Fernglas-Vergütung

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the_viewer

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Hallo!

Mich interessiert es mal zu erfahren, was die Farbe der Vergütung eigentlich aussagt. Welche chemische Verbindungen verbergen sich hinter den unterschiedlichen Farben? Welche ist qualitativ am besten?
Ich habe bisher schon rote, grüne, blaue, orangene, und violette Vergütungen gesehen. Jedoch wusste ich nie, was das denn nun zu bedeuten hat...
 
Hallo David,

Vergütungen sind dünne Schichten von dielektrischen Materialien (Metallsalzen), die durch Verdampfung oder per Elektronenstrahl im Vacuum auf Glasoberflächen aufgebracht werden. Die Vergütung bewirkt durch Interferenz eine optimierte Transmission und damit eine minimierte Reflexion. Die Farbe des dennoch reflektierten Restbildes sagt etwas darüber aus, welche Lichtanteile nicht optimiert werden konnten. Über das dielektrische Material sagt die Farbe speziell bei Mehrfachschichten nichts aus. Bei der theoretisch besten Vergütung, die aber technisch nicht machbar ist, gibt es keine Reflexion also auch keine Farbe (man könnte die Glasoberfläche praktisch nicht mehr sehen).

Farbneutral vergütet sind Gläser die ganz schwache grün-türkise oder (aus Rot- und Blauanteilen) blau-violette Reflexe zeigen, da diese das visuelle Farbspektrum nur ganz wenig verfälschen und eine hohe Transmission garantieren.

Übrigens ist nicht alles, was farbig ist, eine Vergütung. Manchmal findet man auch einfach rot lackierte Objektive. Diese Lackierung bewirkt natürlich absolut nichts positives.

Vergütete Foto-Objektive nannte man früher T-Objektive (T von Tarnung). Eigentlich war die Bezeichnung irreführend, denn Reflexe und Geisterbilder werden nicht nur getarnt, sondern deren Lichtanteile werden zur Transmission gezwungen und dadurch nutzbar gemacht.

Von dieser Bezeichnung (T-Objektiv) kommt auch der Begriff der T*-Vergütung bei Zeiss.

Man kann noch viel zu diesem Thema sagen. Ich hoffe das hilft Dir erstmal weiter.

Walter


 
Kann es sein, das manche "Billig-Hersteller" ihre Objektive absichtlich lackieren, um sie für Laien hochwertiger aussehen zu lassen?
Das erklärt, warum ich in Frankreich 8x70 Ferngläser für 26 Euro gesehen habe, die total rote/oragene Objektive hatten...

Aber welche Vergütung bringt denn nun in der Praxis am meisten (hinsichtlich Transmission)?
 
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Ganz sicher.

Bei echten Vergütungen erscheinen nur die Reflexe leicht farbig, aber nicht die gesamte Glasoberfläche. Die Vergütungsschichten selbst sind immer farblos.

Die Frage nach der besten Vergütung bezgl. der Transmission ist so nicht zu beantworten. Bei den Topherstellern gibt es Unterschiede je nach Tageszeit und Farbtemperatur. Die Transmission des gesamten Fernglassystems liegt bei diesen Herstellern zwischen ca. 82 und 90% und dies wiederum bei unterschiedlichen Anteilen des visuellen Spektrums. Hat die Transmission diese hohen Werte erreicht dann sind die Unterschiede auch nicht mehr so wichtig. Wichtiger sind dann Kontrast, kalte/warme Färbung, Schärfe usw., die aber jeder subjektiv anders empfindet. Man muß das selbst herausfinden, denn jeder hat ja andere Augen.

Walter
 
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Hallo,

wenn ich mich noch richtig an den Physikunterricht erinnere (Hallo Herr Schroth), funktioniert das mit der Vergütung optischer Oberflächen folgendermassen:

Die Idee ist folgende: Um die Reflexion eines Lichtstrahls an der Grenzfläche Luft-Glas zu minimieren, wird der reflektierte Lichtstrahl so mit sich selbst zur Interferenz gebracht, dass eine Auslöschung des reflektierten Strahls erreicht wird. Aufgrund des Energieerhaltungssatzes (die Energie des ausgelöschten, reflektierten Lichtstrahls kann ja nicht einfach verschwinden), muss der Lichtstrahl nun vollständig die Grenzfläche passieren.
Zur Erreichung des Auslöschungseffektes, muss beim reflektierten Lichtstrahl ein Gangunterschied von einer halben Wellenlänge erreicht werden. Hierzu wird auf die Grenzfläche Luft-Glas eine dünne, transparente Schicht aufgebracht, die Vergütungsschicht, die eine zweite Reflexion erzeugt. Es finden nun zwei Reflexionen statt. Eine entsteht an der Grenzschicht Vergütung-Luft und eine an der Grenzschicht Glas-Vergütung. Die auslöschende Interferenz entsteht nun, wenn die Schichtdicke der Vergütung genau einem Viertel der Wellenlänge des Lichts entspricht.

Hieran wird nun auch das Problem der Vergütung ersichtlich: Eine Vergütungsschicht funktioniert immer nur für genau eine Wellenlänge. Mit zunehmendem Abstand der Wellenlänge des Lichts von der Auslöschungswellenlänge, wird der Effekt immer kleiner. Hierdurch entstehen im übrigen die Farbeffekte. Sie zeigen an, bei welcher Wellenlänge die Vergütung nicht gut funktioniert, denn diese Lichtstrahlen werden ja reflektiert.
Für eine gute Unterdrückung der Reflexionen im gesamten Wellenlängenbereich des sichtbaren Lichtes muss deshalb eine Vielzahl dünner Vergütungsschichten übereinander aufgetragen werden, von denen jede für die Auslöschung einer anderen Wellenlänge zuständig ist. Das nennt man dann übrigens Multicoating.

Mit vollvergüteten Grüssen,

stolpe
 
Hallo Walter,

kannst Du vielleicht auch noch etwas dazu sagen welche Vergütung zu welchen Farben bei den Reflexen führt. Und mega genial wäre natürlich, wenn Du auch noch etwas dazu wüsstest, welche Vergütung welchen Transmission bringt - zu mindest theoretisch.

Grüsse

Markus
 
Hallo Markus,

die Frage kann ich nicht beantworten. Art, Zahl, Material und Zusammenspiel der Vergütungsschichten halten die Firmen geheim. Sucht man unter dem Begriff "Optical Coating" im Internet, dann bekommt man aber einen Überblick über das derzeit Machbare und den Stand der Forschung. Führend sind Firmen, die sich mit Bauteilen für Telekommunikation, Raumfahrt und Halbleiter/Laser-Technik befassen. Hier habe ich eine Reihe von Spezialfirmen gefunden, die folgendes garantieren:
Multicoating mit 88 Einzelschichten für den Bereich 280-1200nm. Mittlere Reflexion 1%, maximaler Peak 1,5% über den gesamten Bereich pro vergütete Fläche.
Schränkt man den Bereich auf das visuelle Spektrum ein, ist sicherlich noch mehr möglich, aber vermutlich ökonomisch nicht mehr sinnvoll.
Geforscht wird derzeit mit Vergütungen auf Basis von Titansalzen und (doppelbrechenden) Diamanten. Wegen der Wischfestigkeit von Vergütungen werden oft härtere Abschlußbeschichtungen aufgebracht, die aber leider auch optisch aktiv sind.
Sollte das mit den Dünnfilm-Diamanten funktionieren und irgendwann bezahlbar sein, wäre das Thema Wischfestigkeit vermutlich Geschichte.

