Fernglas

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Orion300177

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Hallo Leute
Da ich in den nächsten Tagen Familienzuwachs bekomme und ich dann die nächste Zeit wenig Möglichkeiten haben werde für längere Beobachtungsnächte , suche ich irgendwas für die schnelle Beobachtung vor der Haustür. Ich dachte da an ein schönes Fernglas mit großer Öffnung. Was könnt Ihr mir empfehlen? Was kann man man rein optisch von einem Glas mit 80 - 100 mm Öffnung erwarten ?
Freu mich auf Eure Antworten!
Jan
 
Von einem solchen Glas kann man jede Menge erwarten. Was interessiert Dich denn konkret?

Gruß
Adson
 
Ich würde gern mal wissen was man gut damit beobachten kann.
Soweit ich weis ist ein Fernglas nicht gut geeignet für Planeten wegen der geringen Vergrößerung oder irre ich mich da. Wie sieht es mit Nebeln u. Galaxien sowie unseren Mond aus ?
Jan
 
Also ich beobachte - trotz vorhandener größerer Teleskope - sehr gern und sehr oft mit Ferngläsern. Das geht schnell, ist bequem und man kann sie leicht transportieren.

Planeten sind nicht wirklich der Bringer im Fernglas, Jupiter sieht man ggf. die 4 Monde um ein winziges Scheibchen. Saturn sieht aus wie ein länglicher Fleck, hängt von der Stellung der Ringe ab.

Mond kann man schon recht gut beobachten, natürlich muss man immer bedenken, dass eben eine relativ kleine Vergrößerung nur für große Strukturen ausreicht. Aber davon hat es schon eine ganze Menge.

Ansonsten kann man Doppelsterne beobachten, veränderliche Sterne, offene Sternhaufen (die Plejaden sind z.B. ein Genuss, den man "so" in keinem größeren Teleskop sehen kann), Galaxien, Nebel usw.

Man sagt ja, jedes Fernrohr hat seinen Himmel - mit einem Fernglas hast Du zwei Himmel: Für jedes Auge einen. Das macht den besonderen Reiz aus, der Gewinn wird allgemein mit ca. 40 % "Mehr-Öffnung" verglichen. Also ein 50 mm Fernglas zeigt soviel wie ein 90 mm Refraktor. Immer die Vergrößerung außem vor gelassen.

Aber bei vielen Objekten ist die Vergrößerung erst an zweiter Stelle, oft kommt es auf ein großes Gesichtsfeld an und einen möglichst dunklen Himmel. Und gerade da kann ein Fernglas ebenfalls punkten: Es ist leicht und schnell irgendwo hin zu transportieren. Das Fernglas ist also nur ein Glied in einer recht umfangreichen Kette, die von der Wahl eines möglichst dunklen Standortes über die Optik bis zu warmen Klamotten reicht ...

Ach ja: Bequemer Stuhl muss sein, außerdem ein Stativ (auch fürs Fernglas, und wenn es ein Besenstiel ist).

Im Himmelsatlas von Karkoschka sind sehr viele Objekte enthalten, die man mit einem Fernglas schön beobachten kann. Außerdem empfehlenswert ist der DeepSky Reiseführer von Stoyan und - falls Du englisch kannst - "Touring the universe through binoculars" von Harrington. Letztgenanntes Buch ist eigentlich ein absolutes Muss für einen ambitionierten Fernglasbeobachter (wobei man um einen Sternatlas min. auf Karkoschka Niveau nicht herumkommt).

Da Du an 80 - 100 mm Öffnung denkst, wirst Du jede Menge Beobachtungsspass haben! Vor allem: Wenn 90 % der Sternfreunde in Sachsen noch überlegen, ob sie den Dobson rausstellen, liegst Du schon mit dem Fernglas im Liegestuhl. Auch die kleinste Wolkenlücke kannst Du nutzen ...

