Fernglas abblenden für Taganwendung

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MartinElsaesser

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Hallo,

Für Beobachtungen bei Tag oder in der hellen Dämmerung, bei denen es mir um best mögliche Schärfe und Kontrast geht, habe ich erste Versuche mit dem Abblenden meines günstigen 25x100 gemacht. Das Abblenden auf ca 60mm Durchmesser hat die Farbfehler deutlich reduziert und ergibt mir einen deutlich besseren Bildeindruck. Da es in der Situation an Licht nicht mangelt ist das wohl ein sinnvoller Ansatz.

Ich kann mir das auch bei Beobachtung von Sonne, Mond oder der hellen Planeten mit einem günstigen Fernglas als sinnvoll vorstellen, je nach Qualität der Optik.

Hat da schon jemand anders Erfahrungen gemacht?

Frohe Grüße,
Martin
 
Hallo,

Ich habe heute morgen ein paar Beobachtungen mit/ohne Blende gemacht, an Jupiter und anderen hellen Objekten.
Mit voller Öffnung habe ich immer ein blaues Farbspiel um den Planeten, das mit meiner genauen Position hinter den Okularen wandert und die Form ändert. Mit Abblenden habe ich das nicht und das Bild ist klar und ändert sich nicht mit der eigenen Position.

Fokussieren ist mit voller Öffnung irgendwie unbefriedigend, weil immer irgendwie der Eindruck bleibt, es sollte noch besser gehen und noch kleine Strahlen aus den Sternen kommen. Mit Abblenden gibt es das nicht. Hier ist aber vielleich auch mein leichter Zylinderfehler relevant.

Für diese Anwendungen und dieses Instrument bringt bei mir Abblenden also eine sichtbare Verbesserung des Bildeindrucks.


Als Blenden habe ich einfach Ringe aus Plastik ausgeschnitten (minimal größer als der Innendurchmesser der Fassung) und mit einem radialen Schnitt in einer Richtung versehen. Damit kann ich die Ringe konisch verdrehen, sie einfach in die Fassungen setzen, wo sie sich dann festklemmen sobald ich sie loslasse.

Frohe Grüße,
Martin
 
Hallo Martin,

auch wenn viele Theoretiker einem vorrechnen, dass und warum die Leistung abgeblendet nachlässt, so führt diese Methode doch oft zu einem schöneren Bild. Ich habe das Abblenden bisher regelmäßig an 2 Geräten eingesetzt: An meinem Achromaten 150/1200, den ich für Mond und Planeten (auch manche Doppelsterne) auf 4 Zoll abgeblendet habe und damit herrliche Bilder erzielte; und an meinem Flakglas 25x100 aus dem 2. Weltkrieg, da für die Tagesbeobachtung eine Klappblende auf 50mm eingebaut hat, wenn man die vor die Objektive schwenkt wird das Bild an Mond, Jupiter etc. wesentlich schöner. In beiden Fällen kam es zu keinem echten Detailgewinn, Einzelheiten die man abgeblendet sah fanden sich auch bei ordentlichem Hinsehen auch bei voller Öffnung. Die Esthetik des Bildes spricht aber für sich und das was man sehen will springt einfach viel mehr ins Auge.

Eine Frage hätte ich noch: Dein Verfahren mit den Plastikringen kann ich mir noch nicht ganz vorstellen, es hört sich aber eeinfacher an als meine Bastelei irgend welcher Pappdeckel.

CS Gerhard (Sterngucker Frankenberg e.V.)
 
Hallo Gerhard,

Meine Beschreibung der Blende war ungenau.

Meine Blende ist einfach nur ein Ring aus dünnem Plastik (aussen 110, innen 60 Durchmesser) mit einem radialen Schnitt auf einer Seite. Die beiden Schnittkanten kannst du leicht übereinander legen und aneinander vorbei schieben, wodurch der Ring sich dann verformt (wird zum Kegelstumpfmantel) und dadurch seinen Außendurchmesser verringert. Dadurch kannst du den Ring leicht in eine vorhandene Nut vor dem Objektiv legen und dann loslassen, wodurch er sich wieder entspannt und größer wird und in der Nut festklemmt.

Ich stelle noch ein Foto ein.

Grüße,
Martin
 
Hallo Martin,

Du hast geschrieben, dass Du Dir vorstellen könntest, dass das Abblenden auch bei der Beobachtung der Sonne sinnvoll sein könnte. Nein, denn:

DAS BEOBACHTEN DER SONNE DURCH EIN FERNGLAS ODER TELESKOP IST SEHR GEFÄHRLICH UND KANN ZUR ERBLINDUNG FÜHREN!!!

Wenn Du die Sonne beobachten willst, mußt Du einen Sonnenfilter bzw. eine spezielle Sonnenfolie VOR DAS OBJEKTIV setzen. Versuch' es auch bitte nicht mit einem Filter oder gar noch etwas anderem wie Sonnenbrille, Schweißerglas etc. zwischen Auge und Okular, das bietet keinen ausreichenden Schutz!

Sollte es für Dein FG keinen käuflichen Filter geben, kann man sich mit ein klein bißchen Basteln selber einen Filter aus Sonnenfilterfolie und Pappe oder Moosgummi bauen. Ein zusätzlichen Abblenden ist meiner Erfahreung nach dann nicht mehr nötig. Hat man nur einen Filter gebastelt, und beobachtet nur durch einen FG-Tubus, dann sollte man zur Sicherheit aber unbedingt den anderen mit der Schutzkappe verschliessen, damit man nicht unbeabsichtigt doch noch ungeschützt in die Sonne schaut...

LG,
Sabine
 
Hallo Sabine,

Danke für deine Sorge. Da ich das Hobby seit bald 25 Jahren betreibe bin ich mir der Problematik hoffentlich ausreichend bewußt.

Natürlich MUSS jede Sonnenbeobachtung mit geeigneten Objektivfilter durchgeführt werden, aber auch dann ist Abblenden vor der Optik wohl sinnvoll, um eben bei günstigen Feldstechern die Abbildung zu verbessern. Bei meinem Gerät ist die Verbesserung sehr auffällig, für Sonnenbeobachtung nutze ich aber eh andere Geräte.

Ein gutes 25x60 oder 30x60 Glas kaufen zu können wäre natürlich auch nett, aber den 25x100 habe ich nunmal schon.

Grüße, Martin
 
Hallo Martin,

dann habe ich nix gesagt. Hätte wohl mal lieber auf die Anzahl Deiner Beiträge schauen sollen. :pfeif:
Aber besser einmal zuviel als zu wenig...

LG + CS,
Sabine
 
Danke dir Martin für das Einstellen der Bilder; jetzt ist das Verfahren wirklich super klar. Sobald ich etwas Zeit finde werde ich es ausprobieren.

CS Gerhard
 
Hallo,

nachdem ich vorgängig schon leichte Verbesserung beim Teleskop (300x1200) erzielt hatte, habe ich mir nun auch Blenden für das neue Groß-Fernglas TS 20x80 Triplet gebastelt. Ich habe zufällig genau in die Frontöffnung passende Dosendeckel aus Kunststoff gefunden und aus diesen mittig schön runde Öffnungen mit Durchmesser ca. 5 cm ausgeschnitten. Ein Deckel war aus rotem Plastik, den habe ich noch beidseitig mit auf Kunststoff haftender matt-schwarzer Farbe lackiert. Nachdem die Blenden eingesetzt sind, können auch die Frontringe wieder aufgeschraubt werden. Das Ergebnis:

Deutliche REDUKTION VON FARBSÄUMEN (Chromatische Abberation) an kontrastreichen Objekten, sowohl bei Tagesbeobachtung als auch am Mond! :biggrin: Und wie mir scheint auch etwas mehr Tiefenschärfe.
Der Mond war vorher auch zu hell (tat weh in den Augen), mit den Blendung passt es wunderbar. Jupiter ist zwar immer noch "ausgefranst", aber auch hier ist deutlich weniger störendes Farbspiel an den Rändern. Und die Monde - wenn auch nur Punkte - scheinen schärfer.
Ich kann's nur empfehlen!
Abschliessender Hinweis: Ich denke, daß die Blende möglichst dünn/scharfkantig sein sollte. Und Karton würde ich auch aufgrund ev. entstehenden Staubes nicht nehmen.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
KORREKTUR:
Der oben erwähnte Einsatz bei Spiegelteleskop hat nichts mit dem genannten Farbfehler zu tun. Farbsäume treten nur bei Linsengeräten, also Refraktoren, auf. (Abblenden des Spiegelteleskops bewirkte im Wesentlichen nur Reduktion der Helligkeit).
Das beschriebene Abblenden für z.B. Mondbetrachtung und Beobachtungen am Tag brachte aber in jedem Fall beachtliche Verbesserung beim Groß-Fernglas!
 
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