Re: Fotoobjektiv
Hi Dave,
also weiter mit Teleobjektiv versus Fernrohr:
Für beide Systeme gilt zunächst, dass die Auflösung vom Durchmesser abhängt: je größer der Durchmesser, desto höher die Auflösung. Also ist ein 5,6/400 mm mit rund 70 mm Durchmesser einem Standard 80 mm Rich-Field Teleskop theoretisch nur leicht unterlegen.
ABER: Fotoobjektive sind völlig anders optimiert als Fernrohre, nämlich auf einem großen Bildkreis von mehr als 40 mm Durchmesser, um zumindest Kleinbildfilm gleichmäßig auszuleuchten, außerdem mit einem möglichst ebenen Bildfeld, das für ein visuell genutztes Fernrohr nicht so wichtig ist. Dafür werden Kompromisse bei der Auflösung in Kauf genommen! Außerdem ist die Farbkorrektur der meisten Teleobjektive nicht so gut wie bei einem wirklich guten Apo-Fernrohr. Das zeigt sich gerade an der aktuellen Diskussion im Vollformat-CCD-Kameras für das Profi-Segment. Hier werden wegen der hohen Ortsauflösung der Chips nämlich zum ersten Mal typische Objektiv-Farbfehler sichtbar, die auf klassischen Filmmaterial einfach nicht zu erkennen waren. Visuell wird man diesen Farbfehler bei höheren vergrößerungen ähnlich deutlich sehen wie bei einem einfachen, schnellen Fraunhofer.
Hinzu kommt, dass wegen der diversen Bildfehler die meisten Objektive in der Praxis erst bei Abblendung um 1-2 Blenden ihre optimale Leistung bringen (das ist so eingerechnet, keine Vermutung von mir). Das würde einen Verlust an Bildhelligkeit bedeuten.
Und ein drittes Merkmal ist, dass Fotoobjektive auf das System Filmmaterial optimiert sind, d.h. sie brauchen keine höhere Auflösung zu bringen, als das Filmmaterial überhaupt abbilden kann. Das gleiche gilt für die Kontrastübertragung, wobei sowieso erst beide Größen zusammen wirklich Sinn machen. In der Praxis hat das übrigens zur Folge, dass Mittel- oder gar Großformatobjektive eine niedrigere Auflösung in Linien/mm haben als Kleinbildobjektive, da man die Kleinbildfilmschnipsel tendenziell vielfach höher vergrößern muss. Kurt Dieter Solf bezeichnet in "Fotografie" (leider schon lange nicht mehr im Druck) eine Auflösung von nur 10 Linien/mm für ein Großformatobjektiv noch als "gut", während es im Kleinbildbereich völlig unakzeptabel wäre.
Ich würde aus den mir bekannten Grunddaten folgendes zusammenfassen:
- bei gleicher theoretischer Auflösung (auf Grund gleichen Objektivdurchmessers) bringt ein Refraktor eine tatsächlich höhere Auflösung auch ins Auge
- die Kontrastwiedergabe eines einfachen Refraktors ist deutlich besser als bei einem normalen Fotoobjektiv (Ausnahmen mögen diese Regel bestätigen). Kontrastübertragung ist aber der Schlüssel zur wahrgenommenen Schärfe! (das nennt man "Akutanz")
- als Rich Field Optik wird auch ein Teleobjektiv gut verwendbar sein, weil dabei weder die Auflösung besonders hoch sein muss, noch die Farbfehler allzu deutlich werden
- für Vergrößerungen jenseits von 40-50fach wird ein echtes Fernrohr sicher die bessere Wahl sein (ist natürlich brennweitenabhängig. Mit einem 1200 mm Tele von Pentax, Canon, Nikon oder Olympus wird man sicher höher gehen können, da man mit dem Okular recht gering nachvergrößern muss)
Mein Fazit wäre: hat man sowieso ein größeres Teleobjektiv dabei, kann ein Okularadapter nicht schaden. Will man aber speziell zum Beobachten etwas kaufen, sollte man gleich zum Fernrohr greifen.
ABER: Die Zufriedenheit mit einem gegebenen optischen System ist immer extrem subjektiv. Was dem einen großen Spaß macht, ist für den anderen enttäuschend.
Gruß,
René