First Light 12" /6 Doppeldobson Noctutec | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

First Light 12" /6 Doppeldobson Noctutec

Maiko

Mitglied
P1020443.klein.jpg
Hallo Sternenfreunde, im zweiten Anlauf gelang nun endlich das First Light mit dem neuen 300 mm f/6 Binodobson von Noctutec gestern, am 21, Juli 2020. Diesmal war es dunkel auf dem Acker, keine beleuchteten Landwirtschaftsmaschinerie weit und breit. Der Aufbau dauerte ca 18 Minuten, somit doppelt so lang, wie bei der Trockenübung. Die Stangen anzubringen war herausfordern, da einiges an Kraft aufgebracht werden muss. Dafür ist der Abbau der Stangen um so leichter. Die Hüte anzubringen dauerte, es musste einiges versucht werden, im Hellen ging es mühelos. Dann ging es an die Justage per 2“ Laser. Sah bei beiden Rohren gut aus, natürlich musste aber etwas nachjustiert werden. Nun wurden die 22mm Nagler Okulare eingesetzt. Fokus war erreichbar. Es folgte die Überlagerung der Einzelbilder, dazu musste an den Schrauben der Tertriärspiegel recht viel gedreht werden. Schließlich gelang es. Dann erfolgte die Justage des Rigel-Suchers, die einige Anläufe brauchte und wesentlich schwieriger war, als erwartet. Dann folgte das erste Objekt, M71. Ich sah sofort, trotz Dämmerung mehr Einzelsterne, als im 120er Binoptic. Leider kam mein Freund und Mitbeobachter mit den Einstellungen nicht zu recht, so dass ich allein weiter machte. Es folgte M27. Neben mehr Umgebungssternen meinte ich, mehr Struktur im Nebel zu sehen, als im B120. Da der Zeitrahmen begrenzt war, musste ich mich für ein letztes Objekt entscheiden. Schweren Herzens entschied ich mich gegen Neowise, trotz guter Sichtbarkeit, und wählte M13. Schon bei 82 fach sehr beeindruckend. In den Nagler 12mm bei 150 fach stark aufgelöst, in den Nagler 7mm bei ca 257 fach, das Gesichtsfeld sprengend. Die Überlagerung der Bilder gelang immer müheloser, es musste bei Objekt – oder Okularwechsel wenig nachgestellt werden. Die manuelle Nachführung läuft gut und in normaler Orientierung. Später wird noch eine Plattform von Herrn Flegel, Firma Astrothingy erprobt. Alles in Allem bin ich recht zufrieden für den ersten Abend, trotz Zeitdruck und einem enttäuschten Mitbeobachter. Weiteres nach den folgenden Beobachtungen. Ein sehr schönes Gerät, dass an DSOs noch mal tiefer geht, als das ED 120er Binoptic.

CS, Maiko
 

Optikus

Mitglied
Moin,

also quasi ein Dopps ... Sieht auf jeden Fall cool aus und der Beschrieb ist auch interessant. Hätte nicht gedacht dass man sowas handhaben kann.

CS
Jörg
 

Sselhak

Mitglied
Danke fürs Vorstellen.

Da würde mich brennend der direkte Vergleich zum Mono-16-Zöller Dobson mit Binoansatz, wie ich ihn verwende, an verschiedenen Objekten interessieren.

Auf jeden Fall ein tolles Gerät! Herzlichen Glückwunsch!
Du willst nicht verraten, wie teuer das Teleskop (in etwa) war, oder?

Grüße, Mario
 

Maiko

Mitglied
Danke Mario, zum Vergleich; gerade auf Cloudy Nights gibt es immer mal wieder Diskussionen zum Vergleich - ich persönlich wollte große Felder, deshalb der Doppeldobson; Und gestern erschien mir der Aufwand okay, freue mich auf mehr,

Gruß

Maiko
 

doppio

Mitglied
Hallo Maiko,

Glückwunsch zum Doppeldobson! Ich wünsche Dir viel Spaß damit.

Aber eine Frage: hast Du eigentlich eine Justageanleitung dazubekommen...? Die Umlenk-/Tertiärspiegel darf man allenfalls verwenden, um das letzte bisschen für die Überlagerung herauszuholen, aber nicht zum Einstellen grober Fehler. Das führt nur dazu, dass der komafreie Punkt aus der Feldmitte rauswandert und man mehr oder weniger an den Fangspiegeln vorbeischaut. Das möchte man beides nicht...

