Fernglasnächte um fullmoon (2)

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HelmutLang

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Hallo Sternfreunde!

Mein BB stammt zwar vom 4.8.07, ist aber dank der langen Herbstnächte am frühen Abend immer noch gut nachvollziehbar.

Es war 6 Tage nach Vollmond (Mondphase 0.60) und es sollte diese ganze Nacht über, nach Sonnenuntergang (20 Uhr MESZ) nicht mehr richtig dunkel werden (So.-aufgang 5 Uhr MESZ). Also lege ich nur das 7x50, 16x70, das Stativ, die Astro5-Montierung, den 6" FH-Refraktor (f/5) sowie den Okularkoffer und die Atlanten in den VW-Bus neben den Schaukelstuhl und fahre einen Kilometer an den Südrand meines Dorfes zu einem Schuppen, zu meinem Beobachtungsplatz Nr.2. Die Sonne geht unter, als ich den Refraktor neben dem Fernglasstativ aufbaue und Okulare und Atlanten herrichte. Der Himmel ist klar, die visuelle Grenzgröße (fst) bestimme ich mit 5.5mag. Der Mond wird erst nach 22 Uhr aufgehen und mich irgendwann, hochmütig herabblickend, vertreiben.

Auf meiner Beobachtungsliste stehen nur IC4756, NGC6633, B142/3 B336/7, Cr399, NGC6802, 6823, und 6520. Es ist/wird eine kurze Nacht.
"Ob mein Großvater, der, wie ich von meinem Vater weiß, auch ein begeisteter Sterngucker war, all die Objekte in seinem Fernglas gesehen hat, denen ich hinterher bin?" - frage ich mich, als ich das 7x50 auf Atair richte.

Bei 7.5° Gf hangele ich mich von ihm über delta (=30Aqu) zu Alya (=theta=63Ser) in Serpens Cauda. Der Schwanz der Schlange wird dort, im N, westlich von Alya, von einer etwa 7,5° großen, bohnenförmigen (in N-S-richtung) Dunkelwolke durchzogen. Abgesehen von 2 helleren Sternen, ein weitgehend sternleerer Raum im 7x50.
Jenseits von ihm, im W steht der mehr als vollmondgroße IC4756, der in einem Sterndreieck aus 5mag-Sternen steht und im 7x50 nur als fahler, großer Nebel erscheint. Auch im 16x70 ist er noch nicht aufgelöst, erst im 31mm Nagler im 6", also bei 24x150, ist er komplett in seine Einzelsterne zerlegt. Dabei zeigen sich weitgehend gleichhelle Sterne von etwa 9-10 mag, die sich auf 1° Durchmesser gleichmäßig verteilen und daher einen sehr schönen Anblick bilden.

Im Gf des 7x50, weiter im W steht ein kleinerer (aber immer noch vollmondgroßer!), zum Zentrum hin heller werdender Nebelfleck: NGC6633! Mein bloßes Auge sucht ihn, aber heute ist er für mich nicht erkennbar. Auch im 16x70 sind die beiden OH noch zusammen sichtbar. NGC6633 erscheint deutlich kompakter als IC4756. Deutlicher wird die "T"-Form des 6633 bei 24x150 (wobei die 2 OH nun nicht mehr komplett ins Gf passen): Weitgehend gleichhelle Sterne, die unregelmäßig verteilt sind. Jetzt erst wird sichtbar: Die Senkrechte (=der Stamm) des "T" besteht aus einer Doppelreihe von Sternen (also zweistämmig) und verdickt sich nach S. Ein 6mag-Stern bildet einen Punkt vor dem "T": also etwa so:".T"

Ich schwenke zurück zu Atair: Keine Nacht für DN! B142 und 143 sind heute nicht von einander zu trennen, das "C" (B336/7) nur schwer zu lokalisieren.- Also weiter zu Brocchis Cluster! Ich bin überrascht, wie nahe Cr399, den ich immer über Sagitta, den Pfeil aufsuche, bei Albireo liegt! Der Kleiderbügel steht unterhalb eines weitgehend sternleeren Raumes, in welchem ein fernes winziges Glimmen zu erkennen ist. Ist das vdB 126? Kann doch fast nicht sein!
Überhalb des DN steht, hell, alpha Vul mit einem Begleitstern. Ganz im O des Coathanger suche ich NGC6802. Zuerst im 7x50 dann im 16x70. Vergeblich! Nichts zu sehen!
Also weiter zu 6823, 5° im NO! Der OH ist als Nebelfleck schon im 7x50 zu sehen, der wesentlich größere Emissionsnebel NGC6820 aber auch im 16x70 nicht. Aber man erkennt nun, dass der OH im SO einer Viererkette aus 9mag-Sternen steht, welche etwa 30´lang ist.

Der Mond steht inzwischen schon 10° hoch über dem Horizont und sowohl der OH NGC6520 alsauch der daneben liegende DN B86 ist im 7x50 nicht zu erkennen, der OH jedoch als Nebelfleck im 16x70. Da der Himmel jetzt allmählich vom Mond dominiert wird und selbst im 24x150 der OH 6520 im SO eines goldenen 5mag-Sterns nur als Viererkette zu erkennen ist, packe ich meine sieben Sachen zusammen, und mache mich auf den Nachhauseweg.
Waren die Optiken unbeschlagen, so muß ich im Auto erst ´mal die Scheibenwischer aktivieren, um die Straße zu sehen. Die Wetterlage ist stabil und e&t verprich mir für die morgige Nacht 20 Minuten absoluter Dunkelheit und die darauffolgenden Nächte werden immer länger! Da heißt es: "Schlaf tanken!"

