Fernglas für 300 Euro

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas sero
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sero

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Hallo

Ich möchte mir ein Fernglas kaufen, habe aber keine Ahnung welche gut sind.
Was gibt es denn für gute Ferngläser im bereich bis 300 Euro?
 
Was willst Du denn damit anschauen? Zum Vergleich: für die meisten ist der VW Golf ein gutes, zuverlässiges und gerade noch
bezahlbares Auto - aber wenn du damit Rennen fahren, Umzüge veranstalten, mit 5 Personen Langstrecke fahren
oder 6 Personen transportieren willst, brauchst Du was anderes.
So ähnlich ist es bei Ferngläsern auch: zum immer Mitschleppen gibt es die kleinen 8x20 und 10x25 Dachkantgläser (nur so 200g und
passen in die Hemdentasche - die gehen aber für Astronomie leider nicht, obwohl Du damit schon eine Pupille wie
eine Großeule hast. Astronomie fängt so etwa mit 35-40mm Objektiven an (die üblichen 7-10x35-42er) die sind auch noch gut universell
verwendbar (Wandern, Vögel, Mond etc.), aber wirklich schön was sehen ist nach meiner Erfahrung erst mit so 50-80mm Objektiven drin
und die sind dann eigentlich für allgemein so brauchbar wie ein Porsche für die Familie.
Maximale Öffnung mit 300€ bekommst Du wahrscheinlich zur Zeit bei www.teleskop-service.de mit dem 20x80
(aber ein 20er ist freihändig fast nicht mehr zu gebrauchen), ein gutes 10x50 bekommst Du z.B. bei Minolta ("Aktiva")
oder Nikon oder einfach ein neuwertiges gebrauchtes Zeiss Jena Dekarem 10x50 (allerdings nicht für Brillenträger,
die mit Brille beobachten) oder Binoctem (7x50, für ganz dunklen Himmel und lichtschwache Objekte).

Da man viele Nächte beobachten muß, um festzustellen welches Glas zu einem paßt leih Dir vielleicht erst mal eins aus
oder geh zu einem Astro-Treff bevor Du Dich entscheidest. Ein gutes Glas hält ein ganzes Leben, ein schlechtes und
das falsche, das man nie benutzt, auch. Aber ein gutes 10x50 ist der übliche Standard für Astro.

Gruß
 
Zeiss, Leica, Swarovski sind sehr gut.

Du solltest bei 300,- immer vorher ausgiebig durchschauen und
vergleichen.
Dann bekommst Du auch ein Spitzenglas für den Preis.
(evtl. gebraucht)


Ob nun 7x50 oder 20x80 ist reine Geschmacksfrage.

Ich habe ein 11x80 und es ist das am häufigsten benutzte Gerät.
(Obwohl ich noch ein 7x50, ein 20x80 und zwei Teleskope habe)

(Naja, das ist nicht die ganze Wahrheit, ich habe über 80 Ferngläser
und Teleskope, die aber nur "Ausstellungsstücke" und uralt sind :-)


 
Fernglas für 300 Euro - was für eins?

Hallo sero,

hanz hat vollkommen recht. Du solltest mal konkret sagen, wofür Du ein Fernglas kaufen willst und welche Anforderungen Du stellst. Soll es ein reines Astroglas werden? Oder willst Du ein Allroundfernglas, welches auch für andere Zwecke tagsüber genutzt werden soll? Benötigst Du ein Glas, wo man bequem mit Brille beobachten kann oder geht's auch ohne? Suchst Du ein Fernglas, was man gut freihändig verwenden kann? Oder soll es ein Großfernglas mit 70 oder 80mm Öffnung werden, wofür man möglicherweise ein Stativ benötigt? Unter welchen Sichtbedingungen soll das Fernglas vorzugsweise eingesetzt werden (Stadt- oder Landhimmel)? Wenn Du Deine Wünsche etwas präziser formulieren könntest, dann wäre guter Rat einfacher zu geben. Im Preissegment bis 300 Euro gibt es viele Alternativen, man müßte nur wissen, wo man anfangen soll.

