MathiasMK
Neues Mitglied
Moin zusammen,
gestern Abend war es so weit: mein allererstes First Light als absoluter Deep-Sky-Neuling. Ich muss diesen Abend einfach mal mit euch teilen, denn zwischenzeitlich stand ich kurz davor, das gesamte Geraffel nicht etwa sorgfältig einzupacken, sondern… sagen wir mal sachlich… mit Schwung im hohen Bogen in die Hecke zu befördern.
Optik: TS-Optics Photoline 80mm f/6 FPL53 Triplet Apo mit 0.8x Reducer
Kamera: ZWO ASI533MC Pro
Montierung: UMi 17 Lite auf Stativ mit Halbsäule
Guiding: Kleines ZWO Guidescope oben aufgesattelt
Software: N.I.N.A., PHD2, ASTAP und später Siril 1.4.5
Garten-Setup: Drei glatt eingelassene Pflastersteine im Rasen als Fundament und eine umgedrehte Eurobox auf dem Tisch als provisorische Hightech-Tauhaube für den Laptop.
Ort: südlich von Hamburg, weit draussen auf dem Land
Die erste Hürde: Das Einnorden mit TPPA in N.I.N.A. Wenn man wie ich versucht, die Azimut-Schraube der Polhöhenwiege mit roher Gewalt gegen den festen Messing-Zapfen zu prügeln, weil man die Gegenschraube nicht gelöst hat, merkt man schnell: Push-Pull heißt eben nicht nur „Push bis das Gewinde glüht“. Nach ein paar gepflegten Flüchen und dem Lockern der Gegenseite lief das Alignment aber plötzlich erschreckend präzise.
Dann kam der eigentliche Endgegner des Abends: der Fokus.Ich habe gefühlt eine Ewigkeit fluchend am Okularauszug millimeterweise vor und zurück gedreht. Aus Riesen-Donuts wurden matschige Scheiben, dann wieder Matsch in die andere Richtung. Immer wenn man dachte „Jetzt passt es!“, reichte ein minimales Antippen der Klemmschraube und die Sterne sahen wieder aus wie zerlaufene Spiegeleier. Ich war kurz davor, den Focuser eigenhändig abzusägen. Irgendwann – mehr durch stoisches Durchhalten als durch Verstand – saß der Punkt dann aber endlich nadelspitz.
Dann der Blick mit bloßem Auge nach oben: Dunkelheit. Ich wusste, wo Andromeda steht, habe aber exakt gar nichts gesehen. Für einen Anfänger ein leicht verunsicherndes Gefühl, wenn man ein Teleskop auf etwas ausrichtet, das fürs Auge einfach nicht existiert. Das ausrichten mit N.I.N.A war auch noch so ein Frustthema für sich ^^
Zwischendurch war der Frustpegel bei gefühlten 180: zitternde Finger an den Schrauben, Kabelsalat im Dunkeln, Kälte in den Knochen und die ständige Frage: „Warum tue ich mir das eigentlich freiwillig an?!“ Ich war im Kopf schon dabei, das Zeug abzubauen und abzuhaken.
Das erste 30-Sekunden-Testbild lief durch, … und da ploppte plötzlich Andromeda mitten auf dem Bildschirm auf.
Dieser eine Moment hat schlagartig alles verändert. Der gesamte Frust, die Wut auf die Klemmschrauben, die Kälte – mit einem Schlag komplett vergessen. Da war sie wirklich!
Ich habe mich sofort wieder zusammengerissen und durchgezogen:
Ich habe die 30 Bilder durchs Stacking gejagt und danach einfach so lange völlig planlos an den Reglern, Kurven und Farben rumprobiert, verschoben, rückgängig gemacht und neu probiert, bis ich irgendwann dachte: „Hey, genau so gefällt mir das jetzt!“
Ob das messtechnisch oder von den Farbwerten her astro-physikalisch korrekt ist? Keine Ahnung! Aber man sieht M31, der Kern strahlt, die dunklen Staubspuren heben sich ab, die Sterne sind rund. Wenn man bedenkt, dass dieses Licht 2,5 Millionen Jahre durchs All gereist ist, um nach all dem Kälte-Chaos auf meinem Schirm zu landen – ich bin einfach nur happy damit.
Das hier war erst mein allererster Schritt in die Astrofotografie – und ich bin selbst extrem gespannt, wie ich mich auf dieser Reise weiterentwickle und wie sich die Bilder mit wachsender Erfahrung hoffentlich stetig verbessern. Und im heutigen Tagesverlauf habe ich mich immer mehr und mehr über dieses eine Bild gefreut und die Vorfreude auf den nächsten "verfluchten" kalten Abend wächst immer weiter und weiter
Da ich noch ganz am Anfang stehe: Kritik, Ratschläge und Optimierungstipps von den erfahrenen Hasen unter euch sind extrem willkommen! Wie würdet ihr den nächsten Schritt angehen? Beim nächsten Mal bleibe ich definitiv weiterhin bei Andromeda, packe mir aber eine Kanne heißen Tee ein und lasse die Sequenz auf 1 bis 2 Stunden durchlaufen.
In diesem Sinne
Clear Skies!
Grüsse
Mathias
gestern Abend war es so weit: mein allererstes First Light als absoluter Deep-Sky-Neuling. Ich muss diesen Abend einfach mal mit euch teilen, denn zwischenzeitlich stand ich kurz davor, das gesamte Geraffel nicht etwa sorgfältig einzupacken, sondern… sagen wir mal sachlich… mit Schwung im hohen Bogen in die Hecke zu befördern.
