First Light 80/1500 Refraktor

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Felix42

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Hallo Zusammen,

Heute möchte ich mal einen kleinen Bericht zum First Light meines neuen Wasserrohrrefraktors schreiben. Das Objektiv habe ich in Essen erstanden, genau wie den Schraubfokussiere(ehemalige Militäroptik,absolut spielfrei für 5 Euro...). Der Tubus besteht aus einem Wasserrohr(Baumarkt) mit 103 mm Innendurchmesser und 110 mm Außendurchmmesser. Alle übrigen Teile habe ich aus Multiplex-Birke gedreht. Heraus kam ein zwar langes aber recht leichtes Telekop.Da ich gestern unerwartet genügend Zeit hatte alles fertig zu stellen, schnallte ich die Röhre provisorisch auf ein stabiles Fotostativ und konnte doch noch das sensationelle Wetter nutzen.
Ich habe das Rohr für den Einsatz am Dachfenster (Profis dürfen woanders weiterlesen oder mich beschimpfen...) vorgesehen, da die große Länge es ermöglicht die Dachfensterbedingte Luftunruhe zu überbrücken.

Den Anfang machte der Mond im 12mm Okular. Bei 125x stand er ruhig wie angenagelt im Okular, wie ich es mir erhofft hatte.Ein Farbfehler ist bei dieser Vergrößerung noch nicht zu sehen, die Abbildung im Oku war sehr klar und kontrastreich, der Mond scheint richtig greifbar im Raum zu stehen, trotz der geringen Vergrößerung konnte ich sehr viele Details ausmachen.Schon geringe Helligkeitsunterschiede der Mondoberfläche traten deutlich hervor, die Krater waren extrem gut zu ekennen, alles wirkte sehr klar, ich war begeistert( und bin es noch...).
Über dem hellen Mondhorizont konnte ich schon um ca. 22.00 Uhr in der Dämmerung zwei Sterne sehen, die im Dobs sicher überstrahlt worden wären. Ein sehr schöner Anblick, den ich lange genoß...

Weiter ging es zu Regulus, der für einen kurzen Sterntest herhalten mußte: Intrafokal und Extrafokal absolut identische kreisrunde Beugungsringe, nur in der Farbe leicht unterschiedlich.

Dann kam Saturn an die Reihe: so ruhig hatte ich ihn noch nicht genießen können. Sicher zeigt der 8" Dobs mehr Details,dem 80/1500 geht irgendwann das Licht aus, aber der Anblick mit zweien seiner Monde ohne Seeingeinflüsse war ein echter Genuß...sehr plastisch und deutlich waren die Ringe zu erkennen, auch der Schatten den Saturn auf die Ringe wirft war leicht zu erkennen. Wie schon am Mond hatte ich den Eindruck das Viele Details sehr deutlich zu erkennen sind, für die ich sonst ein bischen höher vergrößern muß.

Dann schwenkte ich zu h & chi um die Deep-Sky-Fähigkeiten des Rohres zu testen: bei beiden Sternhaufen waren bis ins Zentrum Sterne zu sehen, vor dem dank kleiner AP dunklen Himmel kamen auch schwächere Sterne sehr schön zur Geltung. Immer wieder blitzten einige Sterne auf die sich nur indirekt sehen ließen, je länger ich guckte desto mehr wurden es.

Dann irrte ich noch einige Zeit ziellos mit einem 30mm-Okular durch die Milchstraße, da ich mich nicht auf die Beobachtung vorbereitet hatt schaute ich einfach auf gut Glück was mir sonst noch vors Objektiv kam.Immer wieder glänzte das Abflussrohr mit einer enormen Auflösung, die Länge der Röhre ermöglicht es tatsächlich die wabernde Luftschicht am Dachfenster zu umgehen.

Zum Abschluss wollte ich unbedingt einen blick auf m 13 werfen, was in Ermangelung eines Zenithspiegels zur Turnübung wurde. Der Anblick im Okular entschädigte mich dann für alle noch so irren Verrenkungen( manchmal bin ich echt froh das mir keiner bein Spechteln zuguckt....).
Eine unüberschaubare Menge Sterne, außen leicht Aufzulösen, mittig dann immer dichter werdend bis das Funkeln und Glitzern im Zentrum in eine blasshelle Fläche übergeht. Hätte ich der Kleinen Optik nicht zugetraut so viele Details sichtbar zu machen.

