Fokus - 80/480 APO - Canon 1300D

fredor

Mitglied
Hi ich habe inzwischen einen 80/480 APO und ne Canon 1300D
Bei meinen ersten gehversuchen mit der neuen Ausrüstung habe ich erst einmal meine Montierung eingenordet und einen ersten Blick in den Himmel gewagt.
Als erstes mit einem Ocular. Ein schöner Ausblick auf den Polarstern. Begeisterung über erste Erfolge. :)
Als nächstes habe ich meine Canon Kamera an das Telekop angeschlossen und wie ich feststellen musste ich sehe selbst beim grössten Zoom auf dem bild gar nichts.
Nur stellt sich mir die frage wie soll man einen fokus finden wenn man gar nichts ausser einem schwarzen Bild sieht.
Ich habe blind ein paar 10 Sekunden Bilder geschossen selbst da habe ich leider nur hotpixel auf dem Bild.
Ich schätze ich bin überhaupt nicht im Fokus.
Wie geht ihr erfahrenen Leute damit um? Habt ihr ein Tipps für mich?

Muss ich jetzt auf dem Mond warten um das Telekop mal in den Fokus zu bekommen?
Aber gerade bei Deepsky will man ja nicht Mond als störene lichtquelle haben.
Und dann den Fokus notieren und dann mit nem Stift markieren?
Sollte man bei sowas auf nen Motorfokus sparen?

Oder doch lieber auf ne Astrocam sparen?
Eigentlich sollte man ja versuchen mit dem Equipment zu arbeiten das man bereits hat.

Kamera über nen Laptop betreiben und dann mehr erkennen?
Gibt das eine Software die mir beim Fokusieren helfen könnte?

vielleicht hat ja jemand ein paar nette Anregungen für die steile Lernkurve der Astronomie?

Schöne Grüße
Marc
 

DonMatu

Mitglied
Hi,
für solche Schritte (Fokus finden mit DSLR) ist der Taghimmel doch optimal ;-)
Kamera an den APO und ein entferntes Objekt anfixieren und dann versuchen den Fokus zu finden. Auch wenn du ihn nicht finden solltest siehst du schon, ob der Fokus zu weit drinnen liegt, dann kannst du nur schauen, ob ein kurzer Verbindungsring o.ä. reicht, oder wenn der Fokus zu weit draußen liegt brauchst du noch Verlängerungshülsen. Wenn du den Fokus findest hast du auf jeden Fall eine Erfahrung wenn du zwischen Okular und Kamera wechselst.
So würde ich anfangen.

Achja: tagsüber musst du dich auch nicht verrenken, um Sterne anzupeilen :)
CS Christian
 

Optikus

Mitglied
Hallo Marc,

zoomen tut da nix.

Der Auszug ist wie die Fokussierung eines Fotoobjektivs.

Wie Christian schreibt - weit entfernte Objekte scharf stellen, dass siehst Du ob das klappt, vermutlich brauchst Du noch eine Verlängerung, da die Fokusebene der Okulare weiter im Auszug liegt. Die kannst Du, wenn Dein Okularauszug hinten eine Gewinde hat, fest verschrauben und dann den EOS-Adapter drauf, dann wackelt da nix.

Windkraftanlagen sind da im übrigen gerne genommen, da man eine rel. feine Struktur hat und kostenlos einen kleinen Lichtpunkt ab der Dämmerung (noch, da die Befeuerung außerhalb von Luftverkehrswegen künftig wegfällt).

Programme wie NINA und APT die die Kamera bedienen bieten meistens auch eine Fokusfunktion (mit nem motorisierten Auszug auch AF), sonst Bahtinov/Cuzdi-Maske -> googeln. Das ist eine Struktur vor dem Objektiv die durch Beugung eine Fokushilfe erzeugt, die sehr genau ist.

CS
Jörg
 

fredor

Mitglied
Danke schön euch beiden für die tollen Tipps. Das hilft mir schon sehr weiter.
Die Bartinow Masken sind bereits unterwegs. Allerdings nimmt die ja auch wieder Licht weg.
Also am besten anderen Standort wählen mit Gegenständen zum Fokusieren in der Nähe und früher das ganze aufbauen.
Nina kenne ich noch gar nicht. Werde ich mir auch mal anschauen.
Verlängerungshülsen werde ich mir dann wohl auch noch zulegen müssen.
Kann man ausrechnen was man braucht?
oder sollte man sich einfach auf verdacht ein paar zum probieren anschaffen?
 

DonMatu

Mitglied
Hi,
ich würde noch nichts bestellen (außer einer Bahtinovmaske) und erst mal prüfen wie weit du ungefähr raus musst, um in den Fokus zu kommen. Wenn du am äußeren Anschlag angekommen bist und nur noch etwas zum Fokus fehlt, würde ich messen wie weit der Auszug insgesamt draußen ist und in diesem Bereich eine Verlängerung suchen. Denn je weiter der Auszug ausgefahren ist, desto mehr wirkt das Gewicht der Kamera als Hebel und verlagert den Schwerpunkt von der Befestigung an der Monti.
Btw: Verlängerungshülsen sind nicht billig (>20€ idR) und sollten mit Bedacht ausgewählt werden - das Hobby wird noch teuer genug :) .

