First light 120/600 FH

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas Delyon
  • Erstellungsdatum Erstellungsdatum
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Delyon

Aktives Mitglied
Hallo,

ich hatte ja lange überlegt, mir neben meinem 80/600 ED noch einen 100/900er ED zu kaufen, habe die Idee, für so einen geringen Öffnungsgewinn soviel Geld auszugeben, nun aber doch verworfen und werde mir in ein, zwei Jahren einen kompromisslos guten Reisedobson zulegen. Um bis dahin ein Gerät mit einem deutlichen Stück mehr Öffnung als der 80er ED und deutlich größerem Gesichtsfeld als mein Mak zu haben, kam mir eine Annonce für einen gebrauchten Skywatcher 120/600 FH zu einem sehr günstigen Preis wie gerufen. Über die Einschränkungen - dass es ein reines Deep Sky-Gerät mit heftigem Farbfehler ist - war ich mir natürlich bewusst, aber zum Preis eines einzelnen Mittelklasseokulars konnte ich nicht nein sagen, also fuhr ich gestern nach Rastenfeld im Waldviertel, um das Teleskop abzuholen und gleich die Gelegenheit zu nutzen, unter dem traumhaft dunklen Waldviertler Himmel (Abgesehen von den Hochalpen die dunkelste Region Österreichs) eine erste Beobachtungsnacht mit der Neuerwerbung durchzuführen.

Mitgenommen habe ich ein 32mm Erfle, ein ES 14mm und ein ES 6,7mm - kurzbrennweitigere Okulare schienen mir zu Recht nicht sinnvoll anwendbar bei so einem Farbwerfer.
Erstes Testobjekt, um einen Eindruck von der Intensität des Farbfehlers zu bekommen, war der Mond. Bei 18x im Erfle keine wahrnehmbare Farbe. Bei 43x im 14mm ES zeigt der Mondrand einen moderaten blauen Farbsaum, der aber noch nicht stört, und ansonsten ist die Abbildung sehr scharf und detailreich. Bei 89x im 6,7mm ES wird der Farbsaum dann wirklich kräftig und beginnt am Rand der Mondscheibe die Beobachtung deutlich zu beeinträchtigen. Die anderen Bereiche des Mondes werden noch schön und mit feinen Details abgebildet, aber höher würde ich nicht vergrößern wollen. Für Detailbeobachtung auf dem Mond bei Hochvergrößerung also erwartungsgemäß ungeeignet, aber bei mäßigen Vergrößerungen bis etwa 90x kann man mit dem FH durchaus etwas Übersichtsbeobachtung auf dem Mond treiben, ohne am Farbfehler zu sterben.

Weiter ging es zu Jupiter, der bei 43x schon einen sehr kräftigen blaulila Farbhalo hat und bei 89x geradezu in Farbsuppe ertrinkt, wobei auch nicht mehr Details als die Hauptwolkenbänder wahrnehmbar sind. Der kleine 80er ED zeigt im Vergleich dazu nicht nur das ästhetischere, sondern auch viel detailreichere Bild.
Später in der Nacht beobachtete ich noch den Saturn, der auch etwas Farbe zeigt und nicht so knackig-schön wie im ED abgebildet wird, aber sehr viel besser als Jupiter aussieht - bei 89x war die Cassini-Teilung zu erahnen und war die Farbe noch erträglich. Mars habe ich nicht ausprobiert, weil der für so geringe Vergrößerungen eh nicht viel hergibt. Also, ein Mond- und Planetengerät ist es natürlich nicht, aber ein Blick auf Mond und Saturn ist mit dem kurzen FH durchaus genießbar, nur Jupiter geht gar nicht.