KH mit Grüssen aus dem Allgäu! Helmut
 
Hallo Helmut,
schön! Irgendwie kommen mir die meisten Objekte sehr bekannt vor...

Viele Grüße
von Kay

PS. Schreibe dir demnächst eine Mail.
 
Hallo Sternfreunde, hallo Kay!

Ja, die Nacht war nicht sehr ergiebig, schon eher die zwei darauffolgenden Nächte (vom 5. und 6. August), in denen es schon wieder richtig (wenn auch nur kurz) dunkel wurde. Hier eine Zusammenfassung dieser beiden Spaziergänge (aus meinem Beobachtungsbuch):

Im 7x50: B142/3 Die DN sind schön getrennt sichtbar und auch das "C" (B336/7) sticht markant hervor. Das auffälligste Schwarz zieht sich jedoch zwischen Albireo und Cr399 beginnend, hinab in den S: Hier zieht sich das Great Rift, indem es die Milchstraße teilt, entlang dem Galaktischen Äquator nach S. Die kleinen DN LDN 684 und 673 heben sich allerdings in dem weitgehend sternleeren, schlauchförmigen Raum kaum ab. Dieser große, dunkle Raum wird nur von wenigen Sternen (2,3, 28, 29 Aqu, um die hellsten zu nennen) bevölkert.

Das Great Rift ist hier ein gigantischer Anblick und steht in schönem Kontrast zum O- und W-Arm der Milchstraße, welche diese "Schwarze Kluft" mit ihren milchigen Rändern umsäumt: Eine riesige Dunkelwolke, die uns die Sicht auf einen Großteil unserer Milchstraße versperrt! Folgt man dem Great Rift nach S, so fällt eine dunkle Stelle in Serpens Cauda auf, in deren Mitte ein 6 mag-Stern steht.
Im W davon sind IC4756 und NGC6633 als neblige Flecke zu sehen.

Mit dem 7x50 ein gutes Gf weiter nach S schwenkend, treffe ich auf B320, unter dessen S-Ende M11 hervorsticht. Am O-Rand von B320 steht ein 7mag-Stern und einzelne weitere schwächere Sterne, am W-Rand beta Scuti. Beeindruckend bei Ap=7 ist die Helligkeit der sich nach S hin anschließenden Schildwolke.
Von dem lichtschwachen OH NGC6704 in B320 ist im 7x50 nichts zu sehen, aber die Strukturen der Milchstraße sind so filigran, deutlich und hell, dass ich das 7x50 nicht aus der Hand legen, mit dem 16x70 tauschen will.
M 24, die Kleine Sag.-Wolke ist nach N von einem DN gut abgegrenzt (eigentlich sind es 2, B92/3), ebenso nach SO, wo die Milchstraße m.E. dunkler ist, als im Sky Atlas angegeben.

Die GN M20, NGC6526, IC1274/5 und IC4684/5 bzw. deren OH -(im 7x50 sind diese Nebelflecke kaum/nicht zu unterscheiden), bilden ein nach N offenes "U", mit den beiden hellen Sternen 7 und 9 Sag. im S.
So bewußt habe ich diese Hufeisenform noch nie wahrgenommen. Das "U" ist auch im 16x70 deutlich zu sehen.
Zum Abschluß schwenke ich noch in den Oph. Im 7x50 ist der OH IC4665 über Beta Oph. (=60) schön zu sehen und auch der schwächere Cr350 unterhalb von gamma Oph.

KH und Grüsse aus dem Allgäu! Helmut

PS. Ich habe den Internetanschluß erst seit 3 Monaten und das wäre die erste private eMail, die ich erhalte!
 
PS. Ich habe den Internetanschluß erst seit 3 Monaten und das wäre die erste private eMail, die ich erhalte!

Hallo Helmut,
habe Dir eine Mail geschrieben, vielleicht ist es die Nr.1? :biggrin:

Danke für Deinen Beobachtungsbericht, der mir beim Lesen viel Freude bereitet hat.

Grüssle vom Gerd
www.bksterngucker.de
 
Hallo Gerd, hallo Kay!

Gerd, deine e-mail (von gestern Abend) kam ca. 1 Stunde vor Kay´s an. Ich habe sie aber erst heute Nachmittag entdeckt und gelesen! Vielen Dank! Ich habe mich sehr gefreut! Ihr seid die ersten Einträge in meinem Adressbuch! Ich hoffe dass meine Antwort (meine 2. e-Mail) wenigstens bei dir, Gerd, ankam! Mein (1.)e-Brief an dich, Kay, hängt jetzt glaub´ich irgendwo fest, ich hoffe nur, ich muß den ellenlangen Brief, der zurück kam, nicht nochmals eintippen! Kommende Woche bekomme ich jedoch Hilfe, nicht zuletzt wegen meiner Homepage, die noch im Entstehen ist! Dann kann hoffentlich der (unvollständig?) zurückgekommene Brief richtig adressiert und nochmals an dich, Kay, abgeschickt werden!
Schreibt man da doch glatt auf der empfangenen Absenderseite weiter! Ich kann es nicht glauben! Aber es ist zugegebenermaßen praktisch für das Verfassen einer Antwort, wenn man den Ausgangsbrief vor sich hat!

Viele Grüsse! Helmut
 
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