CS Christian
 

DieterRei

Mitglied
Hallo Marc,
den Auszug kann man rechnen: Deine Canon hat ein Auflagemaß von 44mm, für z. B. 1000 mm Brennweite liegt der FS bei 750 mm, der Fokus demzufolge 250 mm oberhalb des FS, dort muss sich der Kamerachip bei oo befinden. Mit den Maßen von Tubusradius und OAZ findest Du dann den Wert für den notwendigen Auszug. Bei Tageslicht ein Objekt in einiger Entfernung anvisieren und die Kamera mit dem berechneten Maß im LV über den Auszug halten, dann sieht Du ob Deine Rechnung stimmt. Den Rest erledig der OAZ.
CS
Dieter
 

DieterRei

Mitglied
Hallo, mea culpa, wer lesen kann ist klar im Vorteil, den Apo habe ich nicht registriert.
Sorry for confusion
CS
Dieter
 

Mafir

Mitglied
Hallo Marc,
was ist das denn genau für ein APO? Es gibt hier neben den schlecht farbkorrigierten Achromaten (die nicht zu den APOs zählen) prinzipiell 3 Klassen:
- die ED-APOs (APOs mit zwei-elementigen Objektiven, bei denen zumindest die beiden Hauptfarben rot und blau gut farbkorrigiert sind)
- drei-elementige Triplet-APOs, die schon eine durchgehend gute Farbkorrektur haben
- Quadruplet-APOs die zusätzlich zum drei-elementigen Objektiv eine Korrekturlinse eingebaut haben, welche die Bildfeldwölbung korrigiert

Um qualitativ gute Bilder machen zu können, benötigst du in der Regel noch diese Korrekturlinse (einen sogenannten Reducer/Flattener), die nur bei den Quadruplet-APOs schon fest eingebaut ist. Bei den anderen APOs muss man diese zusätzlich zwischen APO und Kamera anbringen. Der Reducer/Flattener sorgt dann dafür, dass das prinzipiell gewölbte Abbild des APOs geebnet wird, bevor es auf den Kamerasensor trifft. Ohne diese Korrektur würde das (gebogene) Abbild des APOs auf dem Kamerasensor abseits der Mitte verzerrt, was z. B. zu unrunden (eierförmigen) Sternen in den Bildecken führen würde. Nebenbei sorgen die meisten erhältlichen Reducer/Flattener auch noch dafür, dass die effektiv Brennweite des APOs verkürzt wird (deshalb Reducer), was (positive) Auswirkungen auf das Gesichtsfeld und die Belichtszeit hat.

Ich habe selbst einen TS-Optics Photoline Triplet-APO 80/480 und benutze dazu eine 0,79x Reducer/Flattener. Der Korrektor hat dann einen definierten Arbeitsabstand für diesen APO. Der Arbeitsabstand hängt von der Brennweite des APOs ab und kann deshalb bei anderen APOs anders sein. Bei APOs mit 480mm Brennweite beträgt er jedenfalls 61mm. Das ist der optimale Abstand vom kameraseitigen Anschluss des Reducers/Flatteners bis zum Kamerasensor. Als Kamera benutze ich eine Canon EOS. Deren Auflagemaß beträgt (unabhängig davon, um welches EOS-Modell es sich genau handelt) immer 44mm. Das Auflagemaß ist der Abstand vom Bajonett-Anschluss der Kamera bis zum Kamerasensor. Bleiben also noch (61mm - 44 mm) 17mm für Adapter zwischen Reducer/Flattener und Kamera.

Der Reducer/Flattener wird wiederum direkt am APO verschraubt. Mit dieser Konstruktion komme ich dann ohne Probleme und weitere Adapter in den Fokus, erhalte also ein scharfes (und ebenes!) Bild auf den Kamerasensor.

Die genaue Adaption ist dann:
APO --> TSRed379* --> TSVF205 --> M48Abstimmring1 --> SKM48-EOS --> Canon EOS
(Die Namen sind die Artikel-Bezeichungen im Webshop von Teleskop-Service, die Artikel gibt es aber sicherlich auch bei anderen Astroshops.)
*) Der TSRed379 ist für Vollformatkameras, für APS-C reicht auch TSRed279

