klawipo
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Hallo Ihr Lieben,
gestern klarte es abends im Kölner Raum gegen zehn Uhr auf, also machte ich mich trotz Windes auf den Weg um mit meinem 12 Zoll-Dobson und dem 20 EUR Lidl/Bresser-Zoom-Fernglas (10-30x60) zu beobachten. An einem meiner Lieblingsplätze auf freiem Feld war der Wind noch zu stark, so dass ich an einen etwas geschützteren Waldparkplatz mit etwas besserem Himmel fuhr.
Eigentlich hatte ich vor die Galaxien um den großen Bären mal mit dem 12er anzuschauen, die ich bislang damit noch nicht beobachtet hatte. Die immer noch gelegentlich starken Böen hielten mich aber davon ab, den "Großen" aufzubauen. Als relativ schwere Gitterrohr-Konstruktion ist der zwar nicht allzu windanfällig. Ich befürchtete eher mögliche Beschädigungen am offen und bodennah platzierten Hauptspiegel durch umherfliegende Teile und Sandkörner.
Also flugs das Fernglas aufs Fotostativ und ran an hellere Objekte. M42 (Orionnebel) schaute ich mir immer mal wieder zwischendurch an. Durch den gen Süden sehr guten Himmel kam er mir später mit seinen riesigen Ausläufern fast rund vor. Reflexionsnebel M78 konnte ich auch schwach aber deutlich sehen. Ich war verwundert weil ich einen zweiten, noch funzeligeren Nebel in der Nähe zu sehen meinte. Durch das sehr mäßige Seeing war ich aber nicht sicher, ob es sich eventuell eher um ein Sternenpärchen in der Nähe der Grenzgröße des Binokulares handeln könnte. Aus dem Karoschka erfuhr ich nach der Session, dass mit NGC 2071 ein weiterer Reflexionsnebel bei M78 steht. Mit 6cm Öffnung ist der so gerade noch machbar. Der mag es dann wohl gewesen sein.
Schön bei dem kleinen Fernglas ist, dass man manche Sternhaufen quasi en passant findet. Beim Versuch auf die Krippe zu schwenken, geriet mir zum Beispiel M 67 ins Blickfeld. Für meine Begriffe war der schon ganz gut aufgelöst. Ich beobachtete übrigens den ganzen Abend mit der Höchstvergrößerung von 30fach. Dabei hat das kleine Gerät das beste scheinbare Gesichtsfeld. Durch Hin- und Herzoomen verstellt sich außerdem immer der Fokus, auch daher lasse ich lieber die Finger vom Zoomhebel. Praesepe (M44) passte fast genau ins Sichtfeld, ein wunderschöner Anblick. Bei den größeren Instrumenten lasse ich dieses Objekt schon aus Erfahrung links liegen, dort wirkt es einfach nicht. Auch die Plejaden fanden in voller Pracht im Okular Platz. Den Sternhaufen M41 im Großen Hund kann ich fast nie auslassen, wenn er zu sehen ist. Die Transparenz war ideal, und obwohl M41 bei uns ja nie richtig hoch steht, war der Nebel bereits mit bloßem Auge zu sehen. Im Fernglas wieder einmal eine Wucht. Zu diesem Messier-Objekt habe ich eine besondere Beziehung. Wie fast jeder Anfänger war ich als Jugendlicher von den ersten Anblicken durch meinen damals bescheidenen Zweizöller ziemlich enttäuscht. M 41 war dann der erste Sternhaufen, der mir zeigte dass man diesem Hobby auch mit kleiner Öffnung genussvoll fröhnen kann. Ich denke, wenn ich damals nicht über M 41 gestolpert wäre, hätte ich mir später niemals einen Dobson gegönnt sondern die Astronomie aufgegeben.
Wenig erhoffte ich mir vom Supernova-Überrest M 1, welchen ich bereits im 12er bei allerdings wesentlich schlechterer Transparenz als trübes Kartöffelchen gesehen habe. Im Bresser-Fernglas leicht zu finden, dunkel, aber noch ganz gut direkt sichtbar. Eben ein noch kleineres, noch dunkleres Kartöffelchen als im Dob. Den Krebsnebel finde ich dennoch interessant, wenn man bedenkt dass dort vor gerade mal 1000 Jahren noch ein (von der Erde schwacher) Stern leuchtete, bis es zur Explosion kam, die den Nachthimmel erleuchtete. Der bekannte Doppelsternhaufen h & chi im Perseus kam zweiäugig auch richtig gut rüber, fast wie zwei Sternkraken, die sich gegenseitig umarmen wollen. Auch die Sternhaufen M 35, M37, M36 und M38 sowie die schönen Geschwungenen Sternketten im Fuhrmann ließ ich nicht aus.
