Fragen vom Fernglas Neuling

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OlavP

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Hallo alle zusammen,

da ich komplett neu bin im Bereich "Fernglas und Sterne" bin, habe ich mal ein paar allgemeine Fragen zu diesem Thema.
Ich frage mich zum Beispiel worauf es nun beim guten Fernglas für die Nacht ankommt. Vom Teleskop her kenne ich natürlich Faktoren wie Austrittspupille (AP) und Vergrößerung. Anfänger machen ja manchmal den Fehler nur auf Vergrößerung und nicht auf Lichtsammelvermögen zu achten. Wie verhält es sich nun beim Fernglas: Kaufe ich lieber ein Glas mit großer Vergrößerung ca. 15 x 70 und 4,6mm AP (z.B. TS Optics 15 x 70 LE Serie) oder weniger Vergrößerung und mehr Lichtstärke (z.B. TS Optics Hunter 8 x 56 - Weitwinkel Dachkant Fernglas, 7mm AP)?

Was ist der Unterschied bzw. Vor- und Nachteil zwischen Dachkant und der "normalen" Fernglaskonstruktion?

Was ist ein vernünftiges Preis/Leistungsverhältnis beim Fernglas?

Zu welchem Glas würdet ihr mir raten?

Viele Grüße und Danke
Olav
 
Hallo Olav!

Ich will mal versuchen, ein paar Hinweise zu deinen Fragen zu geben:

Kaufe ich lieber ein Glas mit großer Vergrößerung ca. 15 x 70 und 4,6mm AP ... oder weniger Vergrößerung und mehr Lichtstärke?

Ein Fernglas mit großer Vergrößerung (mehr als 10x) kannst du nur mit einem Stativ sinnvoll nutzen, da sonst die natürliche Unruhe deiner Hände so stark mitvergrößert wird, dass du kein brauchbar ruhiges Bild mehr erhältst. Für freihändige Beobachtung ist 8fache bis maximal 10fache Vergrößerung sinnvoll, also max. 8x56, 10x50, evtl. noch 10x60.

Die sinnvolle AP hängt auch von der Qualität deines Himmels ab. Bei starker Aufhellung (z.B. Stadthimmel oder stadtnaher Himmel) ist eine etwas geringere AP sinnvoller (4-5mm), bei dunklem Landhimmel dürfen es auch gerne 6-7 mm sein.

Was ist der Unterschied bzw. Vor- und Nachteil zwischen Dachkant und der "normalen" Fernglaskonstruktion?

Dachkantgläser sind kompakter als Porrogläser (="normale" Konstruktion, wie du es bezeichnest), dafür aber in der Konstruktion und Fertigung komplizierter. In der Regel gilt: Für vergleichbare optische Qualität musst du beim Dachkantglas mehr bezahlen als beim Porroglas.

Was ist ein vernünftiges Preis/Leistungsverhältnis beim Fernglas? Zu welchem Glas würdet ihr mir raten?

Da gibt es leider keine ultimative Antwort, das ist persönliche Ansischtssache (vergleiche mal die vielen Antworten zu vergleichbaren Anfragen!) und hängt u.a. auch von deinem Geldbeutel ab.

Beantworte dir am besten selber diese Fragen:

1. Freihand- oder Stativbeobachtung? (-> Vergrößerung/Öffnung)
2. Welche AP ist für dich sinnvoll?
3. Lieber Porro oder Dachkant?
4. Wie viel Geld kannst/möchtest du investieren?

Und dann schau, was der Markt für dich hergibt. Gut wäre es, wenn du in Frage kommende Gläser selber mal testen könntest.

CS
Michael
 
Hallo Olav,

im Anschluss an Michaels treffende Antworten würde ich noch folgendes ergänzen: Ferngläser mit großen Austrittspupillen (deutlich >5mm) haben prinzipiell kleine Gesichtsfelder.
Daher würde (nicht nur) ich selbst unter einem dunklen Himmel zu (ca.) 5mm AP für ein Erst-/Allroundglas raten. Das ist in den meisten Situationen ausreichend lichtstark und solche Ferngläser (8x40/42, 10x50) liefern dabei ein großes Gesichtsfeld (darauf achten!). Wenn man wirklich dunklen Himmel hat, kann man sich - eher zusätzlich - ein lichtstärkeres Spezialglas (8x50/56, 10x60) anschaffen und damit gezielt nebelige Strukturen (eventuell) besser beobachten.
Bei einem Spezialglas fragt es sich zugleich aber, ob man nicht auch mit der Vergrößerung hochgehen will und Stativeinsatz (+Winkeleinblick?) in Kauf nimmt. Leider bieten die wenigsten Großferngläser zugleich große Austrittspupillen, es tun sich also zwei entgegengesetzte Richtungen auf (höhere Vergrößerung - maximale Lichtstärke).