Aber dafür habe ich ja ohnehin den ED und den FH nicht gekauft, sondern für Deep Sky-Touren unter dunklem Himmel, und hier zeigte er dann auch seine Stärken. Die Austrittspupille von 6,4mm, die ich mit dem 32mm Erfle erreiche, sind natürlich nur unter exzellentem Himmel sinnvoll nutzbar, aber eben für Ausflüge bspw. in die Alpen habe ich das Gerät ja gekauft, und unter dem Waldviertler Himmel dieser Nacht mit einer Grenzgröße deutlich über 6mag geht das ganz gut. Bei Deep Sky zeigt der FH deutlich mehr als der 80er ED (Klar, 40mm mehr Öffnung müssen sich bemerkbar machen) und ein Stück mehr als der Mak.

Leider gaben in dieser Nacht die Batterien meiner Rotlichtlampe den Geist auf, sodass ich nur Objekte beobachten konnte, deren Position ich auch ohne Blick in den Karkoschka auswendig kenne. Beobachtet habe ich die Galaxien M81/82, M94, M63, M101, M51/NGC5195, M108, M65, M66, NGC 3628, NGC 4490, M 104, M31 im Horizontdunst und einige nicht identifizierte Galaxien im Virgo-Haufen, dazu die Kugelsternhaufen M13, M92 und M4, die Planetarischen Nebel M27, M57 und M97.

Hellere Galaxien kann man mit dem 120/600er schon problemlos auf 89x vergrößern, ohne dass sie zu dunkel werden, und so zeigte sich bspw. M51 so strukturreich, wie ich sie noch nie beobachter habe. Fast meinte ich, die Spiralstruktur zu knacken, aber ganz reichte es dazu doch nicht, es blieb bei der Wahrnehmung hellerer und dunklerer Stellen innerhalb der Nebelscheibe um den Galaxiekern. M104 zeigt sehr deutlich ihre Spindelform und bei 89x auch das Staubband, das ich mit dem 80er ED nur einmal in einer exzellenten Nacht mit indirektem Sehen erahnen konnte. M81/82 sind gemeinsam bei 43x am Schönsten und sehr hell. M81 zeigt einen ausgedehnten Halo um den Galaxiekern, M82 bei 89x angedeutet einen dunklen Fleck innerhalb der Galaxie, also erste Staubstrukturen. M101 wurde bei 18x im Erfle beobachtet und zeigte sich deutlich heller und ausgedehnter als im 80er ED, wo die Galaxie nur als zarter Lichthauch erscheint. Die Spiralarme von M101 sah ich allerdings nicht.

Bei den anderen Objekten war M13 am Beeindruckendsten, der deutlich mehr Einzelsterne als im 5"-Mak zeigte und wo der Rand bei 89x schon ziemlich tief aufgelöst wurde - wunderschön. M27 und M57 sind deutlich heller als im 80er ED, zeigen aber nicht wesentlich mehr Details - die Ringform von M57 und die Hantelform von M27 zeigt der 80er unter gutem Himmel auch schon.
Wunderbar ist auch das Abgrasen der Milchstraße im Schwan im 32mm Erfle, ein riesiges Gesichtsfeld, in dem der Himmelshintergrund fast ganz aus einer unzähligen Masse von Sternen zu bestehen scheint. Meinen UHC-Filter hatte ich leider zuhause vergessen, sodass ich die Beobachtung großer Gasnebel auf eine andere Beobachtungsnacht verschieben muss.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der 120/600er halt eine Art monokulares Großfernglas ist, tauglich für ein bisschen Mondbeobachtung, für Planeten weniger, aber primär für Deep Sky bei moderaten Vergrößerungen unter dunklem Himmel, und da schlägt er sich hervorragend und hat mir die bisher schönsten Galaxien- und Kugelsternhaufenbeobachtungen beschert. Für sehr wenig Geld eine schöne Deep Sky-Ergänzung zum 80er ED, und ich freue mich schon darauf, den FH mal ins Hochgebirge zu bringen.

CS,
Fabian
 
Moin Fabian!

