Filterexperimente, signifikante Verbesserungen und eine Frage...

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spaceWolfi

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Liebes Forum,

Ich möchte hier von meinem Scheitern und signifikanten Verbesserungen berichten und hoffe, dass dies dem einen oder anderen helfen wird. Die "alten Hasen" werden höchstens darüber schmunzeln, doch als Anfänger glaub ich könnte es helfen.

Es betrifft das Thema Filter bei Deepsky Objekten. z.B. Helixnebel. Ohne Filter sah ich den Nebel als sehr zarten Hauch, mit einem OIII Filter so gut wie gar nichts.
Erst mit einem Astronomik UHC Filter "sprang" mich der Nebel richtig an (bei 12" Gitterrohrobson 1426mm Brennweite f 4.6). Ähnlich beim Sturmvogel...

Bin jetzt noch verblüfft, wie es möglich ist mit ein- und demselben Dobson plötzlich so viel mehr Objekte zu sehen...

Mir scheint es besonders wichtig zu sein, dass man quasi mit Filter experimentieren kann, also z.B. sich mehrer Filter von Freunden ausleiht und dann ausprobiert.

Dazu noch eine Frage: Bei Jupiter, Saturn, Mars: Welche Filter wären bei obigen Setting zu empfehlen?

Ich wünsche euch sehr viel Freude beim weiteren Beobachten!

CS, Wolfgang
 
Hallo Wolfgang,

das kann ich Dir, auch als visuelle Vollblindschleiche, einfach erklären.

Deine Augen können nur eine gewisse Helligkeit nutzbringend erkennen, damit sie nicht "überbelichten" passt sich das Auge an die vorhandene Helligkeit an.
Es kommt also darauf an dem Auge nach Möglichkeit das anzubieten, was zum Seheindruck beitragen soll, hier die typischen Emissionen von Nebeln.
Ein Kontrastfilter sorgt dafür, dass die Lichtanteile aus der "Lichtverschmutzung", die sich wie ein Schleier über alles legt, nicht bei Deinem Auge ankommt und es mit nutzloser Helligkeit belegt, in der dann Dein Nutzsignal untergeht. Dadurch tritt Dein Ziel wesentlich deutlicher hervor.

Das ist wie beim Bildhauer, der den Löwen in einem Marmorblock dadurch sichtbar macht, in dem er alles, was nicht Löwe ist, wegnimmt.

CS
Jörg
 
Hallo Jörg,

danke für deine Antwort .... ja, genau die Augen sollen nicht überbelichten, doch z.B. Jupiter ist dermassen HELL dass genau dies passiert...

Und daher bin ich auf der Suche nach Planetenfilter und Erfahrungen. Habe mit relativ günstigen Farbfiltern probiert... doch mir scheint da gibt's bessere?


Nur welche?

CS Wolfgang
 
Moin,

ich kenne Leute, die da einen ND-Filter nehmen, um das Licht etwas zu dämpfen, was mit welchem Farbfilter möglicherweise geht beschreibt m.E. diese Seite gut:

-> Farbfilter für die Planetenbeobachtung

Wichtig ist, dass keine minderwertigen FIlter verwendet werden, die selbst Reflexe, Halo's usw. erzeugen, das macht die beste Beobachtung zunichte. Gerade planparallele Gläser im Strahlengang müssen einwandfrei entspiegelt sein, sonst ist die Neigung zu Reflexionen sehr hoch.

CS
Jörg
 
Und daher bin ich auf der Suche nach Planetenfilter und Erfahrungen. Habe mit relativ günstigen Farbfiltern probiert... doch mir scheint da gibt's bessere?


Nur welche?

Empfehlenswert sind die Farbfilter von Baader. Die Gläser sind planparallel feinoptisch poliert und bieten damit eine bessere Abbildungsqualität als einfache Farbfilter.

Es gibt die Baader Farbfilter im 6er-Set: Baader Farbfiltersatz 6 Stück 1,25". Das Set ist auch für 2 Zoll erhältlich.

Dazu noch eine Frage: Bei Jupiter, Saturn, Mars: Welche Filter wären bei obigen Setting zu empfehlen?

Aus eigenen Erfahrung würde ich für die Planetenbeobachtung folgende Filter empfehlen:

Jupiter: Dunkelblau (für deutliche Kontraststeigerung in den Wolkenbändern und am Roten Fleck)
Saturn: Grün (Hervorhebung des Ringsystems und der Cassini-Teilung), Orange (Hervorhebung von Oberflächenstrukturen)
Mars: Blau (für die Polkappen), Orange/Rot (für Albedostrukturen)

Am meisten lohnen sich die Filter bei der Marsbeobachtung. Hier lässt sich ungefiltert deutlich weniger erkennen. Grundsätzlich sind die helleren Filter für kleinere Teleskopöffnungen besser. Da solltest du dir beim 12-Zöller keine Sorgen machen.

