Ferngläser von Hartmann/Wetzlar

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steve11

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Hallo,

ein Bekannter hat von der o.g. Fa. ein Fernglas "Bernina 12x60 Weitwinkel", "Made in Germany", erworben. Weiß jemand etwas über die Firmengeschichte von Hartmann und darüber, wo man die Qualität ihrer Ferngläser einordnen kann?

Steve
 
Hallo Steve,
helfen kann ich (noch) nicht. Habe selbst vor Wochen auch danach gefragt.
Ich habe ein "Hartmann-Optik Wetzlar 117" "Leichtmetall Porlerim 6x30". So steht es links und
rechts auf den Prismaendeckeln.
Das Glas sieht äußerlich und auch beim Durchsehen so aus, als hätten die Leute bei Hartmann Ahnung von
dem was sie da taten gehabt.
Daher wundert mich auch, dass man die Firma nicht kennt.
Mal sehen, ob ich in Wetzlar direkt weiter komme, aber das wird etwas dauern.
CS
*entfernt*
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Steve,

Hartmann hat bis in die 80er Jahre Ferngläser produziert. Die Qualität der Poprroprismengläser der Serie "Compact-Weitwinkelgläser" (damaliger Preis z.B. für das 8x30 von dem ich noch ein Exemplar besitze, 550 DM, heute, unter Berücksichtigung der Geldentwertung: gut 1000 DM)hat nahezu Zeiss-West Niveau erreicht: Extreme Auflösung im Zentrum des Bildes (läßt wie meine alten Leitz Feldstecher (8x30 Binuxit, 7x50 Marseptit und 10x50 Mardixit)Fans moderner Hochleistungsdachkantgläser bei Vergleichstests erblassen...)) helle, kontrastreiche Optik (voll mehrschicht vergütet), sehr wertige Verarbeitung! Die Randschärfe überzeugt nicht so ganz, aber deutlich besser als bei den Zeiss Jena Gläsern. Die Serie überragt qualitativ alle Beck und Hertel & Reuss Serien um Längen: Kurzum, gehobene Optik, die richtig Spaß macht!!
Die Porlerim-Leichtmetallreihe überzeugt nur aus den 50 und 60 Jahren. Ab den 70ern wurden beispielsweise anstelle der hochwertigen Bak 4 Prismen, billigere Bk 7 verwendet. Auch ließ ab da die Schärfeleistung - gemessen an den Möglichkeiten der alten Gläser des Hauses oder der besagten "Compact"-Serie - zu wünschen übrig.

Ich hoffe ich habe Dir ein wenig weiter helfen können!?

Gruß Wilhelm
 
Hallo Steve,
ich besitze noch ein 8 x40 Compact-Weitwinkel von Hartmann.
Es waren Gläser der absoluten Spitzenklasse, ebenso die Gläser der Bernina-Serie (alles Porrogläser). Die Gläser hatten damals schon eine Doppelvergütung und lieferten absolut scharfe und kontrastreiche Bilder. Übrigens ist die Randschärfe meines 8x42 immer noch besser als die des neuen Zeiss 8x40 FL. Vor
ca. 10 Jahren schickte ich dieses Glas an den damaligen Entwicklungschef von Zeiss, da man mir nicht so recht glauben wollte,
daß das Hartmann klar besser war als die Zeiss Dialyt-Gläser. Wie mir mitgeteilt wurde, gab es dann lange Gesichter heftige Diskussionen im Vorstand. Als kleines Dankeschön für meine Bemühungen bekam ich ein kleines Fernglas von Zeiss geschenkt. Würde man die genannten Gläser von Hartmann wieder produzieren und mit einer modernen Mehrschichtvergütung versehen, hätte sich das Fernglasproblem der meisten Sternfreunde erledigt. Übrigens gab es damals noch ein Hartmann 10x50 Bernina-Weitwinkel, wog nur 970 Gramm und hatte ein Sehfeld von 115 m. Ebenso gab es noch ein 10x60 und das besagte 12x60 - alles hervorragende Astro-Gläser. Ich habe in der Vergangenheit immer das Glück gehabt, daß ich zu Hause Ferngläser verschiedener Hersteller
miteinander vergleichen konnte. Nur so, im direktem Vergleich, ist ein klares Urteil möglich.

