennst das innervieren?)
auch bei den Zapfen funktioniert, weiss ich nicht,
laut deinem Posting offenbar nicht.

Wie gesagt, bin da kein Experte, aber dass die
Physiologie überhaupt keine Rolle spielt,
würde mich fast ein wenig wundern.

M42 farbig ?
Hm, gute Frage, hab ich noch nie so drauf geachtet.
Rot auf keinen Fall, grau oder grün ist die Frage.
An dunklen Standorten blendet <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" /> er auf jeden Fall so stark,
dass Zapfensehen schon möglich sein müsste.
Werde bei näxter Gelegenheit genauer darauf achten.
(Wetterbericht sieht nicht besonders aus <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />)

Sonnige <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" /> Grüsse vom MittelMeerDobservatorio
Thorsten
 
Hallo Thorsten,

ich finde Ideen jeder Art interessant, sofern man im Anschluss darüber sachlich diskutieren kann!

Innervieren ist die Reizung einer Zelle (in diesem Fall Zapfen oder Stäbchen). Nach meinen Kenntnistand wird durch das Zusammenschalten mehrerer Stäbchen nicht die "Signalleistung" verstärkt. Auch wen dem so wäre, würden durch diese Signalverstärkung nicht die Zapfen innerviert (gereitzt) werden. Unter diesem Sachverhalt wäre die Farbwahrnehmung auch nicht zu erklären.

Ich empfinde die Farbwahrnehmung (aber auch die Beobachtung in Grenzbereichen) als sehr subjektiv. Der Eine sieht M42 in rot, der Andere in grün und ein Dritter in s/w. Alle können recht haben! Neben weiteren Aspekten ist die Physiologie (und partiell auch Anatomie) hierfür ein entscheidenes Kriterium.

Liebe Grüße und viele, weitere Postings, Christoph Lohuis.

3. Praktischer astronomischer Samstag - PaS am 16. April 2005 in Neuenhaus
 
Hallo Christoph!
Um dir diese Frage beantworten zu können,
bin ich gestern Nacht noch extra aufs Dach gegangen
und habe nachgeschaut. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Ergebnis: Hm... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/mad.gif" alt="" />
Erstmal die Randbedingungen: 10" Dobson (Galaxy), 32 mm Oku,
d.h. AP 6,4 mm <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" /> und Vergr. 40x.
Himmel recht hell, Grenzgrösse so zwischen 4,5 und 5 mag
(naja, Stadtrand halt....<img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/confused.gif" alt="" />)

Der erste Eindruck war: dunkelweiss. Nicht grau, sondern weiss.
Nach längerem (10 min.) Beobachten und dem Wissen um die Möglichkeit
erahnte ich einen gaaaanz leichten Grünstich.
Aber wirklich absolut hart an der Einbildungsgrenze.
Vielleicht etwa so:
Link zur Grafik: http://de.geocities.com/thorsteneisabel/fotos-ade/GrayGreen.gif
----grau--------grün----

Ich versuchte dann das Gegenteil des indirekten Sehens,
also direkt drauf starren. Dabei ist der Nebel fast vollständig
verschwunden. Der "Rest" wirkte aber auch nicht "grüner".

Danach machte ich ein unerwartet interessantes Experiment:
Breitbandfilter (Astronomik CLS) vors Okular.
(Anm.: Hier gibt es recht viele gelbe Strassenleuchten,
deshalb hilft der Filter manchmal tatsächlich ein bisschen.)
M42 erschien deutlich grösser und detailreicher, die "Farbe"
blieb aber nahezu unverändert. Die hellen Sterne hingegen,
die vorher weiss waren, erschienen jetzt leuchtend grün.

Daraus schliesse ich, dass ich M42 tatsächlich zum grössten Teil
mit den Stäbchen und damit farblos gesehen habe.

Wieder ohne Filter versuchte ich noch durch leichtes Defokussieren
den Sternen eine M42 vergleichbare Flächenhelligkeit zu verpassen,
um besser vergleichen zu können.
Das klappte aber nicht so richtig, weil die hellen Sterne
direkt vor M42 (Trapez + die drei in einer Linie)
zu sehr störten.

So, ich hoffe dass du damit ein bisschen was anfangen kannst.

Sonnige <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" /> Grüsse vom MittelMeerDobservatorio
Thorsten

PS: Noch eine Anekdote am Rande zum Thema "Farbsehen bei Kindern":
Mein kleiner Pablo (2 1/2 Jahre, Foto links) krabbelte mit seiner Mama Isabel
und einem knallgrünen Spielzeug in den Wandschrank und machte
die Tür zu. Plötzlich sagte er: "¡No tiene color!" ("Das hat keine Farbe!")
Dann machte er die Tür auf und sagte: "Jetzt ist es grün!"
Dann machte er die Tür wieder zu und sagte: "Jetzt hat es wieder keine Farbe!"
Tja, wenn er diese Beobachtungsgabe weiterentwickelt... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/ooo.gif" alt="" />
 
Hallo Thorsten,

das man beim direktem Sehen lichtschwache Objekte weniger intensiv wahrnimmt macht natürlich Sinn. Doch wenn das Objekt hell genug ist, müsste genau diese Art und Weise der Beobachtung mehr Farbe zeigen.