Als ich dann gegen kurz vor 2.00 Uhr wegräumen wollte, leuchtete fast schon grell ein "Stern" durch die Lücke zwischen zwei Häusern: das konnte nur Jupiter sein!!!
Schnell eilte ich mit dem Ganzen Geraffel zum südlichen Fenster und baute das Teleskop so auf daß ich die Minuten die Jupiter zu sehen sein würde voll ausnutzen konnte. Der Anblick bei "nur" 125x war die Krönung dieses Abends! Jupiter stand ruhig im Okular, die Wolkenbänder waren so scharf und deutlich zu sehen wie gemalt. Wenn das mit der Uhrzeit Übereinstimmt habe ich glaube ich den GRF gesehen oder zumindest erahnt, auf jeden Fall waren in den Wolkenbändern ansatzweise Strukturen auszumachen!! Drei Monde waren dauerhaft zu sehen, einer davon unmittelbar neben dem Planetenscheibchen.

Ein schöneres First Light kann man mit einem so kleinen Gerät sonst nur in Namibia haben glaube ich!!! Auf jeden Fall waren das die besten Sichtbedingungen an die ich mich erinnern kann.

Resümee:
Der 80/1500-Refraktor wird wohl für mich das ultimative Schnellspechtelgerät werden: er ist trotz der Abmessungen sehr leicht und handlich, ermöglicht ordentliche Vergrößerungen und bildet mit Okularen die an kürzeren Brennweiten unter Optikschrott laufen hervorragend ab! Dazu kommt noch die Dachfenstertauglichkeit, die für mich bedeutet daß ich mir viel weniger Gelegenheiten zum Spechteln entgehen lassen muß!

Hoffentlich hatten auch andere Sternenfreunde gestern einen so guten Himmel, für Wuppertaler Verhältnisse war es fast einmalig!

Grüße und CS Felix (der sich heute Montageschellen bastelt um Klebeband zu sparen...)


P.S.: was für eine Montierung wäre für so ein Rohr eigentlich empfehlenswert??? Gewicht liegt bei knapp drei Kilo....
 
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Hallo Felix,
ein schöner Bericht, der Deine Begeisterung wirklich rüberbringt. Was für ein Objektiv hast Du denn da verbaut?

Wenn es eine azimutale Montierung bleiben soll, würde ich Dir eine AYO / WO EazyTouch empfehlen.
 
Hi Ralf,

was das genau für ein Objektiv ist weiß ich leider auch nicht. Der Verkäufer (habe es von Privat)sagte mir daß es sich um ein von Hand korregiertes Objektiv handelt das ein Feinoptikmeister angefertigt hat (ein bekannter des Verkäufers).Ob es ein kompletter Eigenbau ist oder ein industriell hergestelltes Objektiv als Basis diente kann ich nicht sagen. Eines ist sicher: es handelt sich um ein verkittetes zweilinsiges Objektiv.

Werde mir mal die von Dir vorgeschlagenen Montierungen anschauen,wenn noch jemand Tips hat in welcher Klasse man das Rohr parallaktisch (rein visuell) montieren kann wäre ich für weitere Tipps dankbar....

Grüße und CS Felix
 
Hallo Felix,

gratuliere zu dem herrlichen Objektiv!

Habe selber den Vixen 80L, den ich nur mehr auf der EQ6 betreibe, alles was schwächer ist zittert zu sehr beim Fokussieren. Also meine Montierungsempfehlung für deinen schönen 80er wäre EQ6, GP-DX, alte SP-DX, Losmandy G8, OTE und ähnliches.

Noch besser geeignet wäre für einen Standort eine Alt-Az Montierung, die braucht einfach weniger Platz. Auch hier wieder, je massiver desto besser, z.B. eine Giro 3.

