Foto-10-Zöller: Hauptspiegelzelle fertig (250k)

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spatz1

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Hallo...

Nach einigen Stunden fräsen und basteln ist nun die Hauptspiegelzelle meines 10-Zoll-Foto-Newtons
(GSO-Spiegel 249/1265) fertig.

Ziel war, das der Spiegel auch bei längeren Belichtungen nicht "verrutschen" kann, also absolut starr gefaßt ist.
Gleichzeitig sollte die Oberfläche auch von sämtlichen Klammern freigehalten werden, sodaß keine Extra-Spikes produziert werden.

Die Fassung in einem Ring muß sich dann noch bewähren, es ist daher erst einmal ein Versuch, ob es klappt, muß sich zeigen.

Zuerst die beiden Hälften der Spiegeltasse, einmal die Tasse selbst (links), in dieser ruht der Spiegel auf 6 Punkten (Kork), die Löcher
dienen der Belüftung. Die Absenkung ist ca. 1mm größer als der Spiegel, dieser sitzt also auf den Korkstückchen auf und wird seitlich nicht
geführt.

Rechts ist der Haltering zu sehen, dieser klemmt den Spiegel nacher über den gesamten Umfang und soll damit jegliches Wandern
verhindern.

Link zur Grafik: http://spatz1.bei.t-online.de/astro/misc/Foto-10er/HS-Zelle/dscn2991_1.jpg

Zusammengesteckt sieht das Ganze dann so aus, die großen Löcher im Haltering dienen nacher der Verschraubung mit dem Unterteil der
Tasse...diese Löcher haben Übermaß, sodaß der obere Ring zugezogen werden kann, und nacher trotzdem flächig mit dem Unterteil verschraubt
werden kann.

Link zur Grafik: http://spatz1.bei.t-online.de/astro/misc/Foto-10er/HS-Zelle/dscn2992_1.jpg

Der Spiegel an Ort und Stelle in der "Untertasse"...man sieht, das er nur ca. 3-4mm in die Tasse eintaucht.

Link zur Grafik: http://spatz1.bei.t-online.de/astro/misc/Foto-10er/HS-Zelle/dscn2995_1.jpg

Nun mit aufgesetztem Ring, der Spiegel wird nahezu vollständig über seine Dicke vom Ring gehalten.
Über die Querschrauben unten lassen sich die beiden Ringhälften zusammenziehen, die großen M8-Schrauben verschrauben den Ring nacher mit dem
Unterteil.

Link zur Grafik: http://spatz1.bei.t-online.de/astro/misc/Foto-10er/HS-Zelle/dscn2999_1.jpg

Die fertige Halterung zusammen mit der festen Platte, die das Ganze im Tubus verankert...die Kollimation erfolgt über per Federn
vorgespannte Schrauben, die von unten durch die festen Platte (schichtverleimt mit CFK-Zwischenlage) in fest in die Spiegeltasse eingelassene
Stop-Muttern greifen...durch die Stop-Muttern ist eine Spielfreiheit gewährleistet, zumindest solange man sie nicht "auslutscht".

Gleichzeitig sind M6-Schraubhaken (mehr zum Mittelpunkt zu) als Konterschrauben eingebaut worden, diese laufen in Einschraub-Muttern und drücken die Spiegeltasse
entgegen den Kollimationsschrauben nach oben...Schraubhaken deswegen, damit man sie bequem handfest anziehen kann...mehr sollte nämlich nicht nötig sein.

In der Mitte an der Spiegeltasse ist der 80x80-Lüfter montiert, der den Spiegel von unten anbläst, die Ausblasluft wird dann über die um Umfang angebrachten Löcher
wieder nach hinten abgeleitet...die Spiegeltasse wird außen noch einen Streifen aus Tesamoll erhalten, der sie gegenüber dem Tubus abdichtet, damit die Spiegelbelüftungs-Luft nicht
nach vorne durchschlägt...oberhalb des Spiegels werden dann eigenen 40x40-Lüfter das Tubusseing bekämpfen.

Link zur Grafik: http://spatz1.bei.t-online.de/astro/misc/Foto-10er/HS-Zelle/dscn3017_1.jpg

Die feste Platte der Spiegelhalerung ist hinten mit CFK-Gewebe überzogen, um erstens den Kollimationsschrauben eine harte und halbwegs plane Obefläche zu bieten und
zweitens optisch ein bisschen was herzumachen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Deutlich zu sehen sind auch die Kollimationsschrauben (Imbus) sowie die Gewindehaken, die als Konterschrauben dienen.

Das Gitter in der Mitte verhindert ein Ansaugen bzw. Berühren des zentralen Spiegellüfters.

Link zur Grafik: http://spatz1.bei.t-online.de/astro/misc/Foto-10er/HS-Zelle/dscn3019_1.jpg

Schlußendlich noch ein Bild von oben, hier sieht man schön die in die Tasse eingelassenen Stop-Muttern für die Kollimationsschrauben sowie die Kork-Pads
und die Abluftöffnungen nebst Luftführungs-Ausfräsungen.

Link zur Grafik: http://spatz1.bei.t-online.de/astro/misc/Foto-10er/HS-Zelle/dscn3016_1.jpg


Hergestellt wurde alles aus 20mm (Tasse) bzw. 10mm (feste Platte) Multiplex-Sperrholz, das 20mm-Material ist hierbei aus Buche...gefräst wurde auf einer
CNC-Oberfräse.

Hoffe es regt an für eigene Projekte...wie es sich bewährt, muß man dann sehen.
 
Eine interessante Spiegelzelle hast Du da gebastelt. Ich drücke Dir die Daumen, daß es klappt!
 
Hallo,
Tolle Arbeit und sieht sehr profimäßig aus! Wohl dem der eine CNC-Oberfräse hat.
Ich hab nur eine kleine Anmerkung:
Wenn Du den Spiegel durch einklemmen halten willst, dann verspannt er. Auch dann, wenn es gleichmäßig rundrum von außen erfolgt.
Die Firma Coulter hat zeitweise durch diesen Trick versucht den Parabolisierungsgrad ihrer Newtonspiegel zu korrigieren. Ich würde den Klemmring also so einstellen daß sich der Spiegel gerade nicht mehr bewegen kann, und dann eben doch eine Art Winkel oder andere Sicherung gegen Herausfallen vorsehen.
Mein 18" Sital Spiegel liegt in einem Styroporblock ohne Sicherung. Es kommt aber auch niemand (bisher) auf die Idee eine 18 zoll Gitterrohr Spiegelbox auf den Kopf zu stellen.
Grüße Martin
 
Re: Daumenschrauben

Sehr schöne Holzarbeit - ich fürchte aber, dass das nicht funktionieren wird.

Man kann einen Teleskopspiegel nicht vor'm Rausfallen sichern, indem man ihm derart in die Zange nimmt. Das errinnert mich fast an mittelalterliche Inqusitionsmethoden. Bedenke, dass einige zehntausendstel Milimeter Deformation bereits zum k.o. führen.

- Der Spannring wird höchstwahrscheinlich den Spiegel ungleichmäßig am Umfang quetschen
- Durch Verschrauben des Spannringes an die Untertasse wird dieser verbogen und verbiegt seinerseits den Spiegel
- Das System mit Spannring+ Korkauflagen ist statisch überbestimmt. Entweder wird der Spiegel durch die Korkplätchen hochgedrückt, oder er hängt durch
- Die Konterschrauben verbiegen die Untertasse, die ihrerseits über den Kork und den Spannring wiederum am Spiegel zerren kann.
- Holz arbeitet mit der Temperatur und vor allem mit der Feuchtigkeit. Auch verleimtes Sperrholz tut das.

...und das alles nur um das Bisschen Beugung durch die Halteklammern zu vermeiden?

Vielleicht hast du ja Glück und es wird für fotografische Anwendung reichen. Ich hoffe ja für dich, dass ich unrecht habe. Bin gespannt, wie es ausgeht.
 
Re: Daumenschrauben

Hallo...

Man kann einen Teleskopspiegel nicht vor'm Rausfallen sichern, indem man ihm derart in die Zange nimmt.

Ja, wie Marty schon schrieb, ist das auch nicht das Ziel...auf den Kopf stellen kann man das Gerät nacher nicht, zumindest
nicht im ersten Ansatz...der Ring soll lediglich das Verschieben verhindern.

Holz arbeitet mit der Temperatur und vor allem mit der Feuchtigkeit. Auch verleimtes Sperrholz tut das

Nunja, das Gerät von "Holzwurm" Mohlitz (ein wurmiges Hallo!) ist komplett aus Holz und hat bisher die Kollimation auch über längere
Transportstrecken gehalten...auch gibts Beispiele von einem Kollegen, der ebenfalls die Zelle aus MPX gemacht hat und ebenfalls
keine übermäßigen Kolliprobleme hatte...das mit dem Arbeiten über die Temperatur gilt ja für Metall genauso, und
speziell Alu arbeitet Faktoren mehr als Holz (22ppm, Holz ca. 10ppm oder so), trotzdem fallen die Spiegel im Sommer nicht reihenweise raus...

Der einzige Unterschied zu Metall ist der, das das Holz durch Feuchtigkeit quellen kann...dem kann man aber durch Ölen oder anderweitige Versiegelung
entgegentreten...früher hat man Schränke ganz ohne Metallscharniere und Schrauben gebaut, und die Teile sind auch nicht zerfallen...wir haben so nen Teil noch
von meiner Oma, und das hat 4 Umzüge besser überstanden als manches Hightech-Teil von heute.

Mein Eindruck ist, das Holz im Fernrohtbau etwas unterschätzt wird, einfach deswegen, weil es nicht so einfach verfügbar ist...eine Metallhalterung
zusammenschweißen geht relativ schnell und führt zu halbwegs brauchbaren Ergebnissen, eine Holzhalterung bedeutet mehr Aufwand, ist daher teurer und wird
deswegen einfach nicht gemacht...gleiches gilt übrigens für CFK, es gibt auch kaum Halterungen aus CFK, einfach weil die Bearbeitung komplexer ist...einen
anderen Grund kann ich mir zumindest nicht vorstellen, im Tubusbau, wo man auf Fertigteile zurückgreifen kann, ist CFK schließlich auch Hipp (Celestron, z.B.)...da
gehts also, beim Rest (Fangspiegelspinne, HS-Zelle, OAZ, Montierung) kneift die liebe Industrie aber...da sinds dann immer die Selbstbauer, die mal zeigen, wo der Hammer
hängt, ich erinnere nur an den CFK-Tubus für nen 6-Zöller Refraktor hier oder die gebogene Spinne von Portaball oder die Kugelzelle...

..und das alles nur um das Bisschen Beugung durch die Halteklammern zu vermeiden?

Nunja, dieses Design hat definitiv auch konstruktive Schwächen und schon zu Problemen geführt...also muß es entweder verbessert werden
oder man muß was anderes probieren...die Beugungserscheinungen waren nur ein Punkt...mein jetziger SN6 hat die auch, und man kann damit leben, aber
wenn man sie gleich mit erledigen kann... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Ich werd auf alle Fälle berichten, obs klappt...wenn nicht, muß halt was neues überlegt werden...der Spiegel hat oben eine Fase, diese könnte man
evtl. auch zur Befestigung nutzen, z.B...es bleibt spannend.
 
Re: Daumenschrauben

Nunja, das Gerät von "Holzwurm" Mohlitz (ein wurmiges Hallo!) ist komplett aus Holz und hat bisher die Kollimation auch über längere
Transportstrecken gehalten...

Hallo,
Das ist nicht der Punkt: Ich bezweifle nicht, daß die Kollimation hält. Wenn Du einen Spiegel mit Holz einzwängst und die Form des Holzes ändert sich weil es arbeitet dann wird es aller Wahrscheinlichkeit mehr oder weniger und das auch noch ungleichmäßig eingeklemmt. Du mußt dann mit Astimatismus oder Lichtausbrüchen rechnen.
Kollimieren kann man ein Fernrohr immer, und so schnell dekollimiert das Fernrohr nicht mal wenn es aus Holz ist.
Grüße Martin
 
Re: Foto-10-Zöller: Hauptspiegelzelle fertig (250k

Hallo allerseits,
ich wollte diesen Thread hier nochmal aufleben lassen aus zwei Gründen:

1) Weil es mich schon interessiert, welche Erfahrungen Du mit der Konstruktion in der Zwischenzeit sammeln konntest, Frank.