Hier mal meine Vorgehensweise zum Vergleich bzw. als Anregung - gibt sicher noch andere Möglichkeiten...:

1.) Vorjustage:
Umlenkspiegel mit dem Concenter mittig auf Fangspiegel
Fangspiegel und Hauptspiegel mit dem Laser

2.) Kollimation Koma Einzelteleskop (alternativ/zusätzlich zur Hauptspiegeljustage mit dem Laser)
einen Stern auf die komafreie Stelle im Feld stellen
Hauptspiegel kippen, bis der Stern über die Mitte hinweg genau gegenüber ist
fertig - komafreie Stelle ist jetzt in der Bildmitte

3.) Kollimation zueinander unter Erhalt der Komajustage
Position eines Sterns im linken und rechten Teleskop merken
Beide Hauptspiegel so justieren, dass die Bilder des Sterns genau die Plätze tauschen
mit beiden Fangspiegeln auf die Mitte dazwischen nachstellen
ggf. Feinjustage mit Umlenkspiegeln
fertig - Sterne liegen übereinander ohne Koma

4.) Nachkollimieren Koma eines Einzelteleskops (bei Bedarf)
komafreie Stelle im Feld suchen
einen Stern auf die gegenüberliegende Stelle im Feld stellen
Hauptspiegel kippen, bis der Stern über die Mitte hinweg genau gegenüber ist
Fangspiegel justieren, bis beide Bilder wieder übereinander liegen
fertig

Das funktioniert recht zuverlässig und ohne lästige Iterationen in jedem Schritt. Voraussetzung ist, dass das Teleskop stabil steht und sich beim Herumschrauben an den Spiegeln nicht bewegt (ich kann hierzu meine Montierung klemmen). Und dass man keinen Komakorrektor drin hat, aber das sollte bei f/6 ja eh nicht der Fall sein. Ein Mess- bzw. Fadenkreuzokular ist hilfreich.

Generelle Frage noch zum Teleskop: hast Du nähere Angaben zu Obstruktion und zur Ausleuchtung bei der maximal genutzten Feldblendengröße? Ich hatte hier längere Zeit hin- und hergerechnet und war zum Schluß zu der Erkenntnis gekommen, dass man bei Verwendung eines Filterrads mit f/5 und der damit kleineren Feldblende insgesamt besser fährt, wenn es gelingt, die Wege nach dem Fangspiegel extrem kurz zu halten.

Viele Grüße

Holger
 

Demokrat

Aktives Mitglied
Leider kam mein Freund und Mitbeobachter mit den Einstellungen nicht zu recht,
Gratuliere, tolles Gerät :D

Ich finde es bei all den Binos immer schade, dass man letztlich kaum seine Beobachtungen im Feld teilen kann. Niemand hat eine praktikable Lösung für mehrere Beobachter. Weil es leider keine gibt und auch kaum geben wird. Man müsste Augenabstand, Fokus, optische Achsen motorisch steuern und als User-Profile hinterlegen. Geht sicher so ab 2070, aber da gibt es dann aufgrund des Dunstes eher keinen Himmel mehr...

lg
Niki
 

Maiko

Mitglied
@ Holger, hast ne PN
@ Niki, es gab mal die JMI Reverse Newtons, die hatten 6 Motoren, da sollte es leichter gehen,,, die Firma gibt es aber nicht mehr,,,

CS Maiko
 

Demokrat

Aktives Mitglied
tatsächlich... da hatte mal ein Hersteller ausnahmsweise mitgedacht - eh klar, dass es die nicht mehr gibt.

"Six motors for adjusting inter-ocular (eye) spacing, focusing and optical tube alignment with the touch of a button" :y:

lg
Niki
 

AstroPZ

Mitglied
Hi Maiko,

tolles Gerät, danke für die Vorstellung.
Mich würde auch interessieren wie der Unterschied zu einem Bino ist.
Hast du da Erfahrung?

Ein Bino gaukelt einem ja nur zwei optische Wege vor, bewirkt aber auf alle Fälle entspannteres Sehen.
Während hier sind das wirklich zwei unabhängige Wege. Bewirkt das optisch vom Eindruck sehr viel mehr?

Auf alle Fälle hat man doppelte Lichtsammelfläche. Aber wieder auf 2 Augen verteilt, grübel.... Unterschied zum einäugigen Sehen, da wird wieder alles in ein Auge gesammelt.

Gruß Peter
 

Demokrat

Aktives Mitglied
Auf alle Fälle hat man doppelte Lichtsammelfläche. Aber wieder auf 2 Augen verteilt, grübel....
Der Begriff "Bino" ist da ein wenig schwammig. BinoANSATZ oder echtes Bino mit zwei Objektiven?
Ein Baader Mark V ist zB ein BinoANSATZ, auch wenn man das ebenfalls kurz "Bino" nennt. Aber das setzt man ja eben in ein einzelnes Teleskop. Das Licht wird auf 2 Augen aufgeteilt.