Danke für Deinen unvoreingenommenen Erfahrungsbericht! :super:
Es zeigt sich schon, daß ein 120/600er FH eine DS-Optik ist und am Planeten oder Mond eigentlich nichts verloren hat. Dafür ist so eine Optik ja auch nicht konstruiert.
Meinen 120er besitze ich seit Anfang 2003 - es ist das Teleskop, was am längsten bei mir durchgehalten hat. (Wenn mir ein Teleskop irgendwie nicht paßt, dann verkaufe ich's nämlich.) Die Optik hat bereits 50 Kometen gesehen. Neben DSO ist der 120er natürlich bestens für die Schweifsterne geeignet.
 
Hallo liebe Sternfreunde! ,
auch ich habe mir so einen Richfielder vor kurzem gebraucht angeschafft, speziell wegen der geringen Größe und des geringen Gewichtes.
Er passt eigentlich immer in eine Ecke des Autos, problematischer ist da eher die Sperrigkeit der erforderlichen Montierung (ich verwende eine Vixen Custom mount/ azimutal, die ist auch stabil). Insgesamt ist er aber absolut urlaubstauglich, speziell, wenn es in weniger lichtverschmutzte Regionen geht.

Leider ist bei uns in Rheinhessen oft dunstige Luft, in Stadtnähe auch ziemlich Lichtverschmutzung, weshalb der Skywatcher hier nicht alle Vorzüge ausspielen kann.
Aber selbst da sieht man problemlos das fahle Oval des Eulennebels, M108, schön M81/ M82 sowie M51 ... Solange die Supernova in M82 noch für das Gerät erreichbar hell war, habe ich gerne mit dem Skywatcher beobachtet, weil auch bei Wolkenlücken die ganze Montage superschnell nach draußen getragen ist. In dieser Phase hatte ich trotz oft mäßigen Wetters die wenigsten Beobachtungs"ausfälle" der Supernova (mittlerweile ist sie ja leider für mein *entfernt* zu dnkel geworden).


Weil ich zur Zeit nicht allzu sehr heben darf (nach Blinddarm- OP) habe ich das Teil auf AZ- Stativ unter einem Dachflächenfenster (Richtung WSW) gestellt, das Stativ schiebe ich auf dem Teppich, um so wenigstens ein bißchen die teils klaren Nächte ausnutzen zu können.
Da habe ich auch Mond und Jupiter mit ähnlichen Effekten wie Fabian beobachtet.
Am Mond wegen der in Terminatornähe harten Kontraste geht m. E. auch ein wenig mehr Vergrößerung, gelegentlich bringt ein gelb- Filter oder der Baader Contrast- Booster/ Semi- Apo- Filter auch noch etwas. Um diese gebraucht günstig zu bekommen, muss man allerdings ein wenig Geduld haben.
An Jupiter habe ich selbst mit diversen Filtern auch nur die zwei Equatorialbänder mit manchmal sehr vagen Ausziehungen gesehen, selten noch ein drittes Band. Und selbst der GRF war eher zu erahnen, als eindeutig zu erkennen. Bei Vergrößerungen zwischen 100* und 120* ist auch absolut "Schluß" trotz aller Filtertricks.
Interessant war bei Benutzung von visuellen Farbfiltern, dass neben dem grün- Filter auch im orangen noch ein einigermaßen gutes Bild zu sehen ist, schlimm wirds erwartungsgemäß im Roten und noch schlimmer im Blauen. Diese Beobachtung passt ja auch zu dem deutlich blauen Fabfehler (andere Refraktoren haben eher einen violett- Saum).

Insgesamt aus meiner Sicht ein schönes deep- sky- Teleskop, super Reise- tauglich (wenn mit dem Auto unterwegs); Mondbeobachtung macht bis etwa 120* auch noch Spaß, helle Planeten weniger.
Ich werde das Teil auch auf alle Fälle behalten, weil es die anderen Teleskope gut ergänzt und so handlich ist!


Beste Grüße aus Rheinhessen!
Carsten
 
Hi Fabian,

ich oute mich auch mal, dass ich so einen Skywatcher mal hatte, ihn aber wieder verkaufte. Ich konnte bis 5mm (120x) gewinnbringend vergrößern.

Staubband in M104 - Tolle Leistung.

Gruß
Lothar
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben