Fotoobjaktiv

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dave

Aktives Mitglied
hallo Zusammen
kann mir jemand sagen, was so ein Fotoobjektiv (zB Sigma 5.6/400) für Astrobeobachtungen taugt? Wie stark kann man da vergrössern?

Gruss Dave
 
Hi Dave

Du wirst Schwierigkeiten haben, so ein Objektiv als Fernrohr zu benutzen, da der "back focus" sehr kurz ist. Es gibt geradsichtige Fernrohradapter für eine Reihe Kameraanschlüsse, die dann meist mit einem 10 mm Okular ausgerüstet sind (z.T. von den Kameraanbietern, z.B. von Drittanbietern wie Vivitar). Das wäre beim 400er dann 40fach.

Wechselbare Okulare gibts nur durch selbst gedrehte Adapter, die allerdings ziemlich kurz bauend sein müssen. Bequeme Beobachtung per Zenitprisma kann man i.d.R. vergessen. Möglich wäre dies nur mit Mittelformatobjektiven, die für ein erheblich größeres Auflagemaß gerechnet sind oder mit den bekannten Russentonnen, weil man deren Entfernungseinstellung leicht modifizieren kann.

Gruß,
René
 
Re: Fotoobjektiv

hallo René
besten Dank für die Info. 40 fach ist natürlich nicht so interessant. Wo läge aber die maximale Vergrösserung (optische Qualität)? Ist ein gutes Fotoobjektiv optisch besser oder schlechter als ein guter Refraktor (zB je APO's)?

Gruss dave
 
Re: Fotoobjektiv

Hi,

ob da eine Barlow Linse hilft zum einen für die Vergrößerung zu anderen um den Fokus aus dem Rohr zu holen??

Gruß
<img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" /> RoRo
 
Jo, hi!


Also Prinzipiell geht sowas schon recht gut!

Ich besitze mehrere große Teleobjektive, die ich auch zur Beobachtung einsetze.
Fokusprobleme hatte ich eigentlich noch mit keinem Okular, aber eine Beobachtung mit einem Zenitprisma oder Spiegel ist nicht möglich.
Okay, da viele der großen Tüten einen Filtereinschub haben lassen sie sich auch schonmal über unendlich hinaus fokusieren, aber für ein Zenitprisma reicht das immer noch nicht.
Ich mache dann folgendes: Ich hab eine Barlowlinse, bei der sich die Optik vom Rest abschrauben lässt. Die Optik hat dann ein 1,25" Filtergewinde, womit sich das ganze wunderbar in meinen Zenitspiegel einschrauben lässt. Wenn dieser dann ins Objektiv geschraubt wird reicht der Backfokus wunderbar für alle Okulare.
Aber dies praktiziere ich nur mit Objektiven mit M42 oder T2 Anschluss oder aber über spezielle Adapter die ich besitze mit Mittelformatoptiken.
Das Problem liegt eben darin einen Adapter auf das entsprechende Bajonett zu finden.

Ansonsten hab ich in den letzten Jahren oftmals gemerkt, daß viele fotografische Optiken auch visuell eine gute Figur abgeben.
Aber wie gut die Teile wirklich sind, kann man nicht immer allgemein gültig sagen. Gerade manch moderne Fotooptik scheint im Grenzbereich nicht mehr die Schärfe zu erreichen, wie es die älteren Modelle nicht hinbekommen haben.
Hier hilft also nur Testen! Bei Fotooptiken muss ja das Feld so gut es geht auskorrigiert werden, was dann manchmal ein Kompromiss bezogen auf die Schärfe ist. Es kommt also immer ein bischen auf die jeweilige Optik an. Wie gut dann so ein Sigma 5,6/400 ist kann ich nicht sagen, aber zumindest für Richfieldbeobachtungen wird es bestimmt eine erstklassige Figur machen.

gruß,
André
 
Hi

Habe in der Nächsten Zeit vor, für ein Sigma AF 400 Tele ein solcher Adapter zu bauen. Der sieht in etwas so aus: Kamerabajonett auf Alorohr mit 50mm innen und 60mm aussendurchmesser, die Länge muss ich noch bestimmen. Vorne wird das Kameranajonett angeschraubt und eine Blendenöffnungszunge angebracht, danach kommt das Rohr und hinten ist dann ein 2" Anschluss vorgesehen (evtl. muss da noch aufgedreht werden). Mit einem Adapter sind dann auch noch 1 1/4" Okulare passend. Ein Einsatz mit einem Prisma ist nicht vorgesehen, dafür könnte dies eine passende Ergänzung zu einem Resieteleskop sein, da man das Tele ja sowiso mitnimmt.

Viele Grüsse

Thomas Knoblauch
 
Re: Fotoobjektiv

Hi Dave,

also weiter mit Teleobjektiv versus Fernrohr:

Für beide Systeme gilt zunächst, dass die Auflösung vom Durchmesser abhängt: je größer der Durchmesser, desto höher die Auflösung. Also ist ein 5,6/400 mm mit rund 70 mm Durchmesser einem Standard 80 mm Rich-Field Teleskop theoretisch nur leicht unterlegen.