Gruß
Joachim
 
>>>>Wie mir mitgeteilt wurde, gab es dann lange Gesichter heftige Diskussionen im Vorstand....

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Hallo Joachim,

da kann man ja von Glueck sprechen, dass Zeiss seinen Laden nicht gleich dicht gemacht hat, nachdem sie einen Blick durch das Hartmann werfen konnten :-)

Da es in der Optik keine Zauberei gibt, muss es einen Grund dafuer geben, dass die alten Hartmanns so gut waren. Sicher spielt die Okularkonstruktion dabei eine Hauptrolle. Weiss irgend ein noch lebender Mensch, was fuer einen Okulartyp die damals verwendet haben?

Vor ein paar Wochen hat jemand eine ganze Hartmann Sammlung (10 verschieden Porros oder so) auf E-bay angeboten. Langsam aergere ich mich, dass ich nicht zugeschlagen habe ...



Gruss,
Holger
 
Wie mir mitgeteilt wurde, gab es dann lange Gesichter heftige Diskussionen im Vorstand

da kann man ja von Glueck sprechen, dass Zeiss seinen Laden nicht gleich dicht gemacht hat, nachdem sie einen Blick durch das Hartmann werfen konnten



Vermutlich konnte der Vorstand gerade noch vom kollektiven Selbstmord abgehalten werden. Bei Firmen wie Zeiss zwingt man solche Leute lieber mit Geld dazu, in Rente zu gehen: das ist dann entgegen landläufiger Meinung keine Abfindung, sondern Schweigegeld. Aber Ernst beiseite:



Da es in der Optik keine Zauberei gibt, muss es einen Grund dafuer geben, dass die alten Hartmanns so gut waren

In den 50iger und 60iger Jahren gab es in der Gegend Wetzlar/Gießen bis rauf nach Kassel eine Menge kleiner Firmen, denen es gelang, Ferngläser "aus einem Guss" zu entwickeln und herzustellen, deren hervorragende Qualität (für damalige Verhältnisse) auf breiter Front vergleichbar war. Das waren Hertel&Reuss, Beck, Leitz, Schütz, Hartmann und andere. Zeiss (West) hatte damals nur als nationales Prestige-Objekt, aber keineswegs optisch eine Sonderstellung. Leider haben diese Firmen es vorgezogen lieber einzeln Pleite zu gehen, als rechtzeitig zu kooperieren und sich zusammen zu schließen. Leitz/Leica ist immer noch im permanenten Prozeß des "Pleite-gehens".

Ferngläser "aus einem Guss", optisch, mechanisch, haptisch - das ist die "Zauberei", der z.B. Zeiss, seit den Zeiten der Dialyts (West) und Nobilems (Ost) mit einigem Abstand hinterher läuft (vielleicht garnicht mal mehr ernsthaft).

Einige Modelle aus der Leica Trinovid Serie würde ich noch so nennen ("aus einem Guß" - möglicherweise ein Grund dafür, dass es noch Leica Ferngläser gibt).

Schade, dass es das Potential und das Know How, das in den kleinen Firmen steckte nicht mehr gibt. Der politische Wille und die entsprechenden Maßnahmen, mit Zeiss West unter allen Umständen ein Gegengewicht zu Zeiss Jena entstehen zu lassen, hat sicherlich auch, wenn nicht sogar entscheidend, dazu beigetragen.

Dass wir hier manchmal über eine singuläre Eigenschaft eines Fernglases diskutieren ist eine Sache, die aber nicht entscheidend ist. Hält man das Produkt in Händen und schaut durch dann entscheidet meist das Gefühl, ob es ein rundum durchdachtes und durchkonstruiertes Fernglas ist.

Bei den modernsten Gläsern hat man immer weniger dieses gute Gefühl - das liegt aber nicht nur an den Herstellern, sondern auch an den wachsenden Ansprüchen des Käufers. In den 50igern und 60igern war ein Spitzenfernglas so etwas Besonderes, Seltenes und Teures, dass die Kundschaft durchaus bereit war, sich ohne Murren dem Produkt anzupassen. Z.B. die Aussage "das ist aber schwer" war damals Anerkennung und nicht Kritik.