CS Marco
 
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fredor

Mitglied
super jeder Kommentar hilft mir von euch wirklich weiter,

Hi Marco,
viel neuer input.
ich habe gebraucht über EBay-Kleinanzeigen einen APO drei-elementige Triplet-APO von TS gekauft.
Ich höre aus deinen Beschreibungen heraus dass ich mir noch einen Reducer/flattener auf meine Wunschliste setzen muss.
Das bedeutet wenn ich auf so einen sparen möchte muss darf ich nicht jeden nehmen sondern muss mich bereits jetzt auf einen Kombi-Telekop / Kamera festlegen?
Gerade die ganzen Ringe und Adapter hätte ich jetzt nicht erwartet. Müssen die wirklich sein?
Das sind ja gleich mal wieder über 400€ für ein paar metalrohre ;-)
 

Optikus

Mitglied
Hi Marco,

das ist leider so, wie beschrieben brauchst Du für einen visuellen Refraktor (Linsenteleskop) einen Bildfeldebner (Flattener) mit oder ohne Brennweitenverkürzung (mit = Reducer). Der Faktor z.B. 0,73x gibt den Verkürzungsfaktor an. Die Rechnerei wegen des Auflagemaßes muss sein da diese Dinger einen bestimmten Abstand zum Chip brauchen. dazu die Ringe. Dann ist alles fest verschraubt und die ganze Einheit ist so stabil dass man damit richtig fotografieren kann. Die Paar Metallrohre sind als fotografische Tuben ausgelegt, haben entsprechende Gewinde etc. - das lassen sich die Hersteller leider bezahlen.

Die Antwort ist also leider "JA".

CS
Jörg
 

Mafir

Mitglied
Hallo Marc,
wenn dein APO ein Triplet 80/480 von TS ist, dann ist er sehr wahrscheinlich baugleich zu dem den ich habe.
Schau dir dort mal die Fotos und die Beschreibungen in den Details an. Da gibt es eine Auflistung, welche Kombis an Reducer/Flattener möglich sind und wie diese angeschlossen werden müssen. Es gibt auch Flattener ohne Reducer.
Gruß Marco
(der Marc mit dem O... im Gegensatz zum OP, der hat keins ;) )
 

fredor

Mitglied
Danke für die Kaufempfehlung der entsprechenden Teil wäre ich allein ja nie darauf gekommen dass man so etwas auch noch braucht... Astronomie ist echt ein Hobby für dass man ein grosses Konto gebrauchen kann. Allein das Zubehör hat mit schon locker 1000€ gekostet (die Montierung, Kamera und die Teleskope noch nicht mit eingerechnet).
Immer wenn ich denke jetzt kann ich endlich anfangen. Bremst mich ein blödes Zubehörteil aus das ich nun doch auch noch unbedingt brauche. Habe bereits 3 Kisten voll und nur nen kleine Auto.

Aber so ist wohl das Hobby ;-).

Aber stimmt genau diesen APO habe ich...

Ein paar Rohrschellen 185 Euro... ?
 
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Mafir

Mitglied
Hi Marc,

als kleines Trostpflaster, ein Triplet-APO ist schone ein feines Teil, an dem hast du bei guter Pflege wahrscheinlich auch noch in 20 Jahren deine Freude. Und wenn die Adaption vom APO bis zur Kamera einmal steht, dann muss man da später auch nix mehr dran ändern. Nur zum Anfang ist es eben etwas Fummelei und auch nicht ganz billig. Da hast du Recht.

Damit du mal einen Eindruck bekommst, was alles möglich ist mit dem APO:
Das sind übrigens alles ungeguidete Bilder mit der o. g. Kombi aufgenommen, von mir als Anfänger mit jetzt noch nicht mal 1/2 Jahr praktischer Erfahrung in der Astrofotografie.

CS Marco
 

fredor

Mitglied
Das freut mich doch dass du mich bei der Wahl des Telekopdass ich mir etwas ordentliches ausgewählt habe.
Dann kann ich das ja beruhigt weiter ausbauen.
 

Brockwitzer

Mitglied
Hallo Marc,,

ein reducer muss es nicht unbedingt sein, der kostet Brennweite und da hast Du ja bei 480mm schon nicht zuviel.

Ein 0,8 reducer/flattener bringt Dich dann auf magere 384mm Brennweite, da ist wirklich nicht mehr viel "Teleskop" übrig. Also vielleicht eher mal nach einem reinen flattener umsehen.

Heißt dann "field flattener 1,0" oder ähnlich. Gibt auch welche mit 0,98 oder 1,02 als Faktor, das spielt dann aber keine Rolle.

Ich weis, schon wieder neuer Input.....o_O

Und wenn am Ende des Portemonais noch zuviel Monat übrig ist gehts auch erstmal ohne so'n Teil, zum lernen brauchst Du das nicht wirklich. Gibt halt erstmal längliche Sterne am Bildrand und bissel mehr Vignettierung aber für das grundlegende Verständnis ist das egal. Da sind Sachen wie sauberes Fokusieren, gute Nachführung, exakte Einnordung usw usf erstmal wichtiger.

Astronomie kann tatsächlich ein Fass ohne Boden sein, Geduld und Disziplin sind hier geboten oder eine Oma die ab und zu mal was sponsort ;).

cs, Dirk
 
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