Betreffend der CLS-Einsatzes würde ich die Schlussfolgerung mit Vorsicht genießen. Sterne strahlen im gesamten Kontinuum, M42 nicht.

Hinsichtlich des Farbsehens konnte ich weitere Informationen in Erfahrung bringen, die sich partiell mit meinem Wissen ergänzten oder auch nicht <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> . Dieses werde ich zu einem späteren Zeitpunkt in die Runde werfen. Ich hoffe das sich noch einige zu Wort melden.

Liebe Grüße, Christoph Lohuis.

3. Praktischer astronomischer Samstag - PaS am 16. April 2005 in Neuenhaus
 
Hallo Christoph

Wir zwei hatten das Thema schon Mal an anderer Stelle.
Als Zusatz dazu kann ich sagen, dass Ich selbst zwischen AP 6 und AP 2,3 keinen gravierenden Unterschied in der Empfindlichkeit bei Farbwahrnehmung feststelle. Allerdings beschäftigte ich mich bei solchen "Feststellungen" auch eine Stunde und länger mit dem Orionnebel. Mein Eindruck ist (wenn es das Wetter zuläßt, werd ichs noch Mal genau überprüfen), dass ich am 8" Newton bei 66fach und AP 3, Nebel mit Außenfahnen formatfüllend im Okular) die beste Detailwahrnehmung bezüglich der farbigen Grauabstufungen (graulichgrün,-blau,-weiß) habe. Wie ich schon Mal erwähnte, sieht meine Frau da nur grau und sonst nichts.
Setz Mal 100 Leute im Dunkeln vor einen Farbfernseher (Standbild) der auf schwarz weiß gedreht ist. Dann bring die Farbe ganz langsam rein. Bei der Frage, wer 1. ab wann welche Farbe gesehen hat und wer 2. diese Farbe richtig erkannt hat, sollte es ganz erhebliche Unterschiede geben.
Ich hab das schon Mal mit ein paar Leuten gemacht. Die Unterschiede waren gewaltig.

Grüße, *entfernt*
 
Hallo Günther,

ein wirklich spannendes Thema! Zur AP:

Flächige Objekte erscheinen mit höherer Vergrößerung heller, obwohl eigentlich Objekt und Himmelshintergrund im gleichen Verhältnis ihre Helligkeit variieren müssten. Der Grund liegt in der Physiologie des menschlichen Auges. Sobald das Objekt aber bildfüllend ist, sollte dieser Effekt nicht mehr zu beobachten sein.

Meine Fragestellung ist diejenige: Das flächige Objekt wird mit steigender Vergrößerung subjetiv heller, obwohl die Flächenhelligkeit sich im gleichen Verhätlnis wie der Hintergrund ändert. Spiegelt sich dieses auch bei der Farbwahrnehmung wieder. Im Moment glaube ich nicht (lediglich Theorie), da die Lichtintensität bei einer AP von 7mm am größten ist und nur dieses für die Innervierung der Zapfen verantwortlich ist.

Das die Farbwahrnehmung sehr, sehr subjektiv ist, scheinteine konforme Meinungzu sein <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> .

Liebe Grüße, Christoph Lohuis.

3. Praktischer astronomischer Samstag - PaS am 16. April 2005 in Neuenhaus
 
Hallo Christoph

Ich meinte nicht, dass sich die Intensität von "Farbe" mit zunehmender Vergrößerung und kleinerer AP steigert,
sondern eher dass dann die Zuordnung geringfügiger Schattierungen zu Details des Nebels möglich wird.
Von daher denkst Du in eine Richtung, der meine Beobachtungen nicht widersprechen.
Wie gesagt, die nächsten guten Beobachtungsabende gehören diesen Fragen.

Grüße, *entfernt*
 
Hallo Günther,

Du hast natürlich recht, ich hatte die erste Ausage falsch interpretiert.

Parallel zu den zunehmenden Schattierungen der Details, könnte aber auch die Farbintensität an bestimmten "Formatierungen" zunehmen. Beim eigentlichen flächigen Objekt nimmt die Flächenhelligkeit mit sinkender AP natürlich ab. Details/Strukturen die in einer Linie verlaufen (und eine hohe Lichtintensität aufweisen) können wie eine Punktlichtquelle behandelt werden. Hier könnte eine höhere Vergrößerung ein besseres Ergebnis bringen. An diesen Stellen wären speziell auch "weitere Farben" außer grün zu erkennen.

Ggf. kannst Du bei weiteren Beobachtungen auch auf diesen Aspekt achten. Solange M42 noch am Himmel steht <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />. Heute scheint es wieder klar zu werden und ich muss ab heute Abend in ein Praktikum und habe leider keine Möglichkeit die nächsten zwei Wochen zu beobachten. Wenn dasnicht wirklich Murphy`s Gesetz ist <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/shocked.gif" alt="" /> .

Liebe Grüße, Christoph Lohuis.

3. Praktischer astronomischer Samstag - PaS am 16. April 2005 in Neuenhaus
 
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