Als erfahrener Vater sage ich Dir: Das ist nicht mit Gold zu bezahlen, wenn man sich mal nachts ne halbe Stunde rausschleichen kann und dann auch sofort loslegen kann mit der Beobachtung. Wenn ich recht überlege: Früher fand ich Ferngläser langweilig - seit die Kinder da sind, nutze ich sie sehr gern und oft.

Gruß
Adson
 
Danke für die vielen Informationen. Was für Gläser sind denn zu empfehlen ? Gibt es wa besonders Wichtiges worauf man achten sollte beim Kauf. Mir würde ja was mit 45 Grad Einblick gut gefallen, aber solche Gläser sind wirklich recht teuer.
Jan
 
Hallo Adson,

dieses "Touring the universe through binoculars" von Harrington" interessiert mich. Wie ist denn dieses Buch aufgebaut? Ähnlich wie der Karkoschka?

Beste Grüße.
 
Hallo,

das Buch ist komplett anders ;)

Es gibt eine recht knappe Einleitung, in der die Vorzüge von Ferngläsern erörtert werden. Dann gehts über unser Sonnensystem zu den Sternen. Für jedes Sternbild sind interessante Objekte in einer Tabelle aufgeführt und dann auch die meisten im Text beschrieben. Es gibt nur wenige Bilder in dem Buch und die sind in mäßiger Qualität. Mit ca. 30 EUR ist es nicht ganz billig, aber liefert einem Fernglasbeobachter unglaublich viele Ideen und Anregungen für interessante Objekte. Am Ende sind noch einige Tips zum Kauf von Ferngläsern und zum Bau von Montierungen enthalten.

Um die Objekte zu finden, sollte man schon noch einen Sternatlas haben und sich schon zumindest grundsätzlich am Himmel auskennen (Karkoschka mal durcharbeiten). Es gibt keine Aufsuchkärtchen o.ä. im Buch von Harrington.

In dem Buch habe ich übrigens das erste Mal gelesen, dass es windige Händler gibt, die ihre Gläser anpreisen mit "alle Glasflächen vergütet" - dass im inneren des Teils unvergütete Plastiklinsen sind, muss man dann ja nicht erwähnen.

Alles in allem sehr interessant, aber leider eben nur in Englisch erhältlich.

Gruß
Adson
 
Hallo

Was haltet Ihr von folgenden Gläsern für Astronomische Beobachtung:
- STEINER SkyHawk 8x42
- LUGER DA 10x42
- LUGER DA 8x42
- LUGER DN 8x56
- Bresser Diorit 9x63
- TS 1070 MX
- Pentax 10x42 & 12x42 DCF HR
Soetwas in der Art dachte ich, wenn Ihr andere Vorschläge
habt wäre ich Euch sehr dankbar. Preislimit so um die 250-300 € !!! Würde auch ein gutes gebrauchtes nehmen.
Vielen Dank Jan
 
Hallo,

von den genannten würde ich (!) max. das Pentax in Erwägung ziehen. Auch Dir den Tipp, schreib mal an Simone Hauptmann eine kleine eMail, vielleicht gleich mit einem Link zu diesem Thread. Sie ist hier im Forum als "Metallica" angemeldet, ihre Website ist www.optixxx.de

Wenn Du Ihr Deine Vorstellungen schilderst, kann Sie Dir vllt. auch ein gutes Gebrauchtglas besorgen. Bei ihr hast Du die Gewissheit, dass Du keine Gurke bekommst und alles "perfekt" ist.

Für 300 EUR und hauptsächlich astronomische Nutzung würde ich ein 10x50 Glas in Porrobauweise nehmen. Porro deshalb, weil Du für ein gleich gutes Dachkant in dieser Qualitätsstufe min. 100 EUR mehr zahlen musst. Dachkant würde ich in Erwägung ziehen, wenn Du mit dem Glas auch öfter z.B. Wandern willst und/oder eine geringere Naheinstellgrenze brauchst (für Beobachtung von Vögeln direkt vorm Fenster z.B.).