Lambert Spix empfielt in seinem Fernglasbuch "Fern-Seher" aus guten Gründen ein 8x42 Dachkantglas für den mobilen Einsatz und/oder ein 10x50 Porro für stationäreres freihändiges Beobachten. Ich - und vermutlich viele - kann/können die Sinnhaftigkeit dieser Wahl aus eigener Praxis nur bestätigen. Eine sinnvolle Abwandlung dieser Empfehlung wäre es also - wenn man dunklen Himmel hat(!) -, sich vorerst ein 8x42 anzuschaffen und zusätzlich (später) ein 10x60- oder 11x70-Porroglas, das noch freihändig bedient werden kann. Wenn man keinen sehr dunklen Himmel hat, oder höhere Vergrößerung will, wären Stativgläser die bessere Ergänzung. Einen guten Kompromiss zwischen beiden Richtungen stellt das 15x70 (großes Gesichtsfeld!) dar, das manche auch gerne noch freihändig benützen.

CS
Herbert

 
Hi Olav,

das sind viele Fragen, am besten mal in das Thema einlesen (Internet, Zeitschriften, etc.)
Ferngläser kosten zwischen 50 und 5000€. Gute Porrogläser gibt es ab 100€.


Also ich würde zum Allrounder Porro-Glas 10x50 ggf. 7x50 raten. Sollte nicht zu schwer sein.

Gruß
Lots
 
Ich bin auch noch am Anfang und habe durch diverse Erbschaften, Geschenke und vom hiesigen Gebrauchtmarkt nun 4 Ferngläser. Von den vorhandenen (8x40, 10x50, 10-30x60, 15x70) nutze ich eigentlich nur das 8x40 (freihändig) und das 15x70 (auf Stativ). Ersteres ist fürs Spontane und für das große Gesichtsfeld und letzteres fürs intensivere Beobachten.
 
Danke für Eure Antworten,
die haben mir schon ein ganzes Stück weiter geholfen. Ich denke ich werde mit einem 15x70 einsteigen, denn ein Stativ habe ich. Später kann ich dann erweitern auf ein leichtes Glas für's spontane freihändige durchschauen. Außerdem kenn ich jetzt die Bezeichnungen Porro- und Dachkantgläser. Muß man ja alles erst mal lernen ...

CS
Olav
 
Hallo Olav,

unterschätze nicht die Wichtigkeit von spontanem freihändigen Beobachten bei Ferngläsern. Das ist ihr eigentliches Metier. Wenn du die "Mühen" des Telekop kennst - wie du angedeutet hast - ist das der Ansatz am anderen Ende des Spektrums. 15x70 ist, auf dem Stativ eingesetzt, so gesehen (zu?) nahe am Teleskop. 8x42 ist ein ideales Freihand-Format (auch als komplementäre Ergänzung zum Teleskop).

CS
Herbert
 
Hallo!

Ich muss Herbert Recht geben, der bessere Einstieg ist ein Freihand-Fernglas aus zwei Gründen:

1. Spontane, freihändige Beobachtung ohne erstmal was aufbauen zu müssen. Ich gehe z.B. oft "mal schnell" vor die Tür, wenn ich sehe, dass der Himmel klar ist. Wenn es sein muss, sogar während der Werbepause im TV. :biggrin:
Oder man nimmt das Glas einfach mal mit, ohne Stativ keine sonderliche "Belastung".

2. Das eingeschränkte Blickfeld eines Stativ-Fernglases. Wenn du nicht gerade über ein spezielles Fernglasstativ ("Binomount") verfügst, bleibt der zenitnahe Bereich des Himmels unerreichbar. Bei 60°-70° Höhe ist dann Ende. (Von der dann schon sehr unbequemen Haltung ganz abgesehen!)

Überlege es dir nochmal. Aber egal, wofür du dich letztlich entscheidest ... viel Spaß beim Spechteln! :super:

CS
Michael
 
Hallo Herbert und Michael,

danke für die Hinweise.
Der Punkt bei mir ist, das Fernglas ersetzt mein Teleskop. Jetzt kann ich viel spontaner sein, möchte aber schon noch was sehen am Himmel.
Ich war ja 12" gewohnt. :) So denke ich ist ein 15x70 ganz ok. Vielleicht dann noch ein 8x42 Outdoor-Fernglas für Himmel und Natur in freihand.

Danke auch an alle für Eure schnellen Ratschläge!

CS Olav
 
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