Man sollte aber die Kirche im Dorf lassen und neben aller nostalgischen Bewunderung (und Sammlerwut) eingestehen, dass diese alten Ferngläser natürlich den modernen Ansprüchen an Optik und Mechanik nicht mehr gerecht werden können und den heutigen Gebrauchsgepflogenheiten auch nicht lange widerstehen, wenn man sie denn entsprechend benutzt. Schließlich gab es damals zu jedem dieser Gläser einen mit Samt ausgeschlagenen Schönwetter-Köcher.


Walter Wehr
 
Hallo,

vielen Dank für Eure Antworten! Eines muss man diesem Forum wirklich lassen: nirgendwo sonst kann man so hilfreiche Informationen auch über historisch interessante Ferngläser bekommen.

Ich konnte das 12x60 Hartmann nur kurz am Tage ausprobieren. Meine Eindrücke stimmen mit dem überein, was gesagt wurde: ein überraschend scharfes und weitwinkliges Bild von sehr guter Qualität, trotz eines kleinen schwarzen Punktes im rechten Okular und eine tadellose Mechanik. Der mit rotem Samt ausgeschlagene massive Lederköcher allein ist schon ein Erlebnis für sich und scheint durch seine fast alle Sinne ansprechende Präsenz jedem, der sich dem scharfen Blick dieses Instruments zu entziehen trachtet, die vollkommene Aussichtslosigkeit dieses Unterfangens zu signalisieren: "Gediegen!", wie man bei uns in Norddeutschland sagt.

Ein schönes Wochenende wünscht Euch

Steve
 
Hallo Holger,
zu den Okularen kann ich Dir nur folgendes berichten:
Sie sind auffallend groß - zu damaliger Zeit wohl die größten. Die Frontlinse ist ebenfalls sehr groß und konkav.
Die Plastikaugenmuschel ist abschraubbar - der Brillenträger kann somit das volle Sehfeld nutzen. Am Auge sind die Okulare sehr angenehm.

Gruß

Joachim
 
Hallo Joachim,

Die Frontlinse ist konkav? Das ist interessant, denn damit ist die Auswahl schon stark eingeschraenkt: Standard Okulare von Erfle oder (reversed) Kellner haben konvexe Frontlinsen. Es kaeme z.B. ein Bertele Typ in Frage (Nagler gab es ja noch nicht) - man vergleiche hier:

http://members.shaw.ca/quadibloc/science/opt04.htm

Da diese Okulare noch nicht mehrfachverguetet waren, kann man eventuell mit Hilfe einer Taschenlampe, anhand der Reflexionen, schaetzen, wieviele Glasflaechen sie haben und wie sie gekruemmt sind.

Gruss,
Holger
 
Hallo Joachim u. andere Astrofreunde,

hat mich schon lange interessiert welche Fernglasprodukte die Fa. Hartmann Wetzlar hervorgebracht hatte.
Bin vor einigen Jahren durch Zufall in einem Antiquitätenladen auf ein Hartmann Wetzlar Bernina Weitwinkel 25x80 gestossen.Geräte Nr: 152913. Es war ziemlich dejustiert und habe es für damals 400.-DM erstanden. Angeblich soll es mal mehr als 2500.-DM gekostet haben.
Habe das Glas dann zur Justage und zur Neuverkittung der
Frontlinsen zur Fa. Ulrich Kothe nach Wetzlar gesandt.
Diese Fa. ist spezialisiert für Hartmann Gläser.
Hat mich zwar nochmal 300.-DM gekostet aber das Glas ist traumhaft für Tages und Nachtbeobachtungen, Stativ vorausgesetzt.
Würde mich interessieren ob bei den Astrofreunden mein Glas (25x80) bekannt ist und welchen Wert es hat.

Gruß Erwin
Mail: mail(ätt)sternwarte-neroth.de
 
Hallo Galactic,
das 25 x 80 von Hartmann hat damals wirklich 2500 DM gekostet. Da bist Du ja ein richtiger Glückspilz, daß Du dieses Traumglas erstanden hast.

Gruß
Joachim
 
Hallo Holger,
die Gläser der Compact-Serie und die der Bernina-Serie hatten damals schon eine Doppelvergütung. Der Unterschied zu den anderen Hartmann-Gläsern war deutlich sichtbar. Die Bilder waren kontrastreicher und brillianter - ich habe sie damals zu Hause miteiander vergleichen können. Es ist nicht ganz einfach die Linsenzahl der Okulare zu ermitteln - vielleicht gelingt es mir ja noch.

