> Ich beobachte mit meinem Zeit, 70% mit Fernglas. Wegen spontane spechteln.
Hallo Cihan,
wenn schon ein Dobson da ist, dann ist das Thema Teleskop ja geklärt. So wie ich das verstehe, bleibt die Frage nach einem größeren Fernglas/Spektiv auf einem Stativ oder einem kleineren Fernglas für Freihandbeobachtungen und das ganze vorwiegend für den spontanen Einsatz.
Die Antwort von meiner Seite ist natürlich klar: beides <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />. Aber nun mal im ernst. Ich würde für den genannten Zweck auf jeden Fall bei binokularer Beobachtung bleiben, es macht einfach mehr Spaß. Also kein normales Spektiv. Das Gerät von Bresser kenne ich nicht, ich würde das Miyauchi trotzdem klar vorziehen. Der Grund ist einfach: beim Miyauchi weiß ich, was mich erwartet, bei Bresser nicht. So wie es aussieht, verwendet das Bresser Spektiv einen Binoansatz vom Typ "Volksbino", welcher im Okularforum bis jetzt keine guten Kritiken bekommen hat. Ich bin daher etwas skeptisch, was die optische Leistung des Meade/Bresser Astro Spektivs betrifft. Aber das ist kein Grund, das Teil von der Wunschliste zu streichen. Übrigens gibt es ein ähnliches Spektiv mit 90mm Öffnung von
Soligor. Auch das scheint hinten ein "Volksbino" zu nutzen.
Der Vorteil von Wechselokularen mit 1,25" Anschluß ist natürlich ein gutes Argument. Ich würde aber vor einem eventuellen Kauf genau nachforschen. Wie steht es um die Qualität der Optik? Kann man überhaupt höhere Vergrößerungen sinnvoll einsetzen? Wie groß ist das maximal nutzbare Sehfeld? Wenn ich annehme, daß die 110mm Optik das gleiche Öffnungsverhältnis hat wie das 90mm Soligor Spektiv, dann bringt mir das Meade/Bresser (wenn überhaupt) etwas mehr als 2 Grad am Himmel. Sollte der Binoansatz hinten deutlich weniger freien Durchlaß als 26mm haben, dann kann das maximale Sehfeld noch weiter schrumpfen. Das wäre für großflächige Objekte von Nachteil. Das 20x77 Miyauchi bringt Dir immerhin 2,5 Grad.
Insgesamt halte ich das Miyauchi 20x77 für die bessere Idee. Da Deep-Sky im Vordergrund steht, sind die maximale Vergrößerung von 30x und der leichte Farbfehler kein Problem. Nun bleibt noch die Frage: Miyauchi oder was anderes? Ein Großfernglas mit geradem Einblick wäre für mich keine Alternative. Ich bin ein fauler Hund und ich will entspannt beobachten. Irgendwelche Sonderkonstruktionen für einen bequemen Einblick mit so einem Großfernglas sind nicht das, was mir vorschwebt. Das Miyauchi 15x60 ist beim Einblickkomfort einfach Spitze. Es ist schön leicht und kompakt, so daß ein einfaches Berlebach Stativ vom Typ Report vollkommen ausreicht. Den ganzen Krempel kann ich mit einer Hand transportieren und so bin ich schnell einsatzbereit. Das ist genau das, was ich unter einem "Schnellspechtel-Scope" verstehe.
Neben so einem Miyauchi wäre auch ein gutes Fernglas für Freihandbeobachtungen eine perfekte Ergänzung zu Deinem Dobson. Ein 7x42, 8x42 oder 10x50 hätte halt den Vorteil des großen Sehfelds. Aber eigentlich ist so ein Fernglas auch eine perfekte Ergänzung zum Miyauchi. Das bringt mich wieder zu dem Punkt, daß man eigentlich beides haben muß <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> ...
Wenn Du die 70% Beobachtungszeit, die Du bisher mit dem Lidl Glas verbracht hast, in Zukunft mit einem "Schnellspechtel-Scope" nutzen willst, dann ist das Miyauchi aus meiner Sicht die sinnvollere Anschaffung. So ein Gerät ist genau dann am richtigen Ort, wenn es schnell gehen muß und man keine Lust hat, den Dobson aufzubauen. Später, wenn sich der Kontostand wieder erholt hat, kannst Du Dir immer noch ein gutes Fernglas vom Typ 7x42 oder 8x42 mit großem Sehfeld und möglichst guter Optik zulegen. Auch wenn Du das Miyauchi hast, ist so ein Fernglas immer noch eine sinnvolle Ergänzung. Nun würde ich mich noch fragen, ob 1550 Euro ein angemessener Preis ist. Ein neues 20x77 inklusive 30x Okularen kostet nach Liste 1146 Euro. Mit etwas Verhandeln bekommt man es vielleicht für 1100 Euro. Ist das angebotene Stativ so gut, daß es den Aufpreis wert ist? Das wäre halt noch zu klären. Und man könnte sich überlegen, ob das neue China-Bino vom TS (also das 20x88 mit 90 Grad Winkeleinblick) eine Alternative ist. Zur optischen Leistung und der mechanischen Qualität kann ich nichts sagen, da muß man die ersten belastbaren Berichte abwarten. Was mich an dem Gerät stört, ist das hohe Gewicht. Bei 6,5kg Lebendgewicht braucht man schon ein stabiles Stativ und das wiederspricht meiner Vorstellung vom "Schnellspechtel-Scope". Das Miyauchi 20x77 ist mit 2,5kg deutlich leichter und man kommt mit einem einfacheren Stativ um die Runden. Dafür kostet es halt genausoviel wie das China-Bino.
Um die Sache nochmal auf den Punkt zu bringen: als Ergänzung zu einem 6" Dobson würde ich mir ganz persönlich ein kleines, aber gutes Fernglas mit Winkeleinblick fürs schnelle, unkomplizierte Spechtelvergnügen suchen. Ob es in Deinem Fall ein Miyauchi, ein China-Bino oder ein Spektiv mit Binoansatz wird, das kannst nur Du allein entscheiden.
Frank.