Das Gewicht spielt übrigens fast gar keine Rolle bei so einer langen Röhre, sondern nur der Hebel, die Länge eben. Mit Taukappe kommst du auf 170cm. Wenn das zu schwach montiert ist genügt schon ein leiser Windhauch und es Wackel wie ein Kuhschweif, weil das Rohr leicht ist sogar noch mehr als wenn es sehr schwer wäre.

Bino-Tom
 
Hallo Felix

Wunderbarrer bericht von deinem Selbst gebautem Refraktor mit 3" bis 4"
da list mam hin und wieder was selbstgebaute Teleskope
alles zeigen,die wierderum als schnell beobachtungs
Geräte einem Dinnen.

Manfred
 
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Hallo Felix!
Tausend Kniefälle vor Deinem Basteltalent!!! Dein Bericht liest sich einfach nur noch herrlich und ich selbst mache gerade die Erfahrung, dass Brennweite doch etwas ist, das einfach stimmen muß! Du könntest Dir doch glatt ne Montierung selbst basteln bei Deinen Fähigkeiten? Für Dachfenstergeschichten wäre ich auch der Meinung, das Altazimut das Richtige wären. Die Giro-2 trägt locker 13Kg Refraktoren, dazu basteltste Dir ne Säule mit ausklappbarem Standfuß und fertig.
Ich glaube nur noch an Brennweite!!!!!!!!
Grüssle von Anette
 
Moin Zusammen,

Freut mich daß der kleine Bericht euch gefallen hat! Danke für die Montierungstipps, als Dobsonaut habe ich mich mit diesem Thema bisher nur am Rande beschäftigt...
Die Giro-Montierungen sind herrlich einfach, werde mal in meinen Materialbeständen wühlen und sehen ob da nicht noch genug für einen "Nachbau" herumliegt. Mit Säule drunter einfach und zweckmäßig, außerdem sollte das Low-Budget-Projekt auch Low-Budget montiert werden...

Grüße und CS Felix
 
Hallo Felix,
nun gehört diese Frage ja nicht hier in diesen Thread rein, doch weil es Dein Experiment betrifft, würdest Du mich da wohl übersehen, deshalb bleib ich mal schön hier und wollte von Dir wissen, bitte um Verzeihung, bin in diesen Dingen völlig unwissend.....woran man erkennt, welche Brennweite denn so ein Objektiv eigentlich braucht? Kann ich jedes beliebige Objektiv nehmen und irgend ein Rohr dahinter schrauben, egal wie lang und ich erhalte dann je nach dem was lang oder kurzbrennweitiges oder hängt die Brennweite von der Dicke der Objektivlinsen ab? Von der Öffnung ja wohl nicht, denn es gibt mit gleicher Öffnung ja allerlei Brennweitenunterschiede.
Hatte heute gleich mal ein olles 60mm Objektiv vor einer 150m Röhre geklebt, dann noch einen passenden Okuauszug und ein 25mm Oku rein.........es gab herrliche Milchsuppe ...dabei dachte ich schon, ich könnte hier auch so schöne Erlebnisse wie Du haben........was mache ich falsch, denke ich falsch, weis ich nicht?
Grüssle von Anette
 
Hallo Anette,

nun, die Antwort auf dein Frage gehört eigentlich auch nicht hierher aber egal... :/