Gruß
Joachim
 
Habe das im Netz gefunden:

HARTMANN OHG, Karl, Optik und Feinmechanik-Werkstatt (Hersteller / seit ___) [letzte Info von 2005]
An den Fichten 37, D-35579 Wetzlar-Steindorf, Tel: 06441/2275-0, Fax: /___
Email: ___
WebSite: ___

Fortsetzung:
- Bemerkung: letzte Ferngläser-Werbung in der YACHT stammt aus den anfänglichen 80er Jahren, Adresse stimmt aber noch
- Produkte u.a.: ___
- Produktart: Ferngläser

--> Tel. "Kein Anschluss unter dieser Nummer." Hat wer Lust, etwa aus dem Raum Wetzlar, etwas zur Adresse zu sagen?

Habe ein Hartmann FG aus den 50/60er Jahren, begleitet mich fast schon ein Leben lang. Ist einfach super!

Dju
 
Hallo Leute bin neu hier...stamme aus Wetzlar und weiß, das Hartmann -Optik für sehr viel Firmen Gläser und Linsen im Auftrag produziert hat. Unter anderem auch für Hertel&Reuss aus Kassel.
Da wir einen kurzen Blick in die ehemalige Produktions-Baracke der Firma werfen konnten...wissen wir unter anderem, das die Firma 1993 ihre Prismen-Fernglasproduktion eingestellt hat. Nicht viel später hat sie wohl geschlossen.

Gruss Supreme
 
Hallo Supreme,

was mich schon seit längerem umtreibt ist die Frage, wofür
die Zahl 117 bei "Hartmann-Optik Wetzlar 117" steht. Ich
habe schon mehrfach versucht, im Internet etwas darüber
zu finden. Das ist sicherlich keine weltbewebende Frage
aber wenn eine Firma das als Beschriftung auf allen
Ferngläsern verwendet, muss es ja irgendeine Bedeutung
haben.

Vielleicht kannst Du als Wetzlarer die Frage beantworten.
Besten Dank im Voraus.

Viele Grüsse
Jürgen
 
Hallo Jürgen,

mir wurde auf diese Frage mal von einem mittlerweile verstorbenen Wetzlarer gesagt, das sei einfach die damalige Postfachnummer der Firma Hartmann gewesen.
So stand es übrigens auch mal in einem der neuerdings grassierenden Artikel-Löscheritis anheimgefallenen Wikipedia.de-Artikel"stumpf" - mit einem Blick in alte Prospekte/Kataloge ließe sich das aber wohl leicht verifizieren.

Gruß+cs,
Dietmar
 
Hallo Dietmar,

besten Dank für die Information. Auf Postfachnummer wäre
ich wohl nie gekommen. Ich habe eher so etwas in Richtung
Ortsteil dahinter vermutet.

Viele Grüsse
Juergen
 
@ Dju

Grundsätzlich sehr interessant, da es ein paar neue Infos enthält, die ich noch nicht kannte.

Mein Vater besitzt ein Hartmann Wetzlar (Dachkant) 7x35 bzw. 12x60 Fernglas (Wechselobjektiv ( http://img168.imageshack.us/img168/6413/114yrn.jpg )). Seiner Aussage nach aus einer Insolvenzmasse Ende der 70er ersteigert. Nun ist das Unternehmen als solches erst Anfang der 90er konkurs gegangen, also sei mal dahingestellt, ob er sich "nur" im Datum irrt oder aus einer ganz anderen Insolvenzmasse bekommen hat...

Ich möchte nun zu allem Überfluss auch keine neue Diskussion anstoßen, weil schon x-mal dagewesen, welche Gläser nun heute noch an die alten herankommen (vom Gewicht mal abgesehen); trotzdem bin ich immer wieder überrascht, was 30 - 40 Jahre Entwicklungszeit so ausmachen. Nämlich verblüffend wenig. Gilt genauso für einige alte Bundeswehr Gläser, die mein Chef letztens vom BDEW ersteigert hat. Sehen aus wie drei mal vom LKW gefallen, aber... erstklassig.

Bestärkt mich in meiner Ansicht, dass bei manchen Dingen das Maximum herausgeholt ist. Das gilt für so vieles...
 
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