Astroindex?
Hallo Dirk und alle anderen Index Freunde,
nur mal eine kleine Anmerkung zu der Indexproblematik. Beide Autoren (Adler und Bishop) haben sich gesagt, daß weder Dämmerungsleistung noch geometrische Lichtstärke ein sinnvolles Maß für die astronomische Eignung eines Fernglases sind. Bishop hat den Visibility Factor eingeführt:
VF = V x D (also Vergrößerung mal Objektivöffnung in mm)
Adler meinte, man müßte die Vergrößerung stärker bewerten als die Objektivöffnung, daher hat er die Wurzel aus D für seinen Astroindex genommen:
AI = V x (D)^0.5
Beide Werte sind an sich nicht schlecht, taugen aber eher nur als theoretische Richtlinie. Eigentlich müßte man die Beobachtungsbedingungen mit berücksichtigen. Ein Beispiel:
10x40: AI = 63 und VF = 400
8x56: AI = 60 und VF = 448
Welcher Wert ist nun sinnvoller? Nach Adler ist das 10x40 einen Tick besser wie das 8x56, bei Bishop ist es umgekehrt. Meine eigene Erfahrung sagt mir, daß bei sehr guten Sichtbedingungen (z.B. im Hochgebirge) das 8x56 deutlich leistungsfähiger ist. Beobachte ich zuhause (in der Nähe einer größeren Stadt), so kann ich das Leistungsvermögen eines 8x56 wegen des aufgehellten Himmelshintergrunds und der u.U. kleineren Pupillenöffnung meiner Augen kaum ausreizen. In dem Fall ist das 10x40 möglicherweise gleichwertig. Diese Erfahrungen spiegeln sich im Index nach Adler nicht wieder. Zudem stellt sich mir die Frage, ob die um 25% höhere Vergrößerung des 10x40 wirklich die deutlich größere Öffnung des 8x56 aufwiegt? Was die Sichtbedingungen betrifft, so müßte man eigentlich zusätzlich die Öffnung der Augenpupille berücksichtigen. Habe ich einen stark aufgehellten Himmelshintergrund, so daß eine perfekte Dunkeladaption nicht möglich ist, so kann ich das Leistungsvermögen eines 8x56 oder 10x70 nicht voll ausschöpfen.
Dieselbe Problematik stellt sich bei der klassischen Dämmerungsleistung. Ein alter Jäger, bei dem sich die Augenpupille nicht mehr auf 7mm öffnet, wird in der Dämmerung mit einem 8x56 weniger sehen wie sein 20 Jahre junger Kollege. Daher finde ich den Ansatz von Zeiss nicht übel, bei der Dämmerungsleistung die Pupillenöffnung zu berücksichtigen. Zeiss nutzt dafür den Dämmerungsindex:
DI = Dämmerungszahl x AP Durchmesser . Das wäre dann:
DI = (VxD)^0.5 x AP
(VxD)^0.5 ist die klassische Dämmerungszahl, also die Wurzel aus dem Produkt von Vergrößerung und Öffnung, AP ist der nutzbare Pupillendurchmesser. Bei einem 8x56 und einer 7mm großen Augenpupille wäre AP=7, bei nur 5mm Augenpupillendurchmesser wäre AP=5. Bei einem 8x30 und 7mm Augenpupillendurchmesser ist AP logischerweise 3,75mm.
Beispiel 8x56, junger Jäger mit 7mm und alter Jäger mit 5mm Pupillendurchmesser:
DI(jung)=148
DI(alt)=106
Für einen ganz jungen Jäger mit 8mm Pupillendurchmesser gilt natürlich auch DI=148 (und nicht etwa 169), denn er kann ja nur den Durchmesser der Austrittspupille von 7mm ausnutzen. Die beiden Werte für DI zeigen, daß man ein 8x56 bezüglich der Dämmerungsleistung nur ausreizen kann, wenn sich die Augenpupille auch auf den Wert der Austrittspupille des Fernglases öffnet. Tut sie das nicht, sinkt auch die Leistung des Glases. Sinngemäß gilt das genauso für astronomische Beobachtungen, wenn die Augenpupille wegen störender Umgebungshelligkeit kleiner wie die Austrittspupille ist.
In Analogie zu Zeiss könnte man auch die astronomische Tauglichkeit der Ferngläser in Abhängigkeit von den Sichtbedingungen oder auch den Fähigkeiten der eigenen Augen (Alter) bewerten. Dazu könnte man sich einen der gängigen Indexwerte aussuchen und in Analogie zum Dämmerungsindex von Zeiss mit der nutzbaren Pupillenöffnung gewichten. Das wäre sinnvoller wie Astroindex und Visibility Factor.
Und letztendlich kann man natürlich auch die ganzen Indexe vergessen und einfach beobachten <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />.
Frank.