FH-Objektiv 200mm

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pemawo

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Liebe Astrofreunde,

nachdem ich nun einige Zeit wegen der "5 Beiträge-Regel"
ausgeschlossen war, schreibe ich mal einen Beitrag, der
eigentlich in eine Frage mündet.
Hat von Euch schon mal jemand ein Fraunhoferobjektiv selbst
geschliffen?
Nach einigen 8 und 10 Zoll Spiegeln habe ich vor Jahren mal ein
Linsenobjektiv hergestellt und anschließend mich an ein 200 mm
Fraunhofer gewagt.
Es war einige Jahre bei mir im Einsatz und ich habe es nun noch
einmal nachgearbeitet mit einem respektablen Ergebnis.
Die Aufnahmen vom Mond und Jupiter mit einer DMK21 ergaben gute Resultate, auch der Farbfehler ist selbst bei einem Öffnungsverhältnis von f/12,8 noch ganz erträglich.

Falls es unter uns einen Selbstbauer in dieser Kategorie gibt, wäre ich an einem Erfahrungsaustausch interessiert.

CS

Peter
 
Geil!
Kannst du mehr darüber erzählen?
Wie schleift man solche Linsen. Spiegel sind ja nicht schwer aber ein Achromat? - Was kosten das Glas und die Materialien? Woher hast du das Glas bezogen.
 
Hallo ForenSeil,

ja, wie schleift man solche Linsen?

Im Prinzip genau wie man Spiegel schleift, allerdings sind bei Linsen die berechneten Krümmungsradien sehr genau einzuhalten.
Das geht aber mit einem Spherometer (1/1000 mm Teilung der Meßuhr)mit hinreichender Genauigkeit.
Der wichtigste einzuhaltende Parameter aber ist die umlaufend gleiche Randdicke jeder Linse.
Der Keilfehler sollte so gering, wie möglich sein.
Hierzu muß man sich natürlich einige Dinge basteln, die das Messen ermöglichen.
Das Glas für den ersten FH habe ich damals über eine Uni, an der mein Bruder gerade tätig war, von Schott in Mainz bezogen. Die sagten damals, daß nicht an Privatpersonen verkauft wird.
Für das 200mm-Objektiv hatte ich das Glas geschenkt bekommen, aber nach der ersten Prüfung hat sich die Flintglasplatte als fehlerhaft erwiesen und ich habe dann auf Umwegen von Schott einen sehr guten Rohling ergattert.

Die Arbeiten für ein solches Objektiv sind natürlich ungleich aufwendiger, als für einen Spiegel, bei dem nur eine Fläche poliert und korrigiert werden muß.
Die Konvexflächen erfordern ja ein entspr. Paßglas, was erst mal korrigiert werden muß, weil man konvexe Flächen nicht mit Ronchi- oder Foucaultprüfung prüfen kann.
D.h.man muß schon mal sechs Flächen bearbeiten, um überhaupt weiter arbeiten zu können.
Dann kommt die zeitraubende Retousche der Flächen, um Abbildungsfehler zu beseitigen.
Letztlich hat sich aber die Arbeit gelohnt und ich habe mit den 2500 mm Brennweite schon sehr schöne Beobachtungen und Fotos machen können.
Der Lateiner sagt: per aspera ad astra.

Wenn Du spezielle Dinge wissen möchtest, gebe ich gern Auskunft, wenn ich kann.

Gruß

Peter


 
Hallo Josef,

es gibt auch Bilder, meinst Du von dem Objektiv oder durch das Objektiv.

Brauche aber Anleitung, wie man hier Bilder einstellt.

Gruß

Peter
 
Hallo Mike,

vollkommen richtig, beim FH.Objektiv sollten es Kugelflächen sein und auch die Toleranzen sind wesentlich größer als beim Parabolspiegel.

CS

Peter
 
Ich würde auch noch gerne Bilder durch den Achromaten und von dem Achromaten sehen :)

Zitat von MikeWölle:
Hi,

Spiegel sind ja nicht schwer wie ein Achromat
das kann man so nicht sagen.
Ersten handelt es sich bei den Flächen eines Achromaten um simple Kugelflächen, bei einem Newtonhautpspiegel aber um eine wesentlich komplizierter herzustellende paraboloidische Fläche.
Ausserdem sind die zulässigen Tolerenzen der Oberfläche beim Spiegel wesentlich kleiner.

CS Mike
Aber beim Achromat muss man auch vier Flächen schleifen anstatt einer! Die Schwierigkeit ist beim Newton außerdem von der Brennweite und Größe des Spiegel abhängig - ein kleiner F16 ist gewiss viel leichter als ein riesiger F4 Spiegel zu schleifen, deswegen hinkt der Vergleich ein bisschen. Vermute schon, dass ein 20cm F15 Achromat aufwändiger ist als an 20cm F15 Spiegel.
Oder wie sieht das der Rest?
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Peter,

Falls es unter uns einen Selbstbauer in dieser Kategorie gibt, wäre ich an einem Erfahrungsaustausch interessiert...
nicht ganz die gleiche Kategorie, aber mit ähnlichem Schleifaufwand verbunde war mein 7" f/15 Schupmann- Medial (der dazugehörige Korrektor – Manginspiegel hatte ebenfalls 7“ Durchmesser). Der hat gegenüber dem FH einige Vorteile:

1. Seine Farbreiheit und Abbildungsqualität nahe der opt. Achse ist selbst von einem "super"- APO mit gleicher Öffnung nicht zu toppen.