Das Aufsuchen klappt bei 30facher Vergrößerung mal intuitiv, dann auch mal wieder nicht. Eigentlich wollte ich M40 anschauen, bekam aber den naheliegenden Eckstern im großen Wagen nicht ins Visier. So hangelte ich mich von Alkor/Mizar per Grobmotorik-Starhopping hoch an den entsprechenden Kantenstern, fand aber nicht den in meiner Karte eingezeichneten Sternhaufen. Kein Wunder, denn M40 ist nur ein Doppelstern und gilt als Sehfehler Messiers, wie ich im Nachgang las. Gut, dass ich hier nicht mehr Zeit mit sinnloser Suche verschwendete. Zu guter Letzt warf ich noch einen kurzen Blick auf Jupiter, bei dem ich zu diesem Zeitpunkt (etwa 1:30 Uhr) zwei Monde entdecken konnte. Der Planet ist bereits ein veritables, wenngleich strukturloses Scheibchen bei 30facher Vergrößerung.
Ich war froh auf das Fernglas zurückgreifen zu können und kann nur jedem Sternfreund mit extra-klammem Geldbeutel empfehlen, so eine Kombination aus hochvergrößerndem Fernglas und einigermaßen stabilem Fotostativ mal auszubrobieren. Beides zusammen hat mich nicht einmal 50 EUR gekostet, ich hatte allerdings auch Glück dass es das Cullmann Alpha 3800-Stativ mit 1,87m Länge (genauso groß wie ich) damals bei Amazon für unter 30 EUR gab. Mittlerweile liegt es dort bei 50 EUR. Ich brauche davon jeden Zentimeter Höhe, um auch höher stehende Objekte relativ bequem stehend anschauen zu können. Das Stativ sollte also so hoch sein wie man selber.
Ich nehme das Zoom-Fernglas auch lieber mit als den rund 100 EUR teuren Celestron Skymaster 15x70, welchen ich ebenfalls besitze. Mit der kleinen Vergrößerung sehe ich zu wenig Struktur in den meisten Objekten. Vielleicht ist mein Auge einfach nicht geeignet für zu große Austrittspupillen, wer weiß... Zudem kommt das Stativ mit den 400 Gramm mehr Gewicht beim Skymaster langsam an seine Grenzen und schwingt wesentlich mehr. Mit dem knapp 1 Kilo wiegenden Bresser wackelte es nur beim Einstellen und bei heftigeren Böen.
VG & CS
Klaus
gestern klarte es abends im Kölner Raum gegen zehn Uhr auf, also machte ich mich trotz Windes auf den Weg um mit meinem 12 Zoll-Dobson und dem 20 EUR Lidl/Bresser-Zoom-Fernglas (10-30x60) zu beobachten. An einem meiner Lieblingsplätze auf freiem Feld war der Wind noch zu stark, so dass ich an einen etwas geschützteren Waldparkplatz mit etwas besserem Himmel fuhr.
Eigentlich hatte ich vor die Galaxien um den großen Bären mal mit dem 12er anzuschauen, die ich bislang damit noch nicht beobachtet hatte. Die immer noch gelegentlich starken Böen hielten mich aber davon ab, den "Großen" aufzubauen. Als relativ schwere Gitterrohr-Konstruktion ist der zwar nicht allzu windanfällig. Ich befürchtete eher mögliche Beschädigungen am offen und bodennah platzierten Hauptspiegel durch umherfliegende Teile und Sandkörner.
Also flugs das Fernglas aufs Fotostativ und ran an hellere Objekte. M42 (Orionnebel) schaute ich mir immer mal wieder zwischendurch an. Durch den gen Süden sehr guten Himmel kam er mir später mit seinen riesigen Ausläufern fast rund vor. Reflexionsnebel M78 konnte ich auch schwach aber deutlich sehen. Ich war verwundert weil ich einen zweiten, noch funzeligeren Nebel in der Nähe zu sehen meinte. Durch das sehr mäßige Seeing war ich aber nicht sicher, ob es sich eventuell eher um ein Sternenpärchen in der Nähe der Grenzgröße des Binokulares handeln könnte. Aus dem Karoschka erfuhr ich nach der Session, dass mit NGC 2071 ein weiterer Reflexionsnebel bei M78 steht. Mit 6cm Öffnung ist der so gerade noch machbar. Der mag es dann wohl gewesen sein.
Schön bei dem kleinen Fernglas ist, dass man manche Sternhaufen quasi en passant findet. Beim Versuch auf die Krippe zu schwenken, geriet mir zum Beispiel M 67 ins Blickfeld. Für meine Begriffe war der schon ganz gut aufgelöst. Ich beobachtete übrigens den ganzen Abend mit der Höchstvergrößerung von 30fach. Dabei hat das kleine Gerät das beste scheinbare Gesichtsfeld. Durch Hin- und Herzoomen verstellt sich außerdem immer der Fokus, auch daher lasse ich lieber die Finger vom Zoomhebel. Praesepe (M44) passte fast genau ins Sichtfeld, ein wunderschöner Anblick. Bei den größeren Instrumenten lasse ich dieses Objekt schon aus Erfahrung links liegen, dort wirkt es einfach nicht. Auch die Plejaden fanden in voller Pracht im Okular Platz. Den Sternhaufen M41 im Großen Hund kann ich fast nie auslassen, wenn er zu sehen ist. Die Transparenz war ideal, und obwohl M41 bei uns ja nie richtig hoch steht, war der Nebel bereits mit bloßem Auge zu sehen. Im Fernglas wieder einmal eine Wucht. Zu diesem Messier-Objekt habe ich eine besondere Beziehung. Wie fast jeder Anfänger war ich als Jugendlicher von den ersten Anblicken durch meinen damals bescheidenen Zweizöller ziemlich enttäuscht. M 41 war dann der erste Sternhaufen, der mir zeigte dass man diesem Hobby auch mit kleiner Öffnung genussvoll fröhnen kann. Ich denke, wenn ich damals nicht über M 41 gestolpert wäre, hätte ich mir später niemals einen Dobson gegönnt sondern die Astronomie aufgegeben.
Wenig erhoffte ich mir vom Supernova-Überrest M 1, welchen ich bereits im 12er bei allerdings wesentlich schlechterer Transparenz als trübes Kartöffelchen gesehen habe. Im Bresser-Fernglas leicht zu finden, dunkel, aber noch ganz gut direkt sichtbar. Eben ein noch kleineres, noch dunkleres Kartöffelchen als im Dob. Den Krebsnebel finde ich dennoch interessant, wenn man bedenkt dass dort vor gerade mal 1000 Jahren noch ein (von der Erde schwacher) Stern leuchtete, bis es zur Explosion kam, die den Nachthimmel erleuchtete. Der bekannte Doppelsternhaufen h & chi im Perseus kam zweiäugig auch richtig gut rüber, fast wie zwei Sternkraken, die sich gegenseitig umarmen wollen. Auch die Sternhaufen M 35, M37, M36 und M38 sowie die schönen Geschwungenen Sternketten im Fuhrmann ließ ich nicht aus.
Das Aufsuchen klappt bei 30facher Vergrößerung mal intuitiv, dann auch mal wieder nicht. Eigentlich wollte ich M40 anschauen, bekam aber den naheliegenden Eckstern im großen Wagen nicht ins Visier. So hangelte ich mich von Alkor/Mizar per Grobmotorik-Starhopping hoch an den entsprechenden Kantenstern, fand aber nicht den in meiner Karte eingezeichneten Sternhaufen. Kein Wunder, denn M40 ist nur ein Doppelstern und gilt als Sehfehler Messiers, wie ich im Nachgang las. Gut, dass ich hier nicht mehr Zeit mit sinnloser Suche verschwendete. Zu guter Letzt warf ich noch einen kurzen Blick auf Jupiter, bei dem ich zu diesem Zeitpunkt (etwa 1:30 Uhr) zwei Monde entdecken konnte. Der Planet ist bereits ein veritables, wenngleich strukturloses Scheibchen bei 30facher Vergrößerung.
Ich war froh auf das Fernglas zurückgreifen zu können und kann nur jedem Sternfreund mit extra-klammem Geldbeutel empfehlen, so eine Kombination aus hochvergrößerndem Fernglas und einigermaßen stabilem Fotostativ mal auszubrobieren. Beides zusammen hat mich nicht einmal 50 EUR gekostet, ich hatte allerdings auch Glück dass es das Cullmann Alpha 3800-Stativ mit 1,87m Länge (genauso groß wie ich) damals bei Amazon für unter 30 EUR gab. Mittlerweile liegt es dort bei 50 EUR. Ich brauche davon jeden Zentimeter Höhe, um auch höher stehende Objekte relativ bequem stehend anschauen zu können. Das Stativ sollte also so hoch sein wie man selber.
Ich nehme das Zoom-Fernglas auch lieber mit als den rund 100 EUR teuren Celestron Skymaster 15x70, welchen ich ebenfalls besitze. Mit der kleinen Vergrößerung sehe ich zu wenig Struktur in den meisten Objekten. Vielleicht ist mein Auge einfach nicht geeignet für zu große Austrittspupillen, wer weiß... Zudem kommt das Stativ mit den 400 Gramm mehr Gewicht beim Skymaster langsam an seine Grenzen und schwingt wesentlich mehr. Mit dem knapp 1 Kilo wiegenden Bresser wackelte es nur beim Einstellen und bei heftigeren Böen.
VG & CS
Klaus