Beim echten "Bino" mit zwei Tuben (Okularen) sammelt man wie beim normalen Teleskop mit einem Tubus das Licht für ein Auge. Also liegt genau da der Unterschied: ein echtes Bino sammelt 2 Mal für 2 Augen. Ein Binoansatz sammelt nur 1 x für 2 Augen. Das ist dunkler! :coffee:

lg
Niki
 

Maiko

Mitglied
Hallo,

seit einiger Zeit bin ich begeistert von Doppelfernrohren, subjektiv gefällt mir der Anblick weit besser, als im Binoansatz, Objektiv sind halt sehr viel größere absolute und scheinbare Gesichtsfelder bei vergleichbarer Öffnung machbar,

Gruß

Maiko
 

Andreas_W

Mitglied
Hallo Maiko,

herzlichen Glückwunsch zum Doppel-12er und viel Freude mit dem Gerät!

Sometwas in der Größe spukt auch schon seit einer Weile in meinem Kopf herum :whistle: . 18 Minuten für das Aufbauen finde ich sehr respektabel, schneller bin ich mit meinem großen Mono-Dobson auch meistens nicht. Kannst Du noch etwas mehr zu den technischen Daten sagen? Gewicht, Fangspiegelgröße etc. 12" f/6 Hauptspiegel gibt es auch nicht an jeder Ecke... Selbstschliff? Was waren die Gründe für f/6? Wie steht es mit der Ergonomie, insbesondere bei sehr hohen bzw. sehr niedrig stehenden Objekten? Kann man durchgehend im Sitzen beobachten? Viele Fragen :ROFLMAO:

Viele Grüße
Andreas
 

Maiko

Mitglied
Hallo Andreas, immer so viele Fragen;-) Masse ca 44kg, FS 75mm, Orion UK Spiegel, f/ 6 für gute Ausleuchtung, Objekte von ca 15° bis ca 75° im Sitzen/ Stehen, ab 75° wird s eng - kommt ggf n Tritt dazu, oder Warten, bis sie tiefer stehen,

CS Maiko
 

Maiko

Mitglied
hallo Jens,

sein 14er reizte mich mal sehr, als er zum Verkauf stand,,, entschied mich dagegen,

CS Maiko
 

doppio

Mitglied
Hallo Maiko,

das mit den f/6 für gute Ausleuchtung ist so eine Sache - wenn man 6 mm AP bei 70° Feld will, geht das mit f/5 oder f/6. So lange man nur den Fangspiegel und die Obstruktion betrachtet, ist das eine klare Sache und es gilt: je langbrennweitiger, desto besser. Was insgesamt die bessere Wahl ist, hängt aber davon ab, wo sich weitere begrenzende Elemente wie z.B. Filter befinden - deren Wirkung setzt zwar im Feld weiter außen, dafür aber um so heftiger ein. Da kann dann die größere Feldblende bei f/6 von Nachteil sein.

Ein Rechenbeispiel (https://www.bbastrodesigns.com/diagonal.htm)- befinden sich die Filter mit typisch 45 mm Durchlass 150 mm vor der Feldebene, ergibt sich bei 12" folgendes:

f/6, 36mm Hyperion, 45 mm Feldblende: Vignettierung durch die Filter setzt bei 20 mm Felddurchmesser ein, zum Rand hin verliert man rund 0.7 mag

f/5, 30 mm Brennweite, 37.5 mm Feldblende: Vignettierung setzt bei 16 mm Felddurchmesser ein, zum Rand hin verliert man knapp 0.5 mag

In der Praxis läuft's drauf raus, dass die Filter zusätzlich zum Fangspiegel kräftig vignettieren, oder auch nicht je nach Auslegung. Eigentlich würde man gern den Rand des Fangspiegels mit dem Rand der Feldblende verbinden können, ohne dass irgendetwas im Weg steht. Das ist bei f/5 unter Umständen einfacher, weil das Feld einfach kleiner ist. Ich hab meine Filter nochmal näher hingerückt als die 150mm aus dem Rechenbeispiel, und bin auf f/5 gegangen.
Wenn die Filter weiter weg sind, ist irgendwann f/6 im Vorteil. Das ist dann aber auch eine Frage, wie lang die Strecke von Fangspiegel zu Feldebene insgesamt ist.

Viele Grüße

Holger
 
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