DanielM
Aktives Mitglied
Hallo zusammen.
Nach rd. 20 Jahren als Sternfreund (seit dem zarten Alter von 12 Jahren) und verschiedenen Gerätschaften in meiner bisherigen "Laufbahn" als Hobbyastronom (von denen zum Leidwesen meiner Frau nicht immer eins verkauft wurde, wenn ein neues hinzukam) habe ich mir vor gut 2 Wochen endlich einen lang gehegten Traum erfüllt: Einen 5 Zoll Apo, den Vixen ED130SS.
"Das ist aber kein Apo" werden jetzt einige sagen oder denken (von mir aus auch schreiben). Ich halte eine Wiederholung der bereits mehrfach geführten Debatten über die Definition eines Apos für wenig werthaltig und spreche mal von meinem ED-Apo.
Gefallen hat mir an dem Gerät: Ich bin bereits in anderen Fällen von der optischen Qualität verschiedener Vixen-Optiken überzeugt worden. Das Gerät erlaubt auf der einen Seite mit dem 35er Panoptik fast 3 Grad Gesichtsfeld, gleichzeitig erhoffte ich entsprechende Leistung an Mond und Planeten (refraktorscharf und ohne Farbe) - häufiger im Beobachtungsfokus hier aus dem Ruhrgebiet. Dazu ist der Tubus von Ausmaßen und Gewicht (mit rd. 6 kg) sehr transportabel und noch ohne Probleme auf meiner SP (die Giro steckt den ED ohne Gegengewicht weg) unterzubringen. Das Finish ist schön, der Tubus innen ordentlich geschwärzt und verblendet. Der 60mm Okularauszug ist zwar nicht Tak oder Crayford, aber ich würde ihn mal als gut bezeichnen. Letztlich sprach auch ein vergleichsweise günstiger Preis für das Gerät (wenn man bei solchen Geräten überhaupt von sowas sprechen darf!).
Lange Rede kurzer Sinn: Letzte Woche und am vergangenen Samstag war es dann soweit: endlich first light! Zugegeben: Einen schlechteren Zeitpunkt kann man sich kaum aussuchen. Nächte in der astronomischen Dämmerung mit dem nahenden Vollmond. Aber ich hielt es nicht mehr drinnen aus. Zuerst musste ich mal lernen, dass der mitgelieferte Fieldflattener für visuelle Beobachtung raus muss - sonst ist mit 2" Zenitspiegel der Weg zu lang und es gibt keinen Fokus. Außerdem ist das ja für die Transmission besser. Gesagt getan (leider weiss ich nicht genau, wie die Brennweite sich ohne den Flattener einstellt - mit waren es 860mm. Eine Anfrage bei Vixen läuft aber. Aus diesem Grund sind die Vergrößerungsangaben vermutlich alle etwas zu niedrig, denn sie sind mit 860mm gerechnet). Nachdem also die Fokusfrage gelöst war ein Schwenk zum Jupiter angesagt, den ich gerade noch hinter Bäumen verschwindend aus meinem Garten sehen konnte. Also gleichmal richtig hoch gefahren und 246x (mit 7mm + Barlow). Das Seeing ist katastrophal, aber in kurzen Momenten ein schönes detailreiches Bild und keine Farbe! Auch wenn erste Wolken aufziehen schnell mal 35er Panoptik rein und durch den Schwan geschwenkt. An dem 3 Grad Gesichtsfeld kann man sich nicht satt sehen, viele kleine Nadelpunkte scheinen in unterschiedlichen Farben (und ich spreche nicht von Farbfehler, sondern Nuancen von Spektralfarben)! Kurzer Schwenk auf M57, bei hoher Vergrößerung schön und relativ hell als Ring mit leichten Unregelmäßigkeiten zu erkennen. Nächster Schwenk auf Epsilon 1 und 2, bei 96x so knackscharf getrennt, dass man mit dem Auto durchfahren könnte. Nochmal schnell rüber zu M13 - würden 5 Zoll hier enttäuschen (bin vom Spiegel 8 Zoll gewöhnt)? Nein, das Bild ist zwar dunkler aber bei diesem Himmel ist der Anblick bei 191x in Ordnung. Bis ins Zentrum hinein sieht man einen Schwarm von Einzelsternchen mit einem etwas diffus im Hintergrund schimmernden Schein. Wolken bereiten meinem first light ein baldiges Ende. Zugegeben: bis hierhin keine echten Herausforderungen, aber auch keine Enttäuschungen.
Second light (18.6.): Erstmal kurz zum Mond, der auch schon wieder hinter Nachbars Gartenbaum verschwinden will. Bei 246fach im Fokus am Mondrand keine Farbe. Der Rand ist weiss.
Die Nacht ist noch ein bisschen kürzer, der Mond noch ein bisschen voller. Neben Albireo und Alpha Herkuli stehen weiter auf dem Programm:
M27: sehr schön - Hantelform sofort erkennbar. Mit UHC-Filter bei 143fach schönster Anblick - hell, leichte Struktur - das hätte ich gerne unter dunklem Himmel!
M56: Relativ unscheinbar, bei hoher Vergrößerung leicht granuliert, Einzelsterne kann ich nicht erkennen.
M92: kompakter als M13, dennoch schöner Anblick mit Bienenschwarm an Einzelsternen vor kompaktem diffusem Kern.
M51: Zugegeben: Widrigste Himmelsumstände für Galaxien. Ich erkenne die zwei Kerne und einen leichten Hauch von "Halo" um die größere Galaxie...mehr gibt die Kombination aus Öffnung und Himmel nicht her.
Es ist immer eine Freude mit dem 35er Panoptik sich heranzutasten und das Objekt in der Übersicht mit "räumlichen" Eindruck heranzutasten und dann die Vergrößerung hochzufahren.
Als letztes wollte ich an diesem Abend mal dem Farbfehler auf den Grund gehen. Womit wir doch wieder beim Thema Apo/ED wären. Also im Wechsel Vega und Deneb angefahren und dann die Vergrößerung hochgeschraubt. Wenn man defokussiert fällt neben dem sauberen Bild der Beugungsringe ein Blausaum auf (ab etwa 143x). Im Fokus ist von der Farbe nichts zu sehen. Geht man auf 191x ist im Fokus immer noch keine Farbe, der "farblose Fokusbereich" wird aber sehr schmal. Wenn man auf 246x geht, dann gibt es beim drehen am Okularauszug nur noch einen ganz genau definierten Punkt, bei dem ich persönlich den Blausaum nicht sehe. Man merkt förmlich, wie sich das ED-Objektiv abmüht, die Unterschiedlichen Wellenlängen in den selben Brennpunkt schieben zu wollen. Aus meiner Sicht ist dieses Ergebnis in Ordnung (insb. für f/6.6). Zumal ich am Jupiter und Mondrand bei dieser Vergrößerung keine Farbe gesehen habe.
Jetzt freue ich mich auf einen beobachtungsreichen Sommer. Ich glaube aber scbon jetzt, mit meinem ED-Apo mit 5 Zoll Öffnung und einem Sprektrum von ca. 25 - 250fach eine schöne und qualitativ hochwerte Abbildungsleistung zu bekommen. Der Test mit 300x und mehr kommt natürlich noch genauso wie schwierigere Deepskys (dann auch mal unter gutem Himmel) und ausführliche Planetenbeobachtung.
Soviel für's erste.
Grüße und klare Nächte
Daniel
Nach rd. 20 Jahren als Sternfreund (seit dem zarten Alter von 12 Jahren) und verschiedenen Gerätschaften in meiner bisherigen "Laufbahn" als Hobbyastronom (von denen zum Leidwesen meiner Frau nicht immer eins verkauft wurde, wenn ein neues hinzukam) habe ich mir vor gut 2 Wochen endlich einen lang gehegten Traum erfüllt: Einen 5 Zoll Apo, den Vixen ED130SS.
"Das ist aber kein Apo" werden jetzt einige sagen oder denken (von mir aus auch schreiben). Ich halte eine Wiederholung der bereits mehrfach geführten Debatten über die Definition eines Apos für wenig werthaltig und spreche mal von meinem ED-Apo.
Gefallen hat mir an dem Gerät: Ich bin bereits in anderen Fällen von der optischen Qualität verschiedener Vixen-Optiken überzeugt worden. Das Gerät erlaubt auf der einen Seite mit dem 35er Panoptik fast 3 Grad Gesichtsfeld, gleichzeitig erhoffte ich entsprechende Leistung an Mond und Planeten (refraktorscharf und ohne Farbe) - häufiger im Beobachtungsfokus hier aus dem Ruhrgebiet. Dazu ist der Tubus von Ausmaßen und Gewicht (mit rd. 6 kg) sehr transportabel und noch ohne Probleme auf meiner SP (die Giro steckt den ED ohne Gegengewicht weg) unterzubringen. Das Finish ist schön, der Tubus innen ordentlich geschwärzt und verblendet. Der 60mm Okularauszug ist zwar nicht Tak oder Crayford, aber ich würde ihn mal als gut bezeichnen. Letztlich sprach auch ein vergleichsweise günstiger Preis für das Gerät (wenn man bei solchen Geräten überhaupt von sowas sprechen darf!).
Lange Rede kurzer Sinn: Letzte Woche und am vergangenen Samstag war es dann soweit: endlich first light! Zugegeben: Einen schlechteren Zeitpunkt kann man sich kaum aussuchen. Nächte in der astronomischen Dämmerung mit dem nahenden Vollmond. Aber ich hielt es nicht mehr drinnen aus. Zuerst musste ich mal lernen, dass der mitgelieferte Fieldflattener für visuelle Beobachtung raus muss - sonst ist mit 2" Zenitspiegel der Weg zu lang und es gibt keinen Fokus. Außerdem ist das ja für die Transmission besser. Gesagt getan (leider weiss ich nicht genau, wie die Brennweite sich ohne den Flattener einstellt - mit waren es 860mm. Eine Anfrage bei Vixen läuft aber. Aus diesem Grund sind die Vergrößerungsangaben vermutlich alle etwas zu niedrig, denn sie sind mit 860mm gerechnet). Nachdem also die Fokusfrage gelöst war ein Schwenk zum Jupiter angesagt, den ich gerade noch hinter Bäumen verschwindend aus meinem Garten sehen konnte. Also gleichmal richtig hoch gefahren und 246x (mit 7mm + Barlow). Das Seeing ist katastrophal, aber in kurzen Momenten ein schönes detailreiches Bild und keine Farbe! Auch wenn erste Wolken aufziehen schnell mal 35er Panoptik rein und durch den Schwan geschwenkt. An dem 3 Grad Gesichtsfeld kann man sich nicht satt sehen, viele kleine Nadelpunkte scheinen in unterschiedlichen Farben (und ich spreche nicht von Farbfehler, sondern Nuancen von Spektralfarben)! Kurzer Schwenk auf M57, bei hoher Vergrößerung schön und relativ hell als Ring mit leichten Unregelmäßigkeiten zu erkennen. Nächster Schwenk auf Epsilon 1 und 2, bei 96x so knackscharf getrennt, dass man mit dem Auto durchfahren könnte. Nochmal schnell rüber zu M13 - würden 5 Zoll hier enttäuschen (bin vom Spiegel 8 Zoll gewöhnt)? Nein, das Bild ist zwar dunkler aber bei diesem Himmel ist der Anblick bei 191x in Ordnung. Bis ins Zentrum hinein sieht man einen Schwarm von Einzelsternchen mit einem etwas diffus im Hintergrund schimmernden Schein. Wolken bereiten meinem first light ein baldiges Ende. Zugegeben: bis hierhin keine echten Herausforderungen, aber auch keine Enttäuschungen.
Second light (18.6.): Erstmal kurz zum Mond, der auch schon wieder hinter Nachbars Gartenbaum verschwinden will. Bei 246fach im Fokus am Mondrand keine Farbe. Der Rand ist weiss.
Die Nacht ist noch ein bisschen kürzer, der Mond noch ein bisschen voller. Neben Albireo und Alpha Herkuli stehen weiter auf dem Programm:
M27: sehr schön - Hantelform sofort erkennbar. Mit UHC-Filter bei 143fach schönster Anblick - hell, leichte Struktur - das hätte ich gerne unter dunklem Himmel!
M56: Relativ unscheinbar, bei hoher Vergrößerung leicht granuliert, Einzelsterne kann ich nicht erkennen.
M92: kompakter als M13, dennoch schöner Anblick mit Bienenschwarm an Einzelsternen vor kompaktem diffusem Kern.
M51: Zugegeben: Widrigste Himmelsumstände für Galaxien. Ich erkenne die zwei Kerne und einen leichten Hauch von "Halo" um die größere Galaxie...mehr gibt die Kombination aus Öffnung und Himmel nicht her.
Es ist immer eine Freude mit dem 35er Panoptik sich heranzutasten und das Objekt in der Übersicht mit "räumlichen" Eindruck heranzutasten und dann die Vergrößerung hochzufahren.
Als letztes wollte ich an diesem Abend mal dem Farbfehler auf den Grund gehen. Womit wir doch wieder beim Thema Apo/ED wären. Also im Wechsel Vega und Deneb angefahren und dann die Vergrößerung hochgeschraubt. Wenn man defokussiert fällt neben dem sauberen Bild der Beugungsringe ein Blausaum auf (ab etwa 143x). Im Fokus ist von der Farbe nichts zu sehen. Geht man auf 191x ist im Fokus immer noch keine Farbe, der "farblose Fokusbereich" wird aber sehr schmal. Wenn man auf 246x geht, dann gibt es beim drehen am Okularauszug nur noch einen ganz genau definierten Punkt, bei dem ich persönlich den Blausaum nicht sehe. Man merkt förmlich, wie sich das ED-Objektiv abmüht, die Unterschiedlichen Wellenlängen in den selben Brennpunkt schieben zu wollen. Aus meiner Sicht ist dieses Ergebnis in Ordnung (insb. für f/6.6). Zumal ich am Jupiter und Mondrand bei dieser Vergrößerung keine Farbe gesehen habe.
Jetzt freue ich mich auf einen beobachtungsreichen Sommer. Ich glaube aber scbon jetzt, mit meinem ED-Apo mit 5 Zoll Öffnung und einem Sprektrum von ca. 25 - 250fach eine schöne und qualitativ hochwerte Abbildungsleistung zu bekommen. Der Test mit 300x und mehr kommt natürlich noch genauso wie schwierigere Deepskys (dann auch mal unter gutem Himmel) und ausführliche Planetenbeobachtung.
Soviel für's erste.
Grüße und klare Nächte
Daniel