Wenn das Fernglas für Freihandnutzung gedacht ist, dann liegt die Grenze der Vergrößerung bei maximal 10-fach. Hier gibt es schöne Ferngläser vom Typ 7x50, 10x50 oder auch 8x40 von Minolta, Nikon oder Olympus. Soll es dagegen ein Großfernglas werden, so reduziert sich die Zahl der Anbieter sehr schnell auf ein paar Firmen, die ihre Optik aus China beziehen. Für das Geld sind die Gläser sicher ok, nur ist das nicht jedermanns Geschmack. Die Pentax PCF V Modelle sind auch eine Überlegung wert. Das Sehfeld ist zwar nicht gerade riesig, dafür ist der Einblick für Brillenträger sehr gut. Meinen Geschmack treffen die PCF V Gläser allerdings nicht, allein wegen des recht mickrigen Sehfeldes. Es soll ja bald auch Weitwinkelferngläser von Pentax geben, nur habe ich bis heute noch nix darüber gehört.

Wenn Du Dich erstmal allgemein über die astronomische Nutzung von Ferngläsern informieren willst, dann schau mal auf den Fernglasseiten von astronomie.de vorbei. Wenn Du dann etwas genauer weisst, wonach Dir der Sinn steht, melde Dich einfach wieder.

Frank.
 
Re: Fernglas für 300 Euro - was für eins?

Hallo

Es soll ein reines Astroglas werden und es muss nicht für Brillenträger geeignet sein. Es sollte auch freihändig verwendbar sein und ich möchte es meistens unter Stadthimmel verwenden. Es kann natürlich auch ein bisschen mehr kosten, also z.B. 350 Euro.
 
Ein paar Vorschläge

Hallo sero,

wenn Du vorwiegend unter einem Stadthimmel beobachtest, dann würde ich auf ein Fernglas mit 4 bis 5mm Austrittspupille orientieren. Das hat den Vorteil, daß der mehr oder weniger stark aufgehellte Himmelshintergrund stärker abgedunkelt wird (als beispielsweise bei einem 7x50 oder 8x56 mit 7mm AP). Durch den verbesserten Kontrast hat man ein ästhetisch schöneres Bild (eine Unmenge funkelnder Sterne auf samtschwarzem Hintergrund) und viele Deep-Sky Objekte zeichnen sich besser gegen den Hintergrund ab.

Was Du freihändig noch gut nutzen kannst, mußt Du selbst herausfinden. Manch einer kommt mit einem 10-fach vergrößernden Fernglas noch gut klar, beim nächsten ist 8-fach die Grenze. Nimm einfach mal ein 8x40 und ein 10x50, stelle Dich vor einen Fotoladen (zum Testen sollte das für den Händler kein Problem sein) und versuche über ein paar Minuten an einem Objekt in größerer Entfernung feinste Einzelheiten auszumachen. Dann wirst Du schnell merken, ob 10-fach noch gut geht oder nicht.

Bis 350 Euro könntest Du Dir mal folgende Modelle näher anschauen:

Nikon Action VI 8x40 und 10x50
Nikon Sporter I 8x36 und 10x36 (Empfehlung mit Einschränkung *)
Nikon 10x50 CF WP Tundra
Minolta Activa 8x40 und 10x50
Olympus EXPS I 8x42 und 10x42

Zu Nikon Action VI, Sporter I (*) und Minolta Activa findest Du auf meiner Homepage (unter Astronomie -> Erfahrungsberichte) einen kleinen Artikel zu den 8x Modellen ("Auf der Suche nach einem guten 8x40 Fernglas"). Das Nikon Tundra und die Minolta Activa Gläser haben den Vorteil einer Stickstofffüllung, was auch einen sehr guten Schutz gegen Staub und Feuchtigkeit auf lange Zeit gewährt. Wenn's um die optische Leistung geht, würde ich die Action VI Gläser von Nikon oder die Olympus Modelle bevorzugen. Die EXPS I Gläser haben zwar ein geringeres Sehfeld, bieten dafür aber eine hervorragende Schärfe und ein schönes, kontrastreiches und farbneutrales Bild. Die Nikon Action VI haben z.T. eine ausgeprägte Bildfeldwölbung, punkten dafür aber mit sehr gutem Kontrast und gnadenloser Schärfe.