Die Brennweite des von mir verwendeten Objektives hat mir, völlig unwissentschaftlich, der Vorbesitzer veraten!
Mit einem parallelen Lichtbündel ließe sich die Brennweite auch feststellen, indem man mißt in welcher Entfernung zum Objektiv das Licht in der Brennebene gebündelt wird. Wenn es nicht auf das letzte bischen Genauigkeit ankommt tut es zur Not auch eine etwas weiter (einige Meter) entfernte Glühbirne. Du hältst das Objektiv zwischen Glühbirne und eine idealerweise weiße Projektionsfläche (Wand/ Stück Papier) und veränderst den Abstand des Objektivs zur Projektionsfläche bis ein scharfes Abbild der Glühbirne zu erkennen ist. Der Abstand des Objektives zur Projektionsfläche entspricht ungefähr der Brennweite des Objektives. Ideal ist ein halbwegs dunkler Raum, evtl. die Glühbirne etwas abdecken...
"Ungefähr" weil das Lichtbündel der Glühbirne nicht parallel aus dem Unendlichen kommt, zur Orientierung wie lang das ganze wird jedoch hinreichend genau.
Wenn es etwas genauer sein soll kann man auch einen Laser der evtl. zwischen mehreren Spiegeln hin und her läuft verwenden, aber bitte mit Vorsicht!!! Gerade die überall angebotenen Billiglaser bergen ein nicht zu unterschätzendes Gefahrenpotential, da sie im nicht sichtbaren Spektrum teilweise viel höhere Leistungen haben als angegeben! Da hat man schneller einen Augenschaden als man "es leuchtet grün" sagen kann!! Ich verwende für solche Zwecke eine mit ca. 3mW schwach erscheinende hochwertige Laserdiode die nur eine Wellenlänge emitiert und fokussiert werden kann, und die ist in einem bis auf eine kleine Öffnung geschlossenem Kasten eingebaut. Je nachdem wie oft der Laserstrahl zwischen den Spiegeloberflächen hin und her läuft, kann man den Strahl 15 oder 20 Meter zurücklegen lassen bis er das Objektiv erreicht, das ist "aus dem Unendlichen" genug für unsere Hobbyzwecke.

Da ich mir auch nicht absolut sicher war ob meine Konstruktion eine vernünftige Fokussierung zulässt habe ich den hinteren ( Okularseitigen ) Tubusteil posaunenartig verschiebbar ausgeführt. Wie sich im nachhinein als sehr sinnvoll herausstellte, da der Weg meines Fokussiers nicht für alle meine Okulare ausreichte.
Reindrehen-Anschlag , rausdrehen-fällt runter :totlach2:

Die Brennweite eines Objektives ergibt sich aus der Wölbung der Glasflächen und dem Lichtbrechverhalten der verwendeten Glassorte.Das heißt ein Objektiv "braucht" keine Brennweite, sondern diese ergibt sich aus dem Aufbau des Objektives und kann nur durch nachgeschaltete optisch wirksamme Bauteile (Barlowlinse/ Reducer) verlängert bzw. verkürzt werden.

Wenn Du wirklich eine 150m :respekt: lange Röhre hast wird es vermutlich etwas schwierig ein passendes Objektiv aufzutreiben, aber ein Aufkleber "Sponsored by Zeiss" hat auch nicht jeder...:super:, zumindest gibt es dann keine Kommentare wie Farbwerfer... :totlach:

Lass Dich von meiner Lästerei in den Letzten Zeilen nicht verdrießen, meine ersten Optikbasteleien waren...mmhh...irgendwie für die Tonne... :pfeif:

Also: Brennweite ermitteln- ein von der Länge passendes Rohr hinter die Linse, besser zu lang als zu kurz, absägen kann man immernoch- dann solltest Du etwas mehr sehen können können als Milchsuppe...wenn du mal die Gelegenheit hast günstig ein richtig langbrennweitiges Objektiv zu bekommen-greif zu! Die werden immer seltener seit EDs und APOs sich zunehmend durchsetzen. Son langes Teil ist zwar unhandlich aber ein Klassiker und macht Spaß.

Viel Spaß beim basteln :huhu:Felix

P.S.:Habe gestern mein 5mm Baader Hyperion am Abflussrohr getestet - 300x, scharf aber unglaublich bunt :biggrin:, da sind dann alle Grenzen des Sinnvollen überschritten.Bis ca. 100x ist kein Farbfehler zu sehen, dann von 100x bis ca. 150x ist es okularabhängig wieviel Farbsäume es gibt,dann wirds immer blauer...

P.P.s.:habe Material für eine Montierung: ein alter Mercedesachsschenkel der eigentlich für meinen Noch-Dobs gedacht war erfährt nun die Ehre dat Rohr zu tragen :cool:
 
Lieber Felix, tausend Dank für diese ausführlichen Erläuterungen, nun habe ich wenig Ahung mehr. Das mit der Länge der Brennweite, werd ich gleich mal ausprobieren. Habe noch ein fettes 150mm Objektiv von einem Overheadprojektor aus den 70ger Jahren, mal sehen, was sich auf diese Weise damit so machen lässt. Optik ist ein spannendes Thema.
Grüssle von Anette
 
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