Es gibt für ~ 300 EUR auch China-Nachbauten des Fujinon 10x50, mit Einzelokularverstellung. Da gibt es allerdings eine erhebliche Serienstreuung und die Teile haben Einzelokularverstellung. Das enorme Gewicht bekommst Du gratis dazu. Freihand-Beobachtungen kannst Du damit komplett vergessen.

Ich persönlich würde aber wie geschrieben ggf. ein gebrauchtes aber überprüftes Fernglas von Simone H. vorziehen. Da weiß man, was man hat :)

Gruß
Adson


Nachtrag: Ich erinnere mich, dass ich vor ein paar Wochen mal ein Vixen Ascot 10x50 vor Augen hatte, welches einen recht soliden Eindruck machte und auch optisch durchaus annehmbar war. Dürfte < 200 EUR kosten (neu). Nur mal als Idee und Option.
 
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Hallo,

noch zwei kleine Tipps:

1. Das Fernglas auf ein Stqativ montieren, bringt viel.
2. Das Beobachten aus dem Liegestuhl ist total komfortabel.

Das Buch von Harrington ist auf jeden Fall empfehlens- und lesenswert.

Klaren Himmel

Peter
 
Hallo Jan

Ich habe das TS 20x80 Triplet.

Kommet 17p/Holmes war sehr schön zu sehen. Am Mond gibs leichte Farbränder, die nicht sehr stören. Bei 6Mag Himmel kommen auch Galaxien sehr gut, besonders M31 aber auch M81.
Eigentlich ist so ein FG für alles gut wo man mit 20facher Vergrösserung auskommt. Beobachten im Zenit führt allerdings schnell zu Nackenschmerzen.

Ich habe auch ein CZJ 10x50 Jenoptem (von Simone für 240.-€)
Die Abildung ist super, ebenso das GF mit 7,3°.
Im liegen kann ich es freihänig nutzen, das 20x80 kommt immer aufs Stativ.

cs
Daniel
 
Hallo
Habe mich mal bei Simone gemeldet, mal sehen ob Sie was für mich hat. Gebe Euch bescheid wen es interessiert.
Vielen Dank an alle und für weitere Empfehlungen bin ich nach wie vor dankbar.
MfG Jan
 
Hallo,

ich besitze neben einem "richtigen" Teleskop auch ein CZJ 10x50 Jenoptem (Simone Hauptmann), das sehr zu empfehlen ist, und ein Oberwerk 20x90. Letzteres kommt grundsätzlich auf das Stativ, das 10x50 kann zeitweise auch ohne Stativ benutzt werden - für einen ungetrübten Genuß ist jedoch auch hier das Stativ zu empfehlen. Beide Gläser sind bei mir meistens auf ein schwingungsarmes Berlebach-Holzstativ gesetzt, das ich für den Fernglas-Einsatz modifiziert bzw. mit entsprechenden Halterungen versehen habe. Das 20x90 ist im Übrigen ebenfalls ein hervorragendes Glas mit einer (für mich) völlig ausreichenden Abbildungsqualität und einer erträglichen Randunschärfe.

Der Kombet 17P Holmes ist derzeit mein Favorit, doch das 10x50 zeigt so viele Objekte (wie heute um 5.30 Uhr den Orion-Nebel, die Plejaden und M 31 zum Frühstück), dass es niemals langweilig wird. Das 20x90 kommt dann zur näheren Betrachtung mit Gewinn zum Einsatz. In meinem 8" Newton bringt ein 32 mm 2"-WW-Okular weitere Details zu Tage.

Das genannte Buch "Touring the universe through binoculars" ist sehr zu empfehlen. Weitere Literatur-Tipps:

Brandt, Rudolf: Himmelswunder im Feldstecher, Leipzig 1968 (in mehreren Auflagen erschienen!)

Bibliophil und schön ist auch:
Brandt, Rudolf: Was zeigt uns der Zeiss-Feldstecher am Sternhimmel?, Jena 1957.

Viel Freude!

Ralf
 
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