Unter 55-60 Grad scheinbares Sehfeld der Okulare würde ich nicht gehen, besser sind schon 65 Grad. Die Olympus EXPS I Gläser sind da für mich die Grenze (aber nur wegen der sehr guten Optik). Die Randschärfe läßt bei Ferngläsern mit Weitwinkelokularen zwar zum Rand mehr oder weniger stark nach, aber der visuelle Eindruck bei einem Streifzug durch die sternübersäte Milchstraße ist einfach umwerfend! Auch wenn die Pentax PCF V Gläser eine bessere Randschärfe suggerieren (eben wegen der Reduzierung des Sehfeldes), so ist der Eindruck in einem Weitwinkelglas einfach schöner!

Neben den genannten Ferngläsern könnte man auch auf die Suche nach einem gebrauchten, älteren Zeiss Jena, Optolyth (Porromodelle) oder Hensoldt Fernglas gehen. Wer das Risiko auf ebay eingeht, kann da manch älteres Schmuckstück abgreifen.

Frank.
 
Re: Ein paar Vorschläge

Hallo

Wie wäre denn ein Zeiss Pentekarem wenn ich ein Stativ verwenden würde?
 
Re: Ein paar Vorschläge

> Wie wäre denn ein Zeiss Pentekarem wenn ich ein Stativ verwenden würde?

Wie jedes "Großfernglas" ohne Winkeleinblick auf Stativ: in Horizontnähe und mittleren Höhen ist der Einblick ok bis akzeptabel und da, wo sich im Sommer die schönsten Himmelsobjekte boshafterweise aufhalten (also in Zenitnähe <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />), ist der Einblick ins Fernglas dann katastrophal. Einzige Abhilfe wäre ein spezielles Stativ, unter welchem man bequem im Liegestuhl den Blick durchs Fernglas geniessen kann. Beim Pentekarem kommt noch dazu, daß der AP Abstand sehr gering ist. D.h., man muß mit den Augen sehr dicht an die Okulare, um das volle Bildfeld zu übersehen.

Obwohl das Pentekarem ein sehr schönes Glas ist, würde ich es nur dann empfehlen, wenn man bequem im Liegestuhl beobachten kann. Freihandbeobachtungen sind bei 15-fach eigentlich Quatsch, da das Zittern der Hände eine vernünftige Wahrnehmung mindestens erschwert, wenn nicht unmöglich macht. Berücksichtigen sollte man auch, daß das Pentekarem bei Zeiss Jena nur bis anfang der 70-er Jahre gebaut wurde. Damit entspricht die Vergütung dem Stand der Technik aus dieser Zeit (meist stammen die auf ebay angebotenen Gläser gar aus den 50-er und 60-er Jahren) und bei 3,3mm Austrittspupille wird's dann schon etwas dunkel. Kann man mit diesen Randbedingungen leben, so bekommt man ein schönes Fernglas mit erstklassiger Schärfe. Nur an Transmission und Kontrast mangelt es wegen der meist einfachen Vergütung etwas.

Frank.
 
Re: Ein paar Vorschläge

Hallo

wie ist denn das Vixen Ultima 10x42? Das hat 66° Sehfeld, wiegt bloss 625g und kostet auch bloss 320 Euro. Außerdem ist es aus Metall und nicht wie die bisher genannten Ferngläser aus Plastik.
 
Re: Ein paar Vorschläge

> wie ist denn das Vixen Ultima 10x42?

Kann ich Dir so genau nicht sagen, da mein letzter Blick durch ein Ultima bestimmt zwei Jahre zurückliegt. Was mich seinerzeit etwas gestört hat, war die Art der Gummierung. Diese begann sich mit der Zeit vom Fernglas zu lösen. Vielleicht wurde es aber auch nicht sorgfältig genug behandelt. An der Optik fiel mir nichts negatives auf. An sich haben Vixen Ferngläser einen sehr guten Ruf (insbesondere die Ultima Serie), so daß die Idee bestimmt nicht die schlechteste ist.

