Hallo Ana!
Wenn du mal nach ICRF googlest (tolles Wort <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ), dann stellt sich heraus, dass es sich dabei um ein Koordinatensystem handelt, das durch interferometrische Messungen an sehr weit entfernten Radioquellen (die deshalb praktisch keine Eigenbewegung am Himmel in RA und Dekl. zeigen) definiert ist.
Für uns ist gleichermaßen entscheidend wie beruhigend, dass die Abweichungen zwischen ICRF und den "üblichen" Koordinaten-Bezugsrichtungen (FK 5) deutlich kleiner als 0,1" bleiben.
Damit sind die von dir festgestellten Diskrepanzen nicht zu erklären!
Hierfür möchte ich eine andere Erklärung anbieten: Datenfehler im DSFG bzw. dessen Quellen! Hier tun sich Abgründe auf, wenn man genauer hinschaut. So kann ich mich an die Beobachtung des Kugelsternhaufens Pal 11 erinnern, den ich ca. 2 BogenMINUTEN neben der im Kartenprogramm Guide verzeichneten Position gesehen habe. Und ich habe ihn definitiv gesehen, was ein Vergleich mit der Digitized Sky Survey zeigte.
Wenn du die Zeitschrift interstellarum liest, dann hast du vielleicht schon einen der hervorragenden Artikel von Wolfgang Steinicke zum Thema "Deep Sky Daten" gelesen. Weil die Daten so schlecht sind, hat Wolfgang in jahrezehntelanger Handarbeit die alten Quellen des NGC und IC durchforstet und dabei Hunderte von Fehlern entdeckt und bereinigt. Seine (und die seiner Teammitgleider) Ergebnisse kannst du auf
NGCIC einsehen.
Wolfgangs bereinigte Daten haben leider aufgrund amerikanischer Arroganz und Ignoranz keinen Eingang in die zweite Auflage der Uranometria gefunden. Daher enthält auch dieser Atlas eine ganze Reihe (mehrere Hundert!!) von "Phantomeinträgen" nicht existenter oder an anderer Stelle stehender Objekte. Dennoch ist die Uranometria immer noch empfehlenswert für diejenigen, denen Atlanten auf Papier lieber sind als die wesentlich flexiblere und leistungsfähigere (aber auch zehnmal so teure) Lösung auf dem Notebook. Wenn du sowieso schon ein Notebook hast, dann würde ich lieber ein gutes Programm als die Uranometria kaufen. Ausdrucken zum Mitnehmen nach draussen kannst du dann bei Bedarf immer noch.
Übermäßig beunruhigen sollte dich solche Datenfehler aber nicht: die gängigen Objekte, die man sich in den ersten Jahren einer "Deep Sky Karriere" anschaut, sind i.d.R. unkritisch zu identifizieren. Wenn's aber wirklich ins Eingemachte geht, sind Plattenscans und der Vergleich mit Feldsternen oft die einzige Möglichkeit der "Feinnavigation".
Fazit: es ist relativ irrelevant, wenn Kartenwerke, Kataloge oder auch Programme mit riesigen Datenmengen werben! Was bringen dir "Millionen" von Galaxien in der Datenbank, von denen vielleicht 20% gar nicht real existieren und als Katalogeintrag nur deswegen da sind, weil irgendein Staubfussel auf einer eingescannten Fotoplatte von einer Klassifikations-Software eben nicht als Staubfussel erkannt wurde <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> Dann lieber weniger Daten, dafür aber gute! Aus diesem Grund empfehle ich vor allem Software, die die bereinigten Daten von W. Steinicke verwendet. Das tun u.a. die aktuellen Versionen der kommerziellen Kartenprogramme Skymap Pro und Guide, die tolle Freeware HNSKY oder einige Teleskopcomputer.
Und im Zweifelsfalle hilft immer nur eines: selber nachschauen!
Clear skies,
Tom