Frage zu einem 150mm Newton- Hauptspiegel

Pitt61

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Hallo,

Kann mir jemand der Astronomie-Freunde bitte folgende Daten eines " Spiegel-Testprotokolls/ Interferom.-Protokoll " erläutern:

Strehl : 0,99

PV- Wavefront : 61,39 nm
RMS : 0,016 Wave
AstMag: 0,045 Wave


Was bedeuten diese Werte?

Danke,

Grüsse,
Peter
 
Hallo Peter,
Strehl 0.99 ist quasi perfekt.
Ist wie mit Prozentzahlen, mehr als 100% geht nicht, dein Spiegel erreicht demnach 99%
Der Strehl wird dabei aus dem rms errechnet.

Die ganzen Begriffe und Definitionen stammen aus der Messtechnik und der physikalischen Optik Theorie.
Das hier zu erklären ist mir leider zu aufwendig.
Du findest diese Informationen auch alle im Internet.

Vielleicht kannst du hier das Messprotokoll einstellen, dann kann man etwas spezifischer darauf eingehen.

Wenn Therme abgezogen wurden, was häufig bei Astigmatismus gemacht wird stimmt im Grunde die ganze Messung nicht mehr.

Strehl 0.99 ist ein absoluter Ausnahme Wert, was nur sehr selten erreicht wird.
LG
 
Hallo ,
Danke an " Quanten" ..Nun etwas mehr Aussagen zu den einzelnen Werten hätte ich mir schon gewünscht...im Sinne von : Dtrehl: sehr gut ( wie du es tatest ...), RMS : durchschnittlich....usw.

Aber ..ich lade das Protokoll hier hoch. Vielleicht kann ja jemand ( auch 'Quanten' natürlich ) dazu noch etwas sagen .

Danke schon mal für die Mühe.


Grüsse

Peter
 

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Strehl und RMS stehen in direkten Verhältnis zueinander und können über eine Formel von einen in den anderen Wert umgerechnet werden. Je größer der Strehl, desto kleiner der RMS.

PV beschreibt die maximale Abweichung von der perfekten Form p steht für Peak / v für valley valley. Je kleiner desto besser. Oft auch als Bruch angegeben und auf die Messwellenlänge bezogen. So liest man z.B. häufig Angaben wie 1/10 PV, 1/4 oder ähnliches..

Gruß Horst
 
Hallo Peter,
hier kannst du dir die Werte umrechnen lassen.
Hier die Formel wie man den rms in Strehl umrechnet, einfach bei google in die Suchleiste reinkopieren.
1-((2*3,14*0,016)^2)
Das Ergebnis lautet dann 0.989 (Strehl)

Wie Horst schon erklärte, leitet sich die Strehlzahl aus dem rms ab.
Der rms wiederum wurde von einem Optik-Programm aus einem Streifenmuster (Interferogramm) ermittelt und bezieht sich auf die gesamte Fläche.
Solche Interferogramme werden mit einem Interferometer erzeugt und sehen dann z.B. so aus.
Interferogramm.jpg

Dabei werden Messpunkte (mehrere 100-10.000) auf die Streifen gelegt und mit sogenannten Zernike-Polynomen abgeglichen.
Daraus wird dann die Wellenfrontabweichung ermittelt.
Dabei entspricht die theoretisch ideale Wellenfront einer glatten runden Scheibe.
Aus deren Abweichung werden dann alle Messwerte ermittelt.

Das Bunte Bild mit den vielen Zacken in dem Protokoll ist die daraus errechnete Wellenfrontabweichung.
Das die aussieht wie die Schweizer Alpen hat nichts zu sagen, ist also keine Rauheit wie fälschlicher weise oft angenommen wird, sondern ist eine Einstellung (Glättung) in der Software.

Das Loch in der Mitte stellt die Obstruktion des Fangspiegels dar, der Bereich ist dann in der Messung nicht erfasst worden.

Die Synthetic Fringe Map, ist ein künstlich erzeugtes Streifenmuster was Sinnbildlich dafür stehen soll "gerade Streifen=perfekte Parabel oder Sphäre".

Der Profile Plot ist ein Querschnitt durch den Spiegel als Höhendarstellung (Linie mit den Dreiecken), welche im unteren Wellenfrontbild zu sehen ist.
Daraus kann man dann den ptv ermitteln, dieser bezieht sich also im Gegensatz zum rms nur auf zwei Messpunkte.
Den ptv kann man in der Regel ignorieren da er mehr für den Spiegelschleifer von Interesse ist, z.B. wo noch Vertiefungen oder Erhöhungen auf der Fläche zu finden sind.
Der einzelne ptv-Wert ist oft auch von einer großen Ungenauigkeit behaftet, da Randartefakte von den Interferogrammen schnell einen hohen ptv Wert erzeugen.
Durch Mittelung mehrerer Auswertungen kommt man dann dem "wahren" ptv Wert näher.

Der Spiegel wurde vermutlich im unbeschichteten Zustand bei 632nm gemessen, also im roten Licht.
Ob sich der Strehl auf die Bezugswellenlänge von 550nm bezieht glaube ich eher nicht, da nicht angegeben, umgerechnet auf diese Wellenlänge verschlechtert sich das Ergebnis i.d.R minimal um 1-2%.

Der Strehl ist quasi die finale Zahl zur Qualitätsangabe, dabei setzt man den gemessenen Strehl ins Verhältnis zum theoretischen Ideal.
Gemessen wurde 0.99, das theoretische Ideal ist 1, also ist dein Spiegel nur 1% vom Ideal entfernt.
Du hast also einen sehr, sehr guten Spiegel gekauft.
LG
 
Host und Quanten ,

Vielen Dank für eure ausführliche Erläuterung.

Ja, falls dieser Strehl stimmt ist der Spiegel gut.
Den habe ich jedoch nicht selbst
" ausgesucht " sondern ein Sternenfreund der das Teil an mich verkaufte hat da wohl auf gute Qualität geachtet.

Zur Info :
Der Spiegel ist aus der VX6L Serie von Orion UK und auch in eben solchem Newton ( " VX6L " 150 / 1200 " ) eingebaut.

Aber danke, dass ihr den Spiegel für sehr gut befunden habt.
Das freut natürlich den Besitzer.

Ich wünsche ebensolches Glück für euch bei Kauf oder Finden entsprechender Optiken.

LG,

Peter
 
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