Kürzlich hatten wir die Diskussion mit hanz hier im Forum bezüglich der Serviceleistung bei Vixen. hanz hatte mehrmals die Frage gestellt, welcher Service hierzulande geboten wird (wie sieht es im Fall der Fälle mit Möglichkeiten zur Reparatur und Neujustierung oder im Notfall Umtausch aus?). Offenbar blieb eine Antwort bis heute aus. Mein rein privater Standpunkt ist, daß ich gern weiß, ob meine Investition (und 300 Euro sind ja nicht gerade wenig) auch in einigen oder vielen Jahren eine Zukunft hat. Daher setze ich lieber auf einheimische Firmen oder Hersteller wie Nikon und Minolta, wo der Service zumindest klar ist. Das muß man aber nicht so sehen.

Warte doch mal ab, vielleicht meldet sich ja noch der eine oder andere Ultima Eigner zu Wort.

Frank.
 
Re: Ein paar Vorschläge

Link zur Grafik: http://www.vehrenberg.de/images/fernglaeser/ultima_7x42.jpg

Hallo Herr Schäfer,
besten Dank für Ihre Mitteilung. In der Tat haben wir in den vielen Jahren, in denen wir die Vixen-Ultima-Gläser vertreiben, das eine oder andere Mal ein Glas, bei dem sich
die Gummiarmierung teilweise in ihre Bestandteile aufgelöst hat. In solchen Fällen senden wir das Glas nach Japan zurück und dann dauert es halt, bis wir Ersatz haben.




Da es sich diesen Gläsern in der Regel um solche handelte, die schon viele Jahre in Benutzung waren, war ein Austausch gegen ein fabrikneues nicht möglich.
Justierarbeiten etc. für unsere Vixen Ferngläser lassen wir durch eine Vertragswerkstatt in Wetzlar durchführen.

Mit freundlichen Grüßen
Vehrenberg KG
H.Vehrenberg
 
Re: Ein paar Vorschläge

Hallo Herr Vehrenberg,

besten Dank für die klare Stellungnahme. Damit weiß man wenigstens, woran man ist. Und die Möglichkeit zur Justage in einer Wetzlarer Werkstatt ist schon mal beruhigend bei evtl. Kaufabsichten für ein Großfernglas von Vixen. Was erwartet den Kunden bei den wetterfesten und stickstoffgefüllten Gläsern, wie Apex Pro und Foresta? Müssen die im Ernstfall nach Japan?

Mfg Frank Schäfer
 
Re: Ein paar Vorschläge

Hallo Herr Schäfer,
gute Frage, den Fall hatten wir bisher nicht und fragen gerne in Wetzlar an.
Mit freundlichen Grüßen
H.Vehrenberg
 
Re: Ein paar Vorschläge

Aus Sicht der Vixen Europe GmbH zum Service von Vixen-Ferngäsern folgendes zu sagen.
- Weist ein neues Glas einen Defekt auf, so ist das logischerweise ein Garantiefall. Grenzwertig ist da natürlich das Thema Kollimation: Erhalte ich nach vier Wochen ein Glas zurück, das dejustiert ist und schon erhebliche Gebrauchsspuren aufweist, dann kann ich davon ausgehen, dass die Dejustage im Gebrauch entstanden ist. Löst sich jedoch z.B. die Belederung oder die Vergütung (kommt praktisch nie vor...), dann handelt es sich meist um einen klassischen Garantiefall, der auf einen Austausch hinausläuft.
- Ältere Gläser können wir nachjustieren lassen, wir haben sowohl in Deutschland wie auch in Japan Partnerunternehmen. Unabhängig davon kann jeder Fernglas-Anwender natürlich auch selber nach Justierfirmen Ausschau halten. Wer mehr dazu wissen will, der sollte mich direkt anmailen (ich habe die Kontaktadressen gerade nicht zur Hand).
- Egal, was an einem Vixen-Fernglas kaputt geht, prinzipiell sind ALLE Einzelteile separat erhältlich.

Schöne Grüße,

Stefan Korth
 
Re: Ein paar Vorschläge

Eine Alternative wäre noch das Foresta 10x42 mit wasserdichtem Stickstoff-gefülltem Magnesiumgehäuse (einteilig), Mittenfokussierung und 65° Sehfeld.
Optisch ist dieses Glas sicherlich mit dem Ultima vergleichbar, es ist vor allem dann interessant, wenn man das Glas nicht nur für Astronomie, sondern auch den rauhen Alltagseinsatz braucht.

Binokulare Grüße,

Stefan Korth
 
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