Im Zweifelsfall kann es sich lohnen, das ganze Set durchzuprobieren - und auch um Erfahrungen mit den einzelnen Filterwirkungen zu sammeln.

CS und viele Grüße

Claus
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich möchte nochmalbauf die ND Filter verweisen. Jupiter und Mond etwas die Blendhelligkeit nehmen hilft ganz gewaltig.
Alternativ kann man auch einen 2" und einen 1,25" Polfilter benutzen. Der Große kommt in den Adapter, der kleine ins Okular, dann kann man durch drehen am Okular die Helligkeit einstellen.
Die fertigen "drehbaren Polfilter" find ich sehr unpraktisch. Zum Verstellen muss man jedesmal das Okular rausholen, und dann beim wieder reinstecken hoffen, dass die Einstellung richtig ist und sich auch nicht gleich wieder versehentlich verstellt.
Bonuseffekt:
Abendliche Beobachtung wenns noch halb hell ist, das Himmelblau ist ebenfalls Polarisiert und lässt sich durch richtige Polfilterposition zu einem gewissen, aber deutlich spürbaren Anteil wegfiltern.

LG
Olli
 
Ich habe damals bei meinem variablen Polfilter etwas Velours um den Stellring geklebt. Dann klemmt/schleift das Ding im OAZ und man kann durch einfaches Drehen des Okulars einstellen.

Ciao, Udo
 
dank euch für die Tipps... ich Esel hab einen drehbaren Polfilter und noch nie probiert ;-) ... na, ja jetzt werd ich mich mal intensiver mit den farbfilter auseinandersetzen, Jupiter, Mars, Saturn, sind ja gerade da ....

Danke, Wolfgang
 
Hallo Wolfgang,

wenn die ein farbiger Planet nicht stört könnte ein Rotfilter sinnvoll sein.
Den setzte ich bei einigen Planeten und beim Mond mit der Asi120mm ein.
Das Seeing wirkt sich nicht so stark aus. Beim Jupiter heben sich die Monde besser ab und auch die Cassini Teilung beim Saturn ist deutlicher zu erkennen.
Das beruht zwar weiger auf die visuelle Beobachtung mit Okular aber am Livebild auf dem Monitor ist das direkt zu sehen, allerdings in S/W.

Mit einem Grünfilter werden die Bänder und der grF des Jupiters kräftiger.
Violett Filter zeigt bei sehr guten Bedingungen ganz zarte Helligkeitsunterschiede auf der Venus.

Störend ist aber wirklich die Einfärbung der Planeten nur um dann ein paar mehr Details zu erkennen.

Gruß,
Holger
 
Dank euch alle für die Tipps: Werde nun einen dunkelblauen Filter, Grünfilter und variablen Polfilter am Jupiter, Grünfilter am Saturn ausprobieren.

Und später dann Rotfilter am Mars... der wird ja jetzt besser und besser sichtbar von der Uhrzeit her....

freu mich schon weitere Details zu sehen... (habe eine 12" Gitterrohrdobson + 2x Barlow + 10mm TV Ethos und beobachte auf 1300m Höhe in den Alpen).

Grüsse,
Wolfgang
 
Hallo Holger,

ich danke Dir SEHR für deine Empfehlungen was die Filter angeht

ich freue mich auf viel Neues, auch auf die Tipps der Sterne der Nacht mit dem BAfK (Beobachteratlas für Kurzentschlossene: Projekt BAfK Beobachteratlas für Kurzentschlossene

da sind gerade für Anfänger in der visuellen Astronomie so viele wertvolle Erfahrungen dabei, so tu ich mich viel leichter, diese auch zu versuchen.

ich wünsche dir das Beste,


Wolfgang
 
Hallo Olli, das finde ich genial, die Idee mit der Trennung der Polfilter und Drehung des Okulars im Auszug. Ich hätte ergänzend den Vorschlag, einfach nur einen Polfilter zu verwenden, nicht zwei im Strahlengang. Ein einzelner Filter dunkelt schon recht deutlich ab. Ich glaube nicht, dass ich zwei haben wollte. Ich erziele mit einem einzelnen Polfilter immer wieder sehr gute Ergebnisse an den Planeten und auch an helleren Doppelsternen. Der Polfilter erzeugt keine Farbverschiebung, was ich persönlich sehr schätze. Das Bild wird geschärft und auch insgesamt "beruhigt".