ABER: Fotoobjektive sind völlig anders optimiert als Fernrohre, nämlich auf einem großen Bildkreis von mehr als 40 mm Durchmesser, um zumindest Kleinbildfilm gleichmäßig auszuleuchten, außerdem mit einem möglichst ebenen Bildfeld, das für ein visuell genutztes Fernrohr nicht so wichtig ist. Dafür werden Kompromisse bei der Auflösung in Kauf genommen! Außerdem ist die Farbkorrektur der meisten Teleobjektive nicht so gut wie bei einem wirklich guten Apo-Fernrohr. Das zeigt sich gerade an der aktuellen Diskussion im Vollformat-CCD-Kameras für das Profi-Segment. Hier werden wegen der hohen Ortsauflösung der Chips nämlich zum ersten Mal typische Objektiv-Farbfehler sichtbar, die auf klassischen Filmmaterial einfach nicht zu erkennen waren. Visuell wird man diesen Farbfehler bei höheren vergrößerungen ähnlich deutlich sehen wie bei einem einfachen, schnellen Fraunhofer.

Hinzu kommt, dass wegen der diversen Bildfehler die meisten Objektive in der Praxis erst bei Abblendung um 1-2 Blenden ihre optimale Leistung bringen (das ist so eingerechnet, keine Vermutung von mir). Das würde einen Verlust an Bildhelligkeit bedeuten.

Und ein drittes Merkmal ist, dass Fotoobjektive auf das System Filmmaterial optimiert sind, d.h. sie brauchen keine höhere Auflösung zu bringen, als das Filmmaterial überhaupt abbilden kann. Das gleiche gilt für die Kontrastübertragung, wobei sowieso erst beide Größen zusammen wirklich Sinn machen. In der Praxis hat das übrigens zur Folge, dass Mittel- oder gar Großformatobjektive eine niedrigere Auflösung in Linien/mm haben als Kleinbildobjektive, da man die Kleinbildfilmschnipsel tendenziell vielfach höher vergrößern muss. Kurt Dieter Solf bezeichnet in "Fotografie" (leider schon lange nicht mehr im Druck) eine Auflösung von nur 10 Linien/mm für ein Großformatobjektiv noch als "gut", während es im Kleinbildbereich völlig unakzeptabel wäre.

Ich würde aus den mir bekannten Grunddaten folgendes zusammenfassen:
- bei gleicher theoretischer Auflösung (auf Grund gleichen Objektivdurchmessers) bringt ein Refraktor eine tatsächlich höhere Auflösung auch ins Auge
- die Kontrastwiedergabe eines einfachen Refraktors ist deutlich besser als bei einem normalen Fotoobjektiv (Ausnahmen mögen diese Regel bestätigen). Kontrastübertragung ist aber der Schlüssel zur wahrgenommenen Schärfe! (das nennt man "Akutanz")
- als Rich Field Optik wird auch ein Teleobjektiv gut verwendbar sein, weil dabei weder die Auflösung besonders hoch sein muss, noch die Farbfehler allzu deutlich werden
- für Vergrößerungen jenseits von 40-50fach wird ein echtes Fernrohr sicher die bessere Wahl sein (ist natürlich brennweitenabhängig. Mit einem 1200 mm Tele von Pentax, Canon, Nikon oder Olympus wird man sicher höher gehen können, da man mit dem Okular recht gering nachvergrößern muss)

Mein Fazit wäre: hat man sowieso ein größeres Teleobjektiv dabei, kann ein Okularadapter nicht schaden. Will man aber speziell zum Beobachten etwas kaufen, sollte man gleich zum Fernrohr greifen.

ABER: Die Zufriedenheit mit einem gegebenen optischen System ist immer extrem subjektiv. Was dem einen großen Spaß macht, ist für den anderen enttäuschend.

Gruß,

René
 
Re: Fotoobjektiv

Und ein drittes Merkmal ist, dass Fotoobjektive auf das System Filmmaterial optimiert sind, d.h. sie brauchen keine höhere Auflösung zu bringen, als das Filmmaterial überhaupt abbilden kann.

Genau! Typische Fotooptiken für KB sind für 0,03mm Spot gerechnet. Die Zeiss durch die Bank ein bisschen besser. Mittelformat-Objektive sind oftmals auf 0,05mm gerechnet.

Da kanns dann bei kleinen CCD-Pixelchen schon eng werden. Da man den Spot mit 2 Pixeln samplen sollte, wären Pixel kleiner als ca. 10 my (bei den Zeiss) dann schon oversampled, würden also keine zusätzliche Information mehr bringen.
 
Re: Fotoobjektiv

Hallo zusammen
erst mal besten Dank für euer Infos. Ich hatte mal kurz übers WE mit meinem 2.8/180mm Zeiss/Contax und Vixen LV10 einen "fliegenden" Aufbau vorgenommen und musste feststellen, dass da schon arg Farbe im Spiel war (das Tele ist für die Fotografie gar nicht so übel...). Ok, damit ist die Sache für mich vorerst einmal abgeschlossen.

Gruss Dave
 
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