2) Würde ich gern mal folgendes zur Diskussion stellen:
Der lineare Ausdehnungskoeffizient von Pyrex liegt bei 3,2*10E-6/K. Der von Holz bei ca. 3*10E-6/K. In Faserrichtung!
Eigentlich eine ideale Kombination, oder?
Was sagen die Fachleute (Mohlitz!) dazu? Ließe sich diese Art der "Ringfassung" entsprechend so realisieren, daß die Holzfasern parallel zu den bei thermischer Ausdehnung auftretenden Kräften (von der Fassung auf den Spiegel) angeordnet wären? Freilich, Sperrholz wäre dazu nicht so recht geeignet.

Grüße
Mike
 
Re: Foto-10-Zöller: Hauptspiegelzelle fertig (250k

Hallo...

Also meine Erfahrungen sind inzwischen folgende, das bei CCD die Auflösung meines
C8 klar erreicht bzw. leicht übertroffen wird, daher gehe ich davon aus, das der Spiegel
nicht total verformt wird.

Am Sterntest zeigt sich, das der äußere Ring einen "Strahlenkranz" aufweist, dieser ist Intra- wie extrafokal
gleich, mangels Erfahrung kann ich nicht sagen, ob das auf Verspannungen zurückzuführen sein kann oder nicht.

Was definitiv nicht stattgefunden hat ist eine wie immer geartete, nicht-kreisförmige Verformung des Sternscheibchens, also
z.B. dreieckig wie man es von zu stark angezogenen konventionellen Halterungen (drei Klammern, die den Spiegel hinunterdrücken)
her kennt.

Die Kollimation wird soweit ganz gut gehalten.

Neulich hab ich mir mit dem Teil Mars bei 250x bekuckt, und das Bild stand dem in meinem C8 (95% Strehl, also keine Totalgurke) nichts nach, es
war zwar seeinggebeutelt, aber die Polkappe sowie einige "Gebirgszüge" waren klar uns scharf erkennbar, wenn das Seeing
mal für einige Sekunden stand.

Was jetzt noch fehlt, das ist der Test, ob sich der Spiegel wirklich nicht bewegt, man also über ein Leitrohr
nachführen kann...
 
Re: Foto-10-Zöller: Hauptspiegelzelle fertig (250k

Erstes Boah geht an deinen Mut so ein Teil zu bauen. ich meine ist klar, dass da wa geht, wenn man eine Fräse hat usw, aber trotzdem hätte ich nciht den Mut dazu mich an den Spiegel ranzuwagen, zudem noch mit einer umstrittenen Fassung. Alle Achtung.
Nun das zweite Boah, was aber nicht deinje bauerischen Fähigkeiten gestaunt!
Boah ein C8 mit 95% Strehl!!!! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/tongue.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/shocked.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/ooo.gif" alt="" />
DAs Paradies. Ein C8 dieser Qualität und eine Fräse!
mfG Michael
 
Re: Foto-10-Zöller: Hauptspiegelzelle fertig (250k

Hallo...

Also die Fräse hat Daddy in Gebrauch, und auch nur er kann damit umgehen...solche
Teile kosten mich daher immer ein Essen beim Griechen mit der Family, also ganz kostenlos ists
nicht <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Zur Hauptspiegelzelle kann ich nur mit General McArthur sagen:
Well, it has never been tried...

(Der General sagte das auf die Frage eines Reporters anno 1940, ob man alleine mit dem Einsatz
der Luftwaffe einen Krieg gewinnen könne - die Folge waren Sachen wie Dresden oder die Bombardierung von Talsperren -
ist aber ein anderes Thema)

Das C8 hab ich mal aus Spaß durchmessen lassen und auf dem I-Gramm steht dieser Wert...ich hatte allerdings
auch nie Grund, an der optischen Qualität zu zweifeln...aber so langsam wirds überflüssig, da halt der
Newton jetzt fertig ist...außerdem sind mir f/10 bzw. f/6,4 inzwischen zu "langsam"...werd mich
in nächster Zeit daher wohl vom C8 trennen...

 
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