2. Man erreicht die Abbildungsqualität allein mit dem sehr preisgünstigen Kronglas für beide Elemente.

3. Bei dieser Öffnung macht sich bei Mond- und Planetenbeobachtung die atmosphärische Refraktion als zusätzlicher Farbfehler deutlich bemerkbar. Beim Schupmann kann man diese durch Feineistellung des gewölbten Fangspiegels problemlos kompensieren.

Nach der Erfahrung mit obigen bin ich allerdings der Meinung dass man mit einem modifizierten System nach Kutter bei weit weniger Aufwand mehr Öffnung und damit mehr opt. Leistung völlig farbfehlerfrei erreichen kann. Das hab ich ja mit meinem 9“ „Spargel“ bereits belegt, siehe
http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=102469
http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=83914
http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=83566

Nachdem ich auch noch eine Kur gegen Obstruktionphobie hinter mich gebracht habe denke ich an ein 16“ Cassegrain mit Nasmyth – Fokus. So etwas in 12“ hab ich bereits. Kurz gesagt, für weitere Selbstbau- Refraktorprojrekte kann ich mich nicht mehr so recht begeistern.

…auch der Farbfehler ist selbst bei einem Öffnungsverhältnis von f/12,8 noch ganz erträglich.

Für mich wäre dieser Fehler bei vis. Beobachtung völlig unerträglich, sorry. Bei Planetenfotografie mit der DMK21 kann man sich ja mit RGB- Filterung helfen. Nur den Gaußfehler wird man damit leider nicht los.

Gruß Kurt
 
Hallo Kai,

erst einmal Danke für die "Minimalisierung" des Gaußfehlers :super:.

... Newton war Engländer, Cassegrain ein Franzose und Fraunhofer? Eben!

Du hast mich fast umgestimmt. Aber wenn schon dann müsste ich es in 350 mm Öffnung (in Worten: dreihundertundfünfzig) machen :schwitz:. Ich hab nämlich seit mehr als 10 Jahren einen derart großen BK7- Rohling bei mir liegen. Irgendwo gibt es auch noch das Protokoll von Schott dazu. Ein ahnunhgsloser Spiegelschleifer wollte daraus einen SPIEGEL schleifen. Das hab ich schon mal nachhaltig verhindern können. Jetzt fehlt mir nur noch die passende Flintglasscheibe ?)...und natürlich einige Monate Krafttraining in der Muckibude :confused:

Gruß Kurt
 
Hallo Kurt,

mein Kommentar zu
Zitat von Kurt:
mit ähnlichem Schleifaufwand verbunde war mein 7" f/15 Schupmann- Medial
Erst der Nasmyth (Knubbel), dann ein Schupmann-Medial - Du scheinst ein Interesse an Konstruktionen zu haben, die zwar in Amateurkreisen selten zu finden sind, aber sehr interessante Eigenschaften aufweisen. Hast Du mal http://www.telescope-optics.net/ durchwühlt?

Dein 9"-Kutter ist eine faszinierende Konstruktion, auch Montierung und Stativ. Wie wäre es mit einem "Stevick-Paul 3-mirror TCT" als nächster Übung bezüglich Schiefspiegler? Das Spot-Diagramm auf Saceks entsprechender Webpage sieht beeindruckend aus, die Spiegel sollten kein Problem darstellen.

Sternfreundliche Grüße

fquadrat
 
Hallo Kurt,
Danke für die "Minimalisierung" des Gaußfehlers
Bitte, gern geschehen ;)

Anbei eine kleine Tabelle für die Strehls für einen FH 150mm f/12, jeweils fokusiert auf die jeweilige Wellenlänge(nm):

450 ---> 0.963
500 ---> 0.995
555 ---> 1.000
600 ---> 0.998
650 ---> 0.996

poly---> 0.636

Ich hab nämlich seit mehr als 10 Jahren einen derart großen BK7- Rohling...
Das war eine gute Tat, diesen vor Verspiegelung zu retten :super:

Jetzt fehlt mir nur noch die passende Flintglasscheibe
Flintglas = Bleiglas = bleischwer:schwitz:
Zumindest die alten Sorten.
So ein Objektiv wird auch ohne Bleiglas so schwer, nein, ich mag gar nicht dran denken. :gutefrage:

Ich würde aus dem BK7 Klotz eine Ross-Null Kompensations-Linse fabrizieren, sagen wir für einen Spiegel der Meterklasse als Basis für eine Art Super-Knubbel-Cassgrain.

Viele Grüße
Kai
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Kurt,

vielen Dank für den Beitrag über Dein Schupmann-Medial.
Mit dieser Konstruktion hast Du ja die Grenze der Amateur-Selbstbauprojekte weit hinaus geschoben.
Habe inzwischen den Werdegang Deines kleinen Schupmanns von 2005 gefunden und bewundernd gelesen.
Schade, daß ich nicht zu Anfang meines FH-Projektes davon Kenntnis hatte.
Möglicherweise hätte ich dann anstatt des Fraunhofer lieber ein Medial gebaut.
In Wirklichkeit habe ich mein Objektiv zweimal hergestellt, denn das Glas dazu hatte ich vor vielen Jahren mit Angabe der Konstanten geschenkt bekommen und bei der ersten Prüfung nach der Politur festgestellt, daß jeweils in einem Segment inakzeptable Strukturen vorhanden waren.
Also von Schott neues Glas besorgt und von vorn begonnen.
Meine Vorstellung war zu dem Zeitpunkt auch eine obstruktionsfreie Obtik zu haben, hat sich inzwischen auch relativiert.
Habe übrigens außer den Okularen auch die Montierung, Steuerung, Beobachtungshütte etc. alles selbst gebaut.

Gruß

Peter
 
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