Ich verwende den hochwertigen KSM Polfilter von B+W Schneider-Kreuznach. Gibt es leider nicht mehr in 48mm und 28,5mm Gewinde neu, kommt aber gelegentlich auf dem Gebrauchtmarkt daher. Oder, vielleicht am Besten, das aktuelle Modell in 46mm Gewinde neu kaufen und mit einem 48-46mm Step-Up Ring aus dem Fotobedarf auf 48mm (also 2-Zoll) Gewinde anpassen. Ich habe einen älteren B+W KSM gegen einen einzelnen Polfilter von Antares aus dem Astrobedarf verglichen. Der B+W KSM zeigte ein spürbar konstrastreicheres Bild. Ich würde vermuten, dass ein neuer B+W KSM noch einen kleinen Schippen drauflegt.

Und hallo Wolfgang, ich freue mich sehr, dass Du unseren BAfK so brauchbar findest!
Viel Freude auf 1300m unter'm gestirnten Himmel wünscht
Christopher
 
... und jetzt noch einige konkrete Empfehlungen:

Neben Polfilter-einzeln kann ich für Planeten noch zur allgemeinen Kontraststeigerung empfehlen:
Lumicon Minus Violet: minimale Reduzierung des Tiefblauen, ein sehr, sehr zarter bildberuhigender Effekt, der nicht immer auftritt, dann aber sehr angenehm ist
Baader Fringe Killer: reduziert das Blaue aggressiver als der Lumicon Minus Violet, dadurch Bildberuhigung und leichte Verschiebung ins Gelbliche
Baader Neodymium: allgemeine Konstraststeigerung, besonders an Mars, auch Jupiter, leichte Verschiebung ins Bläuliche
Baader Contrast Booster: hat eine Transmissionskurve die wie eine Kombination des Fringe Killer plus Neodymium aussieht. Dadurch aggressivere Wirkung, dunkleres Bild, leichte Farbverschiebung ins Grünliche

Folgende weitere Typen warten bei mir auf ihren experimentellen Einsatz an Planeten:
Astronomik L-3: Das ist ein Luminanzfilter, der ungewöhnlich früh, d.h. bei 420nm, das Tiefblaue und Violette abschneidet. Hier habe ich die Hoffnung, dass dieser Filter wie eine etwas stärkere Ausgabe des Lumicon Minus Violet wirkt.
Zeiss T UV: Filterkurve sieht aus wie Lumicon Minus Violet. Vorteil: ist in Schraubfassungen bis 95mm erhältlich, somit für Geräte ohne Wechselokulare (Fernglas, Spektiv) interessant, und billiger als der Lumicon. Diesen Vorteil haben auch die folgenden Typen aus dem Fotobedarf:
B+W KR 1,5 Skylight: 10% Helligkeitsreduktion, leichte Reduzierung des Blauen, leichte Verschiebung ins Rötliche.
B+W FL-D: Reduziert das Grüne, dadurch gleichzeitige relative Hervorhebung des Blauen und Roten. Nicht wirklich experimentell, da ich einen Bericht hierzu aus den 2000er Jahre fand, der diesen Filter als optimal für Mars beschrieb. Scheint jedoch kaum bekannt zu sein.
B+W Redhancer: Transmissionskurve ähnelt Baader Neodymium plus zusätzliche Reduzierung des Blauen. Total experimentell.

Das sind alles allgemein konstraststeigernde Filter für Planeten. Hinzu kommen die zahlreichen Farbfilter-Typen, die wiederum ganz andere, eigene Eigenschaften haben. Lieber Wolfgang, da hast Du Einiges zum Experimentieren.
Christopher
 
Hallo Olli, das finde ich genial, die Idee mit der Trennung der Polfilter und Drehung des Okulars im Auszug.
Ich hätte ergänzend den Vorschlag, einfach nur einen Polfilter zu verwenden, nicht zwei im Strahlengang.
Ein einzelner Filter dunkelt schon recht deutlich ab. Ich glaube nicht, dass ich zwei haben wollte.
Ich erziele mit einem einzelnen Polfilter immer wieder sehr gute Ergebnisse an den Planeten und auch an helleren Doppelsternen.
Ein Polarisationsfilter filtert eine Polarisationsrichtung heraus, ein Zweiter, der in selber Ausrichtung gedreht ist, ändert nichts mehr, dunkelt das Bild also nicht weiter ab.
Ein einzelner Polarisationsfilter dämpft das Licht auf etwa 40%
Zwei Polfilter in Reihe dämpfen das Licht je nach Drehung auf immernoch 40% bis herunter zu 1%.
Den Zweiten einzusparen ist also nicht sinnvoll, da auch zwei Filter auf "Parallelstellung" die selbe geringe Helligkeitsdämpfung erreichen wie der Einzelne auch, nur, dass man bei Bedaef weiter abdunkeln kann, und zwar stufenlos.

LG
Olli
 
Hallo Christopher,

ich bedanke mich für die sehr ausführliche Antwort, die auf so viel Erfahrung beruht. Eine Erfahrung, die wir Anfänger wirklich verwenden und brauchen.

Beste Grüsse,
Wolfgang
 
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