Das Setup im Garten
Ich bin mit folgendem Besteck angetreten:Optik: TS-Optics Photoline 80mm f/6 FPL53 Triplet Apo mit 0.8x Reducer
Kamera: ZWO ASI533MC Pro
Montierung: UMi 17 Lite auf Stativ mit Halbsäule
Guiding: Kleines ZWO Guidescope oben aufgesattelt
Software: N.I.N.A., PHD2, ASTAP und später Siril 1.4.5
Garten-Setup: Drei glatt eingelassene Pflastersteine im Rasen als Fundament und eine umgedrehte Eurobox auf dem Tisch als provisorische Hightech-Tauhaube für den Laptop.
Ort: südlich von Hamburg, weit draussen auf dem Land
Die Schlacht im Feld
Theoretisch klang vorab alles so herrlich logisch. Praktisch stand ich draußen bei eisigen Temperaturen, feuchter Wiese und gefrierendem Tau.Die erste Hürde: Das Einnorden mit TPPA in N.I.N.A. Wenn man wie ich versucht, die Azimut-Schraube der Polhöhenwiege mit roher Gewalt gegen den festen Messing-Zapfen zu prügeln, weil man die Gegenschraube nicht gelöst hat, merkt man schnell: Push-Pull heißt eben nicht nur „Push bis das Gewinde glüht“. Nach ein paar gepflegten Flüchen und dem Lockern der Gegenseite lief das Alignment aber plötzlich erschreckend präzise.
Dann kam der eigentliche Endgegner des Abends: der Fokus.Ich habe gefühlt eine Ewigkeit fluchend am Okularauszug millimeterweise vor und zurück gedreht. Aus Riesen-Donuts wurden matschige Scheiben, dann wieder Matsch in die andere Richtung. Immer wenn man dachte „Jetzt passt es!“, reichte ein minimales Antippen der Klemmschraube und die Sterne sahen wieder aus wie zerlaufene Spiegeleier. Ich war kurz davor, den Focuser eigenhändig abzusägen. Irgendwann – mehr durch stoisches Durchhalten als durch Verstand – saß der Punkt dann aber endlich nadelspitz.
Dann der Blick mit bloßem Auge nach oben: Dunkelheit. Ich wusste, wo Andromeda steht, habe aber exakt gar nichts gesehen. Für einen Anfänger ein leicht verunsicherndes Gefühl, wenn man ein Teleskop auf etwas ausrichtet, das fürs Auge einfach nicht existiert. Das ausrichten mit N.I.N.A war auch noch so ein Frustthema für sich ^^
Zwischendurch war der Frustpegel bei gefühlten 180: zitternde Finger an den Schrauben, Kabelsalat im Dunkeln, Kälte in den Knochen und die ständige Frage: „Warum tue ich mir das eigentlich freiwillig an?!“ Ich war im Kopf schon dabei, das Zeug abzubauen und abzuhaken.
Der Moment der Erlösung
Und genau in diesem Frust-Moment – draußen in der Kälte, die Hände taub, fluchend vor dem Laptop – passierte es:Das erste 30-Sekunden-Testbild lief durch, … und da ploppte plötzlich Andromeda mitten auf dem Bildschirm auf.
Dieser eine Moment hat schlagartig alles verändert. Der gesamte Frust, die Wut auf die Klemmschrauben, die Kälte – mit einem Schlag komplett vergessen. Da war sie wirklich!
Ich habe mich sofort wieder zusammengerissen und durchgezogen:
- Lights: 30 Frames à 30 Sekunden (Gain 100) = gerade mal 15 Minuten Gesamtbelichtungszeit
- Kalibrierung: Gar keine. Keine Darks, keine Flats, reines Rohmaterial.
Danach ab ins Warme, und ran an den Rechner.
Die Nachbearbeitung: Reines Try & Error
Ganz ehrlich: Ich habe noch überhaupt keine Ahnung, wie ein „fertiges“ Astrobild aussehen muss oder was man in Siril eigentlich vorschriftsmäßig tut.Ich habe die 30 Bilder durchs Stacking gejagt und danach einfach so lange völlig planlos an den Reglern, Kurven und Farben rumprobiert, verschoben, rückgängig gemacht und neu probiert, bis ich irgendwann dachte: „Hey, genau so gefällt mir das jetzt!“
Ob das messtechnisch oder von den Farbwerten her astro-physikalisch korrekt ist? Keine Ahnung! Aber man sieht M31, der Kern strahlt, die dunklen Staubspuren heben sich ab, die Sterne sind rund. Wenn man bedenkt, dass dieses Licht 2,5 Millionen Jahre durchs All gereist ist, um nach all dem Kälte-Chaos auf meinem Schirm zu landen – ich bin einfach nur happy damit.
Mein Fazit
Ich weiß, dass 15 Minuten ohne Kalibrierungsdaten erst der absolute Anfang sind und die Optik noch ganz andere Reserven hat. Aber für die allererste Nacht überhaupt bin ich ehrlich gesagt ziemlich stolz auf das Ergebnis.Das hier war erst mein allererster Schritt in die Astrofotografie – und ich bin selbst extrem gespannt, wie ich mich auf dieser Reise weiterentwickle und wie sich die Bilder mit wachsender Erfahrung hoffentlich stetig verbessern. Und im heutigen Tagesverlauf habe ich mich immer mehr und mehr über dieses eine Bild gefreut und die Vorfreude auf den nächsten "verfluchten" kalten Abend wächst immer weiter und weiter
Da ich noch ganz am Anfang stehe: Kritik, Ratschläge und Optimierungstipps von den erfahrenen Hasen unter euch sind extrem willkommen! Wie würdet ihr den nächsten Schritt angehen? Beim nächsten Mal bleibe ich definitiv weiterhin bei Andromeda, packe mir aber eine Kanne heißen Tee ein und lasse die Sequenz auf 1 bis 2 Stunden durchlaufen.
In diesem Sinne
Clear Skies!
Grüsse
Mathias