Walter
 
Hallo Markus,

ich schaue mir gerade die Vergütung meines Swarovski EL-Fernglases an. Ich würde die Reflexion als bräunlich-violett mit gelb-grün Anteilen charakterisieren. Die Effekte sind eindeutig vom Betrachtungswinkel abhängig.
Die Reflexionen sind allerdings wesentlich schwächer als die meines angeblich ebenfalls Multivergüteten Bresser-Jagd-Fernglases. Mein kleines Zeiss-Vctory-Fernglas hat eine T*-Vergütung mit bläulichen und violetten Reflexionen. Rein subjektiv würde ich sagen, dass sie vielleicht noch etwas besser ist, als die des Swarovkis, aber das liegt vielleicht auch nur am unterschiedlichen Durchmesser der Optiken (Zeiss 20 mm, Swaro 42 mm).

Swarovski schreibt dazu auf ihrer Web-Seite (http://www.swarovskioptik.at/produk...rngläser&model=1&glossar=glossar#tabelle):

"SWAROTOP

Bei Swarovski entwickelte und patentierte, mehrschichtige Breitbandvergütungen, die die mechanische Haltbarkeit der - bei anderen Herstellern verwendeten - Einfachvergütungen mit einer hervorragenden Transmission verbindet. Dazu werden die Glasoberflächen der Linsen und Prismen mit extrem dünnen, reflexmindernden Belägen bedampft. So wird der Oberflächenreflex, der normalerweise 4 bis 6 % beträgt, bei allen Linsen und Prismen über das gesamte Lichtwellen-Spektrum bis auf 0,2 % reduziert! Das Resultat: sichtbar hellere, kontrastreichere Bilder."

Wieviele Schichten dazu notwendig sind, steht leider nicht da. Für ihre Swarobright-Beschichtung der Prismen, werden allerdings 30 Schichten angegeben.

Mit bräunlich-violetten Grüssen,

stolpe
 
Hallo Stolpe,

genau diese Art der Werbeaussagen führt dazu, dass man sich vermeintlich informiert fühlt. Swarovski gehört ja nun wirklich zu den Top-Herstellern und hätte das nicht nötig.

"Einfachvergütungen"
Das gibt es bei den Top-Herstellern seit Jahrzehnten nicht mehr.

"So wird der Oberflächenreflex, der normalerweise 4 bis 6 % beträgt,..."
so starke Reflexe gibt es nur, wenn man die Vergütung ganz wegläßt (ca.1950).

"bei allen Linsen und Prismen über das gesamte Lichtwellen-Spektrum bis auf 0,2 % reduziert..."
Dieser Bestwert ist absolut nichts sagend. Man findet bei jeder MC-Vergütung auch eine Linie im Spektrum, deren Reflexe auf 0,2% oder darunter reduziert werden konnte; wohlgemerkt 0,2% pro Glas-Luft-Fläche. Informativer wäre eine Angabe des Mittelwertes über das gesamte Spektrum oder ein Wert für die Gesamttransmission (Zeiss: über 90%).
Der Kontrast von Swarovski-Gläsern wird übrigens bei Tests immer wieder als besser beurteilt, als der bei Zeiss. Dieses mehr an Kontrast ist beim Fernglas aber wesentlich wichtiger als 1-2% mehr Transmission, denn letztlich ist ein knackscharfes, kontrastreiches Bild entscheidend.

Trotzdem ist es immer wieder schade, das auch renomierte Hersteller leere Sprechblasen verbreiten. Vielleicht kommt dies auch daher, dass die qualitativen, optischen Unterschiede zwischen den Top-Konkurrenten nun wirklich fast schon verschwindend gering sind, jedenfalls die, die sich objektivieren lassen.

Walter



 
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Re: Fernglas-Vergütung, Hersteller Info aus China

Hallo Leute, habe Roland Christen von Astrophysics für diesen Link zu danken. Wie Rolando in einem US thread so schön sagt, mann kann zwar alles als Multivergütet bezeichnen, aber es gibt dennoch krasse Transmissions und Preisunterschiede, daher etwas Wochenend lektüre der Hersteller zum Nachlesen

http://www.